Autor Thema: Dioramen DEBELLARE SVPERBOS – Boudicca-Aufstand, Britannien, 61 n. Chr. – 1:32 (54 mm)  (Gelesen 1448 mal)

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Hans

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ein Kelte
Genau. Und der Pferdeschmuck in der Form geht als Bierwagen-Zugpferd-Schmuck durch.  :D
Poly(1-phenylethan-1,2-diyl) makes it all

mm

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Hallo Tom, freut mich, dass Du wieder Spaß am Modellbau hast und - wenn ich mir so Dein Avatar und den dazugehörigen Galerieeintrag im Modellversium anschaue, da brauchst Du Dein Licht aber mit Sicherheit nicht unter den Scheffel zu stellen, da sehe ich kein kleines Brötchen, sondern eher ein Sahneschnittchen.
 :klatsch:


Gibt kein Rotwangensmilie hier  :6: Sei bedankt!

Uwe B.

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4. Vorstellung der Einzelfiguren

     Teil 2 - Hilfstruppen-Kavallerie - Decurio  und Eques

  • entsprechendes Vorbild im Gemälde von McBride
  • ursprüngliche Figur vor der Bemalung oder dem Umbau, Hersteller
  • als Vorbild verwendete originale Ausrüstungsteile
  • fertige Figur im Diorama

Die genaue Zusammensetzung der von Tacitus genannten ca. 10.000 Mann unter Paulinus' Kommando während der Schlacht an der Watling Street ist leider nicht überliefert. Namentlich erwähnt wird ausschließlich die Anwesenheit der Legio XIV Gemina sowie einer Vexillatio der Legio XX Valeria (Vexillatio = Abordnung, Detachement, es war also nicht die komplette 20. Legion an der Schlacht beteiligt) sowie einiger nicht namentlich benannter Auxiliar- (Hilfs-) Truppenteile, Kavallerie und Infanterie. Die Sollstärke einer römischen Legion in der Mitte des 1. Jhdts betrug ungefähr 5.490 Mann (Quelle: Wikipedia.de "Römische Legion"), zwei volle Legionen in Sollstärke wären somit also alleine ca. 11.000 Mann stark gewesen.

Dass Tacitus die Mannschaftsstärke der beiden Legionen plus Hilfstruppen auf lediglich 10.000 beziffert, mag daran gelegen haben, dass beide Großverbände schon während der Kämpfe auf der Insel Mona (Anglesey) gegen die Druiden Verluste erlitten haben werden und Legio XX Valeria ohnehin nicht vollständig war. Inwieweit Legio XIV überhaupt vollständig gegen die Druiden ins Feld gezogen ist, muss spekulativ bleiben; vermutlich verblieb ein bestimmter Teil dieser Legion zwecks Bewachung des selben von vorn herein im eigentlichen Standlager Viroconium (Wroxeter, Quelle Wikipedia.de).

Jedenfalls kann angenommen werden, dass ein nicht unbeträchtlicher Anteil der von Tacitus angegebenen 10.000 Bewaffneten aus Auxilia (Hilfstruppen) bestand, die gemäß römischer Standard-Prozedur links und rechts des Zentrums (wo die Legionen standen) aufgestellt waren, die Kavallerie dabei jeweils auf den äußersten Flügeln.

Jetzt wird's noch einmal kurz etwas theoretisch. Die Römer bezeichneten ihre Kavallerie-Hilfstruppenteile als "Alae" (Ala = Flügel, entspricht taktisch in etwa einem neuzeitlichen Kavallerie-Regiment). Diese wurden überwiegend nicht aus römischen Bürgern, sondern den Angehörigen verbündeter oder unterworfener Völker gebildet. Geführt wurden sie von einem Praefectus Alae.

Die Ala setzte sich im Idealfall wiederum aus 16 Turmae (Turma = Schwarm, entspricht etwa einer Schwadron) zu je 32 Reitern zusammen, ergibt 512 Mann, diese Einheiten bezeichnete man als Alae Quingenariae (centum quinque = Fünfhundert).

Daneben gab es auch größere Alae, bestehend aus ca. 1.000 Mann, diese Einheiten bezeichnete man Alae Milliariae (millia = Tausend). Deren Zusammensetzung ist jedoch nicht so eindeutig wie bei der 500 Mann starken Einheit; verschiedene Theorien gehen von 24 Turmae à 32 Reitern (= 768) bzw. 24 Turmae à 42 Reitern (= 1.008) aus. Quellen: Marcus Juncelmann ("Die Reiter Roms, Teil II - Reitweise und militärischer Einsatz", Seite 62) und Peter Connolly ("Tiberius Claudius Maximus - ein römischer Reiter", Seite 6).

Auf meinem Diorama habe ich 4 Reiter repräsentativ als die Spitze einer antrabenden Turma dargestellt, die gerade zur Verfolgung der zurück geschlagenen Britannier ansetzt - im einzelnen:

  • einen Decurio (Befehlshaber und Anführer einer Turma, entspricht taktisch etwa dem Centurio der Infanterie)
  • einen Eques (= Reiter, einfacher Kavallerist, Plural = Equites)
  • einen Signifer (Signum = Feldzeichen, also Feldzeichenträger der Kavallerie)
  • einen Liticen (Lituus = gebogenes Musikinstrument, beim römischen Militär für akustische Signale verwendet, also Bläser)

In diesem Teil werde ich zunächst den Decurio und einen Eques vorstellen. Auf dem Gemälde von Angus McBride sehen wir die Figuren, die mir als Vorbild dienten, am linken Rand:


Quelle - editierter Ausschnitt aus:
https://i.pinimg.com/736x/77/97/a7/7797a783b1658dadbde6f242709e31d4--roman-britain-roman-legion.jpg

Wie ich schon im Eröffnungsbeitrag zu diesem Thema schrieb, sind die abgebildeten Reiter Angehörige einer Cohors Equitata (= berittene Kohorte; Kohorten waren eigentlich reine Infanterieverbände, Cohortes Equitatae bildeten als gemischte Verbände aus Reitern und Fußsoldaten eine Ausnahme). Da ich die Reiter aber als Angehörige eines Hilfstruppen-Kavallerie-Regiments (Ala) darstellen wollte, habe ich ihre Ausrüstung entsprechend etwas abgeändert und dabei versucht, die Haltung der beiden Reiter möglichst genau ihren Vorbildern auf dem Gemälde anzugleichen.


Der Decurio

wurde aus verschiedenen Elementen zusammengebaut. Leider habe ich damals nur ein einziges Foto während seiner Bauphase erstellt. Der Kopf mit Helm stammt von der nachfolgend verlinkten Figur von "Andrea Miniaturas", den mir ein Modellbaufreund, der sich wie ich für römisches Militär interessierte, damals freundlicherweise als Abguss zur Verfügung gestellt hatte, während das Pferd wiederum aus der "Airfix"-Serie mit 54 mm-Figuren ("Life Guard, Waterloo 1815") stammt.

   
Quellen
links   : http://www.andreaeurope.com/fotos/andrea/Serie-General/detallegran/SG-F12-03.jpg
rechts: https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51VBRz2oy6L.jpg

Die Figur selbst wurde aus verschiedenen Materialien gescratcht. Der Rumpf aus Holz grob mit Milliput überzogen, die Gliedmaßen aus Gussästen, die über eine Kerze gehalten in die gewünschte Haltung gebogen, anschließend gefeilt, geschmirgelt und wo nötig mit Milliput skulptiert wurden. An Materialien wurden verwandt:

  • Holz für Schwert, Schwertscheide und den Köcher für kurze Wurfspieße
  • Tubenblech für das Schwertscheidenmundblech, Teile des Pferdegeschirrs, Satteldecke mit Fransen, Satteldecke
  • stärkeres Blech aus Katzenfutterdosen für den Schild des Reiters
  • sehr dünne Metallfolie (Deckel von Quarkdosen) ausgestanzt und für den Schuppenpanzer verwendet
  • Milliput für die Zierscheiben, Pferdemähne, Sattelhörnchen, Rosshaarbusch des Helms, Feldflasche

   

Als Vorlage für den Helm des Decurios wählte ich ein Exemplar, "das im Kastell Butzbach in Hessen gefunden wurde und einen späten Vertreter des Typus Koblenz-Bubenheim/Weiler darstellt. Stirnband und Wangenklappen sind mit einem feinen Federmuster verziert" (Quelle: Marcus Junkelmann, "Die Reiter Roms Teil III - Zubehör, Reitweise, Bewaffnung", S. 190). Im Netz fand ich davon leider kein Originalfoto, dafür aber eine schöne, computeranimierte Rekonstruktion sowie ein Foto aus dem Reenactment-Bereich. Der Helm von Butzbach wird bei Junkelmann (s. o.) zwar in das 2./3. Jhdt. datiert, andernorts aber ins 1. Jhdt., so dass ich es für vertretbar hielt, diesen Typus, der stilistisch m. E. ohnehin eher ins 1. Jhdt. passt, in meinem Diorama zu verwenden.


Quellen
links   : https://www.cgtrader.com/3d-models/character/clothing/ancient-rome-auxiliary-cavalryman-props-set
rechts: https://www.romanarmytalk.com
            (der Direkt-Link auf das rechte Bild funktioniert nicht mehr (Photobucket-Problem), daher hier nur allgemeine Quellenangabe)


Der Eques

Für den Eques (= Reiter, Plural Equites, von lat. Equus = Pferd, nicht zu verwechseln mit Equitus = röm. Ritter) konnte ich auf eine vorhandene Figur der Fa. "Vaillant", Artikelnr. 9916 (ehemals herausgegeben von der Fa. "Squadron / Rubin" Nr. 180) "Roman Auxiliary Cavalry Trooper" zurückgreifen. Nachfolgende Fotografie der Verpackung zeigt die "Box Art", die ebenfalls noch von dem inzwischen leider verstorbenen Illustrator Angus McBride stammt:


Quelle: eigenes Foto von der Verpackung

Das im vollen Galopp befindliche Pferd hatte ich aber nicht verwendet. Wenn ich mich recht entsinne, benutzte ich für meinen Reiter das Pferd des „Polish Lancer“, das ebenfalls aus der 54 mm-Serie Waterloo von "Airfix" stammte. Ich bin mir da aber nicht mehr sicher, so dass ich davon an dieser Stelle kein Bild des selben zum Vergleich zeige.

Beim Reiter habe ich die Haltung nicht verändert, sondern lediglich kleine Ergänzungen am Helm, insbesondere seinen Wangenklappen vorgenommen. In der Hauptsache habe ich seine Schulterdoppelung aus Kettenpanzer abgeschliffen und durch eine Panzerung aus geschobenen Schienen (aus Tubenblech) ersetzt, analog zur Lorica Segmentata der schweren Legionsinfanterie. Für das leicht antrabende Pferd mußte ich die ursprünglichen Geschirrteile abschleifen, die Haltung entsprechend der Gemälde-Vorlage von Angus McBride anpassen, und Sattel, Kopfgeschirr, Lederriemen , große und kleine Zierscheiben, Gepäck - wie bereits oben beim Decurio beschrieben - neu aufbauen.





 



Beim Aussehen des Reiters habe ich mich an dem bekannten Relief-Fries aus Arlon, Luxemburg, orientiert, dass passenderweise in die Mitte des 1. Jhdts. n. Chr. datiert wird - siehe nachfolgende Abbildung. Marcus Junkelmann ("Die Reiter Roms - Teil III: Zubehör, Reitweise, Bewaffnung", S. 186) beschreibt auch ihre Körperpanzerung sinngemäß in der Weise, dass sie statt der üblicherweise zusätzlichen Auflage aus Kettenpanzer das obere Teil eines Segmentpanzers über die empfindliche Schulterpartie montiert haben. Der Helm meines Reiters ist einem Kavalleriehelm vom Typus Weiler nachempfunden, siehe hierzu die Rekonstruktion einer Reenactment-Gruppe:


Quelle: https://rambambashi.files.wordpress.com/2011/07/arlon_relief_cavalry2.jpg


Quelle: http://legio-iiii-scythica.com/images/rgm/pic-2a.jpg


Decurio und Eques im Diorama






Wird fortgesetzt


LG - Uwe  :winken:
« Letzte Änderung: 17. Mai 2018, 15:26:20 von Uwe B. »
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Hans

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Ja, genau so geht es.  :P. Mir ist klar, dass man bei so einer Menge Figuren nicht jeden Helm wg der Datierung diskutieren kann und sollte, sie passen auf jeden Fall gut zusammen. Das Pferd könnte vom Airfix Life Guard sein, alle anderen Pferde setzen die Beine "anders rum". Das ist der einzige mit einer vergleichbaren Haltung.

Das Stanzen von Schuppen in 54mm musst du mir mal erklären, ist ja irre. Hast du dir da ein Werkzeug gemacht?
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Uwe B.

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Zitat
Das Stanzen von Schuppen in 54mm musst du mir mal erklären, ist ja irre. Hast du dir da ein Werkzeug gemacht?

Hallo Hans,

danke für den Daumen hoch!!!



Das Werkzeug war der unterste Teil eines alten Kugelschreibers. Das Loch, wo die Mine rauskam, hatte einen Durchmesser von ca. 3 mm. Aus dem Kunststoffgehäuse des Kugelschreibers schaute nur der untere, sich verjüngende Teil heraus.

Ich hatte es so rund verwendet, wie oben abgebildet. Wenn Du das vorletzte Bild im Beitrag (Decurio von vorn) genau betrachtest, kannst Du vielleicht erkennen, dass die Schuppen dort nicht länglich sind, wie sie es eigentlich sein sollten, sondern rund. Durch die vertikale wie horizontale Überlappung fällt dies aber so gut wie nicht auf.  8)

Jedenfalls war es eine Friemelei, die einzelnen Schuppen anzukleben. Aber dadurch, dass dies natürlich nicht perfekt gelang (nicht alle im gleichen Winkel) war der Effekt in Richtung Realität wiederum ganz brauchbar. ;)

Man hätte das Teil auch sicherlich ganz vorsichtig in eine entsprechende Form zwingen können, aber ich verwendete es auch für die runden Zierscheiben (Phalerae) am Pferdegeschirr.

LG - Uwe   :winken:
« Letzte Änderung: 17. Mai 2018, 10:06:49 von Uwe B. »
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Uwe B.

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4. Vorstellung der Einzelfiguren

     Teil 3 - Hilfstruppen-Kavallerie - Signifer  und Liticen

  • entsprechendes Vorbild im Gemälde von McBride
  • ursprüngliche Figur vor der Bemalung oder dem Umbau, Hersteller
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  • fertige Figur im Diorama

In diesem Teil werde ich den Signifer (Feldzeichenträger) und den Liticen (Signalbläser) vorstellen. Auf dem Gemälde von Angus McBride sehen wir die Figuren, die mir als Vorbild dienten, schemenhaft im Hintergrund. Den Feldzeichenträger kann man dabei noch recht gut erkennen, ein Signalbläser ist aber eigentlich nicht sichtbar. Auf dem Bild ist lediglich noch der Kopf eines weiteren Pferdes sowie ein Teil vom Helm seines Reiters sichtbar:


Quelle - editierter Ausschnitt aus:
https://i.pinimg.com/736x/77/97/a7/7797a783b1658dadbde6f242709e31d4--roman-britain-roman-legion.jpg

An dieser Stelle hielt ich es für reizvoll, hier noch einen Militärmusiker für die Kavallerie einzubauen, schließlich hatte ich von der Vorlage her ja alle Freiheiten, da von diesem Reiter ausser der Helmspitze keine Details zu erkennen sind. In der Gesamtkomposition für das Diorama machte es auf jeden Fall Sinn. Links im Hintergrund reitet die Turma (Schwadron) an, vorneweg, wie es sich gehört, der Decurio, daneben ein einfacher Reiter und direkt dahinter der berittene Feldzeichenträger mit dem Signum der Turma, der Signifer. Den Befehl zur Verfolgung der zurück geschlagenen Kelten gibt der Feldherr, Gaius Suetonius Paulinus, vom hinteren rechten Rand des Dioramas. Der Liticen hat diesen Befehl aufgenommen und gibt ihn als akustisches Signal an den Decurio und die Turma weiter. Wobei - nicht zu vergessen - diese Schwadron hier nur repräsentativ für ein ganzes Reiterregiment (Ala) steht; siehe meine Erläuterungen zum Aufbau einer Ala in Antwort #32, Absatz 4 folgende.


Der Signifer

Für die Figur des Reiters kamen wieder die gleichen Materialien und Scratch-Techniken zum Einsatz wie für den Bau des Decurios (siehe oben Teil 2 Vorstellung der Einzelfiguren). Allerdings bekam der Signifer ein Kettenhemd. Um die unruhige Struktur dieser Panzerung anzudeuten, habe ich den Kettenpanzer nicht mit Milliput skulptiert; man hätte darin zwar mit einem entsprechenden Tool einzelne Ringstrukturen produzieren können, das war mir damals aber zu aufwändig. Ich modellierte den Kettenpanzer mit grobem Holzspachtel, um so schon eine etwas unruhige Oberfläche zu erzeugen.

Die einzelnen Kettenglieder habe ich dann später andeutungsweise als kurze helle Striche aufgemalt, eine Technik, die - so deute ich es - auch Angus McBride teilweise bei seinen Gemälden verwendet hat. Fällt hier im Gemenge nicht so auf.

Das Pferd stammt aus dem Kit von "Italeri" Nr.  6437 ("German Horse drawn Convoy") - ich hatte mal auf der Intermodellbau in Dortmund alle 4 Pferde dieses Sets günstig für mich auf Vorrat erstanden. Seine Haltung als schwer arbeitendes Zugpferd paßte ganz gut, weil es am hinteren Ende meines Dios eine kleine Steigung zu erklimmen hat. Alte Geschirrteile mußten natürlich entfernt und römisches Riemenzeug neu aufgebaut werden.





Als Vorlage für den Helm des berittenen Signifers (Feldzeichenträger, von Signum = Feldzeichen) wählte ich die Hinterhauptkalotte eines Maskenhelms, der im Lager Trimontium (Newstead, England) ohne die zugehörige Gesichtsmaske gefunden wurde, letztere läßt sich aber nach ähnlichen Funden gut rekonstruieren. Den Helm habe ich komplett aus Milliput, Tubenblech (für Nacken- und Stirnschirm) sowie Isolierband (für den Befestigungsriemen) aufgebaut. Das Exemplar aus Newstead wird von Jochen Garbsch ("Römische Paraderüstungen") noch ins 1. Jahrhundert datiert, zugegebenermaßen zwar an dessen Ende, im weiteren Verlauf dieses Bauberichts werde ich beim Infanterie-Signifer aber noch belegen, dass dieser Helmtyp auch bereits am Beginn des 1. Jhdts. n. Chr.  und somit wohl auch zum Zeitpunkt der von mir dargestellten Schlacht getragen wurde. Hier ein Bild des originalen Rückteils:


Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Newstead_Helmet

Dass dieser Helmtyp von Kavallerie-Signiferi getragen wurde, belegt der nachfolgend abgebildete Grabstein des Sextus Valerius Genialis von der Ala Thraecum (Thrakisches Reiterregiment), gefunden in Corinium Dobunnorum (Cirencester, England). Das Kopf-Zaumzeug seines Pferdes zeigt zudem auch viele kleine Phalerae (Zierscheiben), wie ich sie in meinem Diorama ebenfalls verwendet habe:


Quelle: https://i.pinimg.com/564x/e3/28/1b/e3281b39e7154ddcd7a6e50b779921ad.jpg

Das Kavallerie-Signum mit Blattanhängern stammt vom nachfolgend abgebildeten Grabstein des Quintus Carminius Ingenuus, Signifer in der Ala Prima Hispanorum (1. Spanisches Reiterregiment), Kastell Biriciana (Weißenburg, Bayern), belegt im 2. Jhdt. n. Chr.  Sicher hätte ich an dieser Stelle ein attraktiveres Kavallerie-Feldzeichen rekonstruieren können, ich wollte damals aber den Wiedererkennungseffekt zum Vorlagegemälde erhalten.


Quelle: http://lupa.at/16778


Der Liticen

Vom Liticen habe ich leider während seiner Bauphase leider kein einziges Photo geschossen, das ich Euch hier zeigen könnte. Die Herstellung erfolgte aber mit den gleichen Materialien und Bautechniken wie bei den voran gegangenen Figuren. Der Kopf mit Helm stammt wieder wie beim Decurio (siehe oben Antwort #32) von "Andrea Miniaturas", das Pferd wie oben beim Signifer geschildert von "Italeri" Nr.  6437 ("German Horse drawn Convoy"). Einzig wirklich neues Element ist das Musikinstrument, der Lituus, den ich hierfür selbst erstellt habe (ein kurzes Stück Kupferdraht, eine nach oben gebogene, oben offene Tröte aus Milliput, sauber verschliffen und ein paar Bänder aus Isolierband darum).

Vorbild für meine Rekonstruktion war der Lituus, der im Rhein bei Düsseldorf gefunden worden sein soll:

Quelle: https://i.pinimg.com/564x/cf/4b/58/cf4b584ea08968dbdb401791a4ff1edc.jpg
           
Allerdings fand ich keinen epigrafischen Beleg dafür, dass der Lituus tatsächlich von römischen Kavalleristen als akustisches Signalinstrument benutzt wurde. Scheinbar ist das bislang nur eine allgemein angenommene Hypothese. Marcus Junkelmann schreibt dazu sinngemäß, dass von diesem etwa 70 - 75 cm langem Instrument mehrere Exemplare, darunter zwei vollständige, noch bespielbare, gefunden worden seien und dass der im Vergleich zu anderen von den Römern militärisch verwendeten Musikinstrumenten (Tuba, Cornu, Bucina) eher kurze Lituus sich aufgrund seiner Handlichkeit recht gut als Musikinstrument der Kavallerie eignen würde. Außerdem verweist er auf eine Stelle zu Horaz, wonach "der Lituus zur Kavallerie gehöre und gekrümmt sei, die Tuba dagegen zum Fußvolk gehöre und gerade sei".  (Marcus Junkelmann: "Die Reiter Roms, Teil II: Reitweise und militärischer Einsatz", Seite 141) .

Siehe hierzu auch eine Zeichnung des britischen Sachbuchautors, Illustrators und Experimantalarchäologen Peter Connolly, die u. a. einen Liticen im Mittelgrund des Bildes zeigt, im Vordergrund das von mir für den Kavallerie-Signifer verwendete Signum. Diese Figur des Liticens mit seinem an der Hüfte und den kurzen Ärmeln gezackten Kettenhemd habe ich in Ausrüstung und Körperhaltung als Vorbild für meine Figur verwendet:


Quelle: https://i.pinimg.com/originals/5f/ca/4d/5fca4d65c9acd4695a4e503428f8ce9f.jpg
(seitenverkehrtes Foto in der Quelle von mir gedreht, optisch aufgehellt und hier ausschnittweise verwendet)

Die Zeichnung ziert den Einband von Peter Connolly's Buch "Tiberius Claudius Maximus - Ein römischer Reiter". Thema eines weiteren, vorher gehenden Buchs ist "Tiberius Claudius Maximus - Ein römischer Legionär" - beide Bände beschreiben den Weg des historisch belegten Tiberius Claudius Maximus vom einfachen Legionär der Legio VII Claudia Pia Fidelis zum Quaestor Equitum (Zahlmeister der Kavallerie), Singularis (Gardereiter) seines Legionskommandeurs, Vexillarius Equitum (Fahnenträger der Kavallerie), Explorator (Aufklärungsreiter) und letztlich zum hoch dekorierten Decurio (Führer einer Schwadron) in der Ala Secunda Pannoniorum (= 2. Pannonisches Reiterregiment) - als den Mann, der den dakischen König Decebalus fing. Beide Bände erschienen im Tessloff Verlag und sind m. E. - wie alle Publikationen von Peter Connolly - jedem, der sich für diese Thematik interessiert, zu empfehlen.


Signifer und Liticen im Diorama











Wird fortgesetzt


LG - Uwe  :winken:
« Letzte Änderung: 25. Mai 2018, 01:29:26 von Uwe B. »
MSV - einmal ein Zebra immer ein Zebra

Uwe K.

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Boah, iss ja irre!!!
Ich hätte nicht mal ansatzweise das Durchhaltevermögen - R E S C H B E G G D.
Und das noch in dieser Qualität - ganz großes Kino!!!

Hans

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Fantastisch. Die Idee mit den Kettenhemden ist auch klasse! Super Umsetzung!
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Postbote

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'nen Abend Uwe B.

höchst interessante Geschichtsstunde :P

Und die Umsetzung im Dio ist nun wirklich aller Ehren wert :klatsch: :respekt: :klatsch:
Besonders gefällt mir der Signifer, wie er sich auf seinem Pferd die Steigung hinaufmüht,

Mit schönem Gruß
Christoph
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Puchi

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 :klatsch: :klatsch: :klatsch:

Bei den vielen Details kann ich mich an dem Dio gar nicht satt sehen. Hervorragend! :P


Liebe Grüße,

Karl
Es gibt eine grundlegende und sehr wertvolle Aussage in der Wissenschaft, sie ist ein Zeichen von Weisheit und lautet: Ich weiß es nicht. (Data in TNG/"Illusion oder Wirklichkeit")