Autor Thema: Schiffe By the deep 17 - Holz, Lack, Salzwasser, Sonnenlicht, Rost und ein wenig Dreck  (Gelesen 81230 mal)

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maxim

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Schiffe Re: By the deep 17 - Holz, Lack, Salzwasser, Sonnenlicht, Rost und ein wenig Dreck
« Antwort #15 am: 12. Juli 2013, 21:50:46 »
Es ist faszinierend, was Dir für Projekte um die Victory herum einfallen!

Der Vergleich der beiden Bauzustände ist auch in Bezug auf die Details für viele andere Schiffe hilfreich.
Im Bau: französischer Eisbrecher L'Astrolabe (Masters of Military)


dafi

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Und hier auch noch die Nachreiche des Threadtitels:

Ganz einfach, es war ein Mal vor langer langer Zeit, da erschallte der Ruf des Lotgasts beim Bestimmen der Wassertiefe "By the Deep 17" aus den Rüsten der Schiffe. Dies hieß es waren etwas über 17 Faden - also ca. 30 Meter - Wassertiefe vorhanden  ...

Die dazu verwendete ca. 20 bis 25 Faden lange Leine (ca. 36 bis 45 Meter) hatte in regelmäßigen Abständen Markierungen, die die Tiefenbestimmung erleichterten. War Grundberührung direkt auf der Markierung ertönte der Ruf "By the Mark XX" und wenn zwischen den Markierunegn lautete der Ruf "By the Deep XX". Die Markierungen lagen bei 2, 3, 5, 7, 10, 13, 15, 17 und 20 Faden.

Diese hatten verschiedene Farben bzw. Ausformungen, laut Nares:
2 Faden Leder mit 2 Streifen, 3 Faden Leder mit 3 Streifen, 5 Faden  weiß, 7 Faden rot, 10 Faden Leder mit Loch, 13 Faden blau, 15 Faden weiß, 17 Faden rot und 20 zwei Knoten.
 
http://en.wikipedia.org/wiki/Sounding_line


Also schnell-schnell eine Leine von 20 Faden erstellt, die Markierungen und das Blei angebracht , Lotsgast richtig eingekleidet und ...



... und das Pfeifen des durch die Luft rauschenden Lots ertönt gefolgt vom Klatschen des Lots auf der Wasseroberfläche :-)













"By the Deep ..."

XXXDAn
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dafi

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So und nun zum nächsten Quantensprung, also mit viel Aufwand möglichst kleine Strecke zurücklegen :-)

Als nächstes standen endlich die Pfortenreeps an. Um eine 1 mm Nadel einen brünierten Kupferdraht gewunden und mit dem feinen Elektrokneifer die Ringe heruntergeschnitten.



Zur weiteren Bearbeitung habe ich die Pinzetten weggelegt und nur mit den feinen Elektrospitzzangen gearbeitet, was den ZischdurchdieGegendinsNirvana-Rate der Teile drastich verringert hat !!!

Nach langen Versuchen habe ich dann folgende Vorgehensweise angewandt: Ring in die Zange ...



... etwas Sekundenkleb an den Faden im Ringbereich ...



... und gut im Gegenzeigersinn gezwirbelt, ergibt ein gutes Spleißimitat, für einen echten Spleiß war der Faden dann doch zu dünn.

Dann vor den Ring gelegt, vorsichtig eingehakt ...



... beherzt zugedrückt ...



... und das Reep ist am Platz. Also ganz einfach und Fertisch ;-)




Die Löcher für das Reep in den Rumpf hatte ich schon vor einer Weile normal senkrecht gebohrt und die kleine Manschette wollte ich ja eigentlich mit einem Tropfen Holzleim faken. Aber ...

... da geht doch bestimmt noch was ;-)

Vor langer Zeit hatte ich hier im Forum bei den WW1 Fliegern die Technik gesehen, aus gezogenen Q-Tips die Schlösser für die Verspannung zu machen. Danke den Herren hierfür!!!
Da ich dünne Röhrchen in schwarz brauche und annahm, dass auch gezogener Gußast sein Querschnittsverhältnis genauso bewahrt habe ich einen 4 mm Gussast mit 2 mm aufgebohrt, Spieße an die Enden ...



... und bei gleichmäßiger Hitze langsam erwärmt. Dann schnell auf die gewünschte Dicke gezogen, die Nadel auf der Seite war der Dickevergleich ...



... den dünnen Ast in 3 mm Schnittchen zerlegt und auf einen 0,1 mm Kupferdraht gegen unerlaubtes Entfernen vom Tatorte gesichert. Vorne noch die Probeteile aufgefädelt auf das Pfortenreep.

Dann ein neues im 45° Winkel nach oben gerichtetes 0,7 mm Loch in das Alte gesetzt und die Röhrchen eingeklebt und auf Länge abgekniffen ...



... die Löcher mit einer Nadel wieder auf rund aufgenoddelt, das Reep mit Kleber stabilisiert und hinein, mit Kleber hinterher und mit der Nadel fixiert.

Und feddisch sieht das dann so aus:







Mit etwas Übung kommt dies bestimmt noch etwas makroaffiner rüber, für das normale Auge fand ich es aber schon ganz passend :-)

Lieber Gruß, Daniel
« Letzte Änderung: 17. Juli 2013, 12:12:25 von dafi »
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wefalck

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Und das dann 200 mal ?

wefalck

dafi

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Du spielst an mein Hauptprojekt an, die ganze Vic ?!? So wie ich mich kenne - und meine ganze Dicke - bestimmt ja es wird bestimmt stärker als ich :-)

Mittlerweile hab ich aber die Prozedur vom Ablauf durch Vormontagen vereinfachen können, so dass der Frickelkram jetzt schon außerhalb des Schiffes in Ruhe erledigt werden kann.

Und dann noch ein kleiner Trost für mich ...

... es sind nur 166 mal :-)

DAniel
« Letzte Änderung: 18. Juli 2013, 19:15:40 von dafi »
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dafi

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Mittlerweile hab ich das Lot auf einen wertvollen Hinweis hin etwas gekürzt, die selbst gegossenen Anker probeweise drangehängt und das sieht dann so aus:









Danach die Kanonen vorbildsgemäß festgelascht ...



... dann angefangen die neuen Ätzteil Finknetzhalter auszuprobieren ...





... und verzurrt ...



... :-)

XXXDAn
« Letzte Änderung: 20. Juli 2013, 09:39:06 von dafi »
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maxim

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Wollte schon sagen, dass man die Taue an den Kanonen gar nicht sieht - aber auf einem Foto des eingebauten Zustands sieht man sie.

Sieht wirklich gut aus!
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Graf Spee

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Nun will ich auch mal ;)

Was Du hier zeigst finde ich sehr interessant und lehrreich. :1:
Ist zwar nicht mein (Interessen-)Bereich aber echt toll gemacht :P :P

:winken:
Handle nur nach derjenigen Maxime,
durch die du zugleich wollen kannst,
dass sie ein allgemeines Gesetz werde.



dafi

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Danke, es ist immer wieder auch für mich überraschend wohin sich die Reise bei mir entwickelt.

Im letzten Beitrag hatte ich noch die Anker unterschlagen ...

Nachdem ich einige verschiedene Ankergrößen machen musste, hab ich die Chance genutzt, die Ankerherstellung selber noch etwas detaillierter zu dokumentieren.

Zuerst Plan in richtiger Größe ausdrucken, doppelseitigen Tesafilm drauf und Poly-Profile aus der Evergreen-Ecke im richtigen Durchmesser zugeschnitten, draufgeklebt und die Fügestelle mit Sekundenkleber verfüllt ...



... gelöst und andere Seite auch verklebt. Da sich die Arme verjüngen müssen, klebe ich vorne einen kleinen Bürzel im Endmaß drauf, dieser dient als Zielvorgabe.



Dann mit der Feile großflächig vom Schaft bis zum Bürzel feilen ...



... bis die Stufe am Bürzel weg ist und umdrehen.
Da bei der zweiten Seite ja schon ein Winkel drin ist, unterstütze ich den in der Luft hängenden anderen Arm mit etwas Sheet, um eine stabile Arbeitsauflage zum Weiterfeilen zu haben.



Hier nochmals aus anderer Perspektive:
vorher ...



... nachher.



Jetzt kommt der Knick in die Arme, dazu Edding auf die zu bearbeitende Fläche ...



... und man sieht ganz schön, wo und was man gearbeitet hat.



Zum Arbeiten ist hier eine kleine Plexischeibe ganz gut, da deren Seitenfläche ganz gut beim Ausrichten der Feile helfen kann.



Dann den Throat, die Rundung zwischen Schaft und Arm feilen. Diese ist in diesem Zeitalter sehr klein. Spätere Ankertypen haben hier bedeutend mehr Material.



Das Feilen selber ist einfach ...



... nur beide Seiten gleich zu bekommen benötigt vorsichtiges Rantasten.



Dann Schaft und Arme gefärbt und im selbstgebauten Prismahalter die Fasen gefeilt ...



... Loch für den Ring gebohrt und schon ist das Meiste getan.



Auf meiner kleinen Ablängbank das Sheet für die Fluken vorbereitet ...



... aufgeklebt, abgekniffen ...



... versäubert und feddisch :-)



Und hier Familienbild mit den einzigen dazu benötigten Werkzeugen!

Lieber Gruß, Daniel
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Flugwuzzi

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 8o Wow, tolle Infos und großartiges Endergebnis!

Danke für die Bilder und deine Berichte.

lg
Walter
MACHEN ist wie WOLLEN ... nur viel besser!

Hans

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Falls du tatsächlich mal dünnste Röhrchen in abgemessenen Längen in grösseren Mengen brauchst:

http://www.albionalloys.co.uk/cut-to-length

Albion beliefert auch etliche deutsche Modellbauhändler, grad auch Schiffmodellhändler.

H.
Poly(1-phenylethan-1,2-diyl) makes it all

dafi

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Danke Walter und Hans!

Hans, Extra Dank für den Link, ist notiert :-)

Lieber Gruß, Daniel
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Der Hoff

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Flugwuzzi hats schon geschrieben, WOW!!!

Ich mag Wände, denn die sind so glatt!!!

dafi

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Danke :-)

Achtung Wurmzeichen ...



... es geht wieder weiter. Was das ist? Nächstes Bild und es ist sonneklar - Dafi ist ein fauler Hund und will das Duzend Anker, dass er für seine Projekte braucht, nicht alle von Hand machen :-)



Und dann kamen die hübschen Teilchen feingeordnet auf eine kleine Inka-Opfer-Plattform, also auf ein stufenförmiges Podest, Lego drumrum und mit Silikon abgegossen.



Durch die stufenförmige Plattform benötigte ich dann für das Harzgießen keine Legoform denn ich habe ja dadurch eine tolle Form mit eingebautem Rand. Dann noch einen Holzkern für die Ankerschäfte und abgegossen und rausgeholt und gekotzt ...



... und eigene Dummheit verflucht, denn wer will schon so dick gegossene Teile versäubern. Also im nächste Versuch einen Polymittelbalken- gut einsilikonsprayiert versteht sich - etwas weniger Harz und vor allem gleich nach dem Gießen in jede Hälfte ein kleines Sheet eingedrückt damit das überflüssige Material verdrängt wird ...



... und so konnten die Teile dann fast ohne Nacharbeit abgespalten werden :-)


Hier noch der erste Versuch einen Ankerschaft aus Holz zu machen, aber das war zu weich für scharfe Kanten, also Schuster blieb bei seinen Leisten, also Plastikant bleibt Plastikant und deswegen dann wie vorher beschrieben ABS-Stab, rot mit Edding angemalt und die Phasen des Achtecks sauber nach Sicht gefeilt ...



... und hier der neue Anker im Vergleich mit dem, der meinem Heller-Bausatz beilag ...



... viel zu rund und mit zu kurzen Armen und der Grund für den ganzen Aufwand.


Danach eine kleine Spielfläche eingezäunt, den Anker auf drei Nadelspitzen in der gewünschten Höhe aufgebockt ...



... und Silikon hinein.

Beim ersten Versuch eine zweiteilige Form zu machen hatte ich am Ende einen soliden und schön einteiligen Silikonklotz, darum um der Vernetzung des Silikons vorzubeugen über Nacht gewartet, massig Silikonspray über Teil und Form und dann noch dick Vaseline an den Rand, damit ja nichts schiefgeht bei der wohlwollenden Trennung:-)

Dann die Form mit Harz gefüllt ...



... und heraus kamen ...



... natürlich viele Luftblasen. Also einige Tropfen Harz angerührt, Teile wieder in die Form und das Harz in die richtige Stelle und siehe da, Teile kamen geheilt heraus :-)



Mittlerweile arbeite ich auf wertvolle Hinweise hin nach der Waffeleisenmethode, also beide Hälften separat zu befüllen und dann schnell zusammenzuquetschen, wenn das Harz am Abbinden ist. Hat die Ausschussquote radikal gesenkt.



Dann noch ein bisschen versäubern, omala und trockenbrushen und man hat einen süßen kleinen Satz Anker, die Länge passt auch genau zum Schiff, als ob es eine Maßanfertigung gewesen wäre ;-)



 

Was man auf dem letzten Bild schön sieht, ist der Spalt zwischen den beiden Ankerstockhälften. Ganz tricky System. Durch die konische Form der Arme und die Stockbänder musste man nur, wenn der Ankerschaft lommelig in den Armen saß, die Bänder weiter reintreiben, der Spalt ging dadurch zu und das ganze System war wieder bombenfest.

Sodele, das wars, Daniel
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dafi

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Mittlerweile sah es so aus, als ob ich unter die Kaffeeröster gegangen wäre ...



... das passiert, wenn die deutsche Beschriftung neben den Fahrenheit steht und die englische neben den Grad Celsius, und da das dafi blind wie ein Huhn ist für alles über Größe 0,5 mm ...



... schön schwarz und aufgequollen bei 230° Celsius anstatt 110° Celsius ...



.... also das Fimo noch ein Mal rausgeholt ...



... erst eine Kugel zu dickem Würstchen gemacht, dann mit dem Brettchen mit 4 mm Abstandhalter zu 4 mm Würstchen gedreht, dann die Platte umgedreht und auf der Seite mit 3 mm Abstandshalter zu 3 mm Würstchen verarbeitet.
Dann den Rechen  mit Drähten im 2 mm Abstand genommen um die Schnürungen einzuwalzen ...



... gebogen und neu auf dem Backblech verteilt und diesmal in der richtigen Temperatur gebacken.



Lustig die ersten aufgeblasenen Schwarzbohnen im Vergleich. Und heraus kam ein nettes Häufchen :-)



Dann noch die Berührungsflächen abgeschliffen ...



... und die Teile aneinandergeklebt, dabei etwas die Schwere der Teile in den Netzen beachtet.







So das ist noch die Rohfassung, Farbe wird bestimmt einfacher als die Netze, datt wird noch lustick.

Lieber Gruß, Daniel
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