Autor Thema:  Diorama "Bargteheide 1348" -Haus 1: Der Krug  (Gelesen 5559 mal)

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Jensel1964

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Diorama "Bargteheide 1348" -Haus 1: Der Krug
« am: 28. April 2017, 23:38:51 »
So, dann fange ich mal an….
Dass das Jütland-Diorama nicht ohne Folgen bleiben würde, war ja irgendwie klar. Ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß und so wenig Druck im Hobby.
Was sollte aber nun das nächste Thema sein. Folgende Bilder schwebten mir vor:

1. Eine Anlegestelle in Lübeck zur Hansezeit mit einem Schiff, Hafenarbeitern, Seeleuten etc. Ich weiß nicht, ob jemand die „Rungholt-Romane“ von Derek Meister kennt. Eine wirklich tolle Reihe, die aber vor Jahren jäh und (wie ich finde) doof beendet wurde. Das Diorama sollte eine aus diesem Buch angeregte Szene zeigen. Allerdings habe ich nicht genügend Quellenmaterial über die Häuser des 14. Jh. (die Zeit in der Rungholt spielt) gefunden. Und den Bau einer Kogge traue ich mir noch nicht zu. Also: Aufgehoben aber nicht aufgeschoben.

2. Wikinger plündern ein sächsisches Dorf. Auch hier basiert die Idee auf einem Roman. Und natürlich ist sind die Uthred-Romane von Bernhard Cornwell. Aber das war mir zu dicht am letzten Thema und wird etwas verschoben.

3. Ein Gehöft in Island im 10. Jahrhundert. Super Idee, aber wie sah sowas aus und wie soll man eine Landschaft die man nur aus Büchern kennt glaubhaft auf 30/30 cm darstellen?!?! Auch damit werde ich mich später befassen.

Letztendlich habe ich mich für ein Stück Heimatgeschichte entschieden…..und mir damit eine echt große Aufgabe gestellt.

Ich bin in Bargteheide aufgewachsen, einer kleinen Stadt im Kreis Stormarn zwischen Hamburg und Lübeck. Das Gebiet um Bargteheide war schon in der Eisenzeit besiedelt. Infolge der Grenzlage zwischen Slawen und Sachsen erleben die sächsischen Ansiedlungen im Raum des späteren Bargteheide zwischen ca. 800 und ca. 1150 unruhige Zeiten. Im Jahre 1142 beginnt Adolf II. von Schauenburg, Graf von Hollstein und Stormarn damit, Siedler aus Friesland, Westfalen und aus dem Bereich nördlich des Harzes anzuwerben und Siedlungen in Stormarn zu gründen. Wälder wurden gerodet um Ackerland zu gewinnen. Eine dieser Ansiedlungen ist Bargteheide.

Bargteheide war ursprünglich ein Rundangerdorf, d.h. etwa gleich große Parzellen gliederten sich um einen zentralen Platz („Anger“). Das Ackerland wurde gemeinschaftlich bewirtschaftet, während die Höfe selbst den jeweiligen Bewohnern zugeordnet waren. Bargteheide bestand zu Anfang wohl aus 4-6 Hufen (Höfe), die in etwa kreisförmig angeordnet waren. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1314 („brektehegel“ bedeutete ungefähr „umfriedetes Brachland“).

Und nun wird es unsicher: Bargteheide wird sich natürlich weiterentwickelt und vergrößert haben. Besonders die Lage am Handelsweg zwischen den Hafenstädten Hamburg (Elbe-Nordsee) und Lübeck (Trave-Ostsee) und den Aufbau der Hanse wird sich auf die Entwicklung positiv ausgewirkt haben. Bargteheide liegt fast genau zwischen den beiden Hansestädten und wird im 14. Jahrhundert sicherlich auch von den durchreisenden Händlern profitiert haben. Möglicherweise gab es irgendeine Form von Gasthaus. Man wird den Reisenden Proviant verkauft haben. Als Übernachtungsmöglichkeiten boten sich die Klöster in Bad Oldesloe (Nütschau) und Reinfeld an. Aber bestimmt wird man Reisenden, bei Bedarf sicherlich einen Platz in der Scheune angeboten haben.

Wie auch immer ist das das Thema des Dioramas.

Eine Gruppe von Reisenden zieht durch das mittelalterliche Dorf und trifft auf die Bewohner. Zeitlich angesiedelt soll das Diorama um das 14. Jahrhundert sein.
Im Mittelpunkt steht für mich die Frage, wie das Dorf ausgesehen haben mag. Was für Häuser standen da wohl?
Meine erste Idee gibt diese Zeichnung wieder:



Das ist noch sehr grob und quietschebunt, aber der Weg ist klar.

Das wird alles nicht so dramatisch und ich muss mir ernsthaft etwas überlegen, damit das nicht langweilig wird. Denn auf dem ersten Blick hört sich das nicht besonders spannend an. Keine Schlachten, kein Gemetzel…..Aber ich bin sicher, dass mir da noch einiges zu einfallen wird. Ein Markttag wäre eine Idee.

Dankenswerterweise habe ich echt tolle Unterstützung durch die Mitarbeiter des Museums in Bargteheide bekommen. Und allein dadurch stehe ich jetzt unter Zugzwang. Das muss schon richtig gut werden…. :pffft:

Was mir fehlt sind Angaben darüber, wie die Häuser im 14 Jh. wohl ausgesehen haben. Hat da jemand Skizzen oder Zeichnungen?

Ist so ein Brunnen, wie auf dem Bild gezeigt, realistisch?

Ich werde mich erstmal auf die Suche nach passenden Figuren machen.

Ich hoffe, dass die Einleitung jetzt nicht zu langatmig und langweilig war. Und ich hoffe auf Eure Unterstützung und Eure Ideen.

Jens  :winken:
« Letzte Änderung: 22. Juni 2017, 22:47:58 von Jensel1964 »

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #1 am: 29. April 2017, 07:44:28 »
schöne Idee, obwohl ich zugeben muss, dass mir eine Hafenszene besser gefällt.
Ich finde es sehr erfrischend, dass es keinen Schlachtenlärm geben wird. Figuren sollte es reichlich geben. Wenn Du mehr Action möchtest, kannst Du eine Szene vor dem Gasthaus oder einen Handel zeigen.

P.S. ich habe die Zeichnungen nicht vergessen, nur den richtigen Ordner noch nicht gefunden.
:winken:  Christian

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #2 am: 29. April 2017, 11:37:45 »
Bei solchen szenischen Gestaltungen (es ist wird ja wohl kein Diorama im eigentlichen Sinn, da der Hintergrund, die Kulisse, fehlt) ist die Erzielung optischer Dichte wichtig. Deswegen erscheint mir eine Grundfläche von 30 cm x 30 cm schon recht groß. Darauf werden sich die Figuren und Häuser usw. etwas verlieren.

Jensel1964

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #3 am: 29. April 2017, 14:43:07 »
Ich denke, dass die Abmesungen des Jütland-Dioramas (ich nenne das mal so...Diorama) auch bei diesem Thema eine gute Grundlage bieten. Das sind ca. 30/30 cm.
2-3 Häuser, ein Dorfanger mit einem Brunnen. Der kreuzende Weg, Dorfbewohner und Reisende. Das muss, wie ich bereits erwähnte, natürlich mit irgendeiner Handlung verknüpft sein.
Da ist der Kontrast zwischen den Dorfbewohnern, die den näheren Umkreis ihres Dorf wahrscheinlich nie verlassen werden zu den "Abenteurern, die die Welt sehen". Vielleicht kommen auch ein paar Bewaffnete Reiter, die den Reisenden Schutz bieten. Und vielleicht haben die gefangene Räuber im Schlepptau. Vielleicht ist da auch ein kirchlicher oder weltlicher Würdenträger auf dem Weg nach Lübeck.
Ich bin mir meinen Überlegungen noch nicht fertig und wahrscheinlich wird das auch noch etwas länger andauern.
Wichtig sind erstmal die Häuser.
Ich habe da dieses Haus gefunden:

https://www.fredericus-rex.eu/de/Massstab-1-72-Figuren-Gebaeude-Pflanzen-Fahnen/Gebaeude-1-18/1-72-Mittelalterliche-Gebaeude/Green-Line--GL-QK-001-Mittelalterliches-Bauernhaus--1-72.html

Ob das wohl in das 14. Jahrhundert nach Norddeutschland passt?  Wenn ja, würde ich es als Vorbild/Inspiration für einen Eigenbau nehmen.

Jens  :winken:

Hans

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #4 am: 29. April 2017, 18:18:39 »
DIE einzige, allumfassende Bauweise für Mitte des XIV. Jahrhunderts gibts nicht. Eigentlich kommt man nicht darum herum, Grabungsergebnisse der Region zu finden. Fachwerk mit Ausfachung in Lehm, aber auch Ziegel, ist denkbar, Blockbauweise, Fachwerk in Ständerbauweise, Fachwerk auf Holzrahmen, Fachwerk auf gemauertem Fundament. Gibts alles. Eindeckung wie immer in Bretter (wird immer unterschätzt!), Ziegel, Schindel, Stroh (landschaftlich unterschiedlich). Frag mal den Museumsmann nach archäologischen Grundlagen.
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Hans

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #5 am: 29. April 2017, 18:25:16 »
Ich hab selber nur wenig Literatur aus dieser Zeit und die betrifft Franken und Bayern. Gibt's ein Freilichtmuseum in der Gegend? Und ein preisgünstiger Tipp: https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Angebote/autor=Karl+Baumgarten&titel=Das+deutsche+Bauernhaus.+Eine+Einf%C3%BChrung+in+seine+Geschichte+vom+9.+bis+zum+19.+Jahrhundert
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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #6 am: 29. April 2017, 19:00:37 »
Landestypisch (zumindest in neuerer Zeit) wäre eine Eindeckung in Reet (Schilf). Das nächste Freilichtmuseum in der Gegend dürfte das in Molfsee bei Kiel sein: http://www.schloss-gottorf.de/molfsee

In den alten Tagen hatte das Altonaer Museum in Hamburg-Altona (http://www.altonaermuseum.de/) eine Umfangreiche Ausstellung mit Hausmodellen aus Schleswig-Holstein über die Jahrhunderte. Bei meinem letzten Besuch war diese Abteilung verschwunden. Nachdem, was ich so hörte hat die Direktorin wenig Sinn für Modelle (die Schiffsmodelle z.B. wurden zeitweise in einem Container auf dem Hof gelagert sagten mir Mitarbeiter) und überhaupt Volkskunde ... Trotzdem kann man ja mal in diese Richtung forschen. Das Museum hat früher auch landeskundliche Schriften herausgegeben.

Eine anderer Ort für archäologische Informationen über S-H ist das S-H Landesmuseum (http://www.schloss-gottorf.de/) in Schloß Gottorf bei Schleswig.

Hans

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #7 am: 29. April 2017, 19:18:24 »
Gottdorf hat keine Mittelalter-Archäologie, entsprechende Literatur im Shop ist mir auch noch nicht aufgefallen. Höchstens das Landesamt (selbe Adresse) könnte Tipps geben, aber Landesämter sind bürokratielastig und hartleibig. Ich bleib da mal dran.
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Hans

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #8 am: 29. April 2017, 19:27:25 »
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Jensel1964

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #9 am: 29. April 2017, 23:26:06 »
Vielen Dank für Eure Anregungen, Denkanstöße und Hinweise.   :meister:
Wo fange ich an?
In Kiel-Molfsee gibt es meines Wissens keine Rekonstruktionen von Gebäuden aus dem 14. jh. Die Exponate sind aus ganz S-H zusammengetragen (Abbau und Neuaufbau in Molfsee. Hilfreicher wäre da m.E. ein Besuch in Lütjenburg. Da gibt es neben der Turmhügelburg (gell Hans?) einige Hauskonstruktionen. Ich hatte da schon Kontakt mit einem Mitarbeiter aufgenommen, der mir Pläne der Häuser in Aussicht stellte. Aber leider kam da bisher noch nichts. Allerdings gab er mir einige Anregungen ("Gasthäuser kann man zu der Zeit auf dem Dorf vergessen.")
Meine Hoffnung ist das Stadtarchiv in Bargteheide. Es gibt ein Buch über Bargteheide im frühen Mittelalter. Vielleicht hilft das.
Die sehr nette Mitarbeiterin des Museums sagte, dass alle wichtigen archäologischen Funde aus Bargteheide in Gottorf liegen sollen. Allerdings stammen diese Funde eher aus vorchristlicher Zeit.
Wenn ich eine Idee zur Grundform des Gebäudes habe, werde ich mir mal intensivere Gedanken über die vermutlichen Baustoffe machen. Holz ist m.E. in einem Bereich ein wahrscheinlicher Baustoff (Stichwort: Rodungen). Zumindest in der Neuzeit gab es nahe Bargteheide eine Ziegelei und das entsprechende Grundmaterial. Gut möglich, dass schon in der Hochzeit der "Backsteingotik" Ziegel gebrannt wurden. Aber wurden die für Bauernhäuser verwendet. Ich mutmaße eher, dass diese Steine dann in dir großen Hansestädte als Baumaterial verkauft wurden.

Ich fürchte mal, dass ich den Anspruch eines historisch korrekten und belastbaren Dioramas nicht erfüllen kann. Das wird eher (wie beim Jütland-Diorama) eine "so könnte es ausgesehen haben"-Geschichte.

Ich hab mich nebenbei mal auf der Seite von Fredericus Rex herumgetummelt und Figuren gesucht. Ganz so üppig ist das Angebot für mein Thema nicht. Aus dem Vollen kann ich da nicht schöpfen und ich muss mich mit dem Thema eher an den verfügbaren Figuren orientieren.
Eine Gruppe aus Händlern und bewaffneten Begleitern ist realisierbar. Mit der Dorfbevölkerung muss ich noch mal gucken. Das ist nicht so üppig.

Was für ein langer Anlauf für ein Diorama. Ich hoffe, dass ich die "Nicht historisch interessieren" nicht zu sehr langweile
Und ganz wichtig!!! Christian. Das mit dem Hafen ist ja nur aufgeschoben. Und ich freue mich sehr auf die Zeichnungen.
Jens


Verwirrt

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #10 am: 12. Mai 2017, 17:48:20 »
... ist die Erzielung optischer Dichte wichtig. Deswegen erscheint mir eine Grundfläche von 30 cm x 30 cm schon recht groß. Darauf werden sich die Figuren und Häuser usw. etwas verlieren.

Eberhard,

mit dem Flächenmaß sähe ich keine Probleme. Sehr wohl ist die szenische Ausgestaltung, hier stimme ich Dir natürlich zu, wichtig; ich meine aber die Erfahrung gemacht zu haben, daß eine gleichförmige Verteilung von Dingen über die Fläche nicht unbedingt förderlich ist, daß vielmehr der Aufbau von rhythmischer Spannung durch verschieden gewählte Objekt- und Ereignisdichten zu suchen sei und daß in einem solchen Arrangement Freiflächen, wie in der Wirklichkeit auch, dem Auge einen Rastplatz zur wohlgefälligen Entspannung bieten. An anderer Stelle wäre dann entsprechen zu klotzen.

@Jens, wenn ich etwas an Deinem Entwurf kritisieren wollte, dann die Rechtwinkligkeit von Gebäuden und Weg (das braune Band soll ja wohl den Weg bezeichnen) zu den Rändern. Das wirkt meiner Meinung nach gerne etwas unorganisch (sieht man bei vielen Modelleisenbahnen, dort wahrscheinlich, um die immer zu kleinen Flächen besser auszunutzen) wie auch langweilig.

Schönen Gruß

Hans

Jensel1964

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #11 am: 12. Mai 2017, 23:16:42 »
Hi Hans,
vielen Dank für Dein Feedback. Das gibt mir Gelegenheit dieses Thema mal wieder aufzugreifen und einen kurzen Zwischenbericht zu liefern:

Zur Siedlungsstruktur habe ich von einer sehr netten Mitarbeiterin des Bargteheider Museums die Kopie eines Buches zur Geschichte Bargteheides bekommen. Demnach war es wohl so, dass die Neugründung des Dorfes Mitte des 12. Jahrhunderts durch einen Familienverband erfolgte, der sich durch Rodung Ackerflächen erarbeitete. Die Ackerflächen wurden gemeinsam genutzt und in nebeneinander liegende, gleichmäßige Flurstücke unterteilt.
Die Hofflächen (Zu Anfang wohl 4-6 Höfe) waren im Eigentum der Siedler.
Die Höfe waren um die auf einem Hügel stehende Kirche gruppiert. "Hügel", liebe Süddeutsche, sind hier im Norden zwei Lkw-Ladungen Sand aufeinander. :6:
Für mein Diorama wäre es dann sinnvoller, 2-3 Gebäude im Halbkreis anzuordnen. Ich muss man gucken, wie das aussieht.

Zwischenzeitlich habe ich von einem sehr netten Mitarbeiter des Museums in Lütjenburg die Zeichnung eines Bauernhauses bekommen, das als Beispiel für meine Häuser dienen soll. Dazu dann noch die tollen Fotos von Hans (Vielen Dank!!!!!) und dem Baubeginn steht nichts mehr im Wege. Echt klasse!!!!

Und letztendlich habe ich dann noch einen Großeinkauf bei Fredericus Rex gemacht und mir passende Figuren zusammengekauft.
Im nächsten Update gibt es dann auch erste Fotos.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit und Eure tollen Hinweise und die Unterstützung,

Jens  :winken:


Jensel1964

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #12 am: 14. Juni 2017, 23:09:41 »
So, damit nun niemand denkt, dass das Projekt eingeschlafen ist, folgt hier nun eine neue Wasserstandsmeldung:
Es geht los!
Die letzten Wochen habe ich mit Lesen, Recherchieren und Einkaufen verbracht.
Gekauft habe ich einige Figurensätze, die mir für die Idee passend erschienen. Ich werde sie in einem der nächsten Updates mal vorstellen.
Auf den Rat von Hans hin, habe ich von Barbara Tuchmann „Der ferne Spiegel“ gelesen und einen schönen Einblick in die Lebenswelt des 14. Jahrhunderts geworfen. Liebe Leser, freut Euch im 21. Jahrhundert zu leben. Das 14. war wirklich nicht so prickelnd. Gut, wenn einem Pest, Krieg, Klimaprobleme und wirre Kriege gefallen, ist das natürlich ganz was anderes.
Und dann habe ich sehr schöne „externe“ Hilfe bekommen. In diesem Fall möchte ich die hilfreichen Köpfe gerne persönlich benennen.
Zunächst wandte ich mich an das Turmhügelburg-Museum in Lütjenburg und bekam von Herrn Klaus Dygutsch nicht nur sehr viel Unterstützung sondern auch die Zeichnung eines Wohn- und Stallgebäudes in Lütjenburg. Die Grundstruktur dieses Gebäudes soll meinen beiden Häusern als Grundlage dienen.
Ein Besuch im Stadtmuseum Bargteheide führte dazu, dass mich Frau Hohn ebenfalls mit Literatur und Ideen versorgte und mir anbot, das Diorama als Exponat im Museum zu platzieren. Was für eine Ehre, wobei….es muss ja auch gut werden.
Letztendlich hat mich die Stadtarchivarin Bargteheides, Frau Ettrich, mit einem extrem hilfreichen Buch versorgt: „700 Jahre Bargteheide – Die frühen Jahrhunderte“ von Günther Bock. Dieses Buch hat einiges Erhellendes zum Thema „Bargteheide im Mittelalter“ beigetragen und meine ursprüngliche Idee komplett über den Haufen geworfen.
Ging ich ursprünglich davon aus, dass auf dem Weg von Hamburg nach Lübeck irgendwann eine kleine Ansiedlung mit Halbwilden bestand, die Reisende mit großen Augen anstarrte , musste ich doch lernen, dass Bargteheide schon damals nicht ganz unbedeutend war. Bargteheide war ein Angerdorf, das sich im Wesentlichen nordwestlich des Handelsweges von Hamburg nach Lübeck erstreckte. Vom Dorf selbst grenzte im Wesentlichen nur der Kirchhof und die Kirche an die Straße an. Um zum Anger (Dorfzentrum) zu kommen, musste man die Straße verlassen. Also war eine Szene „Straße führt durch Dorf“ nicht realistisch. Die Kirche wiederum darzustellen fiel angesichts der Ausmaße (rd. 25/13 m) und der verfügbaren Fläche flach. Also gilt es eine Ecke des Dorfplatzes darzustellen.
Tatsächlich wurde Bargteheide von Reisenden sehr intensiv frequentiert.
Und zu meinem Glück fand ich in der Bargteheide-Chronik den Schlüssel. Mir schwebte ja grundsätzlich immer eine Wirtshausszene vor. Reisende, Einheimische….
Und tatsächlich gibt es eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1344, in dem eine taberna ipsus ville Berchteheyle mit einer Abgabe von 8 Mark verzeichnet ist. Also gab es in dem von mir betrachteten Zeitraum einen Ort, an dem sich Reisende und Einheimische getroffen haben. Und als Gebäude habe ich eine Abwandlung des Wohn- und Stallgebäudes gewählt. Den Stall habe ich dafür mal kleiner angesetzt. Vielleicht gibt es ja noch einen anderen Ort für die Unterbringung der Pferde.
Als Baumaterial habe ich  Backstein gewählt. Die gesamte „Rente“ des Dorfes belief sich auf 10 Mark. 80 % hiervon entfielen auf den Krug. Insofern wird das ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor gewesen sein. Da macht ein Backsteinhaus durchaus Sinn.
Für das Grundgerüst des Gebäudes habe ich die Maße des o.g. Plans des Wohn- und Stallgebäudes abgenommen. Den Stallbereich habe ich dafür weggelassen und die Anzahl der Fenster erhöht, damit etwas mehr Licht in den Schankraum kommt.
So sieht der Grundplan aus:

Bei einem Onlinehändler habe ich mir dann Lindenholzprofile unterschiedlicher Stärke bestellt.
Für die Hauptbalken habe ich 3x3 mm-starke Hölzer verwendet. Die schmaleren Balken betsehen aus 1v3 mm starken Hölzern.
Hier einige Fotos vom Bauablauf:


Die Giebelwand soll etwas hervorstehen und mit Holz verschalt sein. Hierfür musste ich den Plan etwas verändern. Die oberen Balken an den Längsseiten mussten dafür verlängert und die der Giebelwände entsprechend verkürzt werden. Hierdurch erhalte ich auch eine bessere Verzahnung der Wandteile.


Dann fing ich an, die Hölzer auf das Blatt zu kleben. Nachteilig ist, dass die Innenwand natürlich durchgehend aus Papier besteht. Aber ich werde die Innenwände dann als verputzt darstellen (übermalen).


In meinem letzten Projekt habe ich die Wände als Flechtwerk mit Lehmbewurf dargestellt und Spachtelmasse verwendet. Das erschien mir hier nicht praktikabel. Stattdessen habe ich mich daran erinnert, dass ich ja noch irgendwo wärmehärtendes FIMO hatte. Ich wollte doch mal gucken, ob man das gut in eine Backsteinmauer umwandeln könnte.
Also füllte ich die Zwischenräume der Balken mit Fimo:


Und gravierte Fugen ein, um Backsteine darzustellen.




Ich habe hier nicht so sehr auf die Maßstäblichkeit der Steinreihen geachtet und mehr Wert auf den Eindruck gelegt. Ich bin recht zufrieden damit.
Ein nervöser Moment kam dann noch beim Aushärten der ersten Wand. Ich habe die Teile bei ca. 120°C im Backofen für 20 Minuten gebacken. Und was soll ich sagen? Es hat alles bestens geklappt. Su sah dann die erste Wand aus:


Mit diesem Erfolgserlebnis im Nacken habe ich dann alle Wände fertiggestellt und eine Probepassung vorgenommen. Und es passt. Der erste Stein ist mir hier vom Herzen gefallen:


Die nächsten Schritte werden die Bemalung der Backsteine und die Planung der Sparren und Balken sein.
Da kann aber noch etwas dauern.
Ich freue mich über Euer Feedback und Eure Anregungen.  :1:

In diesem Sinne,
Jens  :winken:



Gilmore

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #13 am: 15. Juni 2017, 11:56:08 »
Echt klasse, was Du da auf die Beine stellst. Die Recherchearbeit ist wohl gerade bei solchen, in früher Vergangenheit liegenden, Vorbildern sehr interessant.
Frage: Schiebst Du die ganzen Wände mitsamt den Holzleisten in den Backofen oder nur die einzelnen Mauersegmente?


 "...irgendwann eine kleine Ansiedlung mit Halbwilden bestand, die Reisende mit großen Augen anstarrte..." sowas erlebt man teilweise heute noch, wenn man durch kleine, abgelegene Dörfer fährt, die Leute gucken, als hätten sie noch nie im Leben einen Menschen gesehen.  :D
« Letzte Änderung: 15. Juni 2017, 11:58:52 von Gilmore »
Man sollte das ganze Leben nicht so ernst nehmen, man kommt da sowieso nicht lebend raus.

Skyfox

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #14 am: 15. Juni 2017, 12:24:05 »
Moin Jens!

Geil, ich freu' mich – das ist so ein baubericht, den ich gemütlich zurückgelehnt genieße und mich an den Handwerkskünsten erfreue!  :P
Du darfst Dir meiner Mitleserschaft sicher sein!  :1:

...Das 14. war wirklich nicht so prickelnd. Gut, wenn einem Pest, Krieg, Klimaprobleme und wirre Kriege gefallen, ist das natürlich ganz was anderes....

 ?( ...und wo ist da noch gleich der Unterschied zu Heute?  :woist:

 :V:
An.D.Y.
MBSTHH 
To do is to be (Sokrates) / To be is to do (Sartre) / Do be do be do (Sinatra)