Autor Thema: Dioramen DEBELLARE SVPERBOS – Boudicca-Aufstand, Britannien, 61 n. Chr. – 1:32 (54 mm)  (Gelesen 3603 mal)

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Uwe B.

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coporado schrieb:
Zitat
Moin Uwe,

ich kann mich dem hier schon geschriebenen nur ausnahmslos anschließen:
Eine unglaubliche Detailarbeit, sowohl das Dio als auch der Baubericht mit den historischen Hintergründen. Durch den BB und die Vorstellung der einzelnen Figuren mit dem Link zur realen Geschichte, bekommt das Dio nochmal einen ganz anderen Charakter. Auch der Baubericht an sich ist erfrischend anders, einfach klasse  :klatsch: :klatsch: :klatsch:

Ich freue mich auf die weiteren Updates  :P

Hi Sascha,

herzlichen Dank für Deine freundlichen Worte und prima, dass der Baubericht so gut ankommt, solches Lob geht runter wie Öl. :P :P

LG - Uwe    :winken:
« Letzte Änderung: 31. Mai 2018, 11:55:33 von Uwe B. »
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Uwe B.

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4. Update

     Der Militärtribun


  • entsprechendes Vorbild im Gemälde von McBride - entfällt
  • ursprüngliche Figur vor der Bemalung oder dem Umbau, Hersteller
  • als Vorbild verwendete originale Ausrüstungsteile
  • fertige Figur im Diorama

Die Figur des Miltiärtribuns (Tribunus Militaris oder Tribunus Militum) kommt im Vorlagegemälde nicht vor. Ich fand es aber passend, ihn an dieser exponierten Stelle vor der eigenen Front der erschöpften Legionäre aufzustellen. Indem er eine erbeutete Eber-Standarte triumphierend in Richtung der zurückgeschlagenen Angreifer hoch reckt, steht er hier symbolisch für die sich (außerhalb des im Diorama dargestellten Geschehens) zurückziehenden Britannier.

Dies ist ein gerne in Dioramen angewandter Kniff, eine Übermacht an gegnerischen Figuren außerhalb der Grundfläche eines Dioramas oder Vignette durch die Haltung der dargestellten Figuren anzudeuten. Zum Beispiel meisterhaft angewendet durch den US-amerikanischen Modelleur und Figurenbemaler Bill Horan in seinem bahnbrechenden Diorama "Gandamak" von 1988 mit insgesamt 27 Figuren. Dieses mehrfach preisgekrönte Meisterstück wurde in verschiedenen Internet-Foren gelegentlich als  "Mother of all Dioramas" bezeichnet; für mich damals der Antrieb, mich mit Dioramen zu befassen.

Als Grundlage für die Figur diente mir Nr. SG-F24 "Roman Centurion in Battle (AD 125)" von "Andrea Miniaturas".


Quelle: http://www.andreaeurope.com/en/1/andrea-miniatures/111/series-general/283/sg-f24-roman-centurion-in-battle-ad-125.html#!prettyPhoto

Zum Einsatz kamen nur der Rumpf und die Beine. Die Arme wurden aus in Form geschliffenen Gußästen erstellt, dieselben angebohrt und mit Stiften am Rumpf spielerisch in die richtige Pose gebracht, die Schwertklinge besteht aus Holz, Detailarbeit erfolgte mit Milliput. Der Kopf stammt aus der "Adam und Eva"-Serie von Preiser in 1:32. Die erbeutete Standarte mit dem Eber entstand aus normalem Kupferdraht und etwas Milliput:





Bei der Vorlage für die kleine Eber-Statuette hatte ich mich ungefähr an diesem Gemälde von Angus McBride (Osprey-Verlag Men-at-Arms Series No. 158 "Rome's Enemies (2): Gallic and British Celts") orientiert. Allerdings hätte ich 'meinen' Eber ruhig etwas dünner, entsprechend originalen Funden (siehe hier) gestalten können.

Als Vorlage für den Helm des Tribunen hab ich mich damals (leider) für einen "apulo-korinthischen Helm" entschieden; andere in der Fachliterartur hierfür verwendete Begriffe lauten "etrusko-korinthisch", "italo-korinthisch" oder "pseudo-korinthisch":


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Apulisch-Korinthischer_Helm#/media/File:Ancient_Greek_Bronze_Helmet.jpg

Die Bezeichnung "pseudo-korinthisch" leitet sich von der Tatsache ab, dass diese Helme so aussahen wie "korinthische Helme", die von ihrem Träger nach hinten geschoben wurden, um vielleicht mal etwas frische Luft an die Gesichtshaut zu lassen - eine Darstellung, die man oft auf antiken Darstellungen findet, zum Beispiel bei der Büste des griechischen Strategen Perikles. "Leider" schrieb ich oben aus zwei Gründen.

Erstens wollte ich für den Tribunus mal einen anderen Helm verwenden, als den für römische Offiziere sonst immer wieder gern genommenen "attischen" Helm, wie wir ihn zur genüge aus Filmen und Rekonstruktionszeichnungen und zum Beispiel dem berühmten sog. "Praetorianer-Relief aus dem Louvre" kennen; und wie ihn ja auch "mein" Feldherr im Diorama trägt - siehe oben Antwort #15. Aber diese "Pseudo-Korinther", so imposant sie auch aussahen, waren eigentlich in Massen produzierte Helme, die neben anderen Typen (die ich hier jetzt nicht aufzählen will) zur Zeit der römischen Republik vor allem vom schweren Fußvolk, den Legionären, getragen wurden. Dieser Helmtyp wäre also für "meinen" Tribun nichts besonderes gewesen, es sei denn, man wollte ihn als antiquiertes Erbstück aus Familienbesitz heranziehen.

Zweitens habe ich ihn mit eigens applizierten Wangenklappen versehen, wie man sie gerne in heutigen Reproduktionen für Reenacter (siehe nächstes Bild) oder häufig auf Rekonstruktionszeichnungen findet, wie zum Beispiel hier (untere Reihe) oder hier.


Quelle: http://ferrangarreta.com/content/img/ferrangarreta.com_cascrecct.4g.jpg

Aber das sind alles moderne Rekonstruktionen, ich kenne keine einzige antike Darstellung (Statue, Graffito, Relief) oder archäologischen Fund, die einen pseudo-korinthischen Helm mit Wangenklappen zeigt - einzige Ausnahme: der rätselhafte Helm von Augustodunum (Autun, Frankreich), der alle Merkmale eines pseudo-korinthischen Helms, d. h. mit dem charakteristischen Gesicht auf der vorderen Helmkalotte und diesmal sogar mit Wangenklappen, zeigt:


Quelle: http://www.the-romans.eu/MY-museum/singlepage.php?path=Archeological-sites/Autun/aum001-gallic-helmet

Er wird in der Fachliteratur, z. B. Henry Russell Robinson ("Arms and Armour of Imperial Rome", S. 136 ff.) oder Michael Simkins ("The Roman Army from Caesar to Trajan") ins 1. Jhdt. n. Chr. datiert, beide schreiben ihn einem höheren Offizier, vielleicht sogar im Range eines Provinzgouverneurs zu. Aber der Helm ist nun wirklich sehr ausgefallen - der Nackenschutz soll beweglich sein und aus mehreren Segmenten bestehen und es wurde auch bereits vermutet, dass er auch nur als Kopfbedeckung für eine Statue gedient hat. Gleichwohl wäre er aber vermutlich eine bessere Alternative für einen Tribun gewesen, als der von mir verwendete "einfache" pseudo-korinthische Helm.


Der Tribun im Diorama

So stand die Figur etliche Jahre in der Vitrine:



Bis sie dann im Rahmen eines Umzugs ihres hochgereckten Armes und der Eber-Standarte verlustig wurde, den Eber selbst konnte ich zum Glück noch finden. Also begann ich am Beginn des Jahres 2018, einen neuen Arm und eine Hand zu erstellen und mit einer neuen Eber-Standarte zu verbinden. Die Figur selbst war und ist fest mit dem Diorama verbunden, sie irgendwie abzumontieren, hätte vermutlich neue Beschädigungen zumindest an der Bemalung nach sich gezogen. Also wurde ganz vorsichtig mit einem 0,8 mm-Bohrer ein kleines Loch in den Armstumpf gebohrt; auf dem linken Bild sieht man auch noch die ebenfalls abgebrochenen Helmbüsche des Tribuns und des Centurios:



Anschließend wurde die noch vorhandene Eber-Statuette auf eine neue Stange mit Aufsatz geklebt und 0,8 mm Draht in vier Windungen möglichst fest um die Stange gedreht und verklebt. Diese Konstruktion konnte ich dann mit dem Armstumpf verkleben und Arm und Hand mit etwas Milliput rekonstruieren, wobei der um die Stange gewundene Draht gut für die Finger der Hand genutzt werden konnte:




Der Tribun nach seiner Restaurierung

An seiner weißen Tunica trägt der Tribun zwei senkrecht verlaufende purpurne Streifen, die sog. Clavi (Einzahl = Clavus), die ihn als Angehörigen der römischen Ritterschaft ausweisen. Angehörige des senatorischen Adels trugen an gleicher Stelle etwas breitere Streifen; siehe oben - am Beginn dieses Updates habe ich einen informativen Wikipedia-Artikel verlinkt.

Einer dieser ritterlichen Militärtribunen die an der Schlacht teilnahmen, ist uns mit der historischen Figur des Gnaeus Iulius Agricola überliefert. Agricola, der später (in den Jahren 77 - 84 n. Chr.) zum Statthalter der Provinz Britannien aufstieg, diente im Jahre 61 als junger Tribun im Stab des seinerzeitigen Statthalters und Oberbefehlshabers Paulinus (she. 1. Update) und dürfte könnte in dieser Position an der Schlacht teilgenommen haben. (Dank an JWintjes für seinen Korrekturhinweis)






Wird fortgesetzt


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« Letzte Änderung: 30. Juni 2018, 13:54:47 von Uwe B. »
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Wolfgang Meyer

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« Antwort #47 am: 08. Juni 2018, 16:33:52 »
Hallo Uwe,

das Gandamak-Diorama von Bill Horan war auch bei mir damals der Auslöser. Ich kann mich noch an den großen Artikel in der "Modellfan" erinnern, das war 1988 oder 1989. Einfach fantastisch dieses Diorama.

Natürlich kenne ich auch dein Römerdiorama. Wir haben damals mal zusammen am Stand der IHF (Rolf Zimmermann) auf der Intermodellbau ausgestellt. Ich weiß garnicht mehr, was ich damals gezeigt habe, aber an dein fantastisches Diorama kann ich mich noch gut erinnern. Das hatte für mich damals auch schon die perfekteste Qualität, die man sich vorstellen kann. Obwohl ich ja immer nur den kleinen Maßstab bearbeitet habe, war dein Diorama auch mit der Ansporn für mich, Szenen im Diorama interaktiv zwischen den Figuren und so realistisch wie möglich zu zeigen.

Dein Diorama war und ist ein Kunstwerk! :1:

Liebe Grüße,

Wolfgang

mm

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Hallo Uwe,

die "Mother of all Dioramas"" war mir Unbekannt. Dein Bericht und Deine Arbeit, so ins Detail gehend, braucht sich dahinter wohl mal nicht zu verstecken. Was soll man sonst als Laie schreiben? Ich finde es toll dass Du uns daran teilhaben lässt. Da muss man, also ich zumindest, mehrfach lesen und vergleichen um es erfassen zu können.

Gruß Tom

Uwe B.

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Wolfgang Meyer schrieb:
Zitat
Hallo Uwe,

das Gandamak-Diorama von Bill Horan war auch bei mir damals der Auslöser. Ich kann mich noch an den großen Artikel in der "Modellfan" erinnern, das war 1988 oder 1989. Einfach fantastisch dieses Diorama.

Natürlich kenne ich auch dein Römerdiorama. Wir haben damals mal zusammen am Stand der IHF (Rolf Zimmermann) auf der Intermodellbau ausgestellt. Ich weiß garnicht mehr, was ich damals gezeigt habe, aber an dein fantastisches Diorama kann ich mich noch gut erinnern. Das hatte für mich damals auch schon die perfekteste Qualität, die man sich vorstellen kann. Obwohl ich ja immer nur den kleinen Maßstab bearbeitet habe, war dein Diorama auch mit der Ansporn für mich, Szenen im Diorama interaktiv zwischen den Figuren und so realistisch wie möglich zu zeigen.

Dein Diorama war und ist ein Kunstwerk! :1:

Liebe Grüße,

Wolfgang
Hallo Wolfgang,

das ist ja ein Ding, dass wir beide damals durch den gleichen Artikel inspiriert wurden, uns näher mit Dioramenbau zu beschäftigen. Ich hab mir damals  alle 4 "Modellfan"-Hefte gekauft, in denen der Baubericht enthalten war. Den hab ich heute noch, sauber ausgeschnitten und eingetütet.  :D

An die Ausstellungen mit der IHF auf der Intermodellbau denke ich auch gerne zurück. Ein befreundeter Modellbauer von der IHF, der sich genau wie ich für die "alten" Römer interessierte, hatte mir damals freundlicherweise angeboten, meine Dio's und Figuren in seinen Ausstellungsvitrinen mit auszustellen. Später gab's noch gemeinsame Projekte zum Thema "Rom" mit einigen Leuten von der IHF und weiteren Modellbauern im Römerlager Oberaden und in Xanten. Schade, dass sich die IHF zwischenzeitlich offenbar aufgelöst hat - war 'ne feine Truppe.

Und meinen allerherzlichsten Dank für Dein reichliches Lob. Da fehlen mir schon fast die Worte, um meinen Dank für Deine Aussage gebührend zum Ausdruck dafür zu bringen, dass mein Dio Dir als Ansporn gedient haben soll. Vor allem, wenn man bedenkt, was Du mit Deinen Freunden im kleinen, aber feinen 1:72'er Maßstab schon alles auf die Beine gestellt hast an Großdioramen, in denen ihr immer wieder mit gut recherchierten und liebevoll gestalteten Details kleine Geschichten am Rand des großen Geschehens erzählt. Das ist absolut meisterhaft und brilliant.
:klatsch: :klatsch: :klatsch:

Und last but not least sind Eure fein bebilderten Work-in-Progress-Bauberichte vorbildlich und immer wieder eine reichlich sprudelnde Quelle der Inspiration.


mm schrieb:
Zitat
Hallo Uwe,

die "Mother of all Dioramas"" war mir Unbekannt. Dein Bericht und Deine Arbeit, so ins Detail gehend, braucht sich dahinter wohl mal nicht zu verstecken. Was soll man sonst als Laie schreiben? Ich finde es toll dass Du uns daran teilhaben lässt. Da muss man, also ich zumindest, mehrfach lesen und vergleichen um es erfassen zu können.

Gruß Tom
Hallo Tom,

es freut mich wirklich, dass mein Geschreibsel so gut bei Dir und anderen ankommt. Zeigt es mir doch, dass es der Mühen wert ist. Anfangs hatte ich Sorge, dass es Euch womöglich zu ausführlich und zu sehr in die Tiefe gehend sein könnte oder dass es kaum jemand interessiert. Aber Deine Antwort zeigt mir, dass es Dir offenbar Spaß macht, den vielen von mir verlinkten Hintergrundinformationen nachzugehen und das freut mich wiederum. Und es spornt an.   :P :D


LG Euch beiden - Uwe   :winken:
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Puchi

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Servus Uwe! :winken:

Ich finde Deinen Baubericht einfach großartig. Die tiefgehenden Erklärungen und Ergänzungen sind spitze und für mich eine wertvolle Ergänzung zum Gezeigten. Ein ganz, ganz großes Danke für die große Mühe, die Du Dir da machst. :klatsch: :klatsch: :klatsch:

Passt aber zu Deinem Dio, das ist ja ebenfalls vom Allerfeinsten. Umbauten, Details, Bemalung... alles top! :P :P :P

Übrigens: dieses Bild....

... könnte glatt als Gemälde durchgehen. :1: Unglaublich, die detaillierte Bemalung! 8o


Liebe Grüße,

Karl
Es gibt eine grundlegende und sehr wertvolle Aussage in der Wissenschaft, sie ist ein Zeichen von Weisheit und lautet: Ich weiß es nicht. (Data in TNG/"Illusion oder Wirklichkeit")


bughunter

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Hallo Uwe,
wieder einmal fantastische Bilder mit unglaublichen Details! Bei Bildern der einzelnen Figuren aus dem großen Dio glaubt man echt, das sei aus dem Leben gegriffen :P
Und sehr schön, daß Du den Umzugsschaden repariert hast, das wäre echt zu Schade. Ich mag auch nicht gern, an einem eigentlich fertigen Modell arbeiten zu müssen - man hat immer Angst, etwas zu zerstören und sich noch mehr Arbeit einzuhandeln!

Meinen allergrößten :respekt: vor diesem Kunstwerk und seinem Erschaffer!

Viele Grüße,
Bughunter

Wikipedia sagt: "Ein Modell ist ein vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit."
Deshalb baue ich lieber verkleinerte Originale.

Uwe K.

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Uwe B.

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Liebe Freunde,

danke für Eure Rückmeldungen.  :)


Puchi schrieb:
Zitat
Servus Uwe! :winken:

Ich finde Deinen Baubericht einfach großartig. Die tiefgehenden Erklärungen und Ergänzungen sind spitze und für mich eine wertvolle Ergänzung zum Gezeigten. Ein ganz, ganz großes Danke für die große Mühe, die Du Dir da machst. :klatsch: :klatsch: :klatsch:

Passt aber zu Deinem Dio, das ist ja ebenfalls vom Allerfeinsten. Umbauten, Details, Bemalung... alles top! :P :P :P

Übrigens: dieses Bild....


* btrib1-klein.jpg (7.35 KB)


... könnte glatt als Gemälde durchgehen. :1: Unglaublich, die detaillierte Bemalung! 8o


Liebe Grüße,

Karl
Hallo Karl,

und Du kannst den Schreib-Aufwand ja gut beurteilen, denn Du bist an dieser Form meines Bauberichts nicht ganz unschuldig - schließlich war es ja gerade Dein Baubericht zur tranchierten Dampflok, den ich mir unter anderem für meinen BB zum Vorbild nahm (siehe oben Antwort #43 vom 27. Mai 2018, 23:41:12).
 :1: 8) :D

Für Deine freundlichen Worte und positive Bewertung des Dios bis hierhin danke ich Dir auch recht herzlich. Das von Dir zitierte Bild gehört noch zu den älteren von ca. 2000, also kurz nach der ersten Fertigstellung. Die Qualität der Fotos von damals ist noch ziemlich unscharf, vielleicht trägt dies ja zum Eindruck eines Gemäldes bei.
 :6:


bughunter schrieb:
Zitat
Hallo Uwe,
wieder einmal fantastische Bilder mit unglaublichen Details! Bei Bildern der einzelnen Figuren aus dem großen Dio glaubt man echt, das sei aus dem Leben gegriffen :P
Und sehr schön, daß Du den Umzugsschaden repariert hast, das wäre echt zu Schade. Ich mag auch nicht gern, an einem eigentlich fertigen Modell arbeiten zu müssen - man hat immer Angst, etwas zu zerstören und sich noch mehr Arbeit einzuhandeln!

Meinen allergrößten :respekt: vor diesem Kunstwerk und seinem Erschaffer!

Viele Grüße,
Bughunter
Hi Frank,

dank Dir für Dein reichliches Lob, der letzte Satz hat mich grad noch mal 2 cm (in die Höhe !!!) wachsen lassen.  :P ;)

Ja, das ist immer so eine Sache mit der Reparatur bereits eigentlich fertiggestellter Arbeiten. Ich habe mich damit motiviert, dass ich zusätzliche neue Figuren hinzufüge. Ein Kelte und ein Wolf sind bereits dazu gekommen (dazu später mehr nach Vorstellung der bisherigen Figuren), 2 Römer sind gerade am entstehen und 2 zusätzliche Kelten habe ich noch ins Auge gefaßt (Planungsstadium). Außerdem habe ich bereits mehrere Schilde, Schwerter, einen Helm und ein keltisches Blasinstrument (sog. Carnyx) auf dem Schlachtfeld verteilt, das mir vorher einfach zu übersichtlich war. Und für den Tribunen bereite ich noch ein nachträgliches Update vor, weil mir aufgefallen ist, dass er ja völlig ohne Schild dasteht - und das geht natürlich gar nicht.  8) :D

Uwe K. schrieb:
Zitat
Ich schwöre, gerade hamse sich bewegt! Einfach unglaublich.
Hallo Uwe,

 :3: :D :6:  Du hast ein wirklich scharfes Auge.  ;) Danke dafür - mehr kann man wohl nicht erwarten  ;) :D 8)


LG - Uwe    :winken:

 
« Letzte Änderung: 12. Juni 2018, 21:33:44 von Uwe B. »
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coporado

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Moin Uwe,

ich kann mich gar nicht satt sehen/ lesen an dem BB und den Figuren. Die Bemalung ist sowas von gelungen  :P
Bei unserem nächsten Zusammentreffen können wir ja mal eine Figurenmal- Lehrstunde einlegen  :1:

Bis zum nächsten Update  :P
Gruß
Sascha  :winken:

Visit http://modellschmiede-haemelwerwald.jimdo.com/

...und weißt du keinen Rat, nimm Draht!

Uwe B.

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coporado schrieb:
Zitat
Moin Uwe,

ich kann mich gar nicht satt sehen/ lesen an dem BB und den Figuren. Die Bemalung ist sowas von gelungen  :P
Bei unserem nächsten Zusammentreffen können wir ja mal eine Figurenmal- Lehrstunde einlegen  :1:

Bis zum nächsten Update  :P
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Gruß
Sascha  :winken:
Hallo Sascha,

herzlichen Dank für Deine überaus freundlichen Worte. Auf unser nächstes Zusammentreffen (Lingen 2019?) würde ich mich zwar auch freuen, zumal Du dann wahrscheinlich wieder mindestens 1 neues Diorama dabei hättest, wahrscheinlich mit der 8,8 Flak - aaaber, ob ich Dir mit meinen bescheidenen Malkünsten noch was zeigen könnte, was Du nicht ohnehin schon drauf hast, das wage ich zu bezweifeln.  :D 8)

LG - Uwe   :winken:

« Letzte Änderung: 23. Juni 2018, 12:27:45 von Uwe B. »
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Flugwuzzi

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Einfach großartig Uwe  :klatsch: :klatsch:

Sowohl das umgesetzte Diorama als auch deine ausführlichen Erklärungen dazu.  :P
Man merkt einfach wie viel Liebe und Begeisterung in die ganze Komposition geflossen sind.
Es macht richtig Freude "mit dir" durch das Dio zu wandern und die Details zu erkunden. Dass ich, quasi nebenbei, so interessante historische Detailinformationen aufsaugen kann ist ein toller Nebeneffekt  :D

lg
Walter

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Uwe B.

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Flugwuzzi schrieb:
Zitat
Einfach großartig Uwe  :klatsch: :klatsch:

Sowohl das umgesetzte Diorama als auch deine ausführlichen Erklärungen dazu.  :P
Man merkt einfach wie viel Liebe und Begeisterung in die ganze Komposition geflossen sind.
Es macht richtig Freude "mit dir" durch das Dio zu wandern und die Details zu erkunden. Dass ich, quasi nebenbei, so interessante historische Detailinformationen aufsaugen kann ist ein toller Nebeneffekt  :D

lg
Walter

Hallo Walter,

dankeschön und prima, dass es Dir so gut gefällt. So viel Lob - auch von den anderen Mitlesern - ist mir schon fast peinlich, schließlich fasse ich ja nur an historischen Informationen zusammen, wovon ich vermute und hoffe, dass es gerade zu meinen Figuren paßt. Ich wollte das eigentlich immer schon mal in irgendeiner Form für mich selbst machen - aber so macht es dank Eurer Rückmeldungen viel, viel mehr Spaß.
 :1:  8)  :D

Einen kleinen Haken hat diese Form des BB dann aber doch, es ist viel aufwändiger, als ich es mir vorgestellt hatte: Infos sammeln, Bilder erstellen oder aus dem Netz heraus suchen, eigene Fotos MB-gerecht formatieren und uploaden und nicht zuletzt, meine Gedanken sauber auszuformulieren und das daraus entstandene Geschreibsel immer wieder zu redigieren. Schließlich soll es ja vor Euren Augen einigermaßen bestehen. Aber das macht mir ja Spaß und das hab ich auch nicht gemeint:

Ich erwisch mich immer öfter dabei, dass meine eigenen Kommentare zu Euren Werken dabei (im wahrsten Sinne des Wortes) zu kurz kommen, dass ich manchmal sogar für mich interessante Bauberichte befreundeter Modellboard'ler übersehe und erst spät in deren Kommentierung einsteige. Dabei weiß ich doch selbst, wie wir uns alle über Rückmeldungen zu unseren Projekten freuen. 
 :)

Ich bitte hierfür um Nachsicht und gelobe Besserung.  ;)

LG - Uwe   :winken:
« Letzte Änderung: 23. Juni 2018, 13:27:09 von Uwe B. »
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Uwe B.

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Ich schrieb in Antwort #53:
Zitat
Und für den Tribunen bereite ich noch ein nachträgliches Update vor, weil mir aufgefallen ist, dass er ja völlig ohne Schild dasteht - und das geht natürlich gar nicht.  8) :D


5. Update

     Der Militärtribun - Rundschild



Als Vorbild für die Ausrüstung und das Aussehen eines Militärtribuns wird in der Fachliteratur immer wieder gerne die entsprechende Figur vom Altar des Domitius Ahenobarbus (schöner Wikipedia- Bericht, leider nur englisch) zitiert. Nach Ansicht einiger Forscher ist hier neben einfachen Legionären und Reitern auch ein hoher römischer Offizier, nämlich ein Tribun oder General, dargestellt, andere meinen hierin eine Personifikation des Kriegsgottes Mars erkennen zu wollen.


Quelle: https://cl102blog.files.wordpress.com/2018/01/3-ahenobarbus-mars.jpeg

Auf jeden Fall wurde diese Figur schon häufig als Vorbild für die Darstellung eines römischen Tribuns heran gezogen - zum Beispiel hier oder hier (jeweils die Figur links). Als Beispiel für eine davon abgeleitete Zinnfigur hier nur die schöne Figur von "Soldiers":


Quelle: http://www.art-girona.com/ancient-romans-series-54mm/1454-roman-tribune-from-2nd-century-bc-to-1st-century-ad.html

Bei allen diesen Darstellungen fällt auf, dass der Tribun im Gegensatz zum länglichen Scutum (=Schild) der Legionäre jeweils einen großen Rundschild mit sich führt. Bei der obigen Zinnfigur von "Soldiers" ist dies ein flacher Rundschild, typisch waren als Schutzbewaffnung für Tribune aber auch große gewölbte Rundschilde. Ein solcher fehlte "meinem" Tribun auf dem Diorama noch und so entschloß ich mich anläßlich der Restaurierung/Ergänzung in 2018, ihm noch einen entsprechenden Schild beizugeben.

Bei diesem gewölbten Rundschild handelt es sich um einen Schildtyp, den wir bereits aus der griechischen Antike kennen - den berühmten Hoplon, der den griechischen Hopliten ihren Namen gab. Die Römer nannten diesen Schildtyp Clipeus, was sich aus dem griechischen ableitet und wohl soviel wie "Bedeckung" oder "Deckung" bedeutet. Römische Vorbilder gibt es dafür genug, hier nur 3 Beispiele:


Quelle: http://late-roman.ru/data/imagegallery/30ceb707-bba9-d601-863e-a254b6480812/8fcd3b6d-0813-6197-5a85-4fbb44f1b359.jpg


Quelle: https://www.degruyter.com/view/j/jah.2016.4.issue-2/jah-2016-0019/graphic/jah-2016-0019_abb10.jpg


Quelle: http://farm6.static.flickr.com/5785/23282047832_eb68a9a03a.jpg

Ich wählte für mein Diorama das letzte Beispiel, das einen Ausschnitt aus dem sog. "Portonaccio Sarcophag" (siehe hierzu den schön bebilderten Wikipedia-Artikel, leider wieder nur in englisch) zeigt. Dargestellt ist dabei ein Gorgoneion oder Medusenhaupt. Kurz zusammengefaßt war die Gorgone Medusa eine Sagengestalt aus der griechischen Mythologie, deren alleiniger Anblick jeden sofort zu Stein erstarren ließ, der ihr in die Augen sah. Erst dem Zeus-Sohn Perseus gelang es mit einer List, die Medusa zu töten und ihr den Kopf abzuschlagen.

Somit ist es nicht verwunderlich, dass das abgeschlagene Medusenhaupt in der Antike zur Abschreckung des Feindes vor allem von römischen Offizieren bis hin zu den Kaisern mittig auf ihren Brustpanzern, bisweilen aber auch auf ihren Rundschilden angebracht wurde - siehe hier z. B. auf einer Panzerstatue des römischen Kaisers Trajan:


Quelle: http://www.nationalgeographic.it/dal-giornale/2015/04/17/foto/la_colonna_traiana_un_diario_di_guerra_a_roma-2569718/2/

Eine noch ältere Darstellung zeigt die Verwendung des Medusenhaupts auf dem Brustpanzer des makedonischen Königs Alexander III. (der Große) - siehe hier auf einem Ausschnitt des berühmten Alexander-Mosaiks von Pompeji:


Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alexander_Mosaic-high_res_fragment.jpg


Bau des Schildes

Nicht zuletzt trägt auch der Tribun auf meinem Diorama dieses Medusenhaupt auf seinem Brustpanzer und so fand ich es passend, auch einen entsprechendes Symbol auf seinem Schild darzustellen. Für den Bau des Schildes schnitt ich zunächst die obere Partie des Behälters aus einem Überraschungs-Ei ab:



Anschließend wurden die Rillen an der Oberfläche des Ü-Ei's mit Milliput verspachtelt und an der Unterseite des Schildes ein Kreis aus Tubenblech angeklebt, der im Durchmesser etwas größer war als der Schildkörper, der innere Bereich des Tubenblechs dann herausgeschnitten, verschliffen und die Innenseite des Schildes noch etwas detailliert durch Anbringung einer Oberarmschlaufe und des Handgriffs:



Nun stellte sich die Frage, wie die bildlichen Darstellungen auf antiken Steinreliefs denn zu interpretieren seien. Sollten sie eine reine, zweidimensionale Schildbemalung repräsentieren oder sollten Teile des Dekors doch plastisch gewesen sein? Einerseits sind flache Rundschilde einzig und allein mit Bemalung und ohne plastisches Dekor gefunden worden. Ich entschied mich, zumindest das Medusenhaupt plastisch zu gestalten; ob ich damit zu 100 % historisch richtig liege, weiß ich jetzt leider auch nicht. Zumindest fand ich dazu im Figurenmodellbau hierzu ein Beispiel - vergleich den Schild der hervorragend modellierten und bemalten Figur eines mir nicht bekannten Künstlers mit dem mittleren der von mir oben gezeigten Rundschilde auf römischen Reliefs.

Meinen ersten, mißglückten Modellierversuch will ich Euch nicht vorenthalten, ich hatte die Modelliermasse nicht gut genug durchgeknetet oder vermischt, und sie wurde einfach nicht hart:



Der nächste Versuch - beide Bilder zeigen die gleiche Darstellung, links ist der Schildcorpus in weiß bemalt, rechts habe ich ihn in blau gehalten, analog zu den Schilden der Legionäre auf meinem Diorama, außerdem habe ich dem Haupt rechts noch ein paar Schlangen über die Haare modelliert und die links noch fehlenden Augen eingefügt:



Das vorläufige Endergebnis - schließlich habe ich auf den Rundschild noch die lateinischen Worte ROMA VICTRIX AETERNA, sinngemäß etwa: Rom - auf ewig siegreich. Das ist jetzt rein fiktiv, quasi so eine Art auf den Schild aufgebrachte Propaganda. Sollte ich mit dieser Art der Darstellung oder mit der Übersetzung völlig falsch liegen, bitte ich um entsprechende Rückmeldung:



Über die beste Platzierung des Rundschilds auf dem Diorama grübele ich noch. Beim ersten Beispiel stört mich, dass soviel von der Figur des Tribuns dabei verdeckt wird.



Im Moment favorisiere ich noch diese Platzierung, der Schild ist den leichten Abhang herunter gerollt oder gerutscht, die lateinische Propaganda-Aufschrift steht hier fast symbolhaft für die Darstellung auf dem Diorama:




Wird fortgesetzt


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« Letzte Änderung: 13. September 2018, 23:00:42 von Uwe B. »
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Postbote

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Hallo Uwe,

erstmal Glückwunsch zum selbstgestalteten Schild :respekt: :meister: :klatsch:

Modellierung und Bemalung sehe ich als absolut gelungen an.
Und ich würde ebenfalls die Platzierung von Bild 2 bevorzugen.

Mit schönem Gruß
Christoph
Perfekt ist Mathe, und Mathe ist 'ne Körperöffnung!

Baue zur Zeit
VW Typ 83 Reichspost "No retreat, Baby, no surrender"