Autor Thema:  MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.  (Gelesen 176 mal)

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hakkikt

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Bevor der eigentliche Baubericht beginnt, möchte ich gerne ein paar Worte zur Maschine sagen, die ich darstellen möchte. Ich hoffe, ihr habt Geduld mit mir.


Das Deckelbild von Hasegawa zeigt eine doppelte Legende:

Ein legendärer Moment: Hinter dem vietnamesischen As "Colonel Tomb" löst sich gerade die entscheidende Sidewinder von "Showtime 100", der F-4J von Randy Cunningham (Pilot) und Willy Driscoll (RIO), die mit diesem Abschuß zu den einzigen Fliegerassen der US Navy im Vietnamkrieg wurden.

Ein legendärer Pilot: Colonel Tomb, ein geheimnisumwittertes Fliegeras der nordvietnamesischen Luftwaffe, dessen Existenz allein durch die US-Funkaufklärung ermittelt wurde; in der offiziellen Propaganda tauchte er nicht auf. Späteren Erkenntnissen nach soll er überhaupt nicht existiert haben. Eine Theorie, die sein gänzliches Fehlen in allen Berichten aus Vietnam selbst fünf Jahrzehnte nach Kriegsende erklären könnte - sollte er tatsächlich existiert haben - besagt, daß es sich bei ihm um einen nordkoreanischen Piloten handelte. Da Nordkorea offiziell nie am Vietnamkrieg teilnahm, aber (wie später bekannt wurde) Piloten zur Unterstützung schickte, wäre dies ein Grund, selbst seine Existenz offiziell abzustreiten.
Übrigens: wer sich für die Jagdfliegerei der "anderen" Seite des Vietnamkrieges interessiert, dem sei das Buch "MiG-17/MiG-19 Aces Of The Vietnam War" von István Toperczer empfohlen.

Wie dem auch sei: durch eine Kette von Fehlschlüssen galt die "3020" lange als die Maschine, in der Colonel Tomb den Tod fand. Mitte der 90er Jahre, als das Deckelbild des Hasegawa-Bausatzes entstand, war wohl gerade Nguyen Van Bay (ein weiterer erfolgreicher Jagdpilot aus Vietnam) der entsprechende Kandidat; inzwischen weiß man, daß das As Yen He zumindest einige seiner Abschüsse auf dieser Maschine erzielte (es war vietnamesische Praxis, die erzielten Abschüsse pro Maschine aufzupinseln und nicht mit dem jeweiligen Piloten "mitzunehmen").

Tatsächlich gibt es ein Foto der "3020", das offensichtlich nicht von der Front, sondern von einer Art Ausstellung stammt und eine Maschine mit 7 Abschußmarkierungen zeigt (auf dem Einlaßdeckel und unter der vorderen Cockpitscheibe). Mag sein, daß die Anzahl der Abschüsse auch zur Verknüpfung mit Colonel Tomb geführt hat.

Der Zeichner des Hasegawa-Deckelbildes hat sich ganz offensichtlich an diesem Foto orientiert - man vergleiche nur die Lackabplatzer rechts vorne auf der 37-mm-Kanone, auf dem Grenzschichtzaun der rechten Fläche und an den Wartungsklappen oberhalb der Flächen.

Jetzt stellt sich die Frage: was für eine Tarnung sieht man auf diesem Foto eigentlich?
Typischerweise bestand nordvietnamesische Tarnung aus einem eher dunkleren Grün mit hellen Flecken, mal weißen, mal olivgrünen, mal braunen... was gerade da war. Die Tarnungen wurden nicht ab Werk aufgebracht, sondern vor Ort. Wenn man sich eine Menge Maschinen ansieht, kann man Trends erkennen, aber keinen Standard.

Dementsprechend gibt es zahlreiche Illustrationen und auch gebaute Modelle genau dieser einen Maschine, die insgesamt stark voneinander abweichen. Die statistische Mitte ist so etwas wie graugrün über mittelgrün, aber wie weiland an der Front machen die Illustratoren, was ihnen sinnvoll erscheint, und das ist nicht immer dasselbe.
Colonel Tomb stirbt nicht so leicht, und so trägt etwa die MiG-17 im US Air Force Museum in Dayton, Ohio, die legendäre rote Nummer "3020" auf einer hübschen, aber ganz und gar fiktiven Würstchentarnung:


Besser gelungene Beispiele wären:

oder auch


Gar nicht schlecht lag meiner Meinung nach John Weal mit einer Illustration aus dem Jahre 1971, die übrigens in einem noch sehr jungen Flugzeugenthusiasten den Wunsch entfachte, irgendwann einmal diese Maschine zu bauen...


Was wünscht sich der Modellbauer, um solch kreativen Überlegungen harte Fakten entgegenzusetzen? Richtig, ein Farbbild!
Und man höre und staune, es gibt eines!

Offensichtlich am gleichen Ort und im gleichen Zeitrahmen aufgenommen.
Ein unglaublicher Glücksfall für den wahrheitssuchenden Modellbauer...
...doch wer uns Modellbauer kennt, der weiß: nur weil es ein Farbfoto gibt, hören die Fragen noch lange nicht auf. :)

hakkikt

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #1 am: 13. Februar 2018, 11:00:59 »
Farbfotos zeigen offensichtlich Farben, auf Schwarzweißfotos kann man dafür oft Kontraste und Konturen erkennen, die auf Farbfotos untergehen.
Wenn man die beiden Fotos vergleicht und sich fragt, was man hier eigentlich sieht, bekommt man Antworten, aber auch wieder neue Fragen.

Zur besseren Übersicht nochmal ein Ausschnitt aus dem Farbfoto und das Schwarzweißfoto zusammen:


* MiG-17(3020)_crop.jpg (15.69 KB . 422x159 - angeschaut 122 Mal)

An der Nase ist alles noch recht einfach, man sieht die typisch nordvietnamesische Praxis. Offensichtlich eine Tarnung aus einem eher dunklen, reinen Grün als Grundfarbe mit dichten kleinen Flecken aus einem mittleren Olivgrün. Die Tarnung reicht bis unter die Flächen, es gibt offenbar keine eigene Farbgebung der Unterseite (war auch vietnamesische Praxis).

Mit der Farbe unter der Nummer 3020 fängt es an... das Grün ist sehr dunkel, dunkler als die Grundfarbe der ursprünglichen Tarnung. Wenn man sich die Cockpithaube ansieht, wird (vor allem in S/W) offensichtlich, daß diese 1. nicht die Farbabplatzer zeigt, die man am feststehenden Teil der Cockpitscheiben erkennen kann, und daß sie 2. dunkler ist.

Die offensichtliche Schlußfolgerung ist, daß hier repariert und ausgebessert wurde und die Maschine im Zuge dessen eine neue Nummer bekommen hat. So weit, so gut.

Wenn man den Blick weiter nach hinten wandern läßt, ändert sich alles. Die Tarnung besteht plötzlich aus einer (vor allem an der Leitwerkspitze) fast hellgrünen, eher fleckigen Farbe, die vor allem an der Leitwerksvorderkante einen bräunlichen Anschein bekommt, und einer satt dunkelgrünen, ebenfalls gewolkten Farbe.
 
Auch die Musterung der Tarnung ändert sich - aus ists mit den kleinen Flecken, die beiden Komponenten decken jeweils große Bereiche ab. Oder?
Sieht man genauer aufs Leitwerk (wieder: vor allem in S/W), erkennt man innerhalb der hellen Farbe eine ähnliche Fleckenstruktur wie an der Nase, nur ist sie viel schwächer im Kontrast, und die Farben sind offensichtlich heller.

Was ist da passiert? Haben zwei Leute mit unterschiedlichen Farben oder mit unterschiedlichen Spritztechniken an derselben Maschine gearbeitet?

Den Ansatz zu meiner persönlichen Antwort liefert dieses Kurzvideo. Es zeigt Wartungsarbeiten an der MiG-17F, die von Randy Ball auf Flugshows geflogen wird.

Das gesamte Heck kann zu Wartungszwecken leicht entfernt werden.

Und das ist meine bescheidene Theorie zur seltsam chaotischen Tarnung der "3020":

Die Maschine, die später die "3020" war, besteht eigentlich aus zwei Maschinen. Irgendwo hat (z.B.) eine Clusterbombe der USA getan, was sie sollte, und auf einem Stellplatz einige Maschinen beschädigt. Um wenigestens eine davon flugfähig zu machen, hat man kurzerhand das gut erhaltene Heck der einen mit dem gut erhaltene Vorderteil der anderen verheiratet - hinten eine hellere (oder auch nur ältere) Fleckentarnung, vorne eine dunklere.
Wenn man sie sehen will ;), ist die Trennlinie zwischen den beiden Rümpfen auf dem S/W-Foto knapp rechts der vietnamesischen Fahne im Hintergrund zu erkennen.

Die Maschine bekam dann eine neue Nummer, die auf einen neuen Untergrund aufgespritzt werden mußte, und da stand eben das dunkle Grün zur Verfügung. Und weil man grad dabei war oder weil die Maschine so uneinheitlich aussah oder weil die Tarnung nicht mehr zur Umgebung paßte (die Maschinen wurden oft verlegt, teilweise per Hubschrauber), wurde mit dem dunklen Grün noch darüber getarnt, ein wenig hier, ein wenig dort; und vielleicht gabs am Heck ja Stellen, an denen die Farbe weggebrannt oder großräumig abgeplatzt war.

Ich danke euch, daß ihr mir bis hierher gefolgt seid - ich mußte all das einmal loswerden. :)
Es gibt sicher weniger komplizierte Erklärungen, aber ich werde versuchen, die "3020" auf dieser Grundlage zu bauen.

Was bedeutet, daß ich jetzt damit anfangen kann. :)

MauzeTung

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #2 am: 13. Februar 2018, 13:48:29 »
Hallo hakkikt,

es ist wirklich eine wahre Freude, Deine Überlegungen, Analysen und logischen Schlußfolgerungen zu Deinem geplanten Projekt zu lesen!!! Klasse!  :klatsch:

Absolut beeindruckend diese Vorarbeit, und ich bin mächtig gespannt darauf, was uns hier erwartet!!!  :1:

Viele Grüße
Marc  :winken:

Marderkommandant

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #3 am: 13. Februar 2018, 15:53:01 »
Mahlzeit.
Ich habe beide Fotos miteinander verglichen und bin der Ansicht, dass es die identische Tarnung ist und es sich um dasselbe Flugzeug handelt. Lackabplatzer gehen nach meiner Ansicht in der größeren Entfernung zum Objekt unter - es wird unschärfer.
Beste Grüße,
Andreas
Als der Herr am siebten Tag über die Erde wandelte und Sein Werk betrachtete, stellte Er fest, dass die Steine zu weich geraten waren. Darauf schuf Er den Panzergrenadier.

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #4 am: 13. Februar 2018, 16:41:41 »
.... denke mal das dein Hase Bausatz auch wennn nur im kleinen Maßstab, deutlich und wesentlich und hoffentlich besser ist als mein Hobby Boss Bausatz im etwas größeren Maßstab.
Den kannst eigentlich sofort direkt in die Mülltonne schütteln.
Auf die Lackierung bin ich dann echt gespannt, im Netz dazu gibt es einige superb gebaute und bemalte Mig-17.

Viel Erfolg  :P

... im Bunker brennt noch Licht (Walter Moers)
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Gruß Gerhard

ice

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #5 am: 13. Februar 2018, 20:44:16 »
Tolle Geschichtsstunde und ich finde deine Überlegung schlüssig, dass hier "aus 2 mach 1" gespielt wurde. Wenn du bei dem Modell selbst auch so eine Detailverliebtheit wie bei deiner Recherche zeigst, wird das ein Knaller und darum setz ich mich hier mal hin, greif mir das Popcorn und das Bier und genieße was da noch kommen mag.
:winken:
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Scale35

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #6 am: 13. Februar 2018, 22:41:24 »
Sehr schönes Intro  :klatsch: . Freue mich schon auf den Baubeginn  :P .

Warlock

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #7 am: 14. Februar 2018, 20:07:52 »
Sehr schöne und interessante Recherche  :P
Mit dem Background wird der Bau noch interessanter und spannender.
Ich bleib dran  :1:
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Flugwuzzi

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #8 am: 14. Februar 2018, 21:12:39 »
Sehr schöne und interessante Einleitung ... da bin ich doch gespannt wie es mit dem Bau weitergeht und bleibe dran  :P

Viel Spaß beim Bau.
lg
Walter
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