Autor Thema:  Nass in nass  (Gelesen 1475 mal)

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Winterstein

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Nass in nass
« am: 10. Februar 2017, 23:41:59 »
Hey Leute, ich bin die Jana (18) aus dem Schwabenland. Ich beginne derzeit gerade mit dem Airbrush-Hobby in Verbindung mit Modellbau (meistens Sportwägen). In der Theorie hörte ich schon einiges: Mehrere dünne Schichten sprühen, immer in Bewegung bleiben usw. Nun laß ich iwo, man solle nicht "nass in nass" brushen. Was heisst denn das?

Würde mich gern künftig noch öfter melden. Bussi

Jensel1964

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Re: Nass in nass
« Antwort #1 am: 10. Februar 2017, 23:59:24 »
Hi Jana.
Wenn Du eine homogene Oberfläche lackieren willst, sollten die einzelnen Farbschichten schon vollständig durchgetrocknet sein. Liebe Profis verbessert mich, aber wenn die unterste Schicht noch nicht durchgetrocknet ist, kann es Probleme mit der dauerhaften Haftung der oberen Schichten geben.
Ansonsten gibt es bestimmt Anwendungen wo es Sinn macht, auf noch feuchte Untergründe eine zweite Schicht zu legen. Z.B. bei Farbabstufungen.
Ansonsten sag ich mal "Moin, Moin".  8) Schön, dass Du den weiblichen Teil der Modellbauer hier im Board bereicherst. :P
Du darfst Dich gerne nochmal im "Herzlich Wilkommen"- Bereich vorstellen. Der liebe Ulf (Bongolo67) sagt Dir dann was Du wo findest.
Jens  :winken:

Wolf

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Re: Nass in nass
« Antwort #2 am: 11. Februar 2017, 01:22:52 »
Jensel, ich glaube du wirfst da jetzt was durcheinander. Es gibt einmal das "nass in nass" beim Pinsel lackieren. Eine Technik die insbesondere beim Figurenmalen verwendet wird. Hier werden nasse Farben miteinander verblendet um entsprechende Übergänge/Schattierungen hinzubekommen.

Beim airbrushen ist da eher was anderes gemeint. Hier geht es darum einen Spiegel zu lackieren, also eine möglichst glatte Oberfläche. Man sollte dazu immer den Farbfluss/Bewegung so halten dass man mit dem Sprühstrahl auf noch nasse Flächen trifft und von der antrocknenden Farbe weg lackiert. So vermeidet man rauhe Oberflächen durch Vernebelungen die sich auf bereits antrocknende Farbe legt.
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Tormentor

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Re: Nass in nass
« Antwort #3 am: 11. Februar 2017, 04:38:12 »
Also meine Kenntniss von "nass in nass" ist eine völlig andere.  :rolleyes:

Ein Lackierer spricht von nass in nass, wenn er ein Fahrzeug bzw dessen Teile lackiert OHNE zwischen den einzelnen Lackierschritten z.B.:

1. Grundierung
2. Basislack
3. Klarlack

einen Trocknungsvorgang in der Heizkabine einzulegen. Die unterschiedlichen Schichten lässt man dabei direkt nach dem Lackieren nur ein paar Minuten "ablüften", bzw "anziehen", aber keinesfalls durchtrocknen.
Normalerweise wird ja nach dem Füller bzw. Grundierung das Teil trocken geheizt und nochmals nass geschliffen. Dann erfolgt die Lackierung des Basislacks (oder wie z.B. bei LKW des eigentlichen Lackes, da es dort keinen Klarlack gibt), der wird auch wieder trocken geheizt bevor abschließend der Klarlack draufkommt. Der wird auch wieder trocken geheizt. Beim nass in nass entfallen die Heizperioden nach der Grundierung und dem Basislack, man spart also eine Menge Zeit. Man will damit faktisch eine noch nicht durchgetrocknete Schicht mit der nächsten Schicht wieder "anlösen", damit sie sich von selber weiter glättet, und damit deren Lösungsmittelanteile durch die gerade aufgetragene Schicht noch entweichen können (was normalerweise beim Heizen jeder einzelnen Schicht passiert). Dem gleichen Prinzip folgt dann der Klarlackauftrag.
Problem ist, man muß Grundierungen und Farben verwenden die nass in nass geeignet sind, und das ist natürlich nicht jede Farbe. Wenn zum Beispiel Schicht #2 zu schnell trocknet, sind die Lösungsmittelanteile aus Schicht #1 "gefangen" und können nicht weg. Das ist bis dahin noch kein großes Problem. Kommt dann aber zb. der Klarlack drauf (der abschließen geheizt wird), "gasen" die Lösungsmittelanteile aus Schicht #1 gewaltig aus, und bilden winzige Bläschen im Klarlack. Deshalb kann nass in nass lackieren zwar eine deutliche Zeiteinsparung bedeuten, man erkauft sich das aber mit dem Risiko die Lackierung zu ruinieren und nochmal von vorne anfangen zu müssen. Das ist bei einem Kotflügel aus Blech kein Problem, eine Plastikkarosse in 1/24 kannst du nicht ohne Probleme mehrfach entlacken und wieder neu anfangen.
Deshalb beim Modellbau lieber die Grundierung völlig durchhärten lassen, bevor man mit der nächsten Lackschicht beginnt, und die auch wieder völlig härten lassen bevor der Klarlack draufkommt.

Das ist, wie ich die Bedeutung von nass in nass kenne, und wenn dir jemand sagt das solle man beim Modellbau lieber nicht machen, macht das so auch für mich Sinn.

 :winken:







Viquell

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Re: Nass in nass
« Antwort #4 am: 11. Februar 2017, 07:26:35 »
Sevus ins Ländle  :1:

Für Einsteiger "Nass" bedeutet nicht das die Farbe noch läuft, sie ist einfach nicht angetrocknet,
so kann man eine Farbe in dünnen Schichten lasierend aufbauen oder abschließen.
Bei Mehrfarbanwendungen kommt es zu einem Verlauf der Farben, sprich, der Lackgrund verbindet sich mit der Deckfarbe und bringt Mischungen oder Schattierungen, auch wieder eine Frage, wie Verdünnt die Farben gesprüht werden.
Denn, man kann auch Farbschichten wieder Anlößen, was ebenso zu einem "Naßeffekt" führen kann.

Schön wäre es, wenn du Dein Arbeitsgerät vorstellst,
ie wüsst halt gern mit wos du schaffscht, do kennt mor scho noch a bissel ebbes genauer uf die Sach eigohe,
Farben, Verdünner, Airgun,, und vorallem Kompressor sind wichtige Argumente für das Gelingen  :1:

Oi liebs Grießle , gell

 :winken: :winken: :winken:
Jens
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Wolf

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Re: Nass in nass
« Antwort #5 am: 11. Februar 2017, 09:07:00 »
Ok, mein Fehler. Ich hatte das Wort "nicht" im Beitrag von Winterstein überlesen.
Von daher passt dann meine Antwort nicht.
Die in der beruflichen Lackierei verwendete Nasstechnik kann man im Modellbau in der Regel bei den verwendeten Modellbaufarben nicht anwenden.

Wenn ich aber mit Modellbauern über das airbrushen rede, dann wird das Nasslackieren damit verbundenen, das man eben die Oberfläche "nass" hält. Eventuell hat sich hier die Begrifflichkeit verselbstständigt und wird anders als im usprünglichen beruflich professionellen Bereich verwendet.
« Letzte Änderung: 11. Februar 2017, 09:10:20 von Wolf »
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BV141

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Re: Nass in nass
« Antwort #6 am: 11. Februar 2017, 12:58:29 »
Wobei ja "nass" immer ein relativer Begriff ist. Ich kann mich noch gut an meine Anfängerzeiten mit der Airbrush erinnern, als ich "nass" zu wörtlich nahm. Der Endeffekt war dann, dass ich dicke Nasse Schichten immer wieder übersprühte und so die nasse Farbe immer zusammenschob bzw. ungleich "verblasen" habe und somit einen völlig ungleichmässigen, unebenen Farbauftrag mit Farb-Tälern und Bergen kreiierte. Zusätzlich erschwerend war, dass ich meinte, alles mit einer möglichst kleinen Düse machen zu müssen - was aber für große Flächen völlig kontraproduktiv ist.

Das ist wohl ein sehr häufiger Anfängerfehler.


Winterstein

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Re: Nass in nass
« Antwort #7 am: 11. Februar 2017, 13:18:03 »
Naja so komplizierte Dinge wie "Farbverlauf" usw. will ich am Anfang nicht probieren. Jetzt wartet erstmal der 1. Porsche (1:24) auf seine Farbe und dabei weiss ich nichtmal, welche Farben für Plastikmodelle am besten geeignet sind?! Handelsüblich und leicht zu kriegen sind Revell, Humbrol und Tamiya. Aber was davon benutzt der erfahrene Modellbauer/Brusher?

Hans

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Re: Nass in nass
« Antwort #8 am: 11. Februar 2017, 13:27:57 »
Revell, Humbrol und Tamiya.

H.
Poly(1-phenylethan-1,2-diyl) makes it all

BV141

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Re: Nass in nass
« Antwort #9 am: 11. Februar 2017, 13:43:22 »
Zuerst musst Du Dich mal entscheiden ob Acryl oder Enamel. Was man so liest ziehen die Autobauer immer noch mehrheitlich Enamel vor, bei den Militärs und Flugzeugbauern ist es umgekehrt.


Viquell

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Re: Nass in nass
« Antwort #10 am: 11. Februar 2017, 14:45:10 »
Na dann, Servus nochmal  :1:

Wenn du Zugang zu Tamiya Farben hast, dann empfehle ich die, dazu den Originalverdünner PUNKT.
Für Anfänger wohl eine wirkliche "Problemlos" Farbe.
Mancher Glanzlack von Tamiya brauch jedoch seine Trockenzeit, und was oben gesagt wurde,
schöne dünne Schichten, 5 bis 6 mal Lackieren
Die Farbe etwas mehr als Sahnig verdünnen, auf einer Probefläche versuchen, am Druck der Gun Spielen  und so mit ca. 1,2 Bar dann über das Modell verteilen, Abstand etwa Handbreit zum Modell.
Jede Schicht leicht antrocknen lassen und erst im Abschluss Nass Schicht in Schicht als Decklack aufbringen,
das dann durchtrocknen lassen und als Krönung dann mit Glanzlack eine dünne Schicht, darauf die Decals und darauf nochmal Glanzlack.

Um den Porsche wird dich dann jeder beneiden  ;) ;)

Grießle Jens
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Winterstein

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Re: Nass in nass
« Antwort #11 am: 11. Februar 2017, 15:38:33 »
5-6 Schichten - ok! Und in welchen Zeitraum sollten die verteilt sein? Wie lang sollten die pausen sein zwischen den Schichten (bei Tamiya)?

Trockenzeit dachte ich an 1 Woche, dann würde ich immer am WE weiterlackieren.

Viquell

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Re: Nass in nass
« Antwort #12 am: 11. Februar 2017, 16:18:28 »
Bei Tamiya Glanzlack sollten 5 Stunden ausreichend sein,
kommt aber auch auf die Aussen/Arbeitstemperatur, das Verdünnerverhältniss und die Lackdicke an,
wie so oft beim Airbrushen, etwas zu pauschalieren kann auch nach hinten los gehen  ;)

 :winken: :winken: :winken:
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pucki

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Re: Nass in nass
« Antwort #13 am: 11. Februar 2017, 16:19:49 »
Trockenzeit dachte ich an 1 Woche, dann würde ich immer am WE weiterlackieren.

Das ist kein schlechter Wert. Ich empfehle dir aber eine Kuchenhaube die du auf 2 Hölzchen legst. Ich benutze für meine Autos ein dieser Plastikkisten die man im 1 Euro Shop bekommt.  Auto drunter, Kiste drüber und zwar so das sie auf den 2 Hölzchen liegt.  Der Grund ist die Abwehr von Hausstau auf das Auto und die Hölzchen sind für den Luftaustausch.  Ich lege alles was ich lackiere (egal ob Pinsel oder Gun) zum trocknen unter die Haube.

Was Farben angeht. Ich mache alles mit den Revell Sachen. Grund ist wie ich schon oft geschrieben habe, das ich diese nicht "importieren" muss, sondern einfach bei Müller kaufen kann vor Ort. Wichtig ist nur. IMMER den RICHTIGEN Verdünner zur RICHTIGEN Farbe nehmen.  Also Aqua-Verdünner zur Aqua-Farbe (Das sind die viereckigen von Revell auf Wasserbasis) prima für Fummelarbeiten weil abwischbar im feuchten Zustand (wenn ein mal der Pinsel ausrutscht), Die kleinen Döschen liebe ich zum Spritzen, weil mir die Farben besser gefallen Sie brauchen aber ihren eigenen Verdünner.

Gruß

   Pucki

Ps. : Ich baue auch Autos aber am liebsten US-Kisten aus so um 1960 rum.
Ich bin PucKi, ein älterer Mann und überzeugter Single, der immer noch versucht ein perfektes Modell zu bauen.

Winterstein

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Re: Nass in nass
« Antwort #14 am: 11. Februar 2017, 18:02:55 »
Ich hätte noch sehr gern gewusst, wie lange die einzelnen Pausen sein sollten nach jeder Lackschicht/Farbschicht und ob wohl eine Trockenzeit für die Farbe von ca 1 Woche genügt bevor der Klarlack drüber kommt. Oder sollte man ZWEI mal Farbe sprühen, auch wenn die 1. schon deckt?