Autor Thema: Flugzeuge Douglas EC 47-N  (Gelesen 4636 mal)

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Murdock

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Flugzeuge Douglas EC 47-N
« am: 12. November 2004, 21:32:07 »
Baubericht EC 47-N


Das Vorbild



1953 wurden erstmals 26  Transportflugzeuge des Typs Douglas C-47 mit umfangreichen elektronischen Überwachungsgeräten ausgerüstet um sowjetische Radar- und Funkaktivitäten jenseits des Eisernen Vorhanges zu beobachten. In den folgenden Jahren wurde diese Modellreihe ständig weiterentwickelt und gipfelte Ende der 60er Jahre in der Baureihe EC-47, die bei der Truppe spöttisch-liebevoll „Electric Goon“ genannt wurde. Mein Contestmodell ist eine EC-47N (N= P&W R-1830-92 Motoren) mit der Seriennummer 42-100 513. Sie gehörte zur 361st Tactical Warefare Squardron / 460th Tactical Reconnaissance Wing und war überwiegend in Tan Son N´hut (Saigon) und Ubon (Thailand) stationiert.

Die Aufgabe dieser Maschinen war das Abhören und Lokalisieren nordvietnamesicher / Vietcong Funkanlagen. Dazu waren die Maschinen mit einer Vielzahl von Dipol-, Draht- und Klingenantennen ausgestattet. Die Draht- und Klingenantennen dienten dabei zum Erfassen feindlicher Sender, während die Dipole an Rumpf und Tragflächen als Gruppenantenne arbeiteten und über die Phasenverschiebung des Funksignals den genauen Standort eines Senders bestimmten. Zur genauen Bestimmung  der eigenen Position waren die Maschinen  mit einem hochpräzisen Gyrokompass, einem TACAN-Receiver und einem Dopplerradar ausgestattet. Der Peilvorgang erfolgte bei den späten Ausbaustufen  rechnergesteuert und dauerte ca. 2 min. Darüber hinaus gab es an Bord Dechiffrieranlagen, Tonbandgeräte zum Mitschneiden der Funksprüche und einen Funkfernschreiber, der Morsesignale direkt in alphanumerische Zeichen umsetzte. Laut USAF-Quellen wurden 50% aller angepeilten Sender mit einer Genauigkeit von 600m, und 72% aller angepeilten Stationen mit einer Genauigkeit von 1500m aufgelöst. Erfasste Sender wurden üblicherweise innerhalb von 30 min aus der Luft bekämpft. Darüber hinaus diente ein Großteil dieser ARDF-Einsätze (airborne radio detection and finding) als Zielfestlegung für B52-Höhenbombardements. Die Einsätze wurden unter strengster Geheimhaltung geflogen. Im Normalfall kannte nur der Navigator die Flugroute und der Besatzung war es verboten mit der Überwachungscrew zu sprechen und den Kabinenbereich zu betreten.



Die Skizze gibt in etwa das Innenleben meiner gebauten Variante wieder. Insgesamt befinden sich fünf Konsolen in der Kabine. Soweit ich der englischen Literatur folgen konnte, handelt es sich bei der „X-“ und der „Y-Konsole“ um Bezeichnungen für 2 militärisch genutzte Frequenzbänder im HF-Bereich und bei den beiden „Z-Konsolen“ um UHF/VHF-Frequenzbänder. Im ehemaligen Funk- und Navigatorraum hinter dem Cockpit befindet sich eine Auswerte-/Analysekonsole. Der Navigator sitzt in der Kabine, da er während der Senderpeilungen  eng mit den Auswertern zusammenarbeiten muss.

Weitere Informationen zu diesem Flugzeug gibt es hier:

http://www.ec47.com/index.php

http://www.angelfire.com/ar/kb5kcd/


Der Bausatz

Für jemanden, der sein letztes Flugzeugmodell vor mehr als 20 Jahren gebaut hat, ist eine DC3 /C 47 eigentlich ein ideales Comebackmodell. Wenige Bauteile, dafür aber recht groß, keine komplizierte Form, Unmengen von Bildern und Infos im Internet und mit dem Antennenkram (Baumuster EC-47N) auch noch ein wenig Arbeit für den kreativen Daumen. Besonders ihre 6 Drahtantennen längs der Rumpfachse (Banjo-wires) machen sie als Modell besonders interessant. Bei späteren Versionen wurden sie durch Antennenstummel unter dem Rumpf ersetzt. Eine passende DC3 gab es für kleines Geld von Italeri, dazu noch einen Ätzteilesatz von Eduard und Backgroundlektüre von Squardron/Signal (C47  Skytrain in action). Anfang Juli wurde alles bestellt. Nach 2 Wochen kamen als erstes die PE-Parts, nach 5 Wochen war das Buch aus England da. Nur beim Modell vertröstete mich mein Händler von Woche zu Woche. Nach fast 6 Wochen Wartezeit bekam ich langsam kalte Füße, denn nirgendwo war dieser Bausatz verfügbar. Gott sei Dank konnte ein Freund das Modell für mich auftreiben und am 22. August fiel der Startschuss.




Allgemein

Der Bausatz besteht aus überschaubaren 60 Teilen mit versenkten Gravuren in recht guter Passform. Die Gravuren sind zu tief und breit und bestehen entlang des Rumpfes nur aus Längslinien. Nieten und Quernähte der Rumpfpanels fehlen vollständig. Ich habe mir auch nicht zugetraut sie nachzugravieren, und deshalb blieb der Rumpf so wie er war. Die Gravuren der Tragflächen waren dagegen sehr stimmig. Ich hatte während der Bausatzsuche auch eine 70er Jahre Airfix DC3 in den Händen. Bei der sind die Panels zwar vollständig und sogar mit Nieten dargestellt, aber die sind so dick, das man glaubt eine Kartoffelreibe in der Hand zu haben. Die Verglasung war dick wie Panzerglas und schlierig. Der Spritzling flog im hohen Bogen in die Restekiste.

Der PE-Satz hatte ca. 200 Teile, verteilt auf 2 Platinen. Er bestand aus neuen Cockpitinstrumenten, Sicherheitsgurten, Fahrwerksteilen und -schächten, Landeklappen und diversem Kleinkram. Außerdem war eine bedruckte Folie für das Instrumentenpanel beigefügt.
Die Grundlackierung habe ich mit Humbrolfarben durchgeführt, die ca. 10% aufgehellt wurden. Die Gravuren und Verwitterungsspuren wurden mit Acrylfarben von Schminke und Lukas hervorgehoben. Beim weathering habe ich außerdem Lasurfarbe von Createx eingesetzt.

Cockpit/Kabine

Das Cockpit wurde mit den PE-Teilen von Eduard  komplettiert, obwohl man beim fertigen Modell so gut wie nichts mehr davon sieht. Es erhielt neue Gurte, Front-/Seiten- und Deckenpanels für die Instrumente, Pedale…eben der übliche Kabinenkrempel.


 
Der Kabinenbereich hinter dem Cockpit bestand nur aus einer Bodenplatte mit zwei eingeformten Sitzplatzreihen. Um den Innenraum der Electric Goon aufzubauen, wurden die Bänke entfernt und eine neue Bodenplatte aus 0,5mm Sheet aufgeklebt. Da die Sitzreihen enorm zur Verwindungssteifigkeit den Bodenplatte beigetragen haben, wurden auf die Unterseite zwei 4x4mm Plastik-Profile in Längsrichtung geklebt, um so den neuen Fußboden in Form zu halten.



Anschließend wurden vier der fünf Operatorkonsolen nachgebildet. Die Auswertekonsole hinter dem Piloten ist beim Modell nicht einzusehen, folglich habe ich sie nicht gebaut. Die Geräteracks und die Bestuhlung entstanden aus PS-Sheet in verschiedenen Plattenstärken. Um die Funk- und Auswertegeräte darzustellen, habe ich diverse Fotos von Funk- und Navigationsgeräten, aber auch von Gitarrenverstärkern und PC-Terminals aus dem Internet kopiert, mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen zu kompletten Konsolen zusammengestellt und auf Fotopapier ausgedruckt. Diese wurde einfach auf die Fronten der Racks geklebt. Von der Bestuhlung hatte ich keine brauchbaren Bilder, aber wer bisher nur Martin Baker Schleuderstühle kennt, kennt nun auch Murdock-Sessel. Das Design ist eine Mischung aus B 52, U-Boot-Sonarplatz und IKEA Modell Kryg. Ursprünglich sollte auch der Tisch für den Navigator mit an Bord. Er ist mir allerdings so schlecht gelungen, dass ich ihn wieder rausgeschmissen habe. Stattdessen habe ich ein Regal mit Funkgeräten eingebaut.



An den Innenseiten der Rumpfhälften fehlen  die Quer- und Längsspanten (Stringer). Im Sichtbereich der geöffneten Ladetür habe ich sie aus Evergreensreifen (0,3 x 0,5mm und 0,3 x 0,75mm) nachgebildet. Bei den Querspannten stimmt der Abstand, in Längsrichtung hätten es fast doppelt so viele sein müssen. Aber da das verwendete Material  zu dick ist, habe ich es bei einer anschaulichen Anzahl von Streben belassen. An der Türkante wurde der Kunststoffrumpf dünner geschliffen und mit einem Rahmen, ebenfalls aus Evergreen, versehen.
Es war ein Fehler, die neue aufgeklebte Bodenplatte genau so groß anzufertigen wie das Originalteil. Durch die zunehmende Rumpfbreite entstanden links und rechts 1mm breite Spalte. Ich verschloss sie mit 2 Sheetstreifen und behaupte seitdem, dass es sich hierbei um Kabelkanäle handelt. Die angeformten Flügelwurzeln habe ich mit Tamiya 2k-Spachtel geschlossen und glattgeschliffen.



Mit dem gleichen Spachtel wurde der Dachbereich hinter dem Cockpit ca. 5mm dick verstärkt. In diesen Bereich wurden zu einem späteren Zeitpukt die Löcher für die Isolatoren der 6 Drahtantennen gebohrt. In der Navigatorsektion musste noch ein kleines Fenster links hinter dem Cockpit ausgeschnitten werden. Als letzte Aktion vor dem Verkleben der Rumpfhälften wurden neue Fenster aus Blisterfolie geschnitten und mit Cyanacrylat eingeklebt. Danach habe ich den Rumpf erstmal beiseite gelegt.

 
« Letzte Änderung: 03. März 2018, 22:51:57 von Murdock »

Murdock

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Douglas EC 47-N
« Antwort #1 am: 12. November 2004, 21:33:27 »
Motoren

Der Bausatz lässt nur den Bau von Motorgondeln mit geschlossenen Luftklappen zu. Das sah ziemlich langweilig aus. Deshalb kamen die Motorverkleidungen unter die Fräse und wurden von ihren alten Luftklappen befreit.



Der Versuch die Klappen aus 0,25mm Kupferblech anzufertigen ist total in die Hose gegangen. Das Blech war viel zu dick. Mittels CAD-Software habe ich neue Klappen gezeichnet und ausgedruckt. Das Papier wurde danach mit eine Lage Alufolie geklebt (gibt´s nicht nur bei der Tirpitz sondern auch hier :D ) und entlang der gezeichneten Linien ausgeschnitten, bzw. gebogen. Das Material ist so stabil, das ich die aufgedruckten Befestigungsnieten mit einer Nadel durchprägen konnte. Die Verbindung der – nun abgetrennten -  vorderen Verkleidung mit den Tragflächengondeln erfolgte später mit 3 in Längsrichtung eingeklebten Drahtstiften.



Die Motoren selbst sind sehr einfach gehalten und bestehen nur aus den beiden Zylinderkreisen. Man darf sie nur nicht laut Bauanleitung zusammenbauen, dann montiert man nämlich den hinteren Zylinderkreis falsch herum. Der Abstand der beiden Zylinderkreise ist zu groß und wurde mit Proxxon und Fräse auf ein vernünftiges Maß reduziert.
Durch das Öffnen der Lüftungsschlitze war es möglich die Rückseite der Motoren zu sehen und so mussten in Handarbeit Ansaug- und Abgasleitungen aus Kupferdraht gbogen und  eingebaut werden. Bei der Gelegenheit flogen auch gleich die Auspuffrohre in die Restekiste und wurden durch selbst gebogene und gelötete Rohre aus Messing ersetzt. Dem Bausatz liegen drei verschiedene Ansaugstutzen für die Vergaser bei. Die für mein Baumuster benötigten RAM-Schächte wurden an der Mündung geringfügig geändert und bekamen je ein Leitblech verpasst.    




Rumpf

Nach dem Zusammenfügen der Rumpfhälften wurde als erstes die Form der Bugnase korrigiert unter der die Radarantenne saß. Dazu wurde der Bugbereich abgeklebt und die Nase mit 2k-Spachtel neu geformt. Um eine bessere Verzahnung mit dem Kunststoff zu bekommen, habe ich einige Kerben ins Material geschnitten. Anschließend feilen, schleifen, Gravuren nachziehen : Fertig.



Der Astrodom war zu dickwandig und die Glaskuppel war ein trübe Linse. Aus einem Streifen Ätzteilrahmen und tiefgezogener Blisterfolie entstand kurzer Hand ein neuer. Zunächst wurde aber nur der Rahmen eingebaut.
Als nächstes habe ich die Flossen des Höhenleitwerkes abgetrennt, die Schnittkanten verspachtelt, neue Scharniere eingesetzt und das Ganze mit ca. 30° Anstellung wieder montiert. Das war just for fun. Ich finde, der Rumpf sieht dadurch nicht so „steif“ aus. Zum Schluss wurde das einteilig gespritzte Spornrad zerlegt und bekam einen Stoßdämpfer und eine echte Achse verpasst.  




Tragflächen, Fahrwerk, Endmontage

Die Tragflächen bestehen aus fünf Teilen, jeweils einer Ober- und Unterseite und einem mittleren Verbindungsstück. Durch das durchgehende Mittelstück brauchte ich mir keine Gedanken um den korrekten Winkel der Tragflächen in der Horizontalen zu machen, da dieses Teil auf jeden Fall 100% rechtwinklig unter dem Rumpf saß. Bevor ich es eingebaut habe, wurden Teile der Tragflächen ausgeklinkt (Unterseite) bzw. dünner gefeilt (Oberseite) um die geätzten Landeklappen unterzubringen. Mit einem quer eingeklebten Quadratprofil habe ich das Mittelstück gegen den Rumpf abgestützt, weil bei dieser Schneideaktion das hintere Auflager des Tragflächenelementes mit entfernt wurde. Die Innenseite des Mittelstücks habe ich benutzt um die Deckkraft der Lacke zu testen. Rechts mit Grundierung, links ohne. Da nur die weiße Farbe einen gelbliche Stich durch den grünen Kunststoff bekam, habe ich auf eine Grundierung der Oberseite verzichtet.


               
Vorher wurden noch  die Fahrwerksschächte (Eduard) eingebaut und verspachtelt. Aus Modelliermasse habe ich zwei Öltanks geformt (diese grünen Dinger) und in die Schachtböden geklebt.  Die Ölkühler habe ich aus Alufolie und Ätzteilgittern nachgebaut. Aus Kupferdraht und verdrehter Alufolie entstanden einige Rohrleitungen und Kabel. Ein Schaltkasten (Motor-Not-Aus ?) und Bleche für die Öltanks wurden aus dem Eduard-Set hinzugefügt.



Als nächstes wurden die vormontierten äußeren Flügelteile angeklebt. Geringe Passungsungenauigkeiten an den Flügelwurzeln konnte ich mit 0,5mm Sheet ausgleichen. Abschließend wurden die Landeklappensegmente aus dem Eduardsatz hergestellt (eine Arbeit für jemanden der Vater und Mutter erschlagen hat) und die Klappenelemente für die Tragflächenoberseite eingeklebt. Die unteren Klappen wurden separat lackiert und erst ziemlich zum Schluss angeklebt.
Bis auf die Anbauteile war der Rumpf fertig und an den folgenden 3 Tagen vertrieb ich mir die Zeit mit dem beliebten Spiel: Kontrastlack-Spachteln-Schleifen. Als letzte Bauaktion vor dem Lackieren wurden die Isolatoren der sechs Drahtantennen und der Funkbarkenantenne rechts unterhalb des Cockpits eingebaut. Zunächst wurden hinter dem Cockpit 6 Löcher jeweils rechtwinklig zur oberen Rumpfhälfte gebohrt, und zwar genau da, wo ich vorher den Rumpf verstärkt habe. Die Isolatoren bestehen aus 10mm langen Messingrohren. 5mm davon wurden mit einer Flachzange platt gedrückt, bis sie eine schöne Stromlinienform hatten.



Das Hauptfahrwerk war eines meiner größeren Sorgenkinder. Die Fahrwerkstützen sind sehr filigran und stecken bausatzmäßig in Löchern in der Tragflächenunterseite. Bei einer richtigen C47 reichen sie natürlich in die Schächte hinein und sind mit einer quer liegenden Drehachse verbunden. Das echte Fahrwerk hat ein Kniegelenk und die Stützen knicken beim Einziehen wie Scharniere ein. An diesen Scharnieren habe ich die oberen Rohre abgetrennt und längere Standrohre aus Messing eingebaut. An die Enden wurde ebenfalls aus Messing die Drehachsen angelötet. Den fehlenden Hydraulikzylinder konnte ich aus 1mm Messingrohr und einer Kanüle nachbilden. Für die Bremsleitungen habe ich 0,2mm Kupferlackdraht verwendet.






Lackieren 1

Nach dem Abkleben der Fensterflächen wurde zunächst die Unterseite grundiert. Anschließend habe ich mit Schwarz ein Preshading versucht. Da es mein erster Versuch war, ist er auch total daneben gegangen. Nachdem ich die Unterseite weiß lackiert habe, war nämlich nichts mehr vom Preshading zu sehen. Gleichzeitig mit der Unterseite wurden diejenigen Rumpfbereiche weiß lackiert, auf die später Decals oder Kennungen geklebt werden. Danach habe ich die Unterseite abgeklebt und die Bereiche der Propellermarkierungsstreifen großzügig rot gesprayed.




Murdock

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Douglas EC 47-N
« Antwort #2 am: 12. November 2004, 21:34:19 »
Decals

Der Italeri-Bausatz beinhaltet nur Decals für WK2-Ausführungen und einen Zukauftbogen gibt es auch nicht, deshalb entstanden neue Decals mit Hilfe von CAD-Software. Nach dem Zeichnen habe ich sie in 95% der erforderlichen Größe (minimal kleiner) auf Papier geplottet und das Blatt mit transparenter Maskierfolie abgedeckt. Entlang der Decalkanten wurden aus der Folie Abdeckmasken geschnitten und auf dem Modell positioniert. Die große Leitwerkskennung „AL 513“ und die roten Propellermarken konnten direkt maskiert werden.
Danach wurden die gezeichneten Decals auf transparenter Decalfolie ausgedruckt. Nachdem die Farbe getrocknet war wurde die Folie mit zwei Schichten Microcsale Liquid Decal Film wasserfest versiegelt. Lediglich die Schriftzüge „Propeller“ und „Danger“ wurden von Bausatzbogen verwendet.
Die Decalfolie ließ sich recht gut verarbeiten, allerdings ist die Deckkraft der Inkjetfarben nicht besonders gut und ohne weißen Untergrund kommt es zu starken Farbabweichungen. Die gelben Markierungen für die Notausstiege waren deshalb unbrauchbar. Ich habe hierfür holländische und englische Nummernschilddecals zerschnitten, die ich in der Restekiste fand Insgesamt 60 Stück 0,3 x 0,8 mm (+ etliche Fehlschnitte) ... eine reine Strafarbeit.




Lackieren 2

Die Tarnung entstand freihändig, ohne weitere Abklebeaktionen. Zuerst wurden die hellbraunen Bereiche gesprüht, danach Hellgrün und Dunkelgrün. Als nächstes wurden die Nase, die Tragflächen und das Seitenleitwerk abgeklebt und die schwarzen Bereiche gebrushed.


                 
Bis auf die Fenster wurden alle Masken entfernt, danach eine Schicht Glanz-Klarlack , die Decals, und darauf noch eine Schicht Klarlack aufgetragen. Anschließend wurden alle Panellines mit Acryllack betont, auf der Oberseite mit aufgehelltem Umbra und auf  der Unterseite mit Hellgrau. Es folgte die obligatorische Lage Mattlack . Damit wirkte die Modelloberfläche sehr stumpf, deshalb habe ich den Rumpf mit Toilettenpapier nachpoliert bis ein ganz leichter Seidenglanz entstand. Verdünntes Umbra benutzte ich auch für das weathering der Oberseite. Zum Aufhellen einzelner Bereiche griff ich auf  weiße Lasurfarbe von Createx zurück. Diese Lasur – mit einer Spur Schwarz abgetönt- kam auf der Unterseite zum Einsatz, teils gesprayed, teils mit Toilettenpapier und Q-Tips aufgewischt. Die schwarz-braunen Russfahnen sind aufgesprüht.




Endmontage

Zunächst wurden die Motoren, Auspuffrohre, Laderaumtüren und Hauptfahrwerke eingebaut. Für die Frontverglasung entstanden neue Streben aus  Ätzteilresten. Die Scheinwerfer in den Flächen entstanden nach der „Panzerchen-Methode“: Bare-Metal auf den Grundkörper und ein Klecks Epoxid als Linse. Das Schutzglas habe ich dann wieder aus einer Blisterfolie gezogen. Nachdem der Flieger endgültig auf eigenen Beinen stand, konnten auch die ausgefahrenen Landeklappen angeklebt werden.
Weiter ging es mit den Antennen. Für die Banjo-Wires benutzte ich hauchdünnes, elastisches Nähgarn. Ein Ende wurde am vorderen Isolator verklebt, durch die entsprechende Kanüle im Leitwerk gezogen und durch den vorderen Isolator auf der gegenüberliegenden Rumpfseite gesteckt. Das Garnende wurde dann durch die Astrodomöffnung gezogen, auf Spannung gebracht und am Isolatorkopf verklebt. Die Peitschenantennen bestehen aus gezogenen  Gießästen, die Klingenantennen aus Rahmen des Fotoätzsatzes. Als letztes habe ich aus einigen Pinselhaaren Statikableiter gebastelt und an die Flügelspitzen geklebt



             
Baufehler

Man glaubt ja kaum, wie viele Fehler man beim Zusammenbau eines kleinen Flugzeugmodellsmodells machen kann. Nachfolgend meine (wahrscheinlich unvollständige) Zusammenstellung inkl. Bausatzfehler:

1.   Die beiden Motoren sitzen zu weit hinten.
2.   Die Kontur der Propellerblätter stimmt nicht.
3.   Die Lackierung der Propeller entspricht nicht dem Vorbild. Die Naben müssten metallischer sein und die schwarzen Streifen gibt es nicht.
4.   Die Lüfterklappen sind nicht sauber montiert.
5.   Die Position der roten Propellermarkierungen stimmt nicht 100%ig.
6.   Das Rohr für die Kaltluftzumischung am Auspuff ist falsch montiert. Es müsste parallel zu den Tragflächen sitzen.
7.   Das linke Fahrwerk ist schief angeklebt.
8.   Das Reifenprofil ist falsch
9.   Die Reifen sind zu stark abgeplattet.
10.   Ich habe vergessen eine Schleppantenne am Heck einzubauen.
11.   Der Übergang Rumpf/Tragfläche ist an der Unterseite nicht ausreichend gespachtelt.
12.   Die Bodenplatte der Kabine ist zu schmal und musste mit Evergreen geflickt werden.
13.   Die Anzahl der Stringer ist zu gering und vorhandenen sind zu dick.
14.   Die Kabinenfarbe hätte braun-oliv sein müssen und nicht grün-oliv.
15.   Die Sitze und Konsolen dienen nur dazu  den Innenraum anschaulich zu gestalten.
16.   Die Frachttüren sind zu dick
17.   An der vorderen Frachttür fehlen vier Schließriegel.
18.   Der schwarze Lack des Radoms glänzt zu sehr.
19.   Die Panellines des Rumpfes und der Motorgondeln stimmen nicht.
20.   An einigen Stellen sind Klebstoffreste sichtbar
21.   Der Übergang Tarnmuster/weiße Unterseite ist zu scharfkantig.
22.   Die Positionslampen an den Flügelspitzen sind nicht lackiert worden.
23.     Die Funkerbude hat nur links ein Fenster. Ich habe rechts auch eins reingeschnitten.....und wieder zugespachtelt.

Noch mehr Fehler verrate ich nicht :D. Insgesamt bin ich trotzdem sehr zufrieden mit meinem Abstecher ins Flugzeuggenre. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das Modell so gut gelingt. Und das ihr es zum Siegermodell des Contest macht…davon habe ich nicht einmal zu träumen gewagt. Es zeigt aber auch die Problematik ein Modell nur anhand von sechs kleinen Fotos zu bewerten, denn die Bilder von Sprittis F104 belegen, das sein Flieger in keinster Weise schlechter gebaut ist. Ehrlich gesagt gefällt mir die Ausführung seiner Lackierung sogar besser. Aber das bleibt bitte unter uns. ;)


:winken: Murdock

LastLancer

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Douglas EC 47-N
« Antwort #3 am: 12. November 2004, 22:15:07 »
trotz der kleineren Fehler muss ich sagen das du den 1. Platz auf jeden Fall verdient hast, wirklich tolle Arbeit :P

auch hier gilt, wie bei den anderen Contest-Bauberichten, viele Details gehen auf den Fotos verloren, erst hier sieht man wieviel Arbeit tatsächlich geleistet wurde

Spritti Mattlack

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Douglas EC 47-N
« Antwort #4 am: 12. November 2004, 22:21:23 »
Zitat Murdock

Man glaubt ja kaum, wie viele Fehler man beim Zusammenbau eines kleinen Flugzeugmodellsmodells machen kann.

Zitat Ende

Doch!!!!! Ich zumindest..;)

Spitzenbericht Murdock. Werde ich wohl noch einmal durchlesen müssen. Mindestens.

Und schön auch zu sehen, das da auch nicht alles Gold ist, was glänzt. Meine Meinung, deine Baukünste betreffend, ändert auch das jedoch nicht. Oder kaum ;)

Freue mich schon auf Deinen nächsten Flieger..

Spritti :winken:
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Hajo L.

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Douglas EC 47-N
« Antwort #5 am: 12. November 2004, 23:08:50 »
Selten habe ich jemanden so SCHAMLOS sein Licht unter den Scheffel stellen sehen... ;)


Für diese Mühe und Arbeit ist der erste Platz mehr als verdient, ich wäre sehr überrascht, wenn ein weiteres C-Modell bei den Fliegern mehr Arbeitsaufwand gekostet hätte.


Text bitte auf englisch übersetzen und bei ARC einreichen!


HAJO
"My theory is longer, thicker and harder than yours." (Frank Farrelly)

Aufgrund der Photobucket-Problematik sind zahlreiche Bilder von mir nicht sichtbar. Bei signalisiertem Interesse stelle ich die fehlenden Bilder gerne über einen anderen Host wieder online.

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Douglas EC 47-N
« Antwort #6 am: 12. November 2004, 23:16:10 »
Fehler? Die man nicht sieht? Aber Dir ist schon klar, dass das nur ein 1/72 Modell ist?! ;)

Sehr schöner Bericht, klar , ausführlich und interessant. :P
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Douglas EC 47-N
« Antwort #7 am: 12. November 2004, 23:58:53 »
Aua!
Wann hatest du damit angefangen? Vor dem Contest?:D
Mann wenn ich sehe was du alles gemacht hast, wahnsinn.
Ok, das du mit Mikroteilen um kannst, das weiß man von deinen Schiffsmodellen,aber dann auch noch in der kurzen Zeit, soviel in dieses Modell zu stecken....
Ich bin erstaunt und begeistert!  Und bauen werd ich auch erst mal nicht mehr, von dem Schock muß ich mich erst mal erholen.:D
Gruß aus Hamburg
Rolf Karotka
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Batman

  • Gast
Douglas EC 47-N
« Antwort #8 am: 15. November 2004, 03:21:36 »
Schiere Wahnsinn... und alles klingt so logisch, einfach, nachvollziehbar 8o

KODOSS

  • Gast
Douglas EC 47-N
« Antwort #9 am: 29. November 2004, 20:14:08 »
Verdammt!! Warum sehe ich den Baubericht erst jetzt? (Talisker hat mich drauf hingewiesen) Ich werd blaß vor Neid, wenn ich sehe was du allein mit den Motoren gemacht hast. 8o Ich glaub, ich verkriech mich wieder in meine Hölle und wart bis es dunkel wird. Einfach nur genial was du hier gebaut hast. Besonders die Kühlerklappen für den Motor sind beieindruckend. Willst du mir nicht nen Satz Pratt&Whitney R-4360 Motoren bauen? :D :respekt: :respekt: