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Autor Thema: Flugzeuge Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48  (Gelesen 5485 mal)

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Iceman-Pilot

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Flugzeuge Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48
« am: 10. November 2015, 19:38:55 »
An dieser Stelle möchte ich Euch gerne eine kleine Geschichte über mein erstes „West“modell erzählen. Gleichzeitig war es auch das erste Modell, welches ich mit Farben verschönert hatte.

Es war Sommer 1987, ich lebte damals in Leipzig in der DDR und war 13 Jahre alt. Schon seit einigen Jahren hatte ich Flugzeugmodelle aus der DDR und aus der CSSR gebaut und manchmal brachte mir mein Vater von Dienstreisen aus der UdSSR Modelle mit. Familie im „Westen“ hatten wir nicht, was ich aber auch nicht vermisst hatte.

Im August 1987 waren wir (wie jeden Sommer in den Ferien) mit dem Auto unterwegs und auf dem Rückweg nach Leipzig. Irgendwo in der CSSR machten wir jedes Jahr in dem gleichen Ort einen kleinen Zwischenstopp in der Mittagszeit, um ein wenig zu essen, Eis zu schleckern und in einem kleinen Laden Lebensmittel zu kaufen. Es gab sogar ein kleines Regal mit Spielzeug und vielleicht 10 verschiedenen Flugzeugmodellen, hauptsächlich von KP. Ich suchte und suchte, überlegte, verwarf, überlegte neu und wusste immer noch nicht, welches ich mitnehmen wollte. Das dauerte meiner Mutter dann wohl doch zu lange. Sie kam zu mir und fragte, wie lange das wohl noch dauern würde. Ich schilderte ihr mein Problem, das ich mich nicht entscheiden könnte. Also machte sie kurzen Prozess und zog ein Modell aus dem Regal raus. „Willst Du das haben?“

Ich schaute völlig ungläubig auf die Kiste und war völlig platt. Da hatte sie doch wirklich ein Modell einer P-51D Mustang in der Hand. Und noch viel besser, das war eine für mich völlig unbekannte Firma mit dem Namen Revell. Und alles war auf Deutsch geschrieben und kostete ganz schön viele tschechische Kronen.

Ich kombinierte: Deutsche Worte, ganz schön teuer, sehr schöne Verpackung. Das kommt wohl eher nicht aus dem Ostblock. Schluck.

Meine Mutter schaute mich immer noch an und wollte eine Antwort. Ich stammelte irgendwas von „… teuer …“, „… Meinst Du wirklich?“, „…Echt?“ und so weiter. Aber meine Mutter wollte endlich los und ging mit der Kiste zur Kasse. Beim Bezahlen wurde ihr dann auch der Preis bewusst und sie schaute mich strafend an.

Ich konnte es kaum erwarten, die Verpackung auf zu machen! Draußen im Auto war es dann endlich soweit. Die Qualität der Bauteile, die Decals und auch die Bauanleitung machten mich einfach nur sprachlos. Und wir hatten noch einen halben Tag Fahrt vor uns.

Am nächsten Morgen, gut ausgeschlafen, schaute ich mir wohl zum hundertsten Mal das Modell an und beschloss, dieses mit Farbe zu bemalen. Das erwies sich schwieriger als gedacht, da es in der DDR eigentlich keine geeigneten Farben gab. Ich fragte Freunde und deren Eltern und schaute auch in verschiedene Läden und irgendwann hatte ich die meisten Farben zusammen. Das waren alles Nitro-Lacke, stark riechend, nicht wirklich gesundheitsfördernd aber es waren eben Farben. Auch die Farbtöne stimmten nicht zwingend mit dem Original überein. Ach, von airbrush oder Abkleben oder Spachteln hatte ich natürlich auch noch nie was gehört  X(

In den nächsten Wochen baute ich dann mein erstes Modell aus dem Westen, mit Farben und sehr schönen Markierungen. Ich war völlig begeistert und auch heute noch steht das Flugzeug in meiner Vitrine. Sogar die Verpackung habe ich noch. Darin lagern heute die Restbestände der Decals von ungezählten Modellen. Übrigens glaubt mir meine Mutter bis heute nicht, dass ich die Mustang gar nicht gesehen hatte. Hatte ich wirklich nicht!  :7:

Die Geschichte geht aber mit einer weiteren kleinen Anekdote weiter:

Da gab es ja diese Bauanleitung. Darin stand natürlich auch die Adresse einer Abteilung X in Bünde, wo man bei Problemen gerne hinschreiben könnte. Und ja, ich hatte ein Problem. Ich war so restlos begeistert von der Qualität, dass ich an Revell schrieb und mit großen Worten die Qualität gelobt habe. Und ich bat um die Zusendung eines Tornados in 1:72. In den Brief legte ich 10 Ostmark. Da ich schon mal was von Stasi und Überwachung etc. gehört hatte, schrieb ich als Absenderadresse den Namen meiner Nachbarin. Diese war schon über 65 und meiner Meinung nach völlig unverdächtig. Natürlich weihte ich Sie in meinen Plan ein. Aber leider kam nie ein Paket  :2: Auch in meiner Stasi-Akte hat man noch nichts zu diesem schändlichen Vorgang gefunden. Es wäre interessant, ob der Brief jemals in Bünde ankam und wie man dort reagiert hat…   :woist:

Zwei Jahre später konnte ich mir von meinem Begrüßungsgeld meinen Tornado selber kaufen. Leider gibt es den heute nicht mehr in meiner Sammlung.


Alex  :winken:
« Letzte Änderung: 11. November 2015, 13:17:37 von 104FAN »


bughunter

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Re: Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48
« Antwort #1 am: 10. November 2015, 21:01:28 »
Danke für die schöne Story! Und dafür, daß die Nitrofarbe bestimmt auch das Plastik angegriffen hat, sieht die Mustang doch ganz gut aus. Halte sie weiter in Ehren!

Viele Grüße,
Bughunter

Wikipedia sagt: "Ein Modell ist ein vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit."
Deshalb baue ich lieber verkleinerte Originale.

cookiemonster

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Re: Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48
« Antwort #2 am: 10. November 2015, 21:01:45 »
Ein Modell mit Geschichte, so ist es mir am liebsten.
Vielen dank das du diese Geschichte sowie das Modell mit uns geteilt hast.
Deine Mustang hat sich auch super gehalten.
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Taylor Durbon

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Re: Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48
« Antwort #3 am: 10. November 2015, 23:34:24 »
Mensch Alex, so ähnlich wars bei mir auch. Ich war 15, der Ort in der CSSR hieß Pjibram und ich hatte noch nie sowas tolles gesehen wie diese Mustang. MAN O WAR!!!!!! 8o Was für ein Name!
Natürlich mit Nitrolack verätzt und eigentlich viel zu schade dafür, aber wir hatten ja nüscht. Schön was es für Parallelen gibt.  :winken:

Lupusprimus

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Re: Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48
« Antwort #4 am: 11. November 2015, 00:17:11 »
Kommt mir irgendwie bekannt vor, die Story. Mir ging es ähnlich. Bei einem Ungarn-Besuch hatte man als DDR-Bürger ja nicht sonderlich viel Forint. Ich fand da eines Tages in so einem Kramladen eine F-15 in 1:72. Meine Augen glänzten ohne Unterlaß. Daß der Bausatz umgerechnet fast 100 DDR-Mark kostete wurde von mir völlig ausgeblendet.
Leider nahm das nicht so ein schönes Ende wie gedacht. Der Nachbarsjunge, der während meiner wochenlangen Abwesenheit die Blumen pflegen sollte, nahm sich unter meinen wirklich vielen Bausätzen ausgerechnet den und "baute" ihn zusammen. Ja, das gab großen Knatsch, aber letztendlich war der Bausatz futsch.
Ich habe übrigens zu DDR-Zeiten alle Modelle mit Nitrofarben angemalt. Es hab einzelne Plastsorten, die vertrugen das Lösungsmittel nicht, aber das war selten. Ja, die Farben stanken ohne Ende, aber sie ließen sich gut verarbeiten und mischen. Und "Airbrush" gab es auch - mit einem Haarlack-Kleinzerstäuber. Ist so ein Quetschbalg für die Hand dran. Es ging und sah immer besser als mit dem Pinsel aus. Reinigen war bissel lösungsmittelintensiv, aber das Zeug gab es literweise.
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Flugi

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Re: Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48
« Antwort #5 am: 11. November 2015, 01:32:15 »
... na dann sind Euch ja diese "Delinquenten" nicht unbekannt?  :D
Schöne Geschichte.  ;)

Bongolo67

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Re: Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48
« Antwort #6 am: 11. November 2015, 08:11:53 »
Hallo Alex,

das ist eine tolle Geschichte und so was gehört definitiv in die Galerie. :1: :P

Ich verschieb das mal, ja?

Gruß

Ulf
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Iceman-Pilot

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Re: Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48
« Antwort #7 am: 11. November 2015, 10:11:47 »
Vielen Dank für Eure kleinen Geschichten  :P

@Flugi: Den Geruch hab ich heute noch in der Nase. Und erst der Krampf, diese Verschlüsse zu öffnen, wenn sie angeklebt waren  :D

@Bongolo67: Danke für das Verschieben


Schöne Grüße aus Leipzig!

Alex  :winken:


ralph21075

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Re: Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48
« Antwort #8 am: 11. November 2015, 12:01:38 »
Mensch, genau so eine Geschichte liest man hier gern. Vielen, vielen Dank für´s Teilen!  :klatsch:

Bei mir als Wessi war es anders herum. Mein Onkel lebte mit seiner Familie unweit der Grenze nahe Hagenow. Wir sind oft nach "Drüben" zu Besuch (und das war immer ein Riesenabenteuer und die Fahrt von Hamburg nach Hagenow MIT Grenze und Kontrollen dauerte 4-5 Stunden) und dank des Zwangsumtausch hatten meine Eltern eine Menge Ost-Mark.

Ein Großteil dafür blieb bei unserer Ost-Verwandtschaft. Aber meine Eltern waren stets recht spendabel, wenn wir durch Hagenow oder Ludwigslust bummelten. Und für mich gab es als Kind eine Menge, das mich interessierte und das durchaus in den Läden vorhanden war. Angelsachen, Malblöcke, Modelleisenbahn-Zubehör und vor allem die "DDR-Modelle". Das hier war für mich das, was ein wenig dem Beutegefühl Deiner Revell-Mustang nahekommt:



Quelle: http://www.ebay.de/itm/351346370483

Und so, wie Du vor Deinem West-Modell saßt mit Ostfarben, ging ich bei meinen Ost-Modellen mit Westfarben zu Werke – zu der Zeit mag ich so 9-10 Jahre alt gewesen sein. An machen Modellen versuchte ich mich auch einfach mit den beiden silbernen Tuben, Kleiber und Silberfarbe. Den Duft habe ich heute noch in der Nase. Diese Anspannung, wenn man irgendwie ein Loch in die Tuben gepiekst und wieder vergessen hatte, irgendwas drunter zu legen. Leider habe ich keine Bilder mehr von meinen Modellen, nur eine Menge Bilder davon vor Augen. Meine TU-144 hatte irgendwann keine Nase und kein Fahrwerk mehr, aber zum Spielen war sie noch lange geeignet.

Tja, siehste mal, solche Bilder und Erinnerung rauschen aus der Tiefe des Unterbewusstseins vor das geistige Auge, wenn ich Deinen wunderbaren Beitrag lese.
Danke dafür!

Viele Grüße,
Ralph  :winken:

Iceman-Pilot

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Re: Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48
« Antwort #9 am: 11. November 2015, 13:45:54 »
Boa äh!

Die 144!

Und da links oben, die beiden genannten silbernen Tuben. Den Geruch habe ich auch noch in der Nase. Und beim ersten Mal hab ich versucht, die Plaste mit der Alu-Farbe zu verkleben. Ratet doch mal, ob das geklappt hat   :1:

Und mit der 144, gebaut von meinem Bruder, ging meine Modellbau-Spiel-Karriere auch los. Und dann noch die Tu-95, der Riesenklopper mit den gegenläufigen Propellern. Die grüne Tu-2, der Riesenheli Mi-26. Nicht zu vergessen DER Klassiker, die Wostok mit Gagarin drin...


Schwärm...

Hm, ich glaube, wir werden sind alt  :6:


Taylor Durbon

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Re: Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48
« Antwort #10 am: 11. November 2015, 13:51:40 »
Der Spielwert der Tu-2 war so ungemein hoch wegen dem einziehbaren Fahrwerk  :1:....

ralph21075

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Re: Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48
« Antwort #11 am: 11. November 2015, 14:00:25 »
... und wenn es keine Auswahl mehr gab, lag immer noch irgendwo eine IL-28 rum.. die habe ich glaube 5x gebaut... ein gern gesehener Gast zu Sylvester (A-Böller geeignet, wenn wirklich schon alles abgebrochen war)

Zum nostalgischen Surfen einfach mal "VEB-Plasticart" bei der Google-Bildersuchen eintippen

 :winken:

Wie wäre es eigentlich mal mit einem VEB-Plasticart Contest?

Lexion_450

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Re: Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48
« Antwort #12 am: 11. November 2015, 17:17:28 »
bei reifra gibts ja noch ein paar von den bausätzen...

bei nem plasticard contest würde ich auch noch mitmachen

übrigens hatte ich es damals immer geschafft den kleber aus der silbernen tube auf der ddr trainingshose zu verteilen- die war dann irgendwann wasserdicht..
"We are 3 and a half minutes behind.... 3 and a half minutes in Finnland is like 4 days"
Nikki Grist

AceofSpades

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Re: Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48
« Antwort #13 am: 11. November 2015, 19:05:44 »
Coole Geschichte!
Und genau solch eine Mustang hab ich damals von meinem besten Freund geschenkt bekommen,da war ich zwölf .
Nicht zum Geburtstag,  sondern weil ich einen schweren Verkehrsunfall überlebt habe (ein Schulbus hat mich mit sechzig Klamotten über'n Haufen gefahren).
Nach zehn Tagen Koma und schweren Kopfverletzungen bin ich damals ins Leben zurück gekehrt.
Das Modell hab ich jedenfalls geliebt und es ist erst ca.15 Jahre später beim Umzug verloren gegangen.
Naja, nen Dachschaden hab ich wohl immer noch und Manowar hör ich heute noch gern!
Grüße aus der Heide  :winken:
Holger

Bromex

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Re: Eine Mustang in der DDR, Revell 1:48
« Antwort #14 am: 12. November 2015, 06:49:28 »
Iceman-Pilot
Ne Mi-26 gab's von Plasticard nie!!! Das war die Mi-6 bzw. die Mi-10K, die mit dem Stelzenfahrwerk.

Und als Alternativen zu Nitrofarben, die auch das Plaste nicht angriffen, wenn man sie etwas länger ausgasen lies oder mit Talkumpulver zu "matt" veränderte, gab es noch Linolschnittfarben. Die rochen nicht und ließen sich auch mit einfacher Verdünnung streichfähig machen.

Meine ersten "Westmodelle" brachte ich mir aus Polen mit, MiG-21 und Westland Lysander, beide von Matchbox.
Die nächsten Westmodelle kaufte ich mir in:.......Moskau!!!, da gabs so nen kleinen Laden auf derr Allunionsausstellung. Problem war nur die Einreise in die DDR über Schönefeld: Die Grenzer ( na ja, MfS, wie ich heute weiss ) wollten mir die wieder abnehmen, "Kriegssspielzeug" und solcher Quatsch. Und das bei ner Reisegruppe der NVA!!! :pffft: Erst nachdem unser Reiseleiter und Dolmetscher ihnen klargemacht hat, dass ich die Modelle von meinem Geld gekauft hatte, damit die "Truppe" Modelle zur Gegnererkennung Fliegerabwehr bekommt, also Landesverteidigung, durfte ich meinen Rucksack wieder vollpacken.

Und die REIFRA-Modelle für nen Plasicard-Contest ?  BIN DABEI :klatsch: :klatsch: :klatsch:

In diesem Sinne
Tschaudi
Red Bull verleiht Flügel, Green Bull verteilt Prügel !