Autor Thema:  Acryl-Plaka als Figurenfarbe  (Gelesen 1494 mal)

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jackrabbit

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Re: Acryl-Plaka als Figurenfarbe
« Antwort #15 am: 02. März 2017, 15:39:54 »
Hallo,

oh, dann entschuldige.  :rolleyes:
Ich wollte eingentlich nur Deine Antwort aufklären.
Waren es aber früher, so ich mich richtig entsinne ...


Es gibt unter dem Handelsnamen PLAKA inzwischen verschiedene Farben und die von Hans verwendeten
Pelikan PLAKA-Lack-Farben waren halt nie Kasein-Farben.  ;)

Grüsse

Hans

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Re: Acryl-Plaka als Figurenfarbe
« Antwort #16 am: 02. März 2017, 15:41:33 »
Die Kasein-Version gibts nach wie vor, ist aber durchaus schwierig zu beschaffen. "Früher" gabs die in jedem Schreibwarenladen neben Schulen. Die Entwicklung des Geruchs hing aber vom Farbton ab, die erdigen Töne entwickelten das weitaus früher als zB die Blautöne.
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BV141

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Re: Acryl-Plaka als Figurenfarbe
« Antwort #17 am: 02. März 2017, 20:07:36 »
@Hans: Darf ich noch mal auf meine Fragen bzgl. des Feuersteinwerkzeugs/-pfeilspitze hinweisen? Würde mich echt interessieren, wie Du das gemacht hast. Kannst Du ein bisserl was dazu sagen und wie groß das ist?

Hans

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Re: Acryl-Plaka als Figurenfarbe
« Antwort #18 am: 03. März 2017, 10:40:28 »
Gerne: Das Original dürfte so um 7 cm groß sein, können auch 8 sein. Davon hat unsere Restauratorin eine Silikonform abgenommen und aus einer Araldit-Mischung (nix anderes wie Epoxy) einen Abdruck gemacht. Die Kopie habe ich dann bearbeitet, wie man das auch aus dem Modellbau kennt: Die Naht entfernt, Ungenauigkeiten nachgearbeitet. Danach hab ich mit Airbrush und Enamel (Testors) die Teile grundiert (es waren mehrere).

Zuerst hab ich versucht, von Fotos des Originals aus zu arbeiten. Klappte aber nicht. Ich besorgte mir die Originale nochmal und hab sie dann immer vor mir gehabt beim Bemalen.

Ich hab mir das Original genau angesehen und quasi analysiert, welche Schicht auf welche folgt und wo Grundfarbe sein sollte und wo Lasur. Und ich ging von "innen" nach "aussen" vor. Also die tiefliegenden Teile/Flächen zuerst, zuletzt die "äußeren" Stellen, hier zu die braunen Stellen, die sog. Rinde.

Die "bunten" Stellen wurden dann eben mit den genannten Acryl-Glanzfarben gemalt. Hersteller eine bunte Mischung.  Wo es matter wurde, dann halt die matten Acryls. Gemalt alles in Lasur über Lasur. Malfehler sind schwierig zu beseitigen, deshalb auch nicht super genau am Vorbild bleiben, besser auf die Wirkung achten.

Kommt das so einigermaßen rüber?

H
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Re: Acryl-Plaka als Figurenfarbe
« Antwort #19 am: 03. März 2017, 12:23:10 »
Kommt das so einigermaßen rüber?

Aber ja doch. Vielen Dank. Ganz ehrlich, ich habe immer wieder gedacht: teilweise schaut die Replik besser als das Original aus. Richtig geniale Arbeit, habe ich so noch nie gesehen.

(Da muss ich mich dann leicht am Kopf kratzen und frage mich so ganz nebenbei wieviele Repliken wir einfachen Museumsbesucher wohl hin und wieder unkommentiert "untergeschoben" bekommen - vielleicht nicht in D? Macht aber nix, wenn die alle so gut ausschauen, wie Deine)

wefalck

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Re: Acryl-Plaka als Figurenfarbe
« Antwort #20 am: 03. März 2017, 12:39:58 »
... wobei es mich wundert, daß sich eine solche Replik lohnt. Derartige Faustkeile existieren ja eigentlich zu Hunderten.

Es kommt natürlich auf das Museum an. Manche Museen scheinen voll von Repliken zu sein ...

Hans

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Re: Acryl-Plaka als Figurenfarbe
« Antwort #21 am: 03. März 2017, 13:38:35 »
Repliken auszustellen ist eine gängige Praxis, aus den verschiedensten Gründen. Ein sehr häufiger Grund sind zB versicherungstechnische Gründe. Die Versicherung fordert zB für ein ganz besonderes Objekt hochspezielle Vitrinen mit Glas so teuer wie ein Museumsneubau. Also wandert das Objekt in den Tresor und eine Kopie wird ausgestellt. Es gibt Kopier-Techniken, auch uralte Techniken, die sind wirklich sehr gut und man erkennt keinem Unterschied zum Original. Wir haben zB auch ein Objekt höchster Seltenheit und zeigen auch hier "nur" die Kopie.

Ein anderer Grund: Der Eigentümer der Stücke leiht sie nicht aus. Aus diversen Gründen will man sie aber trotzdem im Museum zeigen. Der hauptsächlichste Grund ist der lokale Bezug.

Natürlich gibt es jede Menge an Faustkeilen, aber aus dem fränkischen/nordbayerischen Raum haben wir keine im eigenen Bestand. Um aber trotzdem für das Paläolithikum ein fränkisches Objekt zeigen zu können, macht man eine Kopie. Vorgeschichte wird ja von vielen Menschen als "ja, gibt's...aber doch nicht bei uns. In Agypten oder so...." gesehen. Und wir betrachten es als unsere Aufgabe, den lokalen Bezug herzustellen und nicht mit dem Verweis auf "ach, Faustkeile, ja, die gibt's doch massenweise".

Ob man das Publikum darauf hinweist, ob Original oder Kopie, wird unterschiedlich gehandhabt. Und es gibt sogar ein Museum, das absichtlich und ausschließlich Repliken zeigt: Das RGZM in Mainz. Erstens ist das RGZM weltweit darauf spezialisert, Kopien zu fertigen und hat auch einen entsprechenden Ruf. Und sie machen dann halt mitunter für sich selber auch eine Kopie und stellen die auch aus. Im Prinzip ist es aber eine öffentlich zugängliche Lehrsammlung für Studenten, da sie hier die signifikantesten und die forschungsgeschichtlich am wichtigsten eingeschätzen Objekte aus ganz Europa auf einem Haufen haben, anstatt eine Tour zu machen, die ein Jahr dauert.

Ganz vergessen: Kopien verwenden wir auch oft bei Daueraustellungen, oft aus Transportgründen und eben auch aus versicherungstechnischen Gründen. Aber halt auch aus dem Grund, dass der Landwirt das Stück von seinem Acker auch kurzfristig nicht ausleihen will.

H
« Letzte Änderung: 03. März 2017, 13:41:43 von Hans »
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