Autor Thema: Zivilfahrzeuge Ferrari 212 Export (UOVO) - Tron Models 1:24  (Gelesen 1263 mal)

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A7

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Zivilfahrzeuge Re: Ferrari 212 Export (UOVO) - Tron Models 1:24
« Antwort #15 am: 17. März 2018, 18:48:53 »
Oha, denn roten Renner habe ich ja noch gar nicht gesehen  8o Respekt dass Du den Bausatz zu Ende gebaut hast. Ich habe den in 1:43 vom gleichen Hersteller und ich weiß um deren Qualität, sowohl in 1:43 wie auch in 1:24, weil das hier ist mein Spezialgebiet. Schön geworden, bis auf die roten Zylinderkopfabdeckungen. Die hatte L'Uovo (das Ei) tatsächlich nicht. Was aber auch zählt, das ist der Gesamteindruck, und der ist stimmig  :klatsch: !

Was die Diskussion hinsichtlich dieses Fahrzeugs angeht, dem sei dieser Bericht ans Herz gelegt. Darin stehen auch einige Hintergrundinfos, von wegen Enzo gefiel das Design nicht und so. Der hatte hier gar nichts zu melden... einfach lesen

https://www.auto-motor-und-sport.de/fahrbericht/ferrari-uovo-1950-fahrbericht/

Was die Geschichte mit den Sharknose betrifft, da besagt die einschlägige Literatur, dass die Sharknose im Jahr 1962 einfach weiterentwickelt wurden....jaaa, das gab's auch schon früher. Und da man die ersten Erforschungen im Bereich Aerodynamik machte, wurde einfach die Form angepasst und das Haifischmaul verschwand (einfach mal Bildersuche bei Google eingeben "Ferrari 156 Nurburgring 1962" oder Literatur wälzen, z.B. Formula Ferrari 1948 - 2002 von Paolo D'Alessio oder auch Ferrari 156 Sharknose von Ed McDonough)  :D
Und verschrottet wurden die roten Renner, weil man dafür keinen weiteren Gebrauch mehr sah. Einzelne Teile davon haben ja überlebt, siehe aktuelle Ausgabe der "Maranello World". Dort wird der aktuelle Wiederaufbau zweier Sharknose thematisiert.

 :winken:
« Letzte Änderung: 17. März 2018, 18:56:37 von A7 »
Grüße
Ralf

f1-bauer

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Re: Ferrari 212 Export (UOVO) - Tron Models 1:24
« Antwort #16 am: 21. März 2018, 18:03:51 »
Sorry an alle für den folgenden langen Schrieb, aber das muss jetzt leider sein.

Na, dann will ich mal versuchen, die Fragen (oder eher die Anklage) zu beantworten. Zunächst einmal: ich habe ich meine Meinung geäußert und keine Behauptung aufgestellt. Weiter wird davon ausgegangen, ich hätte mit "gefallen" auf die Optik des Autos abgestellt. Das würde jedoch voraussetzen, Enzo Ferrari habe bei l´Uovo das fertige Auto beurteilt - ähem - geht wohl schlecht, wenn das Auto, genauer die Karosse, gar nicht bei/durch Ferrari entstanden ist. Die Frage ist hier doch: warum kam das so? Meinen "Schicksalsbezug" zwischen dem beinahe nicht gebauten l´Uovo und den zerstörten Hainasen stelle ich dann weiter unten dar.

Die Basis für l´Uovo war laut im Internet zugänglicher Meldeliste/Ergebnisliste zur Targa Florio 1950 und zur Mille Miglia 1950 ein Ferrari 166 MM Barchetta Touring und wurde in beiden Rennen von der Scuderia Marzotto gemeldet und von Umberto Marzotto gefahren. Bei der Targa fiel das Auto laut Ergebnisliste wegen Kupplungsdefekt aus, bei der Mille laut Ergebnisliste wegen Unfall. So steht es auch im Exposé von Sotheby´s, präzisiert durch die Angabe "Chassis #024 MB". Ein Exposé zu einem Auktions-Los in der Liga "historisches Originalfahrzeug" ist nicht einfach so heruntergeschrieben, sondern ist das Ergebnis akribischer Ermittlungen (z.B. hier in Zusammenarbeit mit Ferrari Classiche) und da liegen auch alle Informationen und Dokumente (z.B. die Folio Montaggio von Ferrari zum Chassis #024) zur Vita des Autos vor.

Die Marzottos bringen das bei der Mille Miglia 1950 kaltverformte Auto zur Reparatur zu Ferrari. Jetzt kommt Gianni Marzotto (zu dem Zeitpunkt Fahrer für die Scuderia Ferrari und Sieger der Mille Miglia 1950 für die Scuderia Ferrari) ins Spiel und äußert seine Gedanken und Wünsche an Ferrari: mehr Leistung, leichtere Karosse, aerodynamisch effiziente Karosse. So nachzulesen im Exposé von Sotheby´s.

Laut meinem "Großen Ferrari Handbuch" von Peter Braun bekommt Chassis #024 1951 einen 212 Export Motor mit rd. 170 PS, der zusätzlich ein höheres Verdichtungsverhältnis von 8,5 : 1 und drei 36er Weber-Vergaser anstelle nur einem spendiert bekam. Das kitzelte nochmal 10 PS aus dem Export. Weiter gab es wohl auch noch Formel1 Bremsen, die Quelle finde ich aber nicht mehr. Damit war das Thema Leistungssteigerung abgehakt.

Bei der Karosse schieden sich wohl m.E. die Geister von Gianni Marzotto und Enzo Ferrari. Das entnehme ich der sehr starken Formulierung "Rather than fit the car with traditional coachwork from Touring, ..." im Exposé von Sotheby´s. Die Formulierung "rather than" ist hier weit mehr als nur "anstelle", sondern drückt m.E. eine geweisse Alternativlosigkeit aus. Nach einem bekannten Ferrari-Zitat war ihm die Schönheit eines Autos nebensächlich, es würde schön, wenn es gewinne. Für mich hatte Enzo Ferrari ein Thema mit dem Konzept der Karosse - Stichwort "aerodynamische Effizienz". Sein bekannter Auspruch zur Aerodynamik kam zwar erst 1960, den Gedanken hatte er sicherlich schon früher. Für mich hat Enzo Ferrari das Konzept wohl nicht gefallen und das ist wohl der Grund, warum die Karosse nicht bei/durch Ferrari (bzw. Vignale, Touring oder Ghia) entstanden ist. Dazu findet sich möglicherweise auch ein Hinweis in den Unterlagen bei Ferrari Classiche, weshalb Sotheby´s m.E. so formuliert hat. Die Haus-Karosseriebauer hätten glaube ich kein Problem gehabt, diese Karosse zu entwerfen und herzustellen, aber m.E. nur mit Segen vom Chef. Somit ging das Chassis zu Fontana nach Padua und die Karosse entstand dort nach Entwurf Franco Reggiani. Starkes Indiz für den fehlenden Segen ist m.E. auch, dass auf dem "166 MM/212 Export Fontana" nur das Cavallino Rampante für Fahrgestell, Motor und Getriebe zu finden ist und nicht auch der charakteristische Marken-Schriftzug für das Auto. B.t.w. habe ich auch ncht von einem Werkswagen gesprochen, sondern von einem Einzelstück.

Der von Ralf verlinkte Artikel von Bernd Woytal bringt da auch keine anderen Erkenntnisse als das Exposé von Sotheby´s und mein Buch. Er schreibt, Enzo Ferrari sei von l´Uovo nicht begeistert gewesen, bringst das aber mit der Überlegenheit des Autos auf den ersten 600 km der Mille Miglia 1951 in Zusammenhang. Zwei Schwächen sind m.E. drin: die Basis "166 MM Corsa Spyder" passt m.E. nicht zur Vita und zur Meldeliste. Sein Fazit passt für mich, jedoch nahm Chassis #024 MB als Basis für l´Uovo zwei Mal an der Mille Miglia Teil, l´Uovo laut Meldelisten nur einmal.

Kommen wir zu den Hainasen. Mein Schwenk vom l´Uovo (bei Ferrari nicht gebaut, weil nicht gefallen) zu den Hainasen (zerstört, weil nicht gefallen) ist zugebenermaßen kühn. Der Kern liegt aber auch wieder im "gefallen" und hier auch wieder ausdrücklich nicht wegen der Optik. Wenn es denn bei Ferrari so normal war, Rennwagen wegen Geheimhaltung oder aus Platzmangel zu verschrotten, warum wird dann gerade bei den 156F1 "Sharknose" so ein Aufhebens darum gemacht?

Ferrari holt Carlos Chiti von Alfa Romeo zu Ferrari. Der konstruiert den 156F1 mit Rohrrahmen und Mittelmotor, der in der Saison 1961 alles in Grund und Boden fährt und Ferrari sowohl den Fahrer- als auch den Konstrukteurstitel bringt. Wolfgang Graf Berghe von Trips stirbt in einem Sharknose beim Rennen in Monza.

Ende 1961 kommt es zur "Palastrevolution bei Ferrari", deren Auswirkungen auch die Rennsportabteilung ihrer führenden Kräfte um Chiti beraubt.

1962 ist das Auto plötzlich chancenlos gegenüber der Konkurrenz von der Insel (Monocoque-Bauweise, angeflanschter Climax-Motor). Ferrari verändert die Aufhängung aber nicht die Grundkonstruktion mit Rohrrahmen und ändert den Motor von 60° Zylinderbankwinkel auf 120° - der Schwerpunkt geht runter. Nur ein Sharknose wird zu dem Auto umgebaut, das Ralf erwähnt hat und das hier im MB schon gezeigt wurde. Alles vergebens, Fahrerwertug und Konstrukteurswertung unter ferner liefen. Auch verlässt Vorjahresweltmeister Phil Hill ende der Saison 1962 Ferrari und folgt Carlos Chiti zu A.T.S.

Die Saison 1963 geht für die Hainasen in den ersten fünf Rennen weiter, wie sie 1962 aufgehört hat. Eine Verbesserung tritt erst ein, als die Hainasen ab dem 6. Rennen vom 156F1-63 (Aero) in Rente geschickt werden. Die Saison endet insgesamt noch versöhnlich mit einem Sieg und jeweils Platz 4 bei Fahrern und Konstrukteuren, immerhin erfolgreicher als 1962. Erst am Ende dieser (natürlich nicht im Sinne von Enzo Ferrari) "erfolgreichen" Saison 1963 werden die Autos verschrottet. Von einer anderen Saison habe ich nicht gesprochen. Vor allem nicht, wie unterstellt, von der Saison 1961.

Diese Umstände insgesamt und nicht die Optik meine ich mit "nicht gefallen" und verbinde ich mit dem expliziten "verschrotten" aller damals im Rennbetrieb eingesetzten Hainasen, das in dem Zusammenhang regelmäßig erwähnt wird und das nur von einem veranlasst werden konnte. Hier saß m.E. ein Stachel tief. Quellen: mein oben genanntes "Großes Ferrari Handbuch" und https://en.wikipedia.org/wiki/Ferrari_156_F1, http://www.ultimatecarpage.com/car/129/Ferrari-156-F1--Sharknose-.html und https://books.google.de/books?id=kW5eCAAAQBAJ&pg=PT116&lpg=PT116&dq=ferrari+156+f1&source=bl&ots=BiZjYUm4ei&sig=7MLINEPWvy6X3iexaRa_wQFf-_E&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiHiKmsi_HZAhWDXhQKHUKvA1Y4FBDoAQhZMAY#v=onepage&q=ferrari%20156%20f1&f=false

Replikas, wie den gelben auf der ultimatecarpage mit Chassis #002R gibt es einige. Alle, die ich gefunden habe, tragen die Ergänzung Replika. Auch ein von Ferrari selbst, mit Originalteilen und nach Originalrezept, aufgebauter Sharknose ist, im Sinne einer Expertise zu einem historischen Originalfahrzeug, eine Replika und wäre auch so auszuweisen. Im Museum in Maranello steht wohl so ein Fahrzeug. Ein tatsächlicher Original Sharknose wäre sicher nicht unentdeckt geblieben und/oder in den vergangenen 57 Jahre mal zu einem Rekordgebot unter den Hammer gekommen.

@Russie:
Nachdem auch hier der Seitenhieb auf die Me 262 kommt:
1. Ich habe nie und nirgends behauptet, die Me 262 hatte einen Schleudersitz
2. Dieses Dokument http://www.germanluftwaffe.com/archiv/Dokumente/ABC/m/Messerschmitt/Diverses/Projektbaubeschreibung%20Me%20262.pdf belegt, dass noch im November 1942 vorgesehen war, die Maschinen mit einem Schleudersitz mit Sitzfallschirm und Höhenatemgerät auszurüsten
3. Ob das hier https://www.nonstopsystems.com/radio/pdf-hell/article-hell-nwrr-262.pdf eine seriöse Quelle ist weiß ich nicht, jedenfalls steht drin, dass die Me262 V-1 PC+UA einen hatte.
4. Im Forum der Wehrmacht http://www.forum-der-wehrmacht.de/index.php/Thread/5787-Welche-Maschinen-verf%C3%BCgten-%C3%BCber-Katapultsitze/ wird auch diskutiert. Hier wird nur eingeschränkt, dass die Me 262 serienmässig keinen hatte.
5. Hier http://www.doppeladler.com/forum/viewtopic.php?t=470 wird geschrieben, dass insgesamt 5 Prototypen der Me 262 einen Schleudersitz hatten

Ich habe keinen Bock, die 5 Maschinen zu suchen und zu belegen. Ich wäre an deiner Stelle nur insgesamt vorsichtig, und würde die generelle Behauptung "die Me 262 hatte keinen" mindestens eingrenzen auf "die seriengefertigten Me 262 im Fronteinsatz hatten keinen"

Zum Schluß noch eines für Dich persönlich. In Deiner inhaltlich gleichen aber weitaus schärfer formulierten Anklage zum Ferrari-Thema per PN schreibst Du
Sollte ich den Galerie-Thread jetzt kapern?
Nunja: Irgendwo wollte ich Dir das Gefühl ersparen, dass ich Dich verfolge ....

Wie ich erst jetzt sehe, setzt Du dann doch knapp 90 Minuten später obigen Post ab - ähem  ?( - da kann ich jetzt leider nicht drüber hinweg sehen.

In diesem Sinne
Gruß aus dem Tiefschnee nach HH
Jürgen  :winken:

   

daniel

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Re: Ferrari 212 Export (UOVO) - Tron Models 1:24
« Antwort #17 am: 21. März 2018, 18:33:46 »
Schön mal wieder ein aussergewöhnliches Model und vorlage zu sehen. Klasse umgesetzt !..besonders die zusätzlichen Details.

Und ja, auch ich hoffe das der Autobereich mal wieder etwas aktiver wird !!

Juri

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Re: Ferrari 212 Export (UOVO) - Tron Models 1:24
« Antwort #18 am: 11. Mai 2018, 20:56:57 »
Soooo endlich habe ich es geschafft, es wurden ein paar Fotos unter freiem Himmel geschossen. Muss mich vorab jedoch für die leider etwas unscharf gewordenen Bilder entschuldigen. Der Focus ist nicht da wo er sein soll. Werde mir unbedingt als nächstes einen Stativ zulegen.
Nummernschild ist dran, die Auspuffrohre habe ich doch gerade gelassen, da mein Vorbild auf dem Bild von 1952 auf der AVUS Rennstrecke auch gerade hat.
Hier der Beweis  8)

00-241768 - klein by Juri Reingard, auf Flickr
Quelle: http://amgmodels.mastertopforum.com/-vp67744.html

Ich hoffe beim nächsten Modell werden die Fotos besser  :pffft:

_DSC0660 by Juri Reingard, auf Flickr

_DSC0661 by Juri Reingard, auf Flickr

_DSC0669 by Juri Reingard, auf Flickr

_DSC0668 by Juri Reingard, auf Flickr

_DSC0667 by Juri Reingard, auf Flickr

Ich bedanke mich bei allen für die Kritik und Anteilnahme.
Der geschichtliche Exkurs von f1-bauer, Russfinger und A7 find ich super, vielen Dank dafür. Denn wenn ein Modell nach seinem Vorbild nachgebaut wird, ist es immer schön auch die Geschichte dahinter, auch wenn es nur ein Bruchteil ist, zu kennen.

mm

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Re: Ferrari 212 Export (UOVO) - Tron Models 1:24
« Antwort #19 am: 11. Mai 2018, 22:19:52 »
Ganz ehrlich das ist schon ein verdammt heißes Teil Juri. Da bin ich sehr neidvoll ;) Das Superlativ fehlt mir.

Den Thread selbst finde ich dank der Exkursion der Jungs ebenso stark, das haut dem ganzen die Krone auf. Ist halt das MB, so muss das so ist das.
Was Deinen ersten Satz im Thread betrifft, ja das ist wohl so, aber das war früher auch schon so. ;)

Maesi

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Re: Ferrari 212 Export (UOVO) - Tron Models 1:24
« Antwort #20 am: 11. Mai 2018, 22:56:20 »
Sehr coole Karre, der Lack ist echt klasse gelungen! Man sieht dem Wagen förmlich an wieviel Herzblut in den Bau gesteckt wurde und die grauen Eminenzen hier scheint es auch zu beschäftigen  :D .

Auf jeden Fall ein echtes Hammerteil !!!

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  • Markus Pudziow
Re: Ferrari 212 Export (UOVO) - Tron Models 1:24
« Antwort #21 am: 11. Mai 2018, 23:44:08 »
Herrlich, wunderschöner Wagen  :P :P :P :P :klatsch: :klatsch: :klatsch:

Grüße,
Markus
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