Autor Thema:  ...und noch eine Soleil Royal  (Gelesen 32938 mal)

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hwe

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...und noch eine Soleil Royal
« am: 12. Februar 2006, 16:11:16 »
Hallo Miteinander!

Ich habe inzwischen eine Weile als "stummer Zaungast" speziell bei den Schiffsmodellbauern mitgelesen und inzwischen ist bei mir quasi auch ein Knoten geplatzt.

Der Hintergrund ist der: ich habe vor ungefähr zwanzig Jahren mit dem Modellbau aufgehört, obwohl ich damals bereits 2 erste Preise in Plastikmodellbauwettbewerben gewonnen hatte (1977 und 1980, Matchbox). - Die Ursache hierfür war der Schmerz, den ich erlitt, als mir bei einem Umzug das Regal, in dem alle meine Modellschiffe standen, umstürzte. - Das Regal konnte ich auffangen, bevor es mich traf. Aber die Schiffe waren bereits alle ins rutschen geraten und so stürzten sie alle zu Boden. - Den Bruch könnt ihr euch ungefähr vorstellen. - Ich besass damals etwa 10 Segelschiffsmodelle, von denen einige fertig und die meisten fast fertig waren. - Kunststoffmasten vertragen einen Sturz aus 1,60 Meter Höhe auf nackten Boden erfahrungsgemäß nicht besonders gut.  ;(  trinken  :blaw:  :blaw:  :blaw:
Die Wrackhalde besitze ich heute noch. - Ich kann mich nicht aufraffen wieder so viel Zeit und Mühe da nocheinmal hinein zu investieren, aber zum wegwerfen ist es mir dann doch wieder zu Schade.

 :blabla:

Thema wechsel: Schon damals verliebte ich mich in den gigantischen Bausatz der Soleil Royal von Heller.  :respekt:  - Im Pospekt sah sie (fertig gebaut) einfach toll aus. - Gesagt, getan ich kaufte mir (alles noch vor dem Crash) den Bausatz und fing ganz zaghaft damit an, indem ich zunächst einmal die beiden Rumpfhälften zusammenklebte und mit den normalen Modellbaufarben von aussen bemalte.

Dann passierte etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte.  *dummi*  - Ich fuhr mit meinem Leistungskurs (Gymnasium) für 14 Tage nach Paris. Dort hatte ich dann irgendwann die Idee, dass - wenn die Franzosen irgendwo ein wirklich tolles Marinemuseum haben müssten, es sich vermutlich in Paris befinden müsste. - Also fragte ich bei unserem Hotel an der Rezeption, ob sie für mich herausfinden könnten, ob es irgendwo so etwas wie ein (ich bemühte meine sparsamen französisch-Kenntnisse) "Musee de la Marine" gäbe? - Es dauerte gar nicht lange und schwupps, hatte man die Antwort: Am Trocadero, Metro-Station Trocadero. Müsse relativ einfach zu finden sein. - Als ich dort ausstieg, war es tatsächlich leicht. Das Museum heisst: "Musee de la Marine" und ist von der Metro ausgeschildert. - Zunächst einmal geniesst man die tolle Aussicht auf den Eiffelturm und dann geht es hinein ins Museum.

Drinnen befand ich mich damals plötzlich in sowas wie dem "Paradies".  :love:  - Was da an Schiffen herumstand und in welcher Qualität die Modelle gebaut waren, war einfach absolut phantastisch!  :meister:  :meister:  :meister:  - Hier ein Tip: Wann auch immer irgendeiner von Euch die Gelegenheit bekommt, nach Paris ins Marinemuseeum zu kommen, sollte da UNBEDINGT hingehen! - Es lohnt sich für Modellbauer auf jeden Fall!

Jedenfalls sah ich dann dort zum ersten Mal auch eine authentisch gebaute Soleil Royal. - Sofort verfluchte ich die "Sparfüchse" aus der Chefetage von Heller!  :12:  :5:   :aerger:  :haudrauf:  - Das Original der Soleil Royal besass *OFFENE* Heckgalerien!!!!  X(  :9:  :15:

Ich habe damals dort Fotos gemacht und wer mag, kann diese hier finden (Fotogalerie): Modellmarine

Als ich wieder nach Hause kam, stand mein Entschluß bereits fest, ich würde meine Soleil Royal mit offenen Heckgalerien bauen!

Also ging ich gleich ans Werk und sägte mit einem feinen Laubsägeblatt die Galerien sauber aus. - Das Ergebnis könnt ihr noch auf den Bildern im folgenden Posting betrachten.

Dann experimentierte ich noch ein bisschen mit Ölfarben am Rumpf herum. Und dann kam der bereits oben erwähnte große Crash.

Dann... 20 Jahre Pause. :santa:  :laaaang:  :10:

Und jetzt... habe ich wieder genug Zeit und Mut gefunden, um wieder mit dem Modellbau anzufangen. Ich werde keine Plastikbausätze mehr bauen. - Mit einer einzigen Ausnahme: Die Soleil Royal! - Die Bauberichte der anderen hier haben mir wieder den Mut gegeben, dieses Bauvorhaben wieder anzugehen. - Ihr werdet also quasi fast von Anfang mit dabei sein, wenn ich meine Soleil baue. - Von dem, was ich damals mit dem Bausatz veranstaltet habe (ich meine speziell die Suche nach dem richtigen Blauton...), werde ich einiges wieder rückgängig machen müssen. In anderen Dingen habe ich mich bereits zu einigen "Abkürzungen" entschlossen, so dass ich hoffe, doch relativ flott mit dem gesamten Bausatz voran zu kommen.

Im nächsten Beitrag werde ich mit Fotos den aktuellen Bauzustand, wie ich also den Bausatz nach 20 Jahren wieder vorgefunden habe, für euch dokumentieren.

Ciao, bis zum nächsten Posting,

HWE   :mariinee:

AnobiumPunctatum

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...und noch eine Soleil Royal
« Antwort #1 am: 12. Februar 2006, 16:57:01 »
Hi HWE,

willkommen im Club. Die wievielte Soleil ist es dann, die im Board gebaut wird? Ich freue mich schon auf Deinen Baubericht. Insbesondere Deine Lösung mit den offenen Galerien interessiert mich, da ich dafür bislang noch keine brauchbare Idee hatte.
:winken:  Christian

In der Werft:Papegojan, 1/72 von Shipyard

"Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

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...und noch eine Soleil Royal
« Antwort #2 am: 12. Februar 2006, 17:34:58 »
Das müßte jetzt die dritte sein. Also Konkurenz belebt das Geschäft ;) . Mal sehen was du so zu bieten hast-bin schon gespannt.

Update 30.12.2013 A6 Intruder + A6m5 Zero "Wonsan" + U-VIIC...

kalli

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« Antwort #3 am: 12. Februar 2006, 20:59:28 »
Ich bin auch schon sehr gespannt auf deinen Baubericht.  :9:

Mich würde mal interessieren mit welchen Modellen du bei den Plastikmodellbauwettbewerben gewonnen hast?

hwe

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« Antwort #4 am: 13. Februar 2006, 07:39:21 »
Hi!

Wie ich schon in der Einleitung schilderte, hatte ich ca. 20 Jahre Pause mit meiner Soleil.

Auf den folgenden Bildern zeige ich ungeschönt, wie so ein Modell aussieht, wenn man es einige Jahre nicht entstaubt hat. - Dazu muss ich erwähnen, vor einigen Jahren hatte ich es schon einmal entstaubt, damals war es noch viel schlimmer...

Hier der Zustand von vor etwa einer Woche. - Zuerst mit Staub...

(Hier erstmal 4 Bilder, Dienstag Abend kommen noch ein paar weitere...)

Auf dem ersten Bild kann man schön erkennen, wieviel Staub sich im Rumpf angesammelt hatte. Links neben dem Rumpf kann man schon die Backbord-Galerie liegen sehen, bereits von den falschen "Blenden" befreit. Auch der Heckspiegel, noch etwas weiter links, ist bereits auf die vermutlich korrekte Breite reduziert.

Auf dem zweiten Bild ist ein kleiner Überblick zu sehen. Wie man sieht, hatte ich auch die Steuerbord-Galerie von Unrat befreit. An den Karton gelegt, sieht man die Abziehbilder. - Sind ganz schön gelb geworden! - Da werde ich mir etwas einfallen lassen müssen. Weiter vorne im Bild sind die Decks. Leicht gegeneinander verschoben, damit man den Staub schön sehen kann... ;)

Das Dritte Foto zeigt den Rumpf von vorne. - Es tut mir sehr Leid, was die Qualität des Fotos angeht. - Ich habe eine berechtigte Abneigung gegen Autofokus-Kameras. - Wer richtig hinschaut sieht, dass sich das Spielzeug auf den Karton im Hintergrund schraf gestellt hatte... - Weswegen ich das Foto trotzdem zeige? - Auch hier sieht man schön die Staubschicht entlang der Bordwand. - Der Blitz hellt den Staub zusätzlich auf.

Das vierte (und vorerst letzte) Bild zeigt wieder die Decks und wie ihre Überlappung Muster aus Staub hat enstehen lassen...

Burkhardt

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« Antwort #5 am: 13. Februar 2006, 08:27:00 »
Löle,


das liest sich doch gut an;) Ich bin immer erstant wie viele Bastler sich dieses Schiff aussuchen! Ich schaue auf alle fälle weiter rein in deinen Bericht.

Zu den Bildern hab ich Dir eine PN (Private Nachricht) gesendet!


Gruß
Burkhardt

hwe

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« Antwort #6 am: 13. Februar 2006, 09:38:27 »
Hi Kalli,

Zitat
Original von kalli
Ich bin auch schon sehr gespannt auf deinen Baubericht.  :9:

Mich würde mal interessieren mit welchen Modellen du bei den Plastikmodellbauwettbewerben gewonnen hast?


Das erste hat mich selbst sehr erstaunt. - Es war ein winziger blauer Bugatti von Matchbox. - Sicher nicht das teuerste Modell in dem Wettbewerb. - Aber ich war noch sehr jung und lieferte eine sehr saubere Arbeit ab.

Das zweite Siegermodell war ein Kenworth (? - Kann auch ein Mack oder irgendein anderer Truck mit einer langen Schnauze gewesen sein, ich habe in der langen Zeit schlicht die Marke vergessen) Truck, bei dem ich die Türen aufsägte und in offenem Zustand wieder einklebte. Die Fahrerkabine ein bisschen "belebt", sonst sehr sauber gebaut. Dazu hatte ich ihn von einer Zugmaschine zu einem riesigen "Abschleppwagen" umgebaut (Scratch-Built).

Auf der Ladefläche des Trucks stand dann ein schwarzer Uralt-Ford ("Black Widow") als fiesen Dragster umgebaut. - Mit riesigen Hinterreifen, Mörder-Lufthutze und einem riesigen verchromten Motor darin.
Das ansonsten schwarze Auto war mit einem aufgemalten (frei Hand!) Spinnennetz und dem Namen "Black Widow" verziert.

Das alles 1980. :-)

Dieses Modell war nicht das einzige, was ich damals eingereicht hatte. - Es waren auch eine Menge Panzer, Flugzeuge und sogar ein Segelschiffsmodell (mittelgroße Cutty Sark, von Revell) mit dabei.

Gewonnen habe ich aber mit der obigen Truck/Dragster Kombi.

Frage damit zur Zufriedenheit beantwortet? ;)

Ciao,

HWE

PS: Meine ganze Liebe gilt trotzdem den Segelschiffsmodellen...

hwe

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...und noch eine Soleil Royal
« Antwort #7 am: 13. Februar 2006, 14:38:50 »
Hi Fans der Soleil Royal!

(Vorsicht! - Dieser Teil ist sehr lang geworden!)

Ich hatte zwischendurch ein bisschen Zeit und so habe ich (weil ich gerade nicht an die Bilder herankomme) mich entschlossen, einiges über den Background und die Planung des Modells vom Stapel zu lassen.


Gedanken über das Ziel


An dieser Stelle will ich einiges über die Grundlagen und Gedanken schreiben, die ich mir vor dem Bau eines Modells
mache. - Ein wirklich gutes Modell zeichnet sich dadurch aus, dass es eine genau definierte Situation darstellt und dies
dann aber auch bis zur letzten Konsequenz!

Der Maßstab steht bei so einem Bausatz natürlich bereits von vornherein fest.
Eine Entscheidung ist damit bereits gefällt. Aber es bleiben noch nahezu unendlich viele
andere Entscheidungen offen.

Eine meiner Ideen war es lange Zeit, die Holzmodelle in Paris zu imitieren. Das Modell
so stark wie möglich auf "Holz" zu trimmen, bis selbst ein Fachmann es schwer hat festzustellen,
ob es sich nun um ein Holz- oder ein Plastik-Modell handelt.

Diese Lösung habe ich lange favorisiert. - Ich wollte meine Qualitäten als Plastik-Modellbauer
damit beweisen.

Inzwischen habe ich eine ganz andere Idee...

Denn wenn ich ein Schiff bauen will, was so sehr nach Holz aussieht, wieso baue ich es dann nicht sofort in Holz?
Das spart eine Menge Zeit!


Vor- und Nachteile eines Plastikmodells und das Ziel

Welche Vor- und Nachteile besitzt ein Plastik-Modell?

Nun, es gibt einen ganz offensichtlichen Nachteil: Man ist gezwungen, es anzumalen, damit es gut aussieht.

Warum also sollte ich den Nachteil nicht in einen Vorteil umwandeln?

Das Schiff so darstellen, wie ich es mit einem Museumsmodell aus Holz niemals tun würde, weil es mir
dazu viel zu Schade wäre?! - Nachdem ich in Zukunft nur noch in Holz bauen will und die Soleil mein letztes
Plastik-Schiff werden soll...

... war meine neue Wahl damit eigentlich schon gefallen.  

Fazit: Ich will das Schiff in Aktion zeigen. Und zwar richtig! - So, wie es sich nach einigen Monaten auf See dargestellt
haben könnte.

Die Farben verwaschen. Ein leichter Algen- (und Muschel- ?) Bewuchs am Rumpf.
Rostflecken an den Ankern. Schmutz, der aus den Speigatten geflossen ist. Überall Kratzer, Dreck und Gebrauchsspuren!


"Camera, Lights, Action!"

Und auch noch richtige Aktion auf dem Schiff!

Das Schiff soll sich in schwerer See und starkem bis mäßigen Wind unter Marssegeln einem Feind gefechtsbereit nähern.

Dabei ist zu beachten, dass bei so schwerer See die Kanonenluken des untersten Batteriedecks sicher nicht geöffnet wurden.
Sonst würde das Schiff dasselbe Schicksal ereilen, wie damals die Wasa... (Herr Mondfeld hat Unrecht mit seiner Behauptung,
man müsse ein Schiff entweder mit allen ausgerannten Kanonen zeigen, oder mit allen Kanonen drin. - Das ist Unfug und ich
kann es beweisen! Ich habe einen zeitgenössischen Stich zuhause, auf dem ein holländisches Schiff genau in oben beschriebener
Situation gezeigt wird. - Ich werde den Stich zum Beweis einscannen und hier demnächst zeigen! [in diese Nachricht,
an dieser Stelle via Link einhängen, aber lasst mir ein bisschen Zeit!])

Diese Situation hilft mir so nebenbei beim Bau des Modells. Sie bietet für mich einen, nicht unerwünschten, Nebeneffekt.

Denn von den locker 2300 Einzelteilen des Bausatzes, so habe ich mir mal ausgerechnet, entfallen alleine ungefähr 700 Teile
auf die Kanonen. Dazu kommt, dass Heller das unterste Batteriedeck nicht mit Planken graviert hat und es ohnehin beim
fertigen Modell, selbst wenn alle Luken geöffnet sind, kaum eine Chance gibt, irgendetwas sinnvolles im Deck zu sehen, oder
zu erkennen. - Auf diesem Deck viel Aufwand zu betreiben ist reichlich unnötig. - Warum also nicht gleich alles dicht machen,
viel Arbeit sparen und obendrein eine authentische Situation zeigen?


Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Modelldarstellung ist, dass damals die Schiffe mit reichlich Besatzung bemannt waren.

Wie war das noch auf der Victory? - 1000 Seesoldaten plus Besatzung?

Die Soleil Royal war nur wenig kleiner und dafür vermutliich schwieriger zu segeln. - Das Deck muss in einer Kampfsituation
von Menschen nur so gewimmelt haben!

Also sehe ich bereits eine größere Ausgabe für Figuren auf mich zukommen, wenn ich das nicht irgendwie "umbiegen" kann.
Ich denke bereits darüber nach, selbst Figuren für diese Aufgabe herzustellen...

Was das anmalen der Figuren angeht, habe ich Glück. Ich hatte zeitweilig auch noch das Hobby flache und vollplastische
Zinnfiguren (historische und Fantasy) zu sammeln und anzumalen. Und das sogar kommerziell. - Also: andere Leute haben mir
dafür Geld gezahlt, dass ich ihnen die Figuren bemalt habe... Ich sehe in diesem Bereich also nicht wirklich große Probleme
für mich.

Spannender wird die Bemalung des Schiffes selbst.


Die Realitätsnähe des Bausatzes

Der Bausatz der Soleil Royal ist ja bekannt für seine starke Holzmaserung. - Die macht das Plastik so schön "unplastikhaft".
Gemeinerweise ist aber genau das ein Fehler des Modells!- Was ich im folgenden beweisen möchte.

Schon damals wussten die Menschen, dass ein glatter Rumpf besser durch das Wasser geht, als ein rauher.

Einfach nur ein Beispiel:

Wenn ich mir die Fotos vom Holzmodell des "Holländischen Zweideckers von 1660/70" (Delius Klasing Verlag, Heinrich Winter)
anschaue, dann sehe ich, bis auf die Nieten, einen absolut glatten Rumpf!

Auch die deutlichen Vertiefungen (Rillen/Fugen) zwischen den einzelnen Planken, die an der Soleil eigentlich so authentisch wirken, sind in Wahrheit ein großer Schmonzes! - Das tut mir jetzt sehr Leid das so zu sagen, aber man muss sich einfach mal die Proportionen des Modells vor Augen halten.

Das Modell ist im Maßstab 1:100 konstruiert. - Das bedeutet, alles, was es am Original gab, muss ich um den Faktor 100 verkleinern,
damit es am Modell korrekt dargestellt wird.

Jetzt meine Frage: Wie groß darf ein Spalt im Original zwischen zwei Holzbrettern (Planken) sein, damit das Schiff dicht ist?

Schade. - Der Spalt muss deutlich unter 1 mm liegen, sonst zieht der Kahn Wasser wie ein Sieb!

Um einen 1 mm Spalt an der Soleil korrekt darzustellen (der ja eigentlich nichtmal sein darf) muss ich den einen Millimeter
durch 100 teilen, um im richtigen Maßstab zu bleiben. - Ein Ein-Millimeter Spalt darf am Modell dann nur 0,01 Millimeter
groß sein. - Wie groß sind aber die Spalten am Bausatz von Heller?

An meinem Bausatz, würde ich sagen, sind sie etwa 0,1 Millimeter breit. - Das bedeutet auf das Original zurück gerechnet,
dass das Schiff Spalten im Rumpf hatte, mit einer Breite von: 10 Millimetern Breite! - Hey, das ist ein Zentimeter!
Was glaubt Heller wohl, wie dicht ein Schiff mit 1 Zentimeter breiten Spalten ist?

Jetzt kann man mir damit kommen, dass man damals ja die Spalten mit Werg und Teer und Pech verfugt hat. - Ja, hat man.
Aber schon damals wusste man, dass man weniger Arbeit beim abdichten hat, wenn man präziser arbeitet. - Also werden die
Spalten so klein wie möglich gewesen sein. Auch heute bauen Schiffbauer, die Schiffe aus Holz bauen, so "stramm", dass das Holz
nur ein bisschen durch das Wasser quellen muss, um Dicht genug zu sein.

Mein Fazit lautet: Der Rumpf sollte wirklich möglichst glatt sein. So, wie die Modelle der Soleil im Marinemuseum in Paris (die
sollte man im Zweifelsfall immer als Referenz hernehmen),so, wie das Modell des holländischen Zweideckers damals in Berlin.

Dieser Zweidecker war im Maßstab 1:21 gebaut. - Der zeitgenössische Modellbauer hatte also die Gelegenheit, Fugen (sofern vorhanden)
fünfmal so groß darzustellen, wie das bei Heller's Soleil der Fall ist. - Hat er das getan? - Nein! - Der Rumpf ist (bis auf die
Nieten) glatt wie ein Babypopo!

Ich gebe zu, aus (Plastik-)modellbauerischer Sicht ist das hart. - Denn gerade die Fugen sehen so schön aus und erwecken erst den Eindruck,
dass es sich um ein Holzmodell handelt. - Die korrekte Vorgehensweise wäre jedoch, alles zu verspachteln und vollkommen glatt
zu schleifen!

Die zweite Herausforderung besteht darin, dann im nachhinein *trotzdem* den Eindruck zu erwecken, dass das Schiff aus Holz ist!

Das bedeutet, man muss sämtliche Holzteile durch reine Bemalung so aussehen lassen, als wären sie aus Holz!

Immerhin ist die Bemalung eigentlich relativ einfach.


Die richtige Farbgebung

Das Unterwasserschiff ist korrekt angemalt, wenn man es schön weiß malt. Damals hat man definitiv das billige (und giftige)
Bleiweiss verwendet, um Schiffen im Unterwasser-Bereich ein Anti-Fouling (so der Fachbegriff) zu verpassen.

Die Frage ist natürlich, wie lange so ein Anstrich damals wohl gehalten hat? - Bei einem Modell, wie  ich es vor habe,
ist es also durchaus legal, einges an "Verwaschung" zu zeigen.

Der restliche Teil des Schiffes war vermutlich entweder geölt (hält Wasser ab), oder mit Teer oder Pech Wasserdicht gemacht und
gleichzeitig auch geschwärzt.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass man die Planken, speziell im Unterwasser-Bereich und bis zu den ersten Barkhölzern geteert
hatte. - Die Barkhölzer selbst waren vermutlich eher nur geölt, denn sie hatten unter anderem ja die Funktion einer "Stoßstange".

Kleine Rempler von anderen (kleineren) Schiffen, sollten damit abgefangen werden, genauso natürlich auch Beschuß knapp oberhalb
der Wasselinie. Solche Rempler waren vermutlich alltäglich, wenn so ein Schiff auf Reede lag und ausgerüstet wurde. - Dann kamen
ständig Boote an und legten am Schiff an und bei Seegang hat man sich sicher nicht dauernd problemlos freihalten können.
Gut man kannte auch damals schon Fender, aber: hey, das war ein Kriegsschiff ("Unkaputtbar"), kein Porzellanservice!

Schrammen in den untersten Barkhölzern waren also vermutlich eher die Regel als die Ausnahme.

Und wenn ich schon vorher weiss, dass ich an einer Stelle dauernd "Macken" ins Holz bekomme, dann werde ich mir die einfachste und
billigste Lösung suchen, wie man die wieder "rausbekommt". - Nämlich einfach mit einem ölgetränkten Lappen mal drüber gehen!
Das ist einfacher, als permanent Teer zu kochen und dann mit dem heissen Zeug aussenbords zu klettern... - Aber vielleicht
irre ich mich hier? (Historisch fundierte Hinweise willkommen!)

Die Barkhölzer sollte man also relativ "naturbelassen" zeigen, speziell die untersten dürfen jedoch sogar Schrammen besitzen.

Ansonsten scheinen dicke Nagel- oder Nietenköpfe am Rumpf in dieser Zeit durchaus authentisch zu sein. - Dem Modell von Heller
gehen sie jedoch leider vollkommen ab. - Hier ist eine Stelle, an der es unbedingt nachzubessern gilt! Der Rumpf wird also doch
nicht vollkommen glatt!


Die gelben Streifen

Und jetzt kommen wir zu den berühmt-berüchtigten "gelben Streifen".

Diese Streifen sind authentisch. So viel ist klar. Die typische Warnfarbe der Natur - Gelb-Schwarz gestreift - wurde so von Tigern
und Wespen und Bienen auf die Schiffe übertragen. - Schiffe mit diesem gelb-Schwarzen Muster sahen schon auf weite Distanz
gefährlich aus.

Und das beste daran: Gelb war relativ billig und leicht herzustellen! - Hier hat Herr Mondfeld recht. - Die Menschheit kennt Ocker
(laut den letzten Berichten, die ich dazu gesehen habe) anscheinend schon seit fast 100.000 Jahren!

Und so ist Ocker mit Sicherheit die billigste und am besten verfügbare gelbe Farbe gewesen, die man damals kannte.
Nachdem Ocker auch noch mineralisch ist, ist es lichtecht und recht haltbar. - Das einzige Problem dürfte gewesen sein, dieses
Ocker so mit einem "Klebstoff" zu vermischen, dass er nicht auffiel (die Farbe veränderte) und trotzdem auch bei schwerem Wetter
nicht vom Schiff gewaschen wurde.

Wir dürfen also davon ausgehen, dass die damaligen Schiffe ihre "gelben" Streifen durch satte Anwendung von Ocker erhielten.

Ein quietschiges Zitronengelb, oder Chrom- oder Cadmiumgelb sind mit Sicherheit absolut falsch.

Ocker ist eine relativ warme, erdige Farbe, mit leichtem Stich ins rote - Je nach Qualität und Herkunft/Mischung.

Die "gelben" Streifen dürfen also auch am Modell satt mit Ocker gemalt werden. - Damit wurde mit Sicherheit jede Spur von
"Holzartigkeit" dem ohnehin glatten Rumpf an dieser Stelle genommen. - Hier darf das Plastik ausnahmsweise mal richtig glatt
sein. - Das Einzige, was der Modellbau-Freak an dieser Stelle wieder zeigen könnte, sind die vermuteten "Auswaschungen" des
Ocker. - Es darf also fleckig sein.

Mir blutet selbst das Herz dabei, wie ich diese Zeilen schreibe, denn die tolle Holzmaserung an dem Bausatz war einer der
Gründe, wieso ich mich überhaupt in das Modell verliebt hatte...


Matte Farben, oder eher glänzend?

Was weiter wichtig ist, ist die Frage: "Waren die Farben eher wie heutige 'Lacke' (glänzend), oder eher stumpf und matt?"

Wenn ich mir die oben genannten Zutaten so ansehe, bin ich ziemlich fest davon überzeugt, dass die Farbgebung eher matt war.
Auch wenn Lacke ein Plus an "Wasserdichtigkeit" bieten, so gab es damals viel zu wenige echte Lacke. Die gab es ausserdem
eher nur in homöopatischen Mengen (Zu teuer, aus China). - Ausserdem reissen Lacke viel zu schnell ein, wenn das
darunterliegende Holz arbeiten muss. - Und wo wird Holz wohl mit am meisten arbeiten müssen? - Naja. Ein Kriegsschiff scheint
mir jedenfalls nicht der geeignete Ort zu sein, um teure und hochempflindliche Materialien zu verwenden, wie man sie sonst
nur für Schmuckgegenstände hergenommen hat...

Ich vermute, die einzigen Teile (neben den Metallen), auf denen so etwas wie ein Glanz zu sehen war, waren die lackierten Kabinen
der Schiffsführung (innen), oder die schwarz geteeren Teile des Rumpfes.

Die Decks und Masten waren in bekannten Farben gestrichen, oder Natur belassen, so wie man es gerade brauchte.


Was für ein Rot wurde verwendet?

Das verwendete Rot für das Holz um die Kanonen dürfte ebenfalls (aus Kostengründen) Ocker gewesen sein. - Roter Ocker, oder gebrannter
Ocker ist leicht zu besorgen (wenn man sowieso schon Ocker gewinnt) oder herzustellen (gelben Ocker erhitzen). Dabei wird die
Farbe ebenfalls fast blutrot, geht aber mehr ins orange-braune. - Ich glaube kaum, dass man da noch größere Klimmzüge wegen der
Farben machte. - Aber auch da lasse ich mich gerne vom Gegenteil überzeugen. - Allerdings gebe ich zu bedenken, dass eine der
seltensten und teuersten Farben Purpur war. - Die Farbe der Könige! - Wenn es ein anderes, billigeres Rot gab, was kann das
gewesen sein?


Und was für ein Blau kam zum Einsatz?

Und nun kommen wir zum spannensten Farbproblem überhaupt!

Blau!

Auch hier denke ich, dass der Autor, dessen Artikel Herr Mondfeld für sein Buch bemüht hat, Recht hat.

Blau war damals extremst schwer zu erhalten. Die einzigen Blautöne, die mir noch einfallen, sind Kobalt-Blau, das sogenannte
Preussisch-Blau und die Blautöne auf Prozellan (Auch aus China?!). - Die Porzellan-Farbtöne entstehen erst durch den Brennvorgang
im Ofen. - Ein Weg, der mit den Schiffen wohl kaum zu praktizieren war.

Kobalt-Blau ist zwar sehr schön, aber auch extrem giftig. - Nachdem man damals keine Bedenken hatte, Schiffe mit Bleiweiss und
Grünspan (Marine in Nord- und Ostsee) zu bemalen, könnte ich mir auch eine Bemalung mit Kobalt vorstellen. - Allerdings weiss ich
zur Zeit nicht, wie selten Kobalt tatsächlich ist. - Ich denke nämlich. SEHR selten! - Also vermutlich ebenfalls eine Sackgasse.
Bleibt noch "Preussisch-Blau". - Nachdem Preussen und Frankreich relativ gute Beziehungen zu der Zeit unterhielten, oder zumindestens
die Preussen den Franzosen nacheiferten, kann ich mir gut vorstellen, dass beide dieselbe "Quelle" für Blau besassen. Nicht umsonst
heisst auch heute noch die Tinte: "Königsblau".

Künstler, Maler aller Epochen, haben eigentlich immer ihre Farben selbst angemischt. - Die Mischung war ein großes Geheimnis!
Erst in den letzten hundert Jahren hat sich das geändert. Deswegen ist es durchaus möglich, dass ein Königshaus ein schönes Blau
herstellen konnte und alle anderen nicht. - Ich halte also die blauen Planken der französischen Schiffe keineswegs für reine Phantasie.

Die Frage ist nur: Wie sah das Blau aus? - War es licht und hell, oder dunkel, fast schwarz? War es lasierend oder deckend? Ging es
ins aquamarine, grüne oder eher in Richtung Indigo/Preussischblau?

Ich tendiere zu der Vermutung, dass die ursprüngliche Farbe ein dunkelblau war, wie das Preussischblau, oder pures Indigo. Nachdem beide
Farben, wenn sie pur aufgetragen werden, fast schwarz sind, hege ich die Vermutung, dass man diese Basisfarbe mit einem Weiss (Bleiweiss?)
quasi "aufgehellt" hat.

Ich gehe weiter davon aus, dass diese Mischungen niemals genau den gleichen Farbton wieder trafen. Und wie hell, oder dunkel das Blau
ausfiel, hing mit der Mondphase und dem mittleren Springniedrigwasser in Südkaledonien zusammen. - Mit anderen Worten: Keine Ahnung.
Es gab wahrscheinlich schon ein allgemein festgelegtes Mischungsverhältnis. Jedoch wird die Qualität der Bestandteile geschwankt haben.
Es kann also sein, dass es zwar ein passables Blau gab, dieses aber ein wenig "gescheckt" war.

Ein weiterer Aspekt ist die Farbechtheit. - Wieviel Licht und wieviel Seewasser vertrug dieses Blau?

Ich gehe auch hier davon aus, dass es, aufgrund seiner Seltenheit, noch nicht so gut erforscht war und schnell an Deckkraft und Leuchtkraft
verlor.- Zumindestens sollte es für mein geplantes Modell OK sein, wenn ich ein uneinheitliches, fleckiges und verwaschenes Blau zeige.

Auch hier bin ich für Einwände und Ideen offen. - Wenn möglich, bitte fachlich gut recherchiert und am besten bereits bewiesen! ;)



Schlußbemerkungen

So. Jetzt bin ich mit meinem kleinen Einstiegs-Exkurs über die Soleil erstmal fertig.
Ich bin auf eure Meinungen und Einwände gespannt. Ich würde mich sehr freuen, wenn mir der Eine oder Andere noch einen Tipp geben
könnte, wie ich das Schiff noch authentischer hinbekommen kann. - Das Schiff darf und wird am Ende jede Menge "Gebrauchsspuren" aufweisen.
Das ist etwas, was ich bei einem Museumsmodell normalerweise nie tun werde. - Dies ist meine letzte Chance dafür, deswegen will ich
sie auch nutzen. Und es würde mich sehr freuen, wenn ich ein schönes Modell am Ende herausbekomme.

In diesem Sinne, bis zum nächsten Baubericht!

Ciao,

HWE

Hans

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...und noch eine Soleil Royal
« Antwort #8 am: 13. Februar 2006, 16:04:02 »
Nett...aber wirklich zu lang, sei nicht böse. So ohne Bild und Absatz...da fällt einfach das Lesen am Bildschirm arg schwer.

Grüße,
Hans
Poly(1-phenylethan-1,2-diyl) makes it all

hwe

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« Antwort #9 am: 13. Februar 2006, 18:52:23 »
Zitat
Original von Hans Trauner
Nett...aber wirklich zu lang, sei nicht böse. So ohne Bild und Absatz...da fällt einfach das Lesen am Bildschirm arg schwer.

Grüße,
Hans



Hmmm. Ich hatte schon überlegt, es ein wenig zu unterteilen. - Quasi Kapitel draus zu machen.

Ich habe dann jetzt Zwischenüberschriften eingefügt, ich hoffe, so ist es ein bisschen übersichtlicher...

Ansonsten lautet mein Tip: Ausdrucken! ;)

Ciao,

HWE

Merkabach

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« Antwort #10 am: 14. Februar 2006, 11:13:26 »
Gebe Dir recht nur in einem Punkt Wiederspruch dort aber wirklich:
Zitat
Wie war das noch auf der Victory? - 1000 Seesoldaten plus Besatzung?

das stimmt so nicht !!!
Besatzungsstärke eher : 850 Mann Offizieren und Mannschaften (darunter 131 Marineinfanteristen)
Bei der Soleil Royale dürfte der Besatzungsstand etwas höher sein!

hwe

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« Antwort #11 am: 14. Februar 2006, 11:33:42 »
Zitat
Original von Merkabach
Gebe Dir recht nur in einem Punkt Wiederspruch dort aber wirklich:
Zitat
Wie war das noch auf der Victory? - 1000 Seesoldaten plus Besatzung?

das stimmt so nicht !!!
Besatzungsstärke eher : 850 Mann Offizieren und Mannschaften (darunter 131 Marineinfanteristen)
Bei der Soleil Royale dürfte der Besatzungsstand etwas höher sein!


Meine Aussage war auch nur eine Hausnummer aus dem Kopf (20 Jahre alt...).  :rolleyes:

Um es genau zu wissen  *dummi*  habe ich die folgende Seite besucht:

H.M.S. Victory.COM

und das gefunden:

The Battle of Trafalgar Muster Roll
 
This muster roll contains details of the entire ship's crew at the Battle of Trafalgar, including name, rank, age and nationality. HMS Victory had a crew of 820 men commanded by Captain Thomas Masterman Hardy. There were 9 Commissioned Officers, 21 Mishipmen and 77 Non-commissioned Warrant and Petty Officers, the rest of the crew comprised of Able and Ordinary Seaman, Landsmen, supernumeries and 31 boys.

Also within this complement was a detachment of 146 Royal Marines from the Chatham Division, commanded by Captain Charles Adair.

Apart from the 700 English, Irish, Scots and Welsh, 18different nationalities were represented on the Victory, at the Battle of Trafalgar.

She suffered some of the worst casualties of the Allied Fleet at the battle with 57 of her crew killed or dying of their wounds a few days later, and a further 102 wounded.


Das macht bei mir dann jetzt:

820 Personen. - Inklusive der 146 Royal Marines.  :baby:

Wieso ist deiner Meinung nach auf der Soleil Royal der Besatzungsstand noch höher gewesen?
Wegen der älteren Technik? (Brauchten noch mehr Muskelkraft. - Würde ich jetzt vermuten)

Ciao,

HWE

Hans

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...und noch eine Soleil Royal
« Antwort #12 am: 14. Februar 2006, 11:41:42 »
Zur Frage des Farbtons Blau.

Immer wieder spielt da 'Preussisch Blau' und Indigo eine Rolle. Das ganze stammt aus der Tuchfärberei. Der Wirkstoff von Indigo entspricht chemisch exakt dem des Färberwaids. Die Indigo-Exporte des 18. Jahrhunderts machten Blau zu einer massenhaft verfügbaren Farbe, Färberwaid stand nicht in den Riesenmengen zur Verfügung, die Preussens Heere brauchten. Wie gesagt, zum Tuchfärben. Eure Jeans werden heute noch mit Indigo bzw. einem chemisch identischen Farbstoff gefärbt.

Nur: Zum Farbansetzen eignet sich Indigo so nicht. Der Färbstoff ist nämlich eine wasserklare Flüssigkeit, die erst im Stoff beim Trocknen durch Oxidation sich blau verfärbt. Diese Oxidation muss gestoppt = fixiert werden, sonst wirds fast schwarz.

Es handelt sich also um eine körperlose Farbe, kein Pigment. Selbst wenn die Flüssigkeit blau wäre, wie Tinte, ist es noch keine Farbe. Was man tun könnte, und was man im 19. Jahrhundert mit den ebenfalls körperlosen Anilin-Farben auch machte, ist das 'Auflacken'. Da werden reinweisse Pigmente quasi gefärbt. So werden auch heute noch die eine oder andere Ölfarbe hergestellt.

Ob aber im 18.Jahrhundert dies bereits möglich war, weiss ich nicht. Ich glaube eher nicht.

Grüße
Hans
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  • Gast
...und noch eine Soleil Royal
« Antwort #13 am: 14. Februar 2006, 11:43:57 »
Ich meine mich zu errinnern das auf französischen Schiffen die Besatzungsstärke immer etwas höher war als auf vergleichbaren englischen Schiffen.
Bin mir aber nicht 100% sicher  *dummi* (auch)  X(

hwe

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...und noch eine Soleil Royal
« Antwort #14 am: 14. Februar 2006, 12:17:55 »
Zitat
Original von Hans Trauner
Zur Frage des Farbtons Blau.

Immer wieder spielt da 'Preussisch Blau' und Indigo eine Rolle. Das ganze stammt aus der Tuchfärberei. Der Wirkstoff von Indigo entspricht chemisch exakt dem des Färberwaids. Die Indigo-Exporte des 18. Jahrhunderts machten Blau zu einer massenhaft verfügbaren Farbe, Färberwaid stand nicht in den Riesenmengen zur Verfügung, die Preussens Heere brauchten. Wie gesagt, zum Tuchfärben. Eure Jeans werden heute noch mit Indigo bzw. einem chemisch identischen Farbstoff gefärbt.

Nur: Zum Farbansetzen eignet sich Indigo so nicht. Der Färbstoff ist nämlich eine wasserklare Flüssigkeit, die erst im Stoff beim Trocknen durch Oxidation sich blau verfärbt. Diese Oxidation muss gestoppt = fixiert werden, sonst wirds fast schwarz.

Es handelt sich also um eine körperlose Farbe, kein Pigment. Selbst wenn die Flüssigkeit blau wäre, wie Tinte, ist es noch keine Farbe. Was man tun könnte, und was man im 19. Jahrhundert mit den ebenfalls körperlosen Anilin-Farben auch machte, ist das 'Auflacken'. Da werden reinweisse Pigmente quasi gefärbt. So werden auch heute noch die eine oder andere Ölfarbe hergestellt.

Ob aber im 18.Jahrhundert dies bereits möglich war, weiss ich nicht. Ich glaube eher nicht.

Grüße
Hans


Hallo Hans,

die Soleil Royal stammt aus dem ausgehenden 17.Jhdt. - Also noch etwas eher. - Aber nachdem auf den Bauplätzen sowieso jede Menge Bleiweiss zur Verfügung stand, kann ich mir gut vorstellen, dass man die beiden versucht hat, mit einander zu vermengen. - Es wäre mal ganz interessant zu erfahren, wie so ein Experiment ausfallen würde. :-)

Ich denke, ich werde mich mal mit einer Kunstakademie deswegen in Verbindung setzen. - Das ist jetzt kein "Flachs", ich nehme das Thema recht ernst. - Eigentlich bin ich der Ansicht, müsste man das doch relativ leicht feststellen können, wenn man die Bestell- und Liefer-Listen der französischen Kriegshäfen mal durchgehen würde. - Da müssen solche Blau-Substanzen doch irgendwo auftauchen, oder?

Ciao,

HWE