Autor Thema:  Verwendung von selbsgedruckten Decals der Fa. HOLI  (Gelesen 2836 mal)

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Verwendung von selbsgedruckten Decals der Fa. HOLI
« am: 07. Januar 2016, 23:48:53 »
Hallo Mitbastler,

Vor kurzem stand ich nun auch vor der Aufgabe selbstgedruckte Decals zu Verarbeiten, da bei einem Modell nicht
die Decals dabei waren, um die Version darstellen zu können, die mir vorschwebte.

Da ich noch nie selbstgedruckte Decals verwendete, suchte ich natürlich viel im Internet nach Informationen, wie sie
verarbeitet werden müssen. Ein paar spärliche Infos konnte ich finden allerdings keine wirklich gute Anleitung worauf zu
achten ist, Fallstricke usw. Daher möchte ich mich an einer kleinen Anleitung versuchen und hoffe, dass sie dem einen
oder anderem von Nutzen sein wird.

Zur Verwendung kommt weißes und transparentes Decalpapier der Fa. HOLI, welche in Deutshland über den Großhandel
Models Import & Distribution importiert über den Einzelhandel (z.b. Modellbau Koenig) vertrieben wird.
Meine erste Wahl fiel auf die Laserdruck-Variante da ich über die Arbeit zugriff auf einen guten Laserdrucker habe. Nach
weiterer Recherche stieß ich allerdings auf Tipps, die Tintenstrahldruck-Variante wäre dünner und somit etwas besser zu
verarbeiten.
Hier kann ich nun nur auf die Laserdruck-Variante eingehen, da diese bereits geliefert wurde bevor ich auf die Infos über die
weiteren Unterschiede stieß.

Passende Motive können mit jedem Bildbearbeitungsprogramm oder anderen Möglichkeiten erstellt werden.
Der anschließende Druck ist auch sehr einfach. Es müssen keinerlei extra Einstellungen am PC getroffen werden, egal ob
weißes oder transparentes Papier.
Gedruckt wird, wie auf der kleinen beiligende Beschreibung beschrieben, auf die glänzende Seite des Papiers. Es sollte,
wie bei herkömmlichen, industriell gefertigten Decals, vermieden werden auf die Druckoberfläche zu fassen.
Nach dem Druck ist es sehr wichtig das Papier an einem ruhigen Platz lange und langsam (nicht auf eine Heizung legen!) trocknen
zu lassen. Bein einem Druckversuch hab ich es nicht beherzigt und nach ca 5 min das Wachspapier darüber gelegt und zum Transport
in einen Umschlag gesteckt. Das Result war: Nochmal drucken!  :santa: Die Tinte ist teilweise auf das Wachspapier übergegangen.

Nach einer mindestens 12 Stündigen Trocknung muß das Decal mit flüssiger Decal-Lösung fixiert werden. Hierfür habe ich
Liquid Decal Film der Fa. Microscale verwendet. Einfach mit einem Pinsel vorsichtig auf die druckseite auftragen und nun
wieder mindestens 12h trocknen lassen.

Als Modell habe ich hier eine Mig-29 auf dem Tisch. Das Modell erhielt bereits eine Lackierung für eine damalige Bundeswehrmaschine
und einen abschließenden Überzug mit Glanz-Klarlack von Model Master um das berüchtigte Silbern zu verhindern.
Welcher Klarlack verwendet wird ist eigentlich nebensache.
Ab und an kann man ihn noch leicht aufpolieren um eine schön glatte, homogene Oberfläche zu erhalten.

Soweit so gut, die Vorbereitung ist abgeschlossen und nun kann es daran gehen, das Decal auf das Modell zu bringen.
Benötigt wird ein scharfes Bastelmesser oder Skalpel, etwas warmes Wasser mit einem kleinen Tropfen Essig um die Oberflächenspannung
des Wassers zu brechen, Pinzetten/Werkzeug zum Positionieren, Wattestäbchen, Küchenpapier und ein Papiertaschentuch.

Hier bereits mit fixiertem und ausgeschnittenem Decal (mittig: 98+08).

Mit dem scharfen Bastelmesser das Decal möglichst nah am Motiv ausschneiden und auf dem Trägerpapier mit dem Wattestäbchen oder
auf dem Küchentuch mit Wasser anfeuchten. Nicht in das Wasser tauchen. Ein mehrmaliges anfeuchten reicht völlig aus, wenn es
eingetaucht wird, besteht die Gefahr, dass sich der wenige Kleber im Wasser auflöst.



Das so befeuchtete Decal mit der bedruckten Seite nach oben für ca eine Minute auf das Papiertaschentuch legen und das Wasser seine
Arbeit machen lassen. Mit der Pinzette oder ähnlichem nun vorsichtig prüfen ob sich das Decal bewegen lässt, wenn nicht, den Vorgang
nochmals wiederholen.



Lässt sich das Decal Bewegen, vorsichtig an der Stelle platzieren und mit vorsichtigem Schieben auf das Modell aufbringen.
Überschüssiges Wasser kann mit dem Küchenpapier aufgesaugt werden und kleinere Korrekturen an der Position mit entsprechenden
Werkzeug vornehmen.


Nun ist das Decal endlich auf dem Modell, das überschüssige Wasser ist abgetupft und auf zum nächsten  :D ....

Hach, wie schön einfach wäre es doch  :3:  Aber nein, noch ist die Behandlung des Spezialpatienten nicht abgeschlossen.
Bei dem weißen Decalpapier könnte man hier tatsächlich aufhören, aber nicht so bei dem transparentem.
Hier fiel mir auf, dass der Kleber nicht so richtig kleben möchte. Was womöglich an der Dicke des Trägerfilms liegt. Das ist auch
sehr gut auf dem Bild oben zu erkennen, das Decal legt sich überhaupt nicht auf das Modell. Eher im Gegenteil, es hebt sich sogar ab.
Bei dem ersten Versuch hab ich es mit Decal Solvent Solution von Model Master ( kurz Sol ) versucht. Das Resultat war genau das
Gegenteil. Es hat sich weiter von der Modelloberfläche weg bewegt und sogar zusammengerollt  :5:.

Beim zweiten Versuch wurde wieder Liquid Decal Film von Microscale verwendet  :8:.


Nachdem das Decal richtig platziert wurde und durch restliche Wasserreste leicht klebt, wird gaaanz vorsichtig das Liquid mit einem
Pinsel tröpfchenweise auf das Decal aufgebracht. Dabei sollte dringend vermieden werden, das Decal mit dem Pinsel zu berühren
oder damit grob über das Nasse Decal zu streichen.
Das Liquid verflüssigt das Decal komplett, was es sehr sensibel gegenüber mechanischen Beanspruchungen macht.
Wie auf dem Bild hier gut zu erkennen ist, bilden sich kleine bläschen und es scheint zu krisseln.

Am besten ist es hier: FINGER WEG!! und alles in Ruhe über Nacht trocknen lassen.

Nach der Trocknung sollte es so aussehen  :klatsch: :

Das Decal hat sich wunderbar auf das Modell gelegt, der Trägerfilm hat sich verflüssigt und es scheint, als wäre die Farbe nun
direkt auf der Modelloberfläche.
Es ist auch keinerlei Trägerfilm mehr zu erkennen und somit auch keine Gefahr des Silberns

Nun fehlt nur noch eine abschließende Schicht Klarlack zum versiegeln der Decals.

Tadaaa, somit wären die Decals auf dem Modell und für die Zukunft gut gerüstet.

Womöglich hat noch der eine oder andere wertvolle Tipps zu dem Workflow oder im Umgang mit den selbstgedruckten Decals.

Ich hoffe es war hilfreich und wünsche viel Spaß beim weiterem Basteln,
Sven  :winken:
Bauprojekte:
1:400 russ. SSN Akula       Abgeschlossen
1:25   69'er Dodge Charger Abgeschlossen
1:96 Columbia & Eagle Aufarbeitung Abgeschlossen
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Viking

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Re: Verwendung von selbsgedruckten Decals der Fa. HOLI
« Antwort #1 am: 09. Januar 2016, 22:46:37 »
Bin erstaunt über die Vorgehensweise, denn Microscale´s Decal Liquid dient normalerweise zum versiegeln selbstgedruckter Decals vor der Verarbeitung und sollte 12 Stunden trocknen. Scheinbar hast du es bei deiner Methode als Kleber "missbraucht". Wenn es funktioniert, warum nicht?. Andere Modellbauer nutzen als Klebeunterstützung neben den üblichen "Settern" hochverdünnten Weißleim oder die Bodenversiegelung "Future".

Wenn es nicht ausreichend klebt, liegt es normalerweise an einem mangelhaften Decalbogen. Ich bestelle meine transparenten  Laserbögen zu 90% bei Micro Mark in den USA, bisher hatte ich nur einmal einen Ausreisser wie von dir geschildert. Ansonsten ist sowohl die Klebekraft wie auch sonstige Verarbeitung ein Traum.

Ich hab gerade beispielsweise quasi den kompletten Oberrumpf eines 1/48 Revell Tornado "tapeziert", um die Passform der selbsterstellten Decals (hier walkways) zu testen. Sieht nach der Trocknung aus wie auflackiert, obwohl nur grob ausgeschnitten ist rund um das Decalmotiv kein Trägerfilm sichtbar. Einfach kurz eingetaucht in handwarmen Wasser und beiseite gelegt, nach ca 15 Sekunden konnte ich das Decal vom Träger schieben. Dem wasser wurde ein kleiner Anteil Spüli zugesetzt, um die Oberflächenspannung zu nehmen. So konnte ich vor Auftrag des Decal den Oberrumpf komplett mit Wasser benetzen, ohne das dieses abperlt und sich trockene Stellen bilden, die das silvering begünstigen. Nach dem Aufbringen des Decal nur noch vorsichtig per weichen Pinsel das Decal angedrückt um überschüssiges Wasser zu entfernen, zum Schluß Weichmacher von Daco (Variante strong) aufgetragen und das Ganze in Ruhe wirken lassen.
MfG,

Jürgen

jacobm

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Re: Verwendung von selbsgedruckten Decals der Fa. HOLI
« Antwort #2 am: 10. Januar 2016, 17:43:15 »
@Viking: Welche nimmst du den konkret? Link?

Gruß Marcus
..habt Geduld. Ich lerne "immer" noch. ;-)


Viking

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Re: Verwendung von selbsgedruckten Decals der Fa. HOLI
« Antwort #3 am: 10. Januar 2016, 22:54:30 »
Dieses hier: http://www.micromark.com/clear-decal-paper-for-laser-printers-copiers-and-micro-dry-printers-25-sheets,8002.html

Gedruckt wird mit einem zum ALPS MD 5000 baugleichen Drucker, OKI DP 5000.
MfG,

Jürgen

Marco Scheloske

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Re: Verwendung von selbsgedruckten Decals der Fa. HOLI
« Antwort #4 am: 11. Januar 2016, 18:29:39 »
Merkwürdig, dass der Liquid Decal Film die Decals scheinbar angreift und weich macht. Ebenfalls merkwürdig, dass Laserdecals trocknen sollen... da muss eigentlich nix trocknen, der Toner wird ja durch Wärme fixiert.  ?(
Gruß aus MG und "Just glue it!"
Marco (Triliance.de), "The Baseman"