Autor Thema:  Bessere Bilder. Aber wie?  (Gelesen 41813 mal)

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HeiHee

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Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #75 am: 25. April 2008, 14:24:30 »
Die verschiedenen Brennweiten kann man auch gestalterisch einsetzen:

Weitwinkel schaffen Perspektive, Objekte rücken optisch auseinander - der weite Aufnahmewinkel schafft für das Auge viele perspektivische Fluchtlinien. Dinge wirken größer oder weiter auseinander als sie sind...

Das Tele rückt dagegen Vorder- und Hintergrund zusammen, da die Fluchtlinien durch den kleinen Winkel verschwinden.

Wer sich die Bilder mit Big Ben anschaut, wird genau das feststellen: Mit dem Fisheye ist nicht nur viel drauf, das Bild hat auch viel Tiefe, 50mm ist halt wie gewohnt, während die Hochhäuser im Hintergrund beim Tele quasi "um die Ecke" sind - in Wirklichkeit wahrscheinlich Kilometer weit weg.

Beim Fotografieren von Modellen mache ich dann folgendes: Weitwinkel, wenn ich etwas größer (oder kleiner) erscheinen lassen will, Tele, wenn ich Größenvergleiche anstellen will...
I've seen things you people wouldn't believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser gate. All those moments will be lost in time like tears in rain.

MichaR

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Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #76 am: 05. Mai 2008, 10:58:57 »
Nachdem ich mir erstmal eine schöne Pause zum Basteln gegönnt habe, schreibe ich hier mal wieder einpaar Zeilen.

Zunächst einmal zu HeiHee's Bezug zwischen Objektiv und Perspektive. So ist das nicht ganz richtig. Aber ein weitverbreiteter Irrglaube.

Auf den Begriff Perspektive brauchen wir, glaube ich, nicht näher eingehen. Jeder weiß: was nah ist wirkt groß, was fern ist wirkt klein.

Wie kann ich das mit einem einfachen Beispiel erklären? Wenn ich aus 20 cm Entfernung auf einen Baum sehe, kann ich die Kirche im Hintergrund nicht sehen. An dieser Tatsache ändert auch das beste Objektiv nichts. Ein Weitwinkelobjektiv zeigt lediglich einen größeren Bildwinkel, als würde ich mich nach links und rechts umschauen. Trette ich aber einpaar Schritte zurück, wird der Baumstamm scheinbar dünner und die Kirche wieder sichtbar.
Die Perspektive ist also vom Abstand zu den Objekten abhängig.

Hier mal ein paar Fotos um die Zusammenhänge zu verdeutlichen. Wieder einmal müssen meine Akkus herhalten.



Auf Bild 1 sieht man ganz deutlich den scheinbaren Größenunterschied, der durch einen geringen Abstand entstand.

Bild 2 zeigt, dass sich dieser Unterschied mit anwachsendem Abstand ausgleicht. Um eine Vergleichbarkeit zu ermöglichen habe ich so stark herangezoomt, bis der Motivausschnitt gleich ist.

Jetzt könnte jemand zweifeln und sagen es läge doch an den unterschiedlichen Brennweiten.
Auf Bild 3 habe ich den Abstand beibehalten und eine Weitwinkelbrennweite benutzt. Jetzt sieht man natürlich einen ganz anderen Ausschnitt mit viel zu viel Umfeld.

Um den selben Ausschnitt wieder herzustellen habe ich auf Bild 4 das Bild am PC vergrößert.

Fazit: Perspektive ist vom Abstand abhängig. Bildwinkel von der Brennweite.



Gruß
Micha

MichaR

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Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #77 am: 05. Mai 2008, 11:28:07 »
Manche werden denken, dass meine Bilder besser sein müssten, da ich eine Studioblitzanlage besitz. Na dann machen wir das Licht mal an.



Was man gut erkennen kann, dass es 2 Schatten gibt. Einen sehr starken, der direkt vom Blitz kommt und einen schwachen, etwas weicherer, da das Licht an der Wand reflektiert wurde. Durch Umstellen und anderes Positionieren, gewinnt man hier keinen Blumentopf.

Lichtformer:

Der große Vorteil einer solchen Anlage liegt nicht nur in der hohen Lichtleistung, die die Bilder verwacklungsfrei machen. Viel größer ist der Vorteil, dass ich Unmengen an Zubehör käuflich erwerben kann. Was schnell ins Geld geht. Für Modellbauer dürften aber viele Dinge auch selbst herstellbar sein. Denkt nur an meinen weißen Regenschirm.

Das obere Bild entstand ohne Reflektor. Das Licht verteilt sich unkontrolliert, ähnlich einer Glühlampe ohne Lampenschirm.

Um den Lichtstrahl zu kontrollieren gibt es zunächst einmal Reflektoren in verschiedenen Größen, Formen und Beschichtung. Ihre Größe bestimmt wie groß der Lichtkegel ist.
Beispiel: Der kleine Reflektor einer Taschenlampe bildet einen kleinen Lichtpunkt mit harten Kontrasten zwischen Licht und Schatten. Schraub ich den Reflektorkopf ab sieht das gleich ganz anders aus.
Hier mal ein Normalreflektor.




Das Licht ist jetzt gerichtet. Kein Doppelschatten mehr. Der Schattenwurf ist scharf und kräftig.
Ich weiß an meinem erwähnten Baustrahler kann man nicht so einfach den Reflektor tauschen. Aber vielleicht bringt das jemanden auf 'ne Idee.

Weiterhin kann man mit so genannten Lichtklappen, welche vor den Reflektor gesteckt werden, das Licht steuern. Sie können den Lichtkegel einengen. Der Verlauf zwischen Hell und Dunkel ist „schleichend“




Hier sollte sich das Licht mehr auf den Hintergrund verteilen.


Als Hauptbeleuchtung kommen auch Softboxen zum Einsatz die es in vielen Größen gibt. Um gerade bei Portraits keine viereckigen Reflexe zu erzeugen, gibt es neben den viereckigen auch noch Oktoboxen (achteckig), welche durch ihre fast runde Form einen natürlicheren Eindruck hinterlassen.
Durch ihre Bespannung wird das Licht gestreut.




Sie haben ein gerichtetes Licht. Die Schatten sind zwar kräftig, aber nicht mehr messerscharf.


Einen Kandidaten der Gattung Schirme hatten wir bereits als Beispiel gesehen. Und haben auch gesehen, dass das ein echtes Beautylicht ist. Schön weich und fast schattenfrei.

Es gibt auch andere Schirm und eine andere Möglichkeit diese zu nutzen. Im ersten Beispiel nutzen wir den weißen Schirm zum durchleuchten.



Man kann sie auch zum indirekt Beleuchten benutzen. Soll heißen Schirm drauf und Lampe vom Modell wegdrehen (um 180 Grad). Jetzt blitz das Licht in den Schirm, der Schirm verhält sich wie ein sehr großer Reflektor, ähnlich der Reflektoren die am Gerät angebraucht werden. Es gibt auch silberne Schirme die das Licht etwas härter machen und goldene die zusätzlich das Licht einfärben.



Licht mit Absicht einen Rotstich geben? Kann ich auch mit dem Weißabgleich machen. Eben nicht. Wenn der Vordergrund mit Goldschirm ausgeleuchtet wird und der Hintergrund mit weiß, entsteht der Eindruck dass das käsige Gesicht vor mir von der Sonne verwöhnte wäre. :D

Als Effektlichter wäre noch ein Tubus und Wabeneinsatz denkbar.



Sie beschränken ihr hartes Licht auf einen sehr kleinen Lichtpunkt. Und bilden dabei eine sehr harte Grenze zwischen Hell und Dunkel.



Als praktisches Beispiel wie mans gestalterisch einsetzen könnte:



Und abschließend die Wabe.



Natürlich gibt noch viel mehr auf dem Markt, Striplights, Stufenlinsen... Aber ein groben Überblick konnten wir erst mal gewinnen.


Wer dann gelernt hat mit nur einem Licht zu gestalten, kann sich an das zweite wagen und verschiedene Aufsätze/Zubehörteile kombinieren. ;) Zum Beispiel weiches Schirmlicht mit Tubus-Spot auf Hintergrund…..

Gruß
Micha

HeiHee

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Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #78 am: 06. Mai 2008, 13:57:52 »
Um noch mal auf meine Zwischenbemerkung zurückzukommen: Die von Micha gemachten Bilder 1+2 zeigen deutlich, was ich meinte -  die Akkus in Bild 2 scheinen dichter zusammenzustehen als in Bild 1, wohlgemerkt bei gleich großer Abbildung der Akkus.
Bei Bild 4 hast Du eigentlich genau das gemacht, was man "digitales Zoom" nennt: den Ausschnitt genommen und auf Bildgröße "aufgeblasen". Wenn Du jetzt Deine schöne Winkelgrafik zur Brennweite zur Hand nimmst, entspricht der Winkel des Ausschnittes auch einem Zoom (halt dem in Bild 2)...
Die London-Bilder als Beispiel zu nehmen, war ein wenig blöd, hatte aber nix besseres... Die Akkus sind da besser.
Also werde ich präziser: Den vorderen Akku will ich fotografieren und genau in der Größe (Die Abbildungsgröße muß ich dann halt mit dem Abstand einstellen). Will ich den hinteren "weiter weg schieben", nehme ich ein Weitwinkel, "heranrücken" ein Tele. Unser Auge und Hirn funktioniert nur mit 50mm und läßt sich so vorgaukeln was gar nicht da ist...

Bildwinkel und Perspektive hängen zusammen: Je größer der Bildwinkel, desto mehr Fluchtpunktlinien fange ich ein (die dann auch steiler zulaufen), desto größer ist der Eindruck von Perspektive. (Bild 1 + 2 zeigen das...)
Voraussetzung für den Einsatz der Brennweite als gestalterisches Element ist, daß ich mit der Kamera nicht an einem Standort (Entfernung) festhalte sondern mich bewege. Wenn ich das Zoom nutze, um mehr oder weniger vom Motiv in's Bild zu bekommen, bin ich mit der Perspektive "festgenagelt". Ändere ich die Entfernung zum Motiv, kann ich mit Brennweite und Perspektive "spielen"... Die Frage ist halt: Was will ich haben und was muß ich dafür tun.

Das ganze ist noch einmal hier beschrieben: http://de.wikipedia.org/wiki/Brennweite und nach unten scrollen...
http://de.wikipedia.org/wiki/Perspektive

Kurz:
Maßstab und Perspektive gewollt - geeignete Brennweite und Abstand der Weg dazu (Im Studio kein Problem). Ist der Standort fest, kann ich mit der Brennweite nur den Maßstab wählen (Landschaft,...) - kann aber den Eindruck des Betrachters nicht beeinflussen.

Ich denke, wir haben nur ein wenig aneinander vorbeigeredet (ich war schon bei der Bildkomposition)...
« Letzte Änderung: 09. Mai 2008, 10:03:00 von HeiHee »
I've seen things you people wouldn't believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser gate. All those moments will be lost in time like tears in rain.