Autor Thema:  Formel 1 Winschutzscheiben nachfertigen  (Gelesen 359 mal)

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MNGL

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Formel 1 Winschutzscheiben nachfertigen
« am: 21. August 2017, 23:24:40 »
Hallo zusammen und alte Bekannte,

nach vier Jahren melde ich mich hier auch mal wieder. Ich beschäftige mich nun schon seit ein paar Wochen mit dem Aufbau einer kleinen Anlage zum Evakuieren von Giessharz und Silikonform und hab' ein wenig was in diesem Thread geschrieben:

http://modellboard.net/index.php?topic=58989.0

Im Wesentlichen ist Sinn und Zweck dieses Projekts, daß ich in der kommenden Oldtimer-Schraubersaison - im Winter - Funktionsteile aus Epoxidharz nachgiessen will.
Da mein Testobjekt aber eine Schnittstelle zum Modellbau darstellt, dachte ich, ich könnte dies hier auch noch posten.

Als Testobjekt, ob ich lupenreine, luftblasenfreie Objekte herstellen kann, nahm ich mir die zerbrochene Windschutzscheibe eines Protar Formel 1 Bausatzes her. Von einem Ferrari 312 T3 in 1:12

Ich habe das zerbrochene Teil hergerichtet und davon eine Silikonform erstellt.


* IMG_4216_small.jpg (14.08 KB . 800x391 - angeschaut 200 Mal)


* IMG_4218_small.jpg (38.79 KB . 800x533 - angeschaut 202 Mal)

Dann versuchte ich mit der Vakuumanlage aus dem anderen Thread diese Windschutzscheibe nachzufertigen. Nach x Versuchen bin ich sehr zufrieden. Lupenrein betrachtet mit einer 8x Uhrmacherlupe.


* IMG_4211_small.jpg (24.26 KB . 800x391 - angeschaut 202 Mal)

Das ist noch dünn mit der blauen Tönung überlackiert. Ein paar Fettkanten und mit reinlackierten Dreck hab' ich noch. Aber der Prozess steht und funktioniert.
Und passen tut das Teil auch noch:


* IMG_0640_small.jpg (48.78 KB . 800x598 - angeschaut 201 Mal)

Bekomme grad Lust darauf, das Modell zu bauen. Vielleicht kommt ja mal wieder was  :winken:

Viele Grüße
Martin




Capri-Schorsch

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Re: Formel 1 Winschutzscheiben nachfertigen
« Antwort #1 am: 22. August 2017, 15:41:48 »
Hallo Martin und welcome home.

Sehr interessantes Projekt. Ich habe deinen thread schon in dem andren Forum verfolgt.
Welches Harz nimmst du denn zum abformen?
Welche Topfzeit hat es und wielange braucht es zum aushärten?
Hast du es Auch schonmal ohne Vakuum geformt?
Schönen Gruß Christian

MNGL

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Re: Formel 1 Winschutzscheiben nachfertigen
« Antwort #2 am: 22. August 2017, 16:28:25 »
Hi Christian,

Harze hab' ich drei verschiedene:

Noch einen Rest von Deinem Ebalta-Harz.
R&G wasserklar
R&G Typ L mit Härter EPH 161

Diese Scheibe ist mit dem 'wasserklar' gegossen. Zusätzlich habe ich die Form auf ca. 80°C vorgewärmt, was die Topfzeit von 300 min(!) auf ca. 1/2 Std. reduziert. Für's Entformen braucht es Geduld. 48 Std. Minimum. Diese dünnen Teile entforme ich lieber erst nach 3 Tagen. Dann noch ein paar Tage liegen lassen und es lässt sich super 'Verputzen' und schleifen.

Dein Ebalta-Harz habe ich auch probiert. Auch damit lassen sich ähnliche Ergebnisse erzielen. Allerdings reduziert die Erwärmung der Form die sowieso schon kürzere Topfzeit dann in einen Bereich, wo man hektisch zur Sache gehen muss.

Das letztgenannte Harz L mit Härter 161 soll für die Funktionsteile her halten. Hier erhalte ich ebenfalls vergleichbare Ergebnisse, was Luftblasen angeht. Allerdings ist es etwas zäher und bekommt daher ein paar Tropfen Systementlüfter. Für Klarsichtteile taugt es nicht. Es ist nicht richtig glasklar und etwas trübe.
Die Teile werden aber sowieso schwarz (5% Abtönpaste) und werden noch mit Glasfaserschnitzel versetzt.
Das Hauptkriterium zur Auswahl dieses Harzes waren die Festigkeitswerte und vor allem die Wärmeformbeständigkeit von bis zu 120°C. Allerdings nach Tempern.

Ohne Evakuieren wird es mit allen dreien nicht so wie ich es will. Die Windschutzscheibe ist zu dünn. Alles mögliche probiert. Langsamer Mischen, langsamer in die Form giessen, etc., etc. Und für meine Funktionsteile will ich maximal erreichbare Blasenfreiheit aufgrund Festigkeit des fertigen Teils. Dort kommt es gar nicht so auf die Optik an, da die Schaltteile weitgehend im Innern eines Lenkstockschalters werkeln. Aber eine Luftblase an der falschen Stelle und das Ding ist nur noch halb so stabil. Wenn überhaupt.
Da ich ein schwarzes Teil ohne Zerstörung nicht prüfen kann, wie es im innern aussieht, will ich einen sicheren Prozess. Und an den taste ich mich halt mit Klarsichtteilen ran. Wenn ich die Silikonform habe, werde ich auch erst einmal ein paar Testteile ohne Abtönpaste giessen.

Der Vollständigkeit halber. Die blaue Tönung der Scheibe ist ausschliesslich dem Lack zuzuschreiben. Einfach einen winzigen Tropfen Tamiya Acryl blau in Mipa 2K Klarlack CC6. Ein relativ neuer Klarlack. Super empfehlenswert. Sehr guter Verlauf und viel schneller hart, als was ich bisher hatte.
Wermutstropfen; Das Prädikat 'vorverdünnt, weniger Verdünnung notwendig'. Was hießt, man kauft jetzt weniger Lack und dafür mehr teurere Verdünnung. Halt schon gemischt.  8)

Viele Grüße
Martin

Tormentor

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Re: Formel 1 Winschutzscheiben nachfertigen
« Antwort #3 am: 23. August 2017, 05:43:19 »
Ich wäre ja nun absolut schmerzfrei und würde das blau mal direkt in das Harz mischen. Lachen oder Krachen, könnte eine Menge Arbeit sparen.  :D
Gibt's für das "Glasklar" Pigmente zum einmischen?

 :winken:




Travis

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Re: Formel 1 Winschutzscheiben nachfertigen
« Antwort #4 am: 23. August 2017, 09:19:42 »
Also, ich finde ja, Klarsichtteile in so einer Qualität abzugießen, ist schon großes Kino!  8o  :klatsch:
Find ich klasse!

Vielleicht würde ich aber auch einen Versuch wagen, die Klarsichtteile - wenn notwendig - direkt abzutönen...  :woist:

Tho :santa:
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MNGL

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Re: Formel 1 Winschutzscheiben nachfertigen
« Antwort #5 am: 23. August 2017, 11:51:18 »
Hallo Ihr beiden,

ja. Pigmente für das Harz gibt es. Ich habe mir auch neben dem schwarzen, welches ich definitiv brauche, ein blaues mitbestellt.


* IMG_0644_small.jpg (92.85 KB . 800x598 - angeschaut 109 Mal)

Wird aber nix. Den Farbton trifft's nicht nach meinem Geschmack. Weiterhin trübt es das Harz. Es geht also Transparenz verloren.
Das Harz mit dem Tamiya Acryllack, der den Farbton ganz gut trifft, zu tönen, funktioniert überhaupt nicht. Der Lack löst sich nicht richtig. Am Ende sieht es mit der Lupe aus, als hätte man blaues Pulver ins Harz gestreut.
Im Ggs. zum 2K-Lack. Da drin löst sich der Tamiya-Lack einwandfrei homogen.
Das letzte Quentchen Brillanz kommt auch erst mit dem Lackieren mit dem 2K-Klarlack.
Ansonsten müßte man das Teil hochglanzpolieren, was wesentlich mehr Arbeit macht.
Ansonsten gäbe es noch ein 'blau transparent', womit z.B. Eisenbahner Seen und Flüsse darstellen.
So verputze ich es mit Schleifpapier 400. Schleife noch zweimal nass mit 800er und 1500 Papier und lackiere. Fertig.
Echte getönte Verbundglasscheiben am Auto haben ja auch kein gefärbtes Glas. Da entsteht die Tönung eben durch die Folie zwischen den beiden Verbundscheiben.

Viele Grüße
Martin