Autor Thema:  Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?  (Gelesen 967 mal)

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Romeo Delta

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Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?
« am: 10. September 2017, 14:50:16 »
Ich arbeite schon seit längerer Zeit am Rumpf für einen Seaking Heli. Der 'Bausatz' bestand aus ein paar geformten Teilen aus PET. welche ich selbst ausschneiden und zusammenfügen musste. Das Ergebnis ist eine Art Colaflasche mit der groben Form eines Helis ohne sonderliche Details. Diese Details (und auch der Einbau der Mechanik) muss man selber erledigen. Dafür ist der Preis für den Rumpf im Bereich von zweimal Mittagessen bei der Arbeit.

Hier ein Bild von der 'Colaflasche' und dem Holzgerippe zur Montage der Mechanik und des Fahrwerks:


* Fahrwerk.jpg (134.92 KB . 1024x768 - angeschaut 226 Mal)

Hier geht es jetzt um die Fahrwerksbeine, die ich mir angefertigt habe. Mechanisch ist alles in Ordnung. Die Achse ist aus Federstahl und kann ohne Probleme ein Mehrfaches des Gesamtgewichts des fertigen Helis tragen. Das ein- und ausfahren wird von einem Servo erledigt, welches auf dem Bild aber fast nicht zu erkennen ist. Optisch ist allerdings noch einiges zu tun. Immerhin habe ich die Doppelräder hinbekommen und großartig darauf herumrollen muss der Heli eigentlich nicht.

Hier einmal ein Bild von einem echten Seaking: http://2.bp.blogspot.com/-_cspyMau3S4/VYQhdvnIQkI/AAAAAAAAISU/DFcMe_T42xk/s640/66-a13-landing.jpg

Man kann auf dem Bild das Fahrwerk gut erkennen. Ich würde gerne Verkleidungen mit einem 3D Drucker herstellen. welche über die eigentlichen Beine geschoben werden können. Ich stelle mir das so vor, daß diese Teile aus einem Röhrchen bestehen, an welchem die beiden dreieckigen Streben und alle anderen Details befestigt sind. Das Röhrchen wird einfach über das eigentliche Bein aus Federstahl geschoben und befestigt. Es ist reine Dekoration und muss kein Gewicht tragen.

Die wichtigste Frage ist jetzt. wie man sowas druckt. Es gibt keine ebene Bodenfläche und eine Aufteilung in zwei Hälften ist auch nicht sonderlich sinnvoll. Ich würde gerne so wenig wie möglich kleben müssen, damit sich in der Luft nicht die eine oder andere Dekoration selbständig macht. Hier mal eine grobe Zeichnung, wie das Teil aussehen wird:


* FahrwerkDeko.jpg (17.51 KB . 718x476 - angeschaut 225 Mal)

mumm

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Re: Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?
« Antwort #1 am: 10. September 2017, 16:11:06 »
Und wenn du statt zu drucken einfach Messing nimmst und dir die Verkleidungen zusammen lötest?
Die Form der Dreiecksbleche sollte ja recht einfach herzustellen sein.

Peter  :winken:

Lupusprimus

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Re: Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?
« Antwort #2 am: 10. September 2017, 16:33:52 »
Ich nehme jetzt mal an, Du kannst 3D zeichnen. In dem Fall lädt man seine Zeichnung einfach bei Shapeways hoch und die drucken Dir das (Verfahren heißt Pulversintern). Ob Du nur "White strong & Flexible" oder das noch "Polished" nimmst, dürfte bei Deinem Bau eher Rille sein. Die Bauteile halten durchaus hohe Belastungen aus, sind formstabil, aber nicht spröde.
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Romeo Delta

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Re: Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?
« Antwort #3 am: 10. September 2017, 17:42:47 »
Und wenn du statt zu drucken einfach Messing nimmst und dir die Verkleidungen zusammen lötest?
Die Form der Dreiecksbleche sollte ja recht einfach herzustellen sein.

Peter  :winken:

Auch eine Idee, auch wenn ich dafür noch nicht wirklich ausgestattet bin. Ich löte zwar öfters, aber eher Elektronik. Das wäre was Neues.

Ich nehme jetzt mal an, Du kannst 3D zeichnen. In dem Fall lädt man seine Zeichnung einfach bei Shapeways hoch und die drucken Dir das (Verfahren heißt Pulversintern). Ob Du nur "White strong & Flexible" oder das noch "Polished" nimmst, dürfte bei Deinem Bau eher Rille sein. Die Bauteile halten durchaus hohe Belastungen aus, sind formstabil, aber nicht spröde.

Hi, ich hatte eine Woche Zwangspause und probiere gerade meine neue Internetverbindung aus. Mit Blender kann ich halbwegs umgehen. Allerdings habe ich bisher nur Futter für die Graphikkarte damit gemacht. Auf Maß zu arbeiten ist also neu, aber das werde ich schon hinbekommen. Bei Shapeways habe ich bereits herumgestöbert und mich gewundert. warm solche Sachen kaum irgendwo erwähnt werden.

Das ist übrigens der Seaking, von dem ich bereits geschrieben habe. Der kommt an die Reihe sobals die Huey fertig ist.


Ich habe übrigens noch ein besseres Bild des Landegestells gefunden: http://www.aircraftresourcecenter.com/AWA1/001-100/walk078_Seaking/images%20Percy%20Olson/SeaKing_26_Left_Landing_Gear_01.jpg
« Letzte Änderung: 10. September 2017, 17:45:57 von Romeo Delta »

alf-1234

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Re: Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?
« Antwort #4 am: 10. September 2017, 18:01:48 »
Um sowas zu drucken, muss man mit Stützstrukturen oder ein Raft arbeiten. Ich frage mich aber, ob sich der Zeitaufwand lohnt???
Nehme ein Röhrchen und klebe links und rechts das Dreieck aus Balsaholz an. Das geht schneller als 3D drucken. Und Balsa ist leichter als Messing.

mause

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Re: Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?
« Antwort #5 am: 12. September 2017, 09:47:32 »
Wie sind die Abmessungen von dem Teil?
Zum Drucken ist die Wandstärke nicht unwesentlich.
Wenn man das Teil auf den Kopf stellt, hat man doch eine glatte Auflagefläche.

<°JMJ-

Romeo Delta

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Re: Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?
« Antwort #6 am: 12. September 2017, 10:30:57 »
Wie sind die Abmessungen von dem Teil?
Zum Drucken ist die Wandstärke nicht unwesentlich.
Wenn man das Teil auf den Kopf stellt, hat man doch eine glatte Auflagefläche.

<°JMJ-
Ich bin gerade an der Arbeit und kann nicht schnell mal nachmessen, aber grob geschätzt: Höhe 50mm, Breite 30 mm. Mit der Wandstärke kriegen wir da wenig Probleme, denke ich. Reicht es denn, das Teil aufrecht zu stellen? Wackelt es dann nicht beim Drucken und wird dann ein modernes Kunstwerk?

mause

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Re: Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?
« Antwort #7 am: 12. September 2017, 10:52:23 »
Wenn es wackelt, kann man auch ein Raft unter das Teil drucken, das sich nach dem Druck ganz leicht entfernen lässt.
Ich habe allerdings schon ähnlich dünne Bauteile ohne Raft gedruckt.
Sollen die schwarzen Punkte Löcher darstellen?

<°JMJ-

Romeo Delta

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Re: Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?
« Antwort #8 am: 12. September 2017, 22:29:26 »
Ja, das sind Löcher. Die Zeichnung war auch nur quick and dirty. Hier nochmal ein besseres Bild von einem Landebein: http://www.aircraftresourcecenter.com/AWA1/001-100/walk078_Seaking/images%20Percy%20Olson/SeaKing_26_Left_Landing_Gear_01.jpg

Ich habe übrigens jetzt einen kleinen Drucker hier. Mal sehen, wie weit ich mit diesem Ding komme.


Darklighter

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Re: Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?
« Antwort #9 am: 13. September 2017, 00:15:17 »
Die wichtigste Frage ist jetzt. wie man sowas druckt.
Das kommt auf die Drucktechnik an, es gibt ja eine ganze Reihe unterschiedlicher Verfahren. ;)
Wenn du sowas mit einem einfachen FDM-Drucker druckst, dauert die Nachbearbeitung ggf. länger als der konventionelle Bau aus Röhrchen und Balsaholz o. ä.
Gruß
Markus

mause

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Re: Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?
« Antwort #10 am: 13. September 2017, 15:35:16 »
Wenn es ohne viele Nacharbeiten gedruckt werden soll, würde ich das Teil bei Shapeways drucken lassen.
In der Ausführung White Strong & Flexible dürfte das Teil 5 bis 10 Eumel kosten, ist leicht, sieht perfekt aus und wäre auch belastbar.

<°JMJ-

Romeo Delta

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Re: Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?
« Antwort #11 am: 18. September 2017, 01:01:41 »
Probieren geht über studieren, also habe ich mir einfach einen günstigen 3D Drucker geholt. Hier ein Bild von einem objekt, welches ich zum Ausprobieren gedruckt habe:


* GangTest.jpg (145.7 KB . 1024x768 - angeschaut 125 Mal)

Von der Form her ist dieses Stückchen Gang natürlich ideal. Nur im Rahmen der Türe sieht man nennenswerte Fäden. die noch entfernt werden müssen, aber das wäre nicht viel Arbeit. Die beiden Hälften der Türe kann man so wie sie sind sofort mit einem stück Draht als Türscharnier zusammenkleben und dann die Kleberänder noch etwas glätten. Fertig. Grundieren and bemalen. Großartige Nachbearbeitung ist hier also nicht nötig.

Das Fahrwerk für den Heli würde ich jetzt ähnlich wie bei den Türen vorgehen: Zwei Hälften, welche dann zusammengeklebt werden. Ich habe versucht. teile mit Stützstrukturen zu drucken. aber mit dem Ergebnis war ich nicht zufrieden. Zumindest mit diesem Drucker sieht die Unterseite immer schlechter als die Oberseite aus, auch dort wo keine Stützstrukturen entfernt werden müssen. Zwei Hälften scheinen da die beste Lösung zu sein.

Als nächstes habe ich die Winde und den Schwenkarm für die huey angefertigt. dies sind meine ersten selbstgemachten Objekte zum drucken. welche für den Anfang noch nicht so anspruchsvoll waren. Bei der runden Form des Windengehäuses war mir aber klar, daß etwas spachteln und schleifen fällig wird. Hier erst einmal ein bild von der Winde einer echten Huey:

http://www.grubbyfingersshop.com/walkaround_galleries/bell_uh-1b_iroquois_walkaround_a2-384_raaf_museum_point_cook_2010/content/bin/images/large/bell_uh-1b_iroquois_walkaround_a2-384_raaf_museum_point_cook_2010_050.jpg

Und hier meine Teile. Das  Windengehäuse habe ich schon etwas gespachtelt und geschliffen und ist fast fertig. Den Arm habe ich hier noch nicht nachbearbeitet:


* HueyWinde.jpg (144.81 KB . 1024x768 - angeschaut 125 Mal)

Ich bin eigentlich ganz zufrieden damit. Ich brauche diese Teile ja nur ein einziges Mal und dann ist etwas Nachbearbeitung absolut ok. Die Maße musste ich anhand der Bilder schätzen, aber am Modell sieht das eigentlich schon recht korrekt aus. Möglicherweise müsste ich den Arm nochmal genau mit den Bildern vergleichen und noch kleine Korrekturen machen, aber das wäre es dann auch. Für den ersten Anlauf bin ich aber auch hiermit ganz zufrieden.


So, jetzt würde ich gerne meine ersten Versuche mit dem Fahrwerk zeigen, aber der Drucker ist (wortwörtlich) abgeraucht. Es gab einen Knall und etwas Rauch kam aus dem Druckkopf. danach sank die Temperatur des Filaments auf die Hälfte. Sieht so aus, als hätte in der Heizung irgendwo ein Kondensator den Geist aufgegeben. Das nenne ich wohl mal einen Garantiefall.
« Letzte Änderung: 18. September 2017, 01:07:49 von Romeo Delta »

alf-1234

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Re: Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?
« Antwort #12 am: 20. September 2017, 18:42:14 »
Was für einen Drucker hast du dir denn geholt????
Wird wohl der Heizkopf durchgebrannt sein. Das hört sich nicht gut an.

Romeo Delta

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Re: Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?
« Antwort #13 am: 20. September 2017, 19:56:28 »
So einen hier: https://www.conrad.de/de/renkforce-rf100-3d-drucker-starter-kit-inkl-filament-1507428.html

Der Ersatz druckt gerade eine Pilotenfigur und gleich werde ich auch an den Landebeinen für den Seaking arbeiten. Hoffentlich hält dieser hier etwas besser durch. Interessanterweise hatte ich beim ersten keine Probleme mit warping, dieser hier kann es kaum lassen. Liegt das möglicherweise an der Qualität des Filaments?




Darklighter

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Re: Wie druckt man Teile, die keine flache Grundfläche haben?
« Antwort #14 am: 20. September 2017, 20:52:01 »
So einen hier: https://www.conrad.de/de/renkforce-rf100-3d-drucker-starter-kit-inkl-filament-1507428.html

Der Ersatz druckt gerade eine Pilotenfigur und gleich werde ich auch an den Landebeinen für den Seaking arbeiten. Hoffentlich hält dieser hier etwas besser durch. Interessanterweise hatte ich beim ersten keine Probleme mit warping, dieser hier kann es kaum lassen. Liegt das möglicherweise an der Qualität des Filaments?
Das kann an so vielem liegen (Ausrichtung des Druckbetts, Luftstrom durch den Lüfter, Temperatureinstellungen,...). Hier sind ein paar Tipps bzgl. Warping zum Ultimaker (gleiches Prinzip): https://ultimaker.com/en/resources/19537-how-to-fix-warping
Gruß
Markus