Autor Thema:  Monographie zu Noordpolderzijl  (Gelesen 2179 mal)

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Verwirrt

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Monographie zu Noordpolderzijl
« am: 08. November 2014, 20:15:25 »
Flikkema, Albert, Siewert Meijer: Nordpolderzijl. Thuishaven voor fissers en robbenjagers, Usquert 2009

Bücher zur Lokalgeschichte bewegen sich, was Qualität und Anspruch betrifft, zwischen zwei Polen. Auf der einen Seite die biederbraven Erzählungen über „125 Jahre Turnverein Obersepplbrunnhofen“, auf der anderen Seite das furiose „City of Quartz. Excavating the Future in Los Angeles“ (1990) von Mike Davis. Die Mehrzahl der Werke dürfte sich in der Nähe von jenen finden.

So auch das vorliegende Werk, allerdings mit deutlichen Ausschlägen Richtung Spannung, die einmal vom Thema selbst herrühren, andererseits an den Quellen und deren Aufbereitung: Es sprechen Zeitzeugen und Artefakte aus einer Zeit, die fremd und bekannt gleichzeitig wirkt.

Noordpolderzijl ist der kleinste Gezeitenhafen der Niederlande, gehört heute zur Gemeinde Eemsmond, vor der Gemeindereform gehörte es zu Usquert, woher noch das Kürzel „UQ“ für die Noordpolderzijler Fischerboote zeugt. Usquert selbst war in der Zeit zwischen den Weltkriegen die reichste Gemeinde der Niederlande, hierzu trugen  noordpolderzijler Krabbenfang und Robbenjagd wesentlich bei. Und diese Geschichte, ab etwa der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, erzählt das Buch auf stattlichen 320 Seiten.

Das Werk ist reich bebildert und mit Quellenmaterial ausgestattet. Wertvollster Inhalt sind aber die Zeitzeugen und ihre Berichte. Zusammen mit Fotos aus Familienalben entsteht ein lebendiges Bild einer florierenden und verschworenen Gesellschaft, deren Niedergang mit dem Verbot der Robbenjagd 1962 langsam, aber stetig, voranschritt. Heute liegen in Noordpolderzijl noch ein oder zwei Schiffe. Da nicht jeder des Friesischen mächtig ist, findet sich am Ende des Bandes eine niederländische Übersetzung der Interviews.

Das Buch ist, gerade wegen seines verqueren und etwas abwegigen Themas, eine spannende Lektüre für jeden, der sich für Wattenmeer, Fischerigeschichte und Microberichterstattung jenseits des Niveaus von „Bild am Montag“ (Der Spiegel) interessiert. Man kann übrigens auch hinfahren, es gibt sogar ein Gasthaus (das aber auch schon ca. 50 % der Noordpolderzijler Gebäude ausmacht).

Der Lingener

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Re: Monographie zu Noordpolderzijl
« Antwort #1 am: 08. November 2014, 22:05:34 »
Moin,

lohnt es sich, ein paar Seiten des Buches zu scannen, damit wir zukünftigen Leser sehen, was es zu sehen gibt?
Hier schon mal ein link:
http://boekwinkeltjes.nl/singleorder.php?id=104525620
Amazon.de führt das Buch leider nicht...

Michael
http://www.modellbaufreunde-lingen.de

Nächster "Auftritt" der Modellbaufreunde Lingen bei der 2. Internationalen Ausstellung der Modellbaufreunde BÜNDE am 25./26. August 2018

Verwirrt

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Re: Monographie zu Noordpolderzijl
« Antwort #2 am: 09. November 2014, 06:52:44 »
lohnt es sich, ein paar Seiten des Buches zu scannen, damit wir zukünftigen Leser sehen, was es zu sehen gibt?

Michael, das geht, ich bin wegen Reisen aber frühestens übernächste Woche wieder in der Nähe des Buchscanners.

Hans