Autor Thema:  Keramikteile kleben  (Gelesen 711 mal)

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Drache74

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Keramikteile kleben
« am: 17. März 2018, 12:51:46 »
Hallo Mitkleber,

ich hoffe, ich bin mit dem Thema hier richtig. Wenn nicht bitte verschieben.

Ich habe mir ein Bausatz bestellt, der aus Keramik ist. Die Straßenszene ist von Add On Parts und sieht qualitativ auch sehr gut aus. Bei der Kontrolle habe ich festgestellt, das wo auch immer, beim Transport, lagern ect ein paar Teile gebrochen sind. Ich habe die mal grob zusammengesetzt. Man müsste es eigentlich ohne große Sichtfugen zusammensetzen können. Der Packung lag noch ein kleines Tütchen"Ceramic Glue" bei. Ich geh davon aus, das dies dazu gedacht ist, die Teile miteinander zu verbinden und wird für die Reparatur nicht reichen. Womit kann ich die abgebrochenen Teile wieder ankleben? Oder kann ich mir im Bastelshop Keramikpulver kaufen und wieder verbinden? Sorry für die Frage, ist mein erster Bausatz aus Keramik.

Viele Grüße
Drache74

Hans

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Re: Keramikteile kleben
« Antwort #1 am: 17. März 2018, 13:17:32 »
Ist halt wieder mal die Frage, was "Ceramic" eigentlich ist. Ein 2K-Kunststoff, sehr glatt, nicht saugend (einfach nen Tropfen Wasser drauf), dann geht Sekundenkleber, am besten die Gel-Variante. Ist es ein saugender, gipsähnlicher Guß, geht jeder Zellstoffkleber aka Bastelkleber zB von UHU die Flinke Flasche oder von Tesa. Egal, ob wasserlöslich oder nicht.

H.
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Drache74

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Re: Keramikteile kleben
« Antwort #2 am: 17. März 2018, 13:28:06 »
Ich dachte das Zeug ist sowas wie Gips? Ich guck mal was da geht. Ob das Zeug jetzt saugt wie bei Gips kann ich nicht sagen, da ich es eben erst bekommen undn ausgepackt hab. Und dieser "Ceramic Glue" ist auch wie Gips von der Konsistenz, also ein kleiner Beutel mit "Staub"

Viele Grüße
Drache74

Ps.: Grad getestet. Wasser wird aufgesaugt.
« Letzte Änderung: 17. März 2018, 13:30:36 von Drache74 »

Hans

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Re: Keramikteile kleben
« Antwort #3 am: 17. März 2018, 17:15:02 »
Dann geht Zellstoffkleber gut.

"Ceramic" ist halt auch wieder so ein Gattungsbegriff, der unscharf ist. Keramik ist ja eigentlich gebrannte Ware im weitesten Sinn. "Giesskeramik" ist synthetischer Gips (der auf English plaster heisst), lufttrocknend. Und sowas gibts in unterschiedlichen Härtegraden und offenporig und ganz dicht. Das kann sich kreidig, gipsig anfassen bis hin zu hart, porzelanähnlich. Wie bei den Hartgipsen des Zahnarztes, die sind auch alle synthetisch.

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Drache74

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Re: Keramikteile kleben
« Antwort #4 am: 17. März 2018, 18:30:28 »
Super Hans,

vielen Dank für die Hilfe und umfassende Antwort. Wieder was gelernt. Ich werde das dann mal probieren. Aber es gibt ja von z.B. Keraflott so Gießkeramik. Könnte man das damit auch "kleben", wenn man sowas anmischt, nur mal als reine Information. Bzw hat das dann aucheine haltende Kraft? Weil wie gesagt, der Packung lag ja so ein Beutelchen mit Gipsähnlichem bei, was man mit Wasser anmischen soll. Ich würde jetzt aber mal drauf tippen, sonst hätte man den Beutel ja nicht beigelegt.

Viele Grüße
Drache74

Hans

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Re: Keramikteile kleben
« Antwort #5 am: 17. März 2018, 23:10:08 »
Echten Gips kann man schon anschlickern, ähnlich wie auch echte Keramik. Bei den Giesskeramiken weiss ich das schlicht nicht. Aber das Material ist sicherlich erheblich dicker im Auftrag als Klebstoff. Wenn ich das Material spaltenfüllend kleben wollte, dann entweder mit verdicktem Zellstoffkleber (also zB Gips in den Kleber einrühren) oder besser mit 2K-Epoxy-Kleber.
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Drache74

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Re: Keramikteile kleben
« Antwort #6 am: 18. März 2018, 14:02:59 »
Hallo Hans,

ich werde beides mal ausprobieren. Zum einen, wie Du geschrieben hast mit dem Kleber, die flinke Flasche habe ich hier und ich werde mal schauen, ob ich das Keramikpulver bekomme und teste das ebenfalls mal. Ich werde dann hier berichten, wird nur einen Moment dauern.

Viele Grüße und vielen Dank Hans
Drache74

pucki

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Re: Keramikteile kleben
« Antwort #7 am: 21. März 2018, 15:35:17 »
Ich arbeite viel mit Keraflott und ich kann mir nicht vorstellen das es überhaupt irgendwas jemals zusammenfügt. Das Zeug ist super, ist nach den Anrühren in der Konsistenz wie lecker Sahne, fließt perfekt und blasenfrei in jede Ecke. Wenn es trocken ist, was sehr schnell geht ist es so hart das ich es schon gebohrt habe mit ein Dremel und mit einer Laubsäge gesägt habe. Letztes war am sehr harte Arbeit. Man kann es sogar mit Maschinen schleifen.

Was aber nicht geht. Es verbindet sich nicht einmal mit sich selbst. Ein Stück "dran gießen" geht definitiv nicht. Ich habe es mal versucht. Hat 0 gehalten. Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, das es mit irgendwas anderen sich verbindet.

Ich persönlich würde also zu Spezialklebern raten. 2k-Kleber, Sekundenkleber, etc. notfalls den Kleber 2 x auftragen. Das heißt dünn auftragen, 1 min warten, dann noch mal auftragen, und erst wenn an der Oberfläche eine Klebefläche entsteht, die Teile zusammenfügen. Das verhindert das der Kleber bei einen porigen Material in das Material fließt und sich nicht mit sich selbst verbindet. Das Material muss selbst "gesättigt" sein.

Gruß

   Pucki
Ich bin PucKi, ein älterer Mann und überzeugter Single, der immer noch versucht ein perfektes Modell zu bauen.

Drache74

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Re: Keramikteile kleben
« Antwort #8 am: 21. März 2018, 20:19:18 »
Hallo Pucki,

vielen Dank für Deine Antwort und Aussage. Ich habe die Teile gestern abend noch mit Tesa "Flinke Flasche" geklebt, das hat super geklappt. Kann sein dass ich noch ein wenig was nacharbeiten muss, damit man nichts mehr sieht, aber im groben und ganzen bin ich soweit zufrieden.

Das Keraflott war hier nur als Beispiel genannt, da es ja verschiedene Hersteller und somit wahrscheinlich auch verschiedene "Rezepte" der Materialien gibt.

Ich denke, bei Gips müsste es funktionieren, wenn man da 2 Teile mit Gips zusammenfügen würde. Aber ich kenne mich mit dem Keramikzeugs nicht so aus. Welcher Hersteller ist denn so der führende was diese Keramikgießmassen betrifft, kennt sich da jemand aus? Ich hab da im Moment Spaß an dem Keramikzeug dran gefunden und würde gern selbst mal was abgießen...in absehbarer Zeit.

Muss ich von jedem Teil was ich herstelle, erst ein Original bauen und dann eine Form anfertigen mit Silikon und dann abgießen, oder kann ich dann auch zum Beispiel eine Base sauber und glatt abgießen und dann z.B. eine Straße herausarbeiten?

Viele Grüße
Drache74

pucki

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Re: Keramikteile kleben
« Antwort #9 am: 24. März 2018, 18:40:04 »
Naja. Jedes Zeug ist irgendwie anders. ;)

Ich arbeite gerne mit den Keraflott für Abgüsse.  Ich gebe dir mal ein Beispiel aus meiner Praxis.  Ich habe vor ca. 2 Jahren ein Schachfigurenset gekauft.

Ohne Witz. Das hat die Technik eines Kondoms. Zur Verarbeitung habe ich in ein Kartondeckel ein Loch geschnitten, und dann diese Tülle falsch herum rein gehängt. Dann habe ich nach Anleitung das Keraflott aufgesetzt. Das Resultat war eine leicht dreckige Sahne ähnliche Flüssigkeit. Diese habe ich dann in diese Tülle gegossen und dann die problematischen Stellen (Das Kreuz des Königs z.b.) man von außen etwas "gequetscht" um zu verhindern das ich eine Luftblase eingeschlossen habe.

Nach ca. 2 Stunden (Der Hersteller sagt bedeutend weniger) habe ich dann das "Kondom" unter warmen Wasser etwas geschmeidig gemacht, und der Schachfigur danach einfach abgezogen.

Das Ergebnis was sehr sehr gut. Perfekte klasse glatte Oberfläche. Keinerlei Lufteinschlüsse (Löcher o.ä.). 

Allerdings habe ich bei der Dame etwas zu viel Masse eingesetzt, so das sie zu hoch war. Ich habe dann versucht das Material zu bearbeiten. Dabei habe ich folgendes festgestellt. :  Ich weiß nicht ob es wirklich Keramik ist, aber was die Härte angeht, ist es das ;) Ich habe mit Laubsäge und Dremel meine Mühe gehabt ein Stück abzubekommen. Das Resultat war, das ich die Figur neu gegossen habe.

Ich sage NICHT, das es unzerstörbar ist, (mir ist der Hals eines Bauern's abgebrochen als ich drauf getreten bin. ABER im Gegensatz zu Modellgips liegen hier was Härte angeht, Welten dazwischen.

Wenn du danach noch in den Material arbeiten willst, und Muster malen willst, muß du entweder eine Dremel mit Fräser nutzen oder ein anderes Material wählen.  Wenn du aber etwas abformen willst, ist Keraflott in mein Augen eine sehr gute, wenn auch nicht sehr preiswerte Lösung (5 KG = 20 Euro ca. ) .

Was das abformen angeht. Eine sehr günstige und im Youtube-Video sehr einfach Lösung ist das abfomen mit billig Silikon aus den Baumarkt. Ich habe es in einigen Videos gesehen, aber selbst noch nie ausprobiert.

Solltest du aber mit Gießmassen arbeiten, kauf dir im Baumarkt so ein kleinen schwarzen Becher aus Gummi. Verkauft wird er unter den Begriff : GIPSBECHER. Der ist eine Investition fürs Leben und ist problemlos zu reinigen. Besonders dann wenn die Gießmasse in ihm getrocknet ist. Einfach in einer Mülltüte etwas quetschen, und er ist Blitz sauber. Und man kann ihn beim Gießen eine "Schnutte" formen

Gruß

   Pucki
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Drache74

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Re: Keramikteile kleben
« Antwort #10 am: 06. April 2018, 13:52:51 »
Hi Pucki,

sorry, dass ich jetzt erst schreibe, aber ich war lange nicht hier online. Lässt sich das Keraflott einigermassen gut bearbeiten, wenn es hart ist? Sprich schleifen, ritzen ect...?? Ansonsten weiche ich auf eine andere Keramikgießmasse aus.

Viele Grüße
Drache74

pucki

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Re: Keramikteile kleben
« Antwort #11 am: 06. April 2018, 14:38:12 »
sorry, dass ich jetzt erst schreibe, aber ich war lange nicht hier online. Lässt sich das Keraflott einigermassen gut bearbeiten, wenn es hart ist? Sprich schleifen, ritzen ect...?? Ansonsten weiche ich auf eine andere Keramikgießmasse aus.

Gut ist relativ. ;)

Ich kann dazu nur Infos zu Erfahrungen geben die ich selbst gemacht habe. 

1.) Das Zeug ist ca. 10-15 min. super zu verarbeiten. Ich halte mich dabei perfekt an die Vorgaben des Herstellers. Läuft wie Schlagsahne (ähnliche Konsitenz) aus den Gummitopf.  Wann man es weiterverarbeiten kann weiß ich nicht, da ich so was i.d.R. über Nacht stehen lasse nach den gießen. Danach habe ich ein schneeweißen Rohling in der Hand der so gut wie nicht "staubt" .

2.) Nach so einer Nacht ist das Zeug sehr Hart. Das bedeutet. Man kann es mit Modellbaumaschinen (Proxxon mircomot/Dremel) bearbeiten. Ich selbst habe mit einen Dremel (1 Serie) schnell sehr gute Ergebnisse erzieht.

Ich wollte man den Fuß einer Schachfigur kürzen und habe dazu die Laubsäge benutzt. Es ging aber es war sehr mühselig. Schleifen (wenn nötig lässt es sich sehr gut. allerdings muss man dann mit einer leicht rauen Oberfläche leben.

Ich schildere dir das deshalb, damit du Praxisnahe Werte bekommst über die Härte.

Was mir persönlich sehr wichtig ist. Es ist 100 x Besser, als das was man im alle gemeinen als Modellgips verkauft. Härter und weniger Feuchtigkeit in Abguss. Und bei langsamen schütten aus den Gummibecher (Kostet 3-4 Euro im Baumarkt und ist eine Investition fürs Leben ;) ) hat das Objekt keine Blasen. Bei Modellgips habe ich immer welche gehabt.

Der wichtigste Nachteil ist der Preis.  Ein 5 KG Sack liegt bei ca. 20 Euro + VK wenn nötig (über Amazon bestellt). Diese Gebinde-Größe ist von Preis-/Leistungsverhältnis für Leute wie uns optimal. Leider sind die bei mir nötig da ich kein Händler / Baumarkt vor Ort kenne die das Produkt führen.


Was dein Ritzen angeht, so würde ich darauf achten das es eine HARTE Nadel o.s. ist. Wie gesagt das Zeug kann einiges ab. Ist aber wie immer eine Sache der Übung.

Zum Vergleich. Ein Dremel mit Fräskopf an ein Modellgips-Objekt und das Objekt ist schnell zerstört *tested*.  Jedenfalls bei meinen Versuchen mit Modellgips aus den Baumarkt.

Ich hoffe ich konnte dir mit den Infos weiterhelfen. Ich halte nix von "ist perfekt" Aussagen. Es kommt halt immer auf die Anwendung an.

Gruß

   Pucki
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Drache74

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Re: Keramikteile kleben
« Antwort #12 am: 06. April 2018, 15:38:52 »
Hi,

mir gehts ja nicht um perfekte Aussagen, sondern, ob ich mir was abgießen kann und es dann ohne größere Probleme noch  bearbeiten kann, wie Gips eben auch. Wenn Du schon Maschinen einsetzen musst und kurz vorm Sprengstoffeinsatz bist, hört sich das eher an, als wenn du mit Beton als mit Gips arbeitest.
Wenn ich das hier so lese, schaue ich mich eher nach was anderem um. Ich suche was in der Richtung, woraus die Keramik Bases und Dios gegossen werden, die man von verschiedenen Herstellern bekommt, die ich mit Graviernadel, Schleifpapier und anderen Werkzeugen eben GUT bearbeiten kann, ohne mir einen abzubrechen.

Viele Grüße
Drache74

pucki

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Re: Keramikteile kleben
« Antwort #13 am: 06. April 2018, 15:46:38 »
Dann ist das Kerafloot für dich perfekt.

Ich muss keine Maschinen einsetzen. Es geht auch alles von Hand. Bloß ich KANN Maschinen einsetzen ohne das mir das Objekt in der Hand zerreißt .

Du darfst dabei nicht vergessen. Das Material ist Keramik OHNE Hochofen. Echte Keramik wird gebrannt. Du kannst es problemlos nach bearbeiten. Ich will dir nur klarmachen, das das Zeug härter ist als Gips.

Ich habe von meinen Schachfiguren noch ein paar "Fehlgüsse" rumliegen. Wenn du mir deine Adresse per PM schreibst, oder du in Wilmsdorf bist, kann ich dir die gerne überlassen. Dann kannst du am "toten Objekt" üben. ;)

Gruß

   Pucki

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Drache74

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Re: Keramikteile kleben
« Antwort #14 am: 06. April 2018, 17:44:08 »
Hi,
das kam aber bei mir so an, als wenn man mit normalen Mitteln da fast nichts mehr machen kann, wenn das ausgetrocknet ist. Und das das Zeug härter ist als Gips, ist mir schon bewusst.

Ich denke, wenn nichts dazwischen kommt, bin ich in Wilnsdorf vertreten, als Besucher, versteht sich.  :D Falls wir uns da sehen, kannst Du gern mal was zur Anschauung mitbringen, dann guck ich mir das mal an und kann mir mein eigenes Bild machen.

Viele Grüße
Drache74