Autor Thema:  Gallands (letzte?) Me 262  (Gelesen 1659 mal)

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Wolf

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Gallands (letzte?) Me 262
« am: 06. März 2018, 11:35:05 »
Hallo zusammen,

es gibt einen Decalbogen von Eagle Cals (#127) mit einer Me 262 weißer Doppelwinkel (<< +) welche angeblich Gallands letzte Maschine gewesen ist. Laut Beschreibung soll sie mit R4M Raketen ausgestattet gewesen sein und in 82 über alles mit Rumpf-Flecken in 83 sowie Flügelunterseiten und Rumpfmittelstück (evt. auch ganze Rumpfunterseite) in Naturmetall lackiert gewesen sein.

Leider finde ich zu dieser Maschine überhaupt nichts. Hat jemand vielleicht Infos dazu?
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Skyfox

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Re: Gallands (letzte?) Me 262
« Antwort #1 am: 06. März 2018, 12:30:59 »
Moin

Die Beschreibung bzw.die Quellenangabe bei Eagle Editions lautet:
Zitat
...EagleCals #127 Me 262 A-1a
Based on book Fw 190 Doras Vol. 2 by Jerry Crandall

 “White <

“Green 1”  III./JG 7 Major Rudi Sinner

Also see EagleFiles #5 Stormbird Colors by Brett Green. Also available, signed limited edition Crandall print; Me 262 co-autographed by four JG 7 pilots - General Steinhoff, Gottfried Fahrmann, Walter Schuck and Hermann Buchner in Wings of Valor series; and a signed bookplate originally produced for the JG 7 book...

Ich habe beide Bücher zuhause – ich schaue gerne mal heute Abend rein...

 :V:
Skyfox
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jackrabbit

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Re: Gallands (letzte?) Me 262
« Antwort #2 am: 06. März 2018, 12:45:08 »
Hallo,

man kann von dem Buch "The Me 262 Stormbird: From the Pilots Who Flew, Fought, and Survived It" Leseproben im Internet finden.
Darin gibt es das Kapitel 22, Galland´s Last Flight, ab S. 199, wohl von Adolf Galland persönlich geschrieben.
Er schildert darin, dass sie zu viert gestartet sind und auch mit Raketen bewaffnet waren,
also Galand, OFw Leo Schumacher, Fw Otto Kammerdiener (Weiße 10) und Schallmoser (Weiße 14).

In einen anderen Bericht wird (von amerikanischer Seite) über den Abschuß von Galland geschildert, dass die Me 262 alle gleich aussahen/ getarnt waren.

Viele Grüsse
« Letzte Änderung: 06. März 2018, 13:01:02 von jackrabbit »

Hans

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Re: Gallands (letzte?) Me 262
« Antwort #3 am: 06. März 2018, 18:41:41 »
Nee, gar nix. Ich bin da eher auf die weisse 3 fixiert. Corgi hat die mal als Ferigmodell gemacht und ich wurde genötigt, was dazu zu schreiben. Ich kam immer wieder auf die weisse 3.

Auch: http://forum.largescaleplanes.com/index.php?showtopic=5140

David Brown gibt Aussagen wieder, nach der Galland in der 3 verwundet wurde. Somit sollte es seine "letzte" gewesen sein - und er hätte nie eine ganz persönliche Maschine gehabt.
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Wolf

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Re: Gallands (letzte?) Me 262
« Antwort #4 am: 06. März 2018, 19:29:58 »
Habe es jetzt in Crandalls Buch gefunden. Jerry Crandall hat mich in Hyperscale jetzt nochmal drauf hingewiesen. Sind auch Bilder der Maschine und Gallands letzter Flug drin.

Bleibt nur noch die Frage wie dann wohl die Oberseiten der Flügel ausgesehen haben. Crandall schreibt nur, die Maschinen waren in 82/83 lackiert. Typisch für JV 44 Maschinen.

Die Bilder geben leider nur die Rumpflackierung her. Also muss ich jetzt eine JV 44 Maschine mit ähnlicher Lackierung finden, bei der man die Oberseite sieht.
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Floppar

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Re: Gallands (letzte?) Me 262
« Antwort #5 am: 06. März 2018, 20:00:41 »
Hab dir mal einen Screenshot per PN geschickt.
Mehr Bilder der JV44er 262 habe ich bei mir nicht gefunden, aber vlt hilft ja bisschen.
Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.
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Re: Gallands (letzte?) Me 262
« Antwort #6 am: 07. März 2018, 00:23:37 »
Hier mal die weisse 22 der JV 44, wie sie nach der Verlegung von Riem nach Salzburg dort vorgefunden wurde. Eines der wenigen Bilder mit Tragfläche. Auf der linken Tragfläche könnte man eine Segmenttarnung erahnen.
http://falkeeins.blogspot.de/2015/12/me-262-1a-weisse-22-jv-44-salzburg.html

Hier die 22 aus Salzburg nochmal, Rumpfunterseite bis zur Flügelwurzel m.E. in 76, dann Naturmetall, ebenso Unterseite Tragfläche m.E: Natur. Den Farbton der Höhenruder und des Seitenruders kann ich nicht deuten.

Quelle: pinterrest

Die soll angeblich auch zum JV44 gehört haben, erbeutet am 03.05. in Innsbruck-Hötting

Quelle: www. zauberfuchs.com

Hier eine von oben aus der Produktion in Salzburg-Hallein (das ist gleich beim Walt ums Eck  8)) - von wann das Bild stammt, weiß ich allerdings nicht. Sieht jedenfalls nicht nach Segmenttarnung aus.

quelle: sbgv1.orf.at

Ich würde sagen du kannst es Dir raussuchen, wie Du die Tragflächen oben lackierst.

Meine persönliche Meinung zur angeblichen Galland-Maschine mit weissen(m) Winkel - gab es wohl nicht beim JV44.
Ich denke, beim JV44 gab es keine persönlichen Maschinen (mehr), weil die froh waren, überhaupt Maschinen in die Luft zu bekommen. Galland hat bei der Aufstellung im März 45 eine dauerhaft flugfähige Sollstärke von 16 Maschinen gefordert. Ich habe gelesen, sie hatten über 20 Maschinen oder so in Riem, aber nie mehr als 12 gleichzeitig flugfähig. Da hat wohl jeder geflogen, was gerade einsatzbereit war.

Ich glaube auch nicht, dass sich Galland noch weiße Winkel aufmalen ließ. Das hatte er bei der elitären Truppe wohl nicht mehr nötig. Der JV44 war absolut autark, ohne Zuordnung zu irgend einem Verband/Geschwader. Lauter hochdekorierte Asse, m.E. wohl eher gleichberechtigt, ohne Zukunft (beim Führer in ungnade gefallen, also quasi "kämpf bis zum Ende oder erschieß dich"), keine  Über- Unterodnung und Galland hatte halt den Hut auf. Göring selbst hatte Galland wohl absolut freie Hand eingräumt, was Strategie, Beschaffung und Personal anbelangte. Sie haben auf jeglichen Schnickschnack wie Wappen, Rumpfbänder etc. an den Maschinen verzichtet, es gab wohl nur eine weiße Nummer, Balkenkreuze und das HK am Leitwerk. Die Maschinen wurden wohl anfänglich einheitlich umgetarnt, wohl überwiegend 82/83, später nur 83 am Rumpf. Das hörte aber mitte, ende April 45 auch auf, da wurden die Maschinen wohl in dem Anstrich geflogen, wie sie angeliefert wurden. Weisse(r) Winkel am Rumpf kann ich mir nicht vorstellen - da hätte er für den Feind m.E. auch gleich "Galland" drauf schreiben können.

Gruß
Jürgen  :winken:, der eigentlich nichts mehr zu Luftwaffe schreiben wollte, weils eh wieder unhaltbarer Quark ist, der sich aber zufällig gerade damit beschäftigt hat.

Russfinger

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Re: Gallands (letzte?) Me 262
« Antwort #7 am: 07. März 2018, 00:29:55 »
Ganz unabhängig von der Farbgebung an sich - zu der ich mich nicht äussern kann: Auch bei diesen Fotos fällt wieder auf, wie dünn der Farbauftrag gewesen sein muss. Durscheinende Panele, und arg abgeranzte Oberflächen. DAS wird eine schöne Herausforderung. Von da aus: Go, Wolf, Go!  :klatsch: :klatsch: :klatsch:

 :winken:

Russie



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Re: Gallands (letzte?) Me 262
« Antwort #8 am: 07. März 2018, 00:40:37 »
Huhu Russie - schau mal in den projekte Thread - die herausforderung ist seit einer Stunde online.

 :winken:

Hans

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Re: Gallands (letzte?) Me 262
« Antwort #9 am: 07. März 2018, 12:00:16 »
Ich geh da absolut konform mit Jürgen, auch was er zum JV 44 schreibt. Ich halte die Zuordnung der << auch nicht für gesichert. Die Aussagen zur weissen 3 (siehe meinen Link weiter oben) stammen ja von Zeitzeugen. Was die Lackierung anbelangt - ich habe mich damals bei meiner 12 für 83 hauchdünn entschieden, unten Naturmetall.
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Re: Gallands (letzte?) Me 262
« Antwort #10 am: 07. März 2018, 13:14:19 »
Es gibt im Dora 9 Buch von Crandall zwei Fotos zu der Maschine und auch einen Flugbucheintrag über den Verlegungsflug nach Innsbruck. Dieser erfolgte nachdem die Maschine repariert wurde durch einen anderen Piloten. Galland war ja da verletzt.

Dazu gibt es eine Augenzeugenaussage des ersten Wartes der die Maschine mit Grün/Dunkelgrün auf den Oberseiten beschrieben hat.
Dunkelgrün am Rumpf  in großen Flecken/wolkig. Es gibt Bilder von anderen Maschinen die eine ähnliche Lackierung zeigen. Flügeloberseite ist nicht gewiss. Das kann Segmenttarnung, Flecken oder auch einfarbig sein.

Momentan schwanke ich zwischen Flecken oder einfarbig.

Mein Zwischenergebnis kann man im Projektethread sehen.
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Skyfox

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Re: Gallands (letzte?) Me 262
« Antwort #11 am: 07. März 2018, 13:35:53 »
...der Vollständigkeit halber, einige Fotos der bekannten unlackierten 262, Werknummer 111 711:

http://falkeeins.blogspot.de/2017/11/messerschmitt-me-262-1-wnr-111711-at.html

...besonders das 4. Bild in Farbe ist hier interessant...  8)


 :V:
Skyfox
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Re: Gallands (letzte?) Me 262
« Antwort #12 am: 07. März 2018, 13:57:25 »
Ist das Buch dieses?  "Doras of the Galland Circus"?
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Re: Gallands (letzte?) Me 262
« Antwort #13 am: 07. März 2018, 14:08:29 »
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Re: Gallands (letzte?) Me 262
« Antwort #14 am: 07. März 2018, 23:23:53 »
Ich habe hier noch was ausgegraben: ein Bericht über das Treffen im August 1979 in San Francisco zwischen Adolf Galland und James Finnegan. Der Artikel ist am 31.05.2016 veröffentlicht worden von Henry Sakaida, dem Mann, der nach der Lektüre vom Gallands Buch 1978 die Recherche nach dem Piloten gemacht hat, der Galland abgeschossen hatte und der das Treffen zwischen Galland und Finnegan eingefädelt, vorbereitet und organisiert hatte. Der Artikel enthält auch original Fotos vom Treffen und original Korrespondenz zwischen Finnegan, Galland und Sakaida.

http://ww2awartobewon.com/wwii-articles/adolf-galland-pilot-meeting/

Für alle, die nicht alles lesen wollen oder können:
1. Galland war bis 1978 der festen Meinung, dass die P-51, die er als letztes sah, ihn auch vom Himmel geholt hat. Erst da erfuhr er, dass es eine P-47 war und deren Pilot James Finnegan noch lebte.
2. James Finnegan wusste bis Dezember 1978 nicht, wen er am 26. April 1945 gegen Mittag im Luftraum über Schrobenhausen beschossen und damit vom Himmel geholt hatte.
3. Galland habe keine Erinnerung mehr, mit welcher Maschine er damals den Angriff auf die B-26 geflogen sei. Er sagte, die Maschinen seien alle einheitlich getarnt gewesen und hatten weiße Nummern am Rumpf. An das genaue Tarnschema etc. der Maschinen der JV44 erinnere er sich nicht mehr. Er wisse nur noch, dass er mit einer weiteren 262 gegen Mittag B-26 Bomber über Schrobenhausen angegriffen und mindestens eine davon abgeschossen habe. Plötzlich seien P-51 aufgetaucht und er habe sich in den Wolken versteckt. Dann sei er beschossen worden. Die rechte Triebwerksgondel sei in Fetzen gegangen, das Armaturenbrett sei beschädigt gewesen, es habe Qualm im Cockpit gegeben und er sei am Bein verletzt gewesen. Er habe die Maschine irgendwie zurück nach Riem gebracht, sei gelandet, aus der Maschine gesprungen und habe sich in einem Bombentrichter versteckt, weil der Platz von weitern Thunderbolts angegriffen worden sei.
4. Finnegan schilderte, er habe Begleitschutz für B-26 mit seiner P-47 geflogen. Plötzlich habe er zwei 262 auftauchen sehen, auf die Bomber zufliegen und je einen davon zerstören. Er sei ein Manöver geflogen, bekam eine 262 ins Visier und feuerte sofort kurz zwei Mal. Er sah, dass er getroffen haben musste, dass Teile von der 262 wegflogen, dass sie rauchte und dass sie in den Wolken verschwunden sei. Er konnte aber nicht erkennen, dass sie abgestürzt sei.
5. Finnegan und Galland hielten bis zu Gallands Tod 1996 Kontakt, Finnegan verstarb 2008.

Fazit: wenn schon Galland nichts mehr näheres über seine eigene Maschine wusste ...  :pffft:

Interessant: in dem einen Brief fragt Galland bei Finnegan nach, ob er eine Schießkamera an Bord hatte und ob der Film ggf. noch existiere. Leider wird die Frage nicht beantwortet  :5:

Gruß
Jürgen  :winken:

Edit hat eine fehlendes "je" gekauft und an geeigneter stelle eingesetzt. Mea culpa.
« Letzte Änderung: 08. März 2018, 13:05:49 von f1-bauer »