Autor Thema: Schiffe Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160  (Gelesen 10128 mal)

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wefalck

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Schiffe Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160
« Antwort #15 am: 28. Februar 2015, 20:56:22 »
Weiter geht es mit der Ankerspill. Während die Geometrie der Ankerwinden und Spill in alten Zeiten recht simpel war, ist die Kettennuß ‘moderner’ Winden eine gewisse Fertigungstechnische Herausforderung. Die Kettennuß hat ja Rippen und Vertiefungen in die die einzelnen Kettenglieder genau passen müssen. Die komplexe Geometrie dieses Teils, das im Original ein Gußteil gewesen sein dürfte, muß in einzelne Teile zerlegt werden, die sich durch Drehen und Fräsen herstellen lassen. Darum wurde das ganze Spill in den Spillkopf, die Kettennuß und die Trommel mit den Pallen zerlegt. Daüberhinaus gibt es noch vier Leitrollen, die die Richtung des Kettenzuges festlegen und sicherstellen, daß die Kette auf etwa ¾ des Umfanges des Spills anliegt sowie einen Kettenabstreifer.


Geätzte Teile u.a. für das Ankerspill

Das Ganze steht beim Original auf einer gußeisernen Grundplatte mit dem Pallkranz, die im Modell aus Messing geätzt wurde.


Fräsen der Rippen der Kettennuß

Für die Kettennuß wurde ein Stück Rundmessing von 2,5 mm Durchmnesser in den Teilkopf gespannt und fünf Rippen herausgefräst. Nach dem Umspannen auf die Drehbank wurde mit einem Formdrehstahl die Einschnitte für die Kettenglieder eingedreht. Die Nuß wurde sodann plangedreht und für die Achse gebohrt, die später alle Teile verbinden wird.


Eindrehen der Einschnitte für die Kettenglieder

Die Kettennuß wurde mit etwas Überlänge abgestochen. Die Überlänge ist nötig, damit man noch etwas Fleisch hat um sie sauber planzudrehen. Dazu wurde die Nuß in eine spezielle Spannzange für kurze Teile eingespannt. Zur Bearbeitung von Lagersteinen  (‘jewels’) und –buchsen für Uhren gab es für die Uhrmacherdrehbänke spezielle Spannzangen mit flachen Vertiefungen, die sich hervorragende für solche Aufgaben, wie das Plandrehen eines Teils von 2,2 mm Durchmesser und 0,6 mm Dicke, eignen.


Plandrehen der Kettennuß in einer speziellen Spannzange

Der Spillkopf ist ein einfaches Drehteil. Die grobe Form wurde gedreht und dann mit feinen Feilen fertigbearbeitet. Die Bügelmeßschraube im Bild unten ist übrigens eine aus dem heute seltenen Satz von Meßschrauben nach ‘Gümmer’. Die beiden anderen Meßschrauben aus dem Satz sind zur Messung von Nutenbreiten und Ansätzen gedacht.


Der Spillkopf


Gümmer-Meßschrauben (das Raster ist 10 mm x 10 mm)

Alle Teile wurden schließlich miteinander verlötet. Leider lassen sich glänzende Messingteile nicht sehr gut photographieren. Auf der Abbildung unten ist zum Größenvergleich der Glaskopf einer Stecknadel mit abgebildet.


Das Ankerspill

Die Leitrollen sind einfache Drehteile. Die konkaven Flächen wurden allerdings durch Formfräsen erzeugt. Dazu wurde das vorgedrehte Rohteil in den Universalteilkopf (http://www.wefalck.eu/mm/tools/dividinghead/dividinghead.html) auf dem Drehbankschlitten gespannt. Die Spindel des Teilkopfes kann mit Hilfe einer Kurbel gedreht werden, die über eine Schnecke auf ein Schneckenrad auf der Spindel wirkt. Ein Kugelfräser ist in der Drehbankspindel gespannt.




Formfräsen der Leitrollen für das Ankerspill

Fortsetzung folgt ...

Universalniet

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160
« Antwort #16 am: 01. März 2015, 00:22:24 »
 8o 8o 8o 8o 8o

Ohne Worte ...  :klatsch: :klatsch: :klatsch:

Jensel1964

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160
« Antwort #17 am: 01. März 2015, 08:33:04 »
Ich bin da auch echt sprachlos und sinke vor Bewunderung auf die Knie..... :meister: :meister: :meister:

Das ist wirklich ganz unglaublich, was Du da baust. Uhrmacherhandwerk vom Feinsten.  :P

Jens  :winken:

Sachse 3

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160
« Antwort #18 am: 01. März 2015, 16:12:01 »
Was soll mn da noch sagen  :respekt:
Ich betrachte auch einen siegreichen Krieg an sich immer als Übel, welches die Staatskunst den Völkern zu ersparen bemüht sein muß. (Otto von Bismarck)

Im Bau: Langzeitprojekt Hafenstadt 1:250, Dampfer "Schwan" 1:250, Kirche Wang 1:150
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Vorläufig stillgelegte Projekte:"SMS Markgraf", "Suworow"

matz

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160
« Antwort #19 am: 01. März 2015, 16:41:31 »
Unglaublich.  :P :P :P
Du lotest auch die Möglichkeiten der Mini-Uhrmacherdrehbank noch vollständig aus.
Würde mich nicht wundern, wenn die Borduhr Deiner WESPE ein leises Ticken von sich gibt   :pffft:
Da bleib ich dran…..

matz
Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.
(Philip Rosenthal, Unternehmer, *1916 +2001)

HWB

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160
« Antwort #20 am: 02. März 2015, 09:19:57 »
Da verschlägt es einem die Sprache. Die winzigen Metallteile sind einfach unglaublich.
Da ich mit der Metallverarbeitung nach wie vor auf Kriegsfuß stehe, fasziniert mich immer wieder was hier möglich ist.
Einfach ein Wahnsinnsmodell  :P :P :P
Holger

Im Bau: holländische Fregatte "Wapen van Edam" von 1644

In Planung:
HMS Royal Katherine 1664 Eendracht 1654

wefalck

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160
« Antwort #21 am: 06. März 2015, 20:48:20 »
 :winken: Danke !!!

*****************

Im Rahmen der Arbeiten an diesem Modell habe ich mir auch eine neue Technik angeeignet, das Formätzen. Nach diversen Fehlschlägen, die ich nach und nach eliminiert habe, sind mir einigermaßen brauchbare Teile gelungen. Das Ätzen selber war dabei weniger das Problem, als die Erstellung der Masken und die Belichtung. Belichtungsproblemen bin ich dadurch beigekommen, indem ich mir einen Belichtungskasten aus der elektronischen Bucht geangelt habe. Das Hauptproblem war aber, Folien mit ausreichend dichter Schwärzung hinzubekommen. Nach vielen Experimenten mit unterschiedlichen Einstellungen habe ich auf einem Tintundrucker und mit Overheadfolien brauchbare Masken produziert. Um den Prozeß arbeitseckenfreundlich zu gestalten, beschränke ich mich auf kleine Platinen. Als Ätzgefäß verwende ich Filmdosen. Damit muß ich nur mit wenigen Millilitern hantieren. Eine alte Warmhalteplatte bringt die Ätzlösung auf ca. 40°C. Der Gedanke hinter der Prozeßentwicklung war, das Formätzen zu einer ähnlichen spanabhabenden ‘ad hoc’-Technik zu machen, wie Drehen oder Fräsen.


Rohe, ungeputzte Ätzteile

Das Ätzen kommt für mich vorallem für empfindliche Teile in Frage, die sonst anders kaum mechanisch bearbeitet werden können. Außerdem müssen die Teile zweidimensional sein, oder sich in zwei Dimensionen abwickeln lassen. Manche Oberflächenstrukturen, wie z.B. Niete lassen sich natürlich auch durch Ätzen erzeugen.


Verlötetes Maschinenraum-Oberlicht

Ein Anwendungsbeispiel sind die Oberlichter. Eigentlich bestehen die Rahmen der Oberlichte aus Holz, doch im Maßstab 1:160 wird dieses besser durch Bemalung dargestellt, da ‘richtiges’ Holz eine zu grobe Struktur hat. Der Rahmen entsteht aus einer Abwicklung, die gefaltet und verlötet wird. Die Scheiben des Oberlichtes der Messe sind durch Messingstäbe geschützt. Diese werden später durch Draht dargestellt. Für diese Drähte sind auf der Rückseite des Rahmens Rillen eingeätzt. Der Rahmen wird über einen Kern aus Plexiglas gestülpt.


Fräsen des Kerns des Maschinenraum-Oberlichtes


Anfräsen der Flächen

Dieser Kern wurde aus einem Stück Plexiglas gefräst. Die Scheibenflächen wurden plangeschliffen und auf Hochglanz poliert, wodurch das Plexiglas ein Aussehen erhält, das dem von Silikatglas nahekommt.


Polieren der Flächen mit einem Silikon-Schleifstift

Fortsetzung folgt ...

Seemannsgarn

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160
« Antwort #22 am: 09. März 2015, 15:49:55 »
 :klatsch:
Schmidt

Helge

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160
« Antwort #23 am: 09. März 2015, 18:07:52 »
WOOW!!!  ...... Sprachlos  :P :P

gruß

Helge
Wenn Du denkst es geht nicht mehr, dann .... Dann gib einfach auf!

wefalck

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160
« Antwort #24 am: 12. März 2015, 20:59:43 »
Gefällt's den Anderen, freut sich der Mensch  8)

Apropos, Schmidt, was macht eigentlich Dein WESPE-Projekt, die ist doch nocht nicht fertig, oder ?

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Um wieder auf die Ankereinrichtung zurückzukommen: neben dem Ankerspill besteht diese auch noch aus jeweils zwei unterschiedlichen Kettenstoppern (Kompressoren) je Bordseite, sowie den Ankerkränen. Auf letztere werde ich später eingehen.
Zwei Stopper befinden sich zwischen den Klüsrohren und dem Spill, während ein weiterer Satz Stopper das Auslaufen aus dem Kettenkasten verhindert. In beiden Fällen handelt es sich um recht komplex geformte Gußteile.


Formfräsen eines Kettenstoppers

Die Teile müssen an allen Seiten bearbeitet werden, was ihr Spannen nicht gerade einfach macht. Eine elegante Lösung ist aber, solche komplexen Teile aus einem ausreichend großen Stück Rundmaterial herauszufräsen. Um einen definierten Sitz, auch nach einem eventuellen Umspannen, sicherzustellen, wird zunächst ein Haltezapfen angedreht. Dieser Zapfen dient später auch zur sicheren Befestigung der Teile. Von der plangedrehten Unterseite aus werden alle weiteren Bearbeitungsschritte berechnet und auf der Fräsmaschine zugestellt. Die Rohteile werden dazu mit dem Zapfen in einer Spannzange im Teilapparat auf der Fräsmaschine gespannt. Damit können die Teile in definierter Weise zur Bearbeitung gedreht werden.


Fräsen eines Schlitzes in den Kettenstopper


Körper des vorderen Kettenstoppers with Fräswerkzeugen

Das Material ist Messing bzw. Plexiglas. Als Fräswerkzeuge kamen diverse Hartmetall-Fräser zur Verwendung, aber auch ein ‘Eigenbau’. Der vordere Stopper benötigte einen nicht-durchgehenden Schlitz von 0,3 mm Weite, der Dicke der Kettenglieder. Mit einem Kreissägeblatt läßt sich das nicht machen. Abgebrochene Hartmetallbohrer sind ja leider keine Seltenheit, also habe einen solchen 0,3 mm-Bohrer mit einem kurzen Rest vorne flachgeschliffen. Der 0°-Freiwinkel ist nicht ideal, aber für kurze Strecken in Messing oder Plexiglas genügt es.


Formfräsen des hinteren Kettenstoppers mit Hilfe eines vertikalen Spannzangenhalters auf dem Rundtisch der Uhrmacher-Fräsmaschine

Ein Problem mit kleinen Messingteilen ist, daß man durch die metallischen Reflektionen nicht sehr gut sieht was man macht. Mit Plexiglas ist das etwas besser, aber hier die Durchsichtigkeit kann ein Problem sein. Ansonsten ist Plexiglas ein sehr angenehmes Material, wenn auch dünne Teile sehr zerbrechlich sind.


Der Fräsvorgang aus der Nähe


Eine 5-Cent-Münze als Größenvergleich für die hinteren Stopper

Die vorderen Kettenstopper wurden auf (selbst)geätzte Grundplatten gelötet und, genau wie die hinteren Stopper mit geätzen Auslöse- bzw. Spannhebeln komplettiert.


Kettenstopper, Poller und das Ankerspiel (das Raster der Schneidmatte beträgt 10 mm x 10 mm.

Fortsetzung folgt ...

maxim

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160
« Antwort #25 am: 12. März 2015, 21:11:45 »
Wirklich beeindruckend!  :klatsch:

Das Ankerspill mit den vier Umlenkrollen sieht ungewohnt aus. Wurde das gleiche Spill für beide Anker benutzt?
Schwerer Kreuzer HMS Exeter (Samek)


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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160
« Antwort #26 am: 12. März 2015, 21:17:20 »
Die Kette wurde für die beiden Anker jeweils umgelegt. Diese Art Spill war um diese Zeit bei den Marinen weit verbreitet. Meist hatten sie Dampfantrieb, bei der WESPE-Klasse wurde es aber durch eine Handkurbel unter der Back angetrieben. Wie bei manchen Pumpen des 19. Jh. konnten an der Doppelkurbel etwa 10 Mann arbeiten. Die gleiche Kurbel wurde über ein Vorgelege auch dazu verwendet, das Richtwerk der Geschützlafette anzutreiben.

maxim

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160
« Antwort #27 am: 12. März 2015, 21:23:13 »
Vielen Dank für die Erklärung: das Anker lichten, wenn beide Anker gesetzt waren, dürfte gar nicht so einfach gewesen sein. Und auf jeden Fall schweißtreibend...
Schwerer Kreuzer HMS Exeter (Samek)


wefalck

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160
« Antwort #28 am: 12. März 2015, 21:28:09 »
Auch in alten Zeiten gab es ja nur ein Spill für zwei Buganker und die Kette/Trosse des jeweils nicht bedienten Ankers mußte von der Trommel genommen werden.

maxim

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE in 1:160
« Antwort #29 am: 12. März 2015, 21:40:08 »
Stimmt - im ganzen Segelschiffszeitalter war nur ein Gangspill vorhanden.
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