Autor Thema:  Diorama "Gasthaus in Bargteheide im Jahre 1348"  (Gelesen 8454 mal)

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Jensel1964

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #15 am: 15. Juni 2017, 19:25:55 »
Danke für Dein Interesse an diesem Projekt.  :D
Das 14. Jahrhundert war schon ganz besonders fürchterlich.
In Teilen Frankreichs sind 2/3 der Bevölkerung umgekommen. Europaweit lag die Sterberate bei ca. 1/3.
Da fehlten dann etliche Bauern die die Felder bestellen konnten, Handwerker zur Weiterverarbeitung etc.
In so einem Fall bricht ein Gemeinwesen gerne mal zusammen (Stichwort: Sicherheit, Hunger etc.).
Die Gesellschaft hat sich durch die Pest nachhaltig geändert.
Stell Dir einfach mal vor, dass heute 1/3 aller Fachkräfte weg wären. Oder jeder 3. Polizist...die Auswirkungen auf das gesellschaftliche Gefüge wären immens.
Und wir leben in Zeiten, in denen wir wissen, warum die Leute sterben, auch wenn wir nichts dagegen tun können (z.B. Ebola). Damals dachte man, dass Gott beschloss, die Welt einfach mal untergehen zu lassen, weil die Menschen eben Sünder sind. Und was wollte man dagegen tun, wenn Gott schlechte Laune hat? Die Verzweiflung kann man sich nur schwer vorstellen....

Und dass man sich mit solchen Dingen beschäftigen "muss" macht die Arbeit an so einem Diorama so spannend. :1:
Jens  :winken:

eydumpfbacke

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #16 am: 15. Juni 2017, 20:18:39 »
Da kommt der Architekt im Bauing durch...

oder wie soll ich das titulieren?

Schick... Sieht wie echt aus, wenn die Farbe drauf ist...
Es grüßt der Reinhart :santa:

Pille: Eins muss ich sagen, Sie erstaunen mich immer wieder.
Spock: Ich mich auch Doctor.

Hans

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #17 am: 15. Juni 2017, 20:19:51 »
Jens, klasse. Und besonders oberklasse, wie du dich dem Thema und der Zeot näherst!  :klatsch: :klatsch:
Poly(1-phenylethan-1,2-diyl) makes it all

Gilmore

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #18 am: 15. Juni 2017, 21:04:24 »
Moin Jens!



 ?( ...und wo ist da noch gleich der Unterschied zu Heute?  :woist:

 :V:
An.D.Y.

Heute gibt es Modellbau...
Man sollte das ganze Leben nicht so ernst nehmen, man kommt da sowieso nicht lebend raus.

Skyfox

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #19 am: 15. Juni 2017, 21:55:53 »
...meine "Frage" sollte eigentlich vor (böser) Ironie nur so triefen – aber lassen wir das...  ;)
Deine Dioramen-Idee und die laufende Umsetzung fasziniert mich ungemein – gerade WEIL Du hier völlig frei scratchst und die handwerkliche Komponente im Vordergrund steht.
DAS ist Modellbau in Reinform!  :P

MBSTHH 
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Jensel1964

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #20 am: 15. Juni 2017, 22:03:48 »
Mein Lieber, die Ironie hab ich wohl verstanden. :1:
Aber gerade weil ich mir diese Frage auch mehrfach gestellt habe, wurde ich so ausführlich.  :D
Jens  :winken:

Bongolo67

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #21 am: 16. Juni 2017, 07:15:41 »
Moin Jens,

wenn Du glaubst, das ließe ich mir entgehen, bist Du schief gewickelt.
Bin angemessen begeistert. :klatsch:

Gruß

Ulf
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Jensel1964

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #22 am: 16. Juni 2017, 07:31:16 »
Ich hab grad gesehen,  dass ich auf ein paar Kommentare nicht eingegangen bin.
@Gilmore: Ich habe tatsächlich das gesamte Mauersegment mit FIMO verfüllt (bis auf die Fenster) und dann inkl. Holz in den Ofen gegeben. Das klappte bei rd. 110-120°C  ganz großartig.  :P
@Reinhardt: Ich muss gestehen, dass mir da echt ne Menge Hochbauwissen aus dem Studium fehlt. Da gilt es zu recherchieren und verschollenes Wissen (so es denn jemals existierte :woist:) wiederzuentdecken.
@Hans: Vielen Dank. Wobei man aber sagen muss, dass sich die gute Frau Tuchmann auch sehr gut lesen lässt. Ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß mit einem Buch. :1:
@Ulf: Es freut mich besonders, dass Du dabei bist. Mit Deinem "Dann mach doch mal!" zur Jütland-Idee hast das Dioramenbauen bei mir ja ausgelöst. Danke nochmal. :kuss:
Jens  :winken:

Flugwuzzi

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #23 am: 16. Juni 2017, 07:53:59 »
Schöner Start.  :P
Toll zu sehen, mit welcher Begeisterung du dich in das Dio-Thema wirfst. Es macht Spaß bei deinen Ideen, Entdeckungen und Umsetzungen als Mitleser dabei zu sein  :1:

Viel Freude und gutes Gelingen.
lg
Walter
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Jensel1964

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #24 am: 18. Juni 2017, 21:53:38 »
Hallo Walter. Ich freue mich, dass Du auch mit über die Schulter guckst.  :klatsch:

So, auf geht’s zum 2. Teil.

Ich werde das mit dem Text mal auf das Nötigste beschränken.
Nachdem die Wände fertig waren galt es, glaubwürdig Backsteinmauerwerk darzustellen.

Im ersten Schritt habe ich die Holzteile abgelebt, damit sie beim nachfolgenden Grundieren (Vallejo-Grundierung in weiß) nicht auch überdeckt wurden.



Mit Grundierung:



Anschließend habe ich die Steine mit Vallejo Dark Red und Umbra trocken gemalt. Einige Steine habe ich mit Dark Red und Umbra bemalt, um sie etwas hervorzuheben.



Dann fielen die Masken:









Mit dem Ergebnis kann ich ganz gut leben. Den Balken würde ich aber trotzdem noch etwas Verwitterung zukommen lassen (graues Washing und hellgraues Aufhellen).

Ich habe mich auch schon mit den nächsten Schritten befasst.
Einfach war der Teil mit den Dachsparren. Die habe ich aus 2x3 mm starken Hölzern zusammengesetzt.


Der komplizierte Teil wird das Reetdach. Ich zermartere mir seit Tagen den Kopf darüber, wie man sowas glaubhaft und Kostengünstig darstellen kann. Der beste Weg wären bestimmt Pinsel, aber das ist mir wirklich zu teuer.
Ich habe mal versucht, einen anderen Weg zu gehen. Wenn man sich hier im Norden mal so die älteren Reetdach ansieht, erkennt man aus einer gewissen Entfernung keine einzelnen Halme. Stattdessen ist das eher so eine bemooste Fläche.
Beim Stöbern in der heimischen Drogerie Müller bin ich (bildlich gesprochen) über ein Knäuel dicker Wolle gestolpert:

Wenn man die Fäden etwas „aufdröselt“ und mit einer Holzleim-Wasser-Mischung benetzt kommt sowas dabei raus:

Ich muss mal gucken, ob man daraus nicht ein glaubhaftes Reetdach bauen kann

Tcha, und nun habe ich natürlich noch zwei Fragen an die Experten:
 1. Wie muss man sich ein Wirtshausfenster im 14. Jahrhundert vorstellen? Ich tendiere im Moment zu einem mit Tuch behangenen, unverglastem Fenster, das von außen mit Fensterläden verschlossen werden konnte.

2. Ein Wirtshaus hier im Norden hatte sicherlich eine zentrale Feuerstelle. Aber wie sah es mit einem Rauchabzug aus? Durch das Dach und die Fenster? Es wird ja wohl keinen Schornstein gegeben haben, oder? Ist dann im Dach eine Öffnung zu lassen?

Fragen über Fragen, aber das Projekt geht langsam weiter.
 :1:
Ich danke Euch für Eure Kommentare, Anteilnahme und Verbesserungsvorschläge.

Viele Dank,
Jens  :winken:



 

bughunter

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #25 am: 19. Juni 2017, 21:03:43 »
Beim Anblick der weiß/roten Mauer fühle ich mich aus dem tiefen Süden in den Hohen Norden versetzt, ins Alte Land zum Beispiel :P
Das wird was! Herrlich, bei der Entwicklung dabei sein zu dürfen.

Viele Grüße,
Bughunter

Wikipedia sagt: "Ein Modell ist ein vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit."
Deshalb baue ich lieber verkleinerte Originale.

pucki

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #26 am: 20. Juni 2017, 12:38:19 »
RESPEKT. :klatsch: :klatsch: Ein bisher wirklich tolles Teil.  Ich habe jedenfalls wieder viel gelernt wie man gewisse Sachen darstellt. Dafür meinen Dank.  :winken:

2. Ein Wirtshaus hier im Norden hatte sicherlich eine zentrale Feuerstelle. Aber wie sah es mit einem Rauchabzug aus? Durch das Dach und die Fenster? Es wird ja wohl keinen Schornstein gegeben haben, oder? Ist dann im Dach eine Öffnung zu lassen?

Da irrst du dich.  Die ersten Schornsteine gab es schon zu Römerzeit.  Wieder entdeckt wurde er so um das 10-11 Jahrhundert.
Kannst du sogar bei WIKI nachlesen. 

Was die Bauart angeht. So würde ich zu einen alten Schwenkgrill tendieren.  Also unten eine Stelle mit offener Kohle darüber ein eiserner Grill der an einer Kette befestigt ist. Der Rauchabzug dann durch ein offenen Kamin. Dies hatte in der damaligen Zeit des Effekt das die Räume immer LEICHT verraucht waren. Man ging in den Keller (fungierte bis ins frühe 19. Jahrhundert als Kühlschrank) holte ein Stück Fleisch und schmiss es halt auf den Grill. Wobei sich die Frage stellt, ob du überhaupt eine Inneneinrichtung machen willst.

Echter Rauchabzug durch die Fenster ist Unsinn. Ich bin mir zu 1000% Sicher das es damals schon einen Menge Leute gab die an Rauchvergiftung gestorben sind. Deshalb wäre eine solche Konstruktion ohne Kamin/Offenen Rauchabzug völliger Unsinn.

Gruß

  Pucki




Ich bin PucKi, ein älterer Mann und überzeugter Single, der immer noch versucht ein perfektes Modell zu bauen.

Gilmore

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #27 am: 20. Juni 2017, 14:10:41 »
RESPEKT. :klatsch: :klatsch: Ein bisher wirklich tolles Teil.  Ich habe jedenfalls wieder viel gelernt wie man gewisse Sachen darstellt. Dafür meinen Dank.  :winken:

2. Ein Wirtshaus hier im Norden hatte sicherlich eine zentrale Feuerstelle. Aber wie sah es mit einem Rauchabzug aus? Durch das Dach und die Fenster? Es wird ja wohl keinen Schornstein gegeben haben, oder? Ist dann im Dach eine Öffnung zu lassen?


 Also unten eine Stelle mit offener Kohle darüber ein eiserner Grill der an einer Kette befestigt ist.

Gruß

  Pucki

Bezüglich Kohle mal eine Frage: Kannte man in der Region bereits Kohle? Es muß also irgendwo dort auch Kohlevorkommen (ebenerdig, Tagebau) gegeben haben. Oder meintest Du vielleicht Holzkohle?
Vielleicht gehe ich auch von falschen Voraussetzungen aus und Kohle wurde auch damals schon über weite Strecken transportiert (Ruhrgebiet, Schlesien...)
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eydumpfbacke

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #28 am: 20. Juni 2017, 15:03:44 »
Zu der Zeit wurde nach meiner Einschätzung hauptsächlich mit Holz oder Torf geheizt.
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Spock: Ich mich auch Doctor.

pucki

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Re: Dioramenidee "Bargteheide 1364" - Ein Anfang und viele Gedanken
« Antwort #29 am: 20. Juni 2017, 15:03:53 »
Jetzt hast du mich aber böse erwischt.  :pffft:

Ich hab über den Begriff Kohle eigentlich nicht wirklich nachgedacht.

Holzkohle wäre aber Historisch in meinen Augen mit Sicherheit kein Fehler. Immerhin gibt es den Beruf des Köhlers schon seit Ewigkeiten. Ist nur in der Neuzeit ausgestorben. Alternativ wären ein paar Holzscheite auch möglich. Wälder gab es ja damals viel mehr als heute.

Gruß

   Pucki
« Letzte Änderung: 20. Juni 2017, 15:06:24 von pucki »
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