Autor Thema: Schiffe By the deep 17 - Holz, Lack, Salzwasser, Sonnenlicht, Rost und ein wenig Dreck  (Gelesen 81231 mal)

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dafi

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Schiffe Re: By the deep 17 - Holz, Lack, Salzwasser, Sonnenlicht, Rost und ein wenig Dreck
« Antwort #30 am: 27. Juli 2013, 17:41:37 »
Sodele, Mr. Wright, the Bosums Mate dachte noch, dass einige wohlgezielte Ermahnungen mit seinem Starter - einem kurzen aber schlagkräftigen Tau - eine viel aufgeräumtere untere Kante ergeben könnten ...





... und er behielt Recht :-)

Die Halter sind noch aufgebogen um einfacher arbeiten zu können und die schwarze Verschnürung sind nur zu Orientierungszwecken dran.


Bis hierher hatte ich ja noch gute Zuversicht, wie das Ergebnis gehen würde, kam anders und besser als gedacht, aber ich hatte eine Vorstellung wie es aussehen könnte.

Was jetzt kam? Davor hatte ich Bammel ...

Am Bug und den Fighting Tops hatte ich schon Netze gespannt. Aber das Material war recht störrisch, so wer weiß was jetzt kommen sollte ...

... also wie in den ersten Versuchen meine Gaze im Papprahmen eingespannt  ...



... und dick mit Beige eingepinselt, dann stellenweise mit Weiß etwas aufgehellt und mit sehr verdünnter Ink verschmutzt ...



... so dass man gut erkennen kann, wie das Netz viel homogener wird.

Dann ein Mal provisorisch eingesetzt, es war recht schwierig, da die Löcher immer an den Stützen hängen blieben ...



... aber die Richtung könnte stimmen.



Dann einfach einige Handlingsversuche auf dem Trockenen gemacht ...



... und gemerkt, dass die Rollrichtung des Netzes nicht nach innen, sondern nach außen gehen sollte.

Dann als Gedankenblitz zwei Papierstreifen als praktische Einführhilfe in die Rahmen gesteckt und es gab kein Gahakel mehr :-)



Den vorderen Streifen rausgenommen, die Oberkante an der Schnur ausgerichtet ...



... und mit einem dünnen Hölzchen auf der ganzen Länge Sekundenkleber aufgebracht.

Dann mit den Matten das Netz gut runtergedrückt ...



... das hintere Papier und auch die Matten rausgezogen, mit einer feinen Pinzette das Netz fixiert und mit Sekundenkleber von hinten verklebt.



Dann auf Länge gebracht ...



... und das Heikelste, mit spitzester und schärfster Nagelschere die Oberkanten versäubert ohne das dajintere liegende Seil abzuknapsen.



Und sieht doch schon ganz spannend aus :-)





Und dann noch was Spannendes: die Kolorierung der Hängematten in meiner mittlerweile geliebten Plakatechnik in vielen verschiedenen Nuancen ...



... probeliegen ob die Schattierungen unter dem Netz funktionieren ...



... noch etwas farbliche Differenzierung mit verschiedenen Ockertönen ...



... aufgesetzt ...



... und eingeschoben :-)



Ich denke Mal gut genuch für ein Versucherle :-)





Ach ja, man sieht es ganz links - das Tic-Tac würde da gar nicht rein passen ...

Daniel

« Letzte Änderung: 27. Juli 2013, 17:43:43 von dafi »
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bughunter

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Der absolute Wahnsinn! Sooooo viele Details an diesem schönen Schiff! :respekt:
Ich habe mich mal durch Deinen im Footer verlinkten Baubericht gekämpft (ok, noch nicht ganz), jedes noch so kleine Detail ist mit viel Hingabe erstellt worden und trägt zum fantastischen Gesamteindruck bei. Viel Erfolg und Spaß beim weiteren Bau!

Wikipedia sagt: "Ein Modell ist ein vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit."
Deshalb baue ich lieber verkleinerte Originale.

StiftRoyal

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Absolut gigantisch was du hier bastelst! Die Details, die Bemalung...hier passt alles!

Update 30.12.2013 A6 Intruder + A6m5 Zero "Wonsan" + U-VIIC...

nuggetier

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Immer wenn man meint, das absolute Maximum ist schon erreicht, kommt nochmal was drauf.
Wahnsinn! :klatsch:
 :winken:
Fertig gebaute Modelle seit ich hier angemeldet bin: Porsche 356 B/C 1:24, ---  Umbau/Streckung ägyptische Figur "Sobek";
Angefangene Bauberichte:  "Rio Magdalena" 1:160, "Ghostbusters Cadillac", diverse "Citroen B14" 1:24, "Mississippi Queen" 1:271 http://www.modellboard.net/index.php?topic=43112.msg643463#msg643463, "Mississippi-Schauferaddampfer" 1:250, "Burgmodell" 1:400, "Odawara-Castle" 1:350, "Burg Eltz" Scratchbau 1:160, Umbau - aus '34er Ford wird ein Mercedes C

Helge

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Waaaahnsinn!!!! ........... ich weiss garnicht was ich sonst schreiben soll!!!

Es sieht einfach nur gigantisch aus bisher und der BB ist echt lehrreich, Hut ab!!!!

Helge
Wenn Du denkst es geht nicht mehr, dann .... Dann gib einfach auf!

dafi

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Danke der anerkennenden Worte, man ist bemüht :-)


Und da ich gerade die nächsten Bauschritte vorbereiten muss, hier ein Mal ein ganz beschixxenes Thema:

Watt mutt - datt mutt ...

Und auch der Seemann muss manchmal ...

Auch noch heute werden im Englischen die Schiffstoiletten "Heads" genannt, da sich die Toiletten für den gemeinen Seemann in der Gallion befanden. Mit dem Wind von achtern und der automatischen Wasserspülung von vorne, bestimmt ein angenehmes Plätzche um sein Gschäftle zu verrichten.

Dass es hier - zumindest bei gutem Wetter - eng zuging, lässt natürlich ein Blick auf ein Modell erst so richtig erahnen, wenn es bevölkert wird. In der Mitte sind zwei Doppelstühle - es passen tatsächlich zwei Ables auf den Stuhl und es ist nett kuschelich ;-) - und zwei in den Ecken



Und im Sommer sogar mit Schattenspender, der Mariners Walk.



Also da ergibt sich bei mir folgender Gedankenansatz: rein rechnerisch bei 800 Mann Mannschaften und 6 Toiletten kommen wir auf folgenden möglichen optimalen Durchsatz:

800 Mannschaft / 6 Sitzplätze ergibt 133 Mann / Platz

Im optimierten 24 Stunden Rundumbetrieb kommen wir zu folgender Berechnungsgrundlage:

24 Stunden = 1440 Minuten

1440 Minuten / 133 Mann = 10,5 Minuten / Mann pro Tag bei 24 Stundenbetrieb und optimierter Vollbelegung. Dies setzt aber voraus, dass der Nächste immer schon dasteht, damit der Sitz nicht kalt wird.

Nimmt man im Gegenzug an, dass einige Tages- bzw. Nachtzeiten nicht so gut besucht waren sowohl was die Frequenz wie die Belegung angeht, so bleiben dem Seemann viel weniger effektive Zeit für die tägliche Erleichterung. Zieht man dazu noch in Betracht, dass Verstopfung ein scheinbar weit verbreitetes Übel war, und dieses bekanntermaßen eine höhere Verweildauer produziert, so kann eigentlich postuliert werden, dass da vorne - vorausgesetzt Tageszeit, Wetter und Dienstplan es zulassen - ein recht reger Andrang geherrscht haben muss.

In dieser Rechnung sind nur die Geschäfte "groß" in Konsideration gezogen worden. Für die Geschäfte "klein" wäre meines Erachtens auch noch ein Mal ein ganzer Schwung Seeleute im Vorgange des sich Erleichterns durch die Netze dort auf der Gallion anzusiedeln, so weit diese nicht in irgendwelchen leeseitigen Rüstbrettern hingen - one Hand to the ship and one for yourself ;-)


Folgende Überlegung und Berechnung kann den Vergnügungsfaktor dieser Sanitärlösung belegen:

Kurze Recherche ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Aktualität und Richtigkeit:

Niedersächsische Versammlungsstättenverordnung (NVStättVO) *) 
Vom 8.11.2004 (Nds.GVBl. Nr.32/2004 S.426), geändert durch VO v. 22.4.2005 (Nds.GVBl. Nr.9)
schreibt folgende Minimalausstattung für Veranstaltungen vor:
800 Besucher nach Formel 800:100 x 0,8 = 7 Herrentoilettensitzausführung und 800:100 x 1,2 = 10 Urinale (immer aufgerundet)


Dgegen schreibt die Arbeitsstätten-Richtlinie, ArbStätt 5.037.1, vom 26. Juni 1976 (ArbSch. 9/1976 S. 322) Folgendes vor:
bis 250 Beschäftigte 10 Toiletten, 10 Bedürfnisstände, das heißt für 800 wären dies entsprechend mehr, wahrscheinlich würden über 30 Sitzplätze benötigt.

Das bringt uns zu folgender Schlussfolgerung in Anbetracht der 6 zur Verfügung stehenden Sitzplätze im Bug der Vic:
Nur als Veranstaltung könnte im Umkehrschluss die Anzahl der Toilettenplätze auf dem Schiff in der per Gesetz vorgegebene Menge als genügend angesehen werden.
Als Arbeitsstätte wäre mindestens die dreifache Menge an Plätzen von Nöten.

Es handelt sich also bei den Schiffen wie der Vic damit laut Niedersächsische Versammlungsstättenverordnung ganz klar um Vergnügungsveranstaltungen!
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Käptn dafi, Ende ;-)
« Letzte Änderung: 30. Juli 2013, 18:14:12 von dafi »
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Holla 8o... Dann sollte man aber auch nicht ein entsprechendes "Weathering" in genannten Bereichen des Schiffes vergessen :6: SCNR :D
Einer der mehr Ahnung hatte als ich sagte mal: Manchmal verspeist man den Bären, und manchmal wird man eben vom Bären verspeist.

Der Hoff

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Das "Weathering" würde aber beschtimmt gut ausschaun  ;)

Tolle Arbeit  :P
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dafi

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maxim

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Hast Du ähnliche Berechnungen auch schon für die Offizierstoiletten angestellt? Waren die nur auf dem untersten Deck mit seitlichen Galerien Oder waren die übereinander auf allen drei Decks?  8o
Im Bau: französischer Eisbrecher L'Astrolabe (Masters of Military)


dafi

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Nicht beachtet sind hier natürlich die Rundhäuser am Bug für die niederen Offiziere ...



... die Heckgallerien für die Offiziere ...





... und die Unmengen Eimer, die für schlechtes Wetter herhalten mussten - Bucket and chuck-it :-)

Bei den Heckgalerien waren tatsächlich auch alle Plätze in den drei Ebenen strikt nach Rang vergeben. Admiral und Kapitän hatten ihren eigenen Fensterplatz, andere Dienstgrade mussten sich jeweis zusammen ein Fensterplätzchen teilen.

Auf den Zeichnungen der Holländer in 17 Jahrhundert sind übrigens an den Heckgallerien häufig Quasteln zu sehen, die evtl. zum Ausputzen gedient haben könnten.

Für die Eminenzen gab es dann noch ein Stuhlmöbel mit eingebautem Potty in den großen Kabinen, so wie es heute noch auf der Vic ausgestellt ist.


Um die ganze Chose am Bug vorbei an den elementaren konstruktiven Teilen zu führen, gab es die Köttelrutschen und Rohre:

Hier die Rutsche an der Vic





Die Rohre an der Queen Charlotte zur Entsorgung der Rundhäuser in der Zeichnung von Louterbourg waren evtl eine Hafenadaptrion, da hier die reinigenden Wellen fehlten. Auch an einem Modell der Royal Louis (?) ist dies zu erkennen.

Auch in den Großrüsten war bei den Engländern eine Weile eine kleine Kabine zu finden, von der ich keine andere Verwendung kennen würde:

Gruß, Daniel

Anhänge wurden entfernt.
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GS


Edit Daniel: Beanstandete Dateien gelöscht und Text korrigiert. :-)
« Letzte Änderung: 04. August 2013, 23:38:33 von dafi »
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Uwe K.

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Toll gemacht und super erklärt/illustriert.
Vielen Dank dafür.
Uwe

maxim

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Die zusätzlichen Toiletten mittschiffs gab es auch später wieder bei den ersten Panzerschiffen der 1860er... Finde allerdings gerade kein passendes Foto.

Was ich mir aber nicht vorstellen kann, wie das mit den Toiletten in den Decks übereinander in den Seitengalerien funktioniert. Scheißt der Käptn den niederen Offizieren auf den Kopf!? Oder gibt es da mehrere parallele Röhren, die unterhalb der Galerie austreten?
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dafi

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Meine bisher stärkste Vermutung: Bleirohre im Inneren. An einigen Stellen auch andeutungsweise erwähnt, aber nie so ganz als Fakt belastbar.

Eine wunderbare zeitgenössische Quelle, die ich erst neulich gefunden habe, macht sich auch lustig, dass die Sonntagsausflügler, die damals um die Schiffe ruderten, nicht zu nahe unter Bug und Heck fahren sollten, um die Schnitzereien zu bewundern ...

Gruß, Daniel
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Der Hoff

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Gibts da eigentlich einen Nachweis, dass die Schiffe mit der Zeit immer schneller fuhren. Die wurden ja minütlich leichter   :D

Danke für die ganzen Infos. Solch einen Schei... kann man ja sonst garnicht wissen  :6:
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