Autor Thema:  Bessere Bilder. Aber wie?  (Gelesen 58059 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Warspite

  • Gast
Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #45 am: 13. April 2008, 22:24:24 »
Zitat
P.S. Seit heute früh 5.30 sitze ich an dem Beitrag. Es gab unzählige Version, mit Erklärungen wie "Erfinder" von Farbthesen sich was dachten, blahblahblah. Und im Endeffekt bleibt das drüber.
Ich gebe gern zu, daß ich in wenigen Minuten sehr viel über die Fotografie gelernt habe. Hoffentlich gibt es bald (morgen) mehr !!! Ich freu mich schon drauf.  :1:

MichaR

  • Gast
Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #46 am: 14. April 2008, 19:48:21 »
Vorwort: Wer über meine selbstgemalten Bilder lacht..... :aerger: Weiterhin gilt: Ich weiß ich lasse manche Dinge aus z.B. Brechungsgesetz, aber wir wollen hier ja keine Umschulung auf Optiker. Wir wollen ja nur die Kamera etwas besser verstehen.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle über verschiedene Objektive sprechen. Aber da es doch Unklarheiten über Schärfe, Tiefenschärfe, Blende, Belichtungszeit gibt, möchte ich die graue Theorie der Optik ansprechen.

Was ist Schärfe? Oder: Wie viele MP brauche ich?


Sind unsere Kameras wirklich scharf? Sind es unsere Augen? Kann ich einen 1micrometer großen Punkt vom anderen Unterscheiden?

Unser Sehvermögen hat eine gewisse Schärfetoleranz. Unter normalen Umständen beträgt diese für einen mittleren Betrachtungabstand eines Bildes von 30cm ca. 0,1mm. Das heißt jede Fläche die kleiner ist als 0,1mm sieht unser Auge als absolut scharfen Punkt.

Der normale Betrachtungsabstand von 30cm beruht auf der Diagonalen eines 18x24cm großen Bildabzuges.

Also mal losgerechnet.  :laaaang:
0,1mm als Toleranz =0,01cm =100dpc=256dpi    (dpc= Dots pro Centimeter= Druckpunklte pro Zentimeter :O )
18cm/0,01cm = 1800
24cm /0,01cm = 2400
1800x2400=4320000=4,32MP mehr schafft das gute Auge nicht. Natürlich sollte man Reserve einplanen, falls man Ausschnittvergrößerungen macht. Auf der anderen Seite sollte man bedenken das nicht jeder beim Sehtest 120% hat. Und wer betrachtet ein seitenfüllendes Bild im Magazin (ca. 150 dpi) aus weniger als 30cm. ;)

Beispiel aus der Praxis: Vor Jahren hab ich ein Foto gemacht mit 1,3 MP. Gab damals auch nicht mehr. Und hab es als 120x75cm ausgedruckt. Es hat sich noch nie jemand über schlechter werdene Augen beschwert als er das Poster betrachtete.

Zurück zum Thema. Wie groß muß ein Punkt auf Film oder Chip sein um als absolut scharfer Punkt durchzugehen?
Unter Berücksichtigung das unser 0,1mm-Punkt einen Winkel von 2 Bogenminuten nicht überschreiten darf, :blabla: sind es genau 1/1719 der Diagonalen des Aufnahmeformats. Viel Spaß beim Ausmessen eures Chips und rechnen.
Auf das Kleinbildformat übertragen ergibt sich 0,029mm.

Grundprinzip einer Kamera

Jedes Motiv besteht aus Punkten . Anfangs- und Endpunkt, mit vielen dazwischen. In unserer Betrachtung wollen wir uns zunächst auf einen Punkt beschränken.
Jeder Punkt, welcher beleuchtet wird, reflektiert das Licht in viele verschiedene Richtungen. Logo, ich kann ein Objekt immer noch sehen wenn ich einen Schritt zur Seite mache. Außer da ist ein Baum dazwischen.



Umso mehr Lichtstrahlen in meine Richtung reflektieren umso heller erscheint mir dieser Punkt. Zum Beispiel erscheint mir die Hand, welche ich vor die Lampe halte, schwarz. Helles Licht ist vorhanden, jedoch werden die Lichtstrahlen nicht zu meinen Augen umgelenkt.

In der Fotografie geht es im Prinzip, um das Einfangen von Lichtstrahlen. Was ein lichtempfindlicher Film ist brauche ich ja nicht erklären. Jetzt brauchen wir noch eine Kamera.
Um die Gegenwart zu verstehen muss man in die Vergangenheit sehen.
Am Anfang der Fotografie kam die Lochkamera zum Einsatz. Ganz einfaches Prinzip. Eine lichtdichte Schachtel mit nem kleinen Loch und ein Film.



Um halbwegs ein ansehnliches Bild (Größe des kleinsten Punktes ca 0.6mm) zu erhalten war ein 0,5 mm Loch notwendig. Das entspricht bei 15cm Länge einer Blendenzahl von F 300. Durch dieses kleine Loch kommen aber so wenig Lichtstrahlen das eine Belichtungszeit von Minuten notwendig sein kann. Aber die Leute waren trotzdem glücklich, auch wenn sie 5Min stillsitzen mußten.

.....
« Letzte Änderung: 15. April 2008, 11:47:04 von MichaR »

MichaR

  • Gast
Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #47 am: 15. April 2008, 11:46:27 »
......
Um noch mehr Lichtstrahlen reinzulassen, aber dennoch scharf abzubilden, kommen Linsen zum Einsatz. Linsen bündeln durch Lichtbrechung das Licht zu einem exakten Punkt.




Brennweiten

Ist vereinfacht gesagt die Länge des Weges den der Lichtstrahl durch die Kamera macht. Die Brennweite bestimmt die Größe des Bildes. Brennweite und Abbildungsgröße sind direkt proportional, d.h. doppelte Brennweite = doppelte Größe (bei gleichen Motivabstand).
Brennweiten gibt es von 6mm bis 600mm und mehr. Aber wie funktioniert das? Hier mal am Beispiel einer Balgenkamera.

Orange ist die Oberkante des Objekts, Blau die Unterkante.



Wenn die Linse etwas flacher gestaltet ist um eine geringere Ablenkung des Lichtstrahls zu erreichen, brauchen wir einen längeren Weg damit sich der absolut scharfe Punkt wieder auf der selben Ebene wie der Film befindet. Die Endpunkt (Oben/Unten) befinden sich zwar außerhalb unserer Kamera, aber die Mitte und angrenzende Punkte sind scharf und vergrößert.


Blende

Die Blende steuert die Öffnung des Objektives und damit die Lichtmenge.Die Blendenzahl (z.B: F11, F3) ist der Öffnungsdurchmesser geteilt durch die Brennweite.
Jetzt seh ich schon manche rechnen und Formeln umstellen. Ein 100mm Teleobjektiv bei Blendenzahl 11 ( d/bw = f  umgestellt zu: d=bw*f) ergibt 1100mm. 8o

Die Angabe F=11 beruht auf 1/11. Also Öffnungsdurchmesser/Brennweite = 1/Blendenzahl

Genug Mathe. Einige werden bereits gehört haben, dass eine große Blendenzahl (kleine Öffnung) schon fast eine Garantie für Schärfe ist.
Warum ist das so? In der folgenden Skizze zeige ich das am Beispiel einer Lochkamera ohne Objektiv.

Blau ist die Oberkante des Objekts, Orange die Unterkante.



Eigentlich ist die Abbildung selbsterklärend. Bei der großen Blendenöffnung bilden sich sehr große Lichtflecken. Bei kleinerer Öffnung wird ein kleiner Einfallwinkel der Lichtstrahlen erzwungen. Vorteil: kleinere Lichtflecken, dadurch unserem Begriff Schärfe ein ganzes Stück näher. Nachteil: Weniger Licht erreicht das Filmmaterial, dadurch dunkler. Was eine längere Belichtungszeit notwendig macht.


Schärfe durch Entfernung und Größe der Tiefenschärfe

Mein nächstes Bild verdeutlicht 2 Themen.
Blau ist die Oberkante des Objekts welches weit weg ist; Grün die Oberkante des Objektes was nahe an der Kamera steht



Zum einen zeigt die obere Zeichnung sehr deutlich, dass mit zunehmender Entfernung die Schärfe ansteigt (Blauer Lichtfleck < Grüner Lichtfleck).
Zum anderen verdeutlicht es, dass die Zone der Tiefenschärfe bei kleiner Blende deutlich größer ist.
Obere Abbildung: der Größenunterschied zwischen Blau und Grün ist enorm
Untere Abbildung: Größenunterschied gering.

In ganz einfachen Worten: Große Öffnung = Aufpassen auf welchen Punkt ich scharfstelle, damit auch die anderen Objekte in den kleinen scharfen Bereich liegen.
Kleine Öffnung: Brauch mir um den anvisierten Punkt keine Gedanken machen, der scharfe Bereich ist groß genug um alles zu erfassen.

Die folgenden Bilder sollen den Unterschied zwischen kleinen und großen Bereich mal verdeutlich.



Für das 3. Bild legte ich ein Feuerzeug mittig zwischen die Batterie und legte die Schärfe auf dieses. Man sieht beide Batterien wurden etwas schärfer. Sind aber dennoch nicht im scharfen Bereich. Der Rest ist selbst erklärend.

Gruß
Micha

HeiHee

  • Erstmalgucken
  • Beiträge: 5
Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #48 am: 15. April 2008, 13:06:12 »
Da Micha sich hier so viel Mühe gibt, möchte ich noch etwas zu Linsen ergänzen:

Vergütung

Linsen haben auch zwei Nachteile - an deren Oberfläche wird immer ein Teil des Lichtes reflektiert und der Brechungsindex gilt nur für eine Wellenlänge. Für das Tageslicht würde das bedeuten, das eine normale Glaslinse das Licht wie ein Prisma in die verschiedenen Wellenlängen zerlegt (Farbfehler) und wenig Licht bei großen Linsensystemen (Objektiven) auf dem Film ankommt. Um dem entgegenzuwirken, werden die Linsenoberflächen mit extrem dünnen Metallschichten versehen - 5 bis 7 Schichten sind keine Seltenheit. Statt also einen Teil des Lichtes zu reflektieren wird mehr durch das Objektiv geleitet ("Entspiegelung") und die sich durch mehrere Linsen aufschaukelnden Farbfehler werden minimiert. Anders wären die enormen Lichtstärken bei Teleobjektiven heute nicht möglich...

Für den Anwender heißt das: die Linsen immer schön mite einem Objektivpinsel/-tuch reinigen - damit die teure Vergütung nicht beschädigt wird. Bei wem es geht: zum Schutz der Frontlinse eignet sich sehr gut ein UV- oder Skylightfilter, wenn der einen Kratzer kriegt - einfach wechseln...
I've seen things you people wouldn't believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser gate. All those moments will be lost in time like tears in rain.

MichaR

  • Gast
Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #49 am: 15. April 2008, 18:49:28 »
Vergütung
Ich dachte schon, jetzt gibts Geld. :D

Tiefenschärfe/Schärfentiefe
(beides das selbe)

Wie schon angemerkt ist Tiefenschärfe der Bereich, wo wir die einzelnen Punkte als scharf empfinden. Gut auf diesem Bild zu erkennen.



Mit dem Bild wollte ich euch etwas nachweisen, was aber leider nicht wirklich erkennbar ist. Wer Fantasie hat sieht es aber vielleicht nach meinen Schilderung. (Die Düse steht bei ca 16,5 bis 17cm.)

Wer meine Beiträge genau gelesen hat und meinen Schilderung folgen konnte, für den wird sich das Folgende schon angedeutet haben.
Tiefenschärfe wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst z.B. durch die Brennweite und den Abstand zum Objekt.
Kann sich der scharfe Bereich dann gleichmäßig nach vorn und hinten ausdehnen? Ist mein Versuch mit den Batterien korrekt gewissen, einfach die Mitte anvisieren?

Nein. Wie kann man dann sicherstellen das der Schärfebereich von A nach B reicht?

Faustformel: Tiefenschärfe reicht 1/3 nach vorn, 2/3 nach hinten. Aber Vorsicht gerade bei Nahaufnahmen, es ist nur ein Richtwert.

Genaue Formel der Einstelldistanz a:
 
a = (2 x av x ah) / (av x ah)

Bsp:
av = Abstand zw. Linse und vorderen Punkt = 30cm
ah = Abstand zw. Linse und hinteren Punkt = 50cm

a=(2x30x50) / (30x50) = 37,5cm

Mit der Faustformel hätten wir uns um 8,3mm verschätzt. Bei nicht Beachtung dieses Beitrages um 25mm. X( Wer auf Rechnen keine Lust hat, und eine DSLR mit Festbrennweite hat, schaut einfach auf seine Schärfentiefe-Scala.



Die Zahlen neben dem roten Strich und die darüberliegenden weißen Zahlen gehören zu dieser Scala. In dem Beispiel ist der Bereich zwischen 11,5m bis ca 25m scharf bei Blende 8.


Kleine Blende als Zaubermittel für Schärfe?

Jetzt könnte man die Überlegung haben sich ein Stativ zu kaufen und die Kamera einfach auf Blende 64 zu stellen. Scheint doch die ultimative Waffen gegen Unschärfezu sein. Je stärker man abblendet desto größer wird ein Phänomen. Dieses Phänomen ist Beugung des Lichts an der Blende. Gerade bei Nahaufnahmen darf man nicht zu stark abblenden.

    Quelle: "Optik der Fotografie" Marchesi

Durch Beugung des Lichts an der Blendenumrandung entsteht kein ideales punktförmiges Bild, sondern ein von der Mitte zum Rand in seiner Intensität abnehmendes Bildscheibchen, das von dunklen und hellen Ringen umgeben ist.

     Quelle: "Optik der Fotografie" Marchesi

Zitat von: "Optik der Fotografie" Marchesi
Sobald sich einer sich ausbreitenden Lichtwelle etwas in den Weg stellt, entstehen an den Kanten des Hindernisses Störungen in Form neuer Kugelwellen, deren Wellenzüge sich gegenseitig überlagern und daher interferieren.

Einfacher ausgedrückt: Es wird unscharf. :D

Es gilt einen Kompromiss zwischen Bildsscheibchen und zulässigen Unschärfekreis (Punktgröße die noch als scharf empfunden wird)) zufinden. Diesen Kompromiss nennt man auch "Förderliche Blende". Diese ist abhängig von der angestrebten Vergrößerung, also dem Maßstab.

Edit: Nicht dass sich hier jetzt manche Sorgen machen, weil ihr 1Cent-Stück mit Bauteil auf A4 ausgedruckt werden soll.
Genauer gesagt ist die Rede vom Abbildungsmaßstab und bedeutet "Wie groß ist das Centstück dann auf dem Film oder CCD." Und wenn er 1:1 drauf passt dann ist der CCD schon relativ groß. Also keine Panik, die förderliche Blende wird man bei 'ner gewöhnlichen DigiCam nicht so schnell erreichen.
Edit Ende

Ein paar Beispiele für analoge Kleinbildkameras:
Maßstab 1:10: Blende 34
Maßstab 1:1: Blende 19
Maßstab 10:1: Blende 3,4

Für Digi-Cams fand ich Folgendes:

Faustregel: Förderliche Blende = 50 / (M + 1)
wobei: M = Abbildungsmaßstab

ausführlicher: Förderliche Blende = U / (1,22 x λ x [1 + M])
wobei: U = Unschärfekreis, λ = Wellenlänge des Lichts und M = Abbildungsmaßstab

Aber diese Faustformel oder ausführliche Formel stehen auf kippligen Beinen, da sie gewisse Faktoren nicht berücksichtigen z.B. Qualität des Objektivs, Chipgröße und der daraus echten Brennweite, Pixelgröße und persönliche Ansprüche.

Fazit: Nicht mehr abblenden als nötig.
Der Fotograf muss nur wissen, dass es so was gibt und dran denken wenn das Bild mal mies aussieht. :6:



Gruß
Micha

P.S.: Ich seh schon alle mit dem Taschenrechner und Maßband sitzen, bei ihrer "Galerie"-Fotosession. :7:
« Letzte Änderung: 16. April 2008, 17:49:31 von MichaR »

Wolf

  • The Vacuform Victim
  • Administrator
  • Lebende MB Legende
  • ******
  • Beiträge: 19158
  • Wolfgang Henrich <1/72>addicted
    • Wolfs Modellwelt
Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #50 am: 15. April 2008, 18:53:57 »
Ganz große Klasse. Toll wieviel Mühe du dir hier machst, das ganze verständlich zu erklären. Vielen Dank dafür  :P
Wer Future hat, hat noch lange keine Zukunft

KlausH

  • -o---o-
  • Lebende MB Legende
  • ********
  • Beiträge: 14049
Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #51 am: 15. April 2008, 19:10:05 »
Dem kann ich mich nur anschließen. Klasse, Micha! :P

Schöne Grüße
Klaus

Plastiker

  • MB Gigant
  • *****
  • Beiträge: 1891
Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #52 am: 15. April 2008, 19:30:37 »
Kann @Wolf und @KlausH nur beipflichten! Die Mühe die Du dir hier machst ist mehr als Respektwürdig, auch das muß ich ehrlich gestehen ich die letzten 2 Postings noch mal ganz langsam lesen werde... War auf Anhieb nicht alles ganz klar!

'Aber mit nem Taschenrechner bei der nächsten Fotosession wirst Du bei mir nicht erleben. Da mache ich lieber noch ein paar Foto´s mehr! Eine Frage kommt mir gerade durch die Windungen gekrochen. Wenn ich bisher alles richtig verstanden habe, gehst Du bei der Tiefenschärfe und den Blenden (klein/groß) von der manuellen Justierung aus oder habe ich da was falsch verstanden???

Gruß Olli, der Plastiker
Derzeitige Bauvorhaben:



Skyline KPGC10 http://www.modellboard.net/index.php?topic=25639

MichaR

  • Gast
Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #53 am: 15. April 2008, 19:51:04 »
Wolf,Klaus und Plastiker, danke für eure Anerkennung. :meister:
Ich sehe das so: Leuten die mir verraten wie man vernünftig mit 'ner Airbrush malt, denen verrate ich wie man mit Licht malt. ;)
Außerdem lerne auch ich durch meinen Beitrag, oder besser gesagt durch die Vorbereitung, dazu. Bin nun mal Autodidakt und habe früher manche Dinge großzügig überlesen. :pffft:

Thema "verständlich erklären": Ja mmmhhh. Anders passt das nun mal nicht in meinen kleinen Kopf. Deshalb hab ich auch viele Grafiken selbstgemalt. Hätte auch welche abfotografieren oder einscannen können. Aber mit den ganzen Winkelangaben&Co unter Berücksichtung von speziellen physikalischen Gesetzen, die im Fall X eintreten, trägt wenig der Verständnis bei, verwirren sogar. Auch mich. Wir wollen doch nur unsere Model(l)e fotografieren :5: und keine Kamera bauen.

@ Plastiker: Das es beim ersten lesen noch nicht richtig verstanden wird, war mir klar. Deshalb habe ich die wichtigsten Schlagwörter fett gedruckt, um es irgendwie zu erleichtern. Sämtliche Berechnung oder Schilderungen gehen bisher von manuellen Einstellungen aus, da Automatikfunktionen der verschiedenen Hersteller doch recht unterschiedlich sein können oder nicht umsetzbar sind (z.B. wie will man im Automatikmodus in einem gegenstandslosen Raum scharfstellen? Geht nur manuell oder man trickst den kleinen Computer aus). Die Blende lässt sich bei den meisten Kameras über den "A-Modus" oder "Blendenpriorität" einstellen.

Gruß
Micha

Plastiker

  • MB Gigant
  • *****
  • Beiträge: 1891
Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #54 am: 15. April 2008, 20:17:04 »
Ja ein ewiges geben und nehmen! :D


Aber nochmal zurück zum manuellen Einstellen! Meine Cam ist wie gesagt ein Erbstück meiner Mutter gewesen und bisher habe ich mich auf die Automatik verlassen oder besser ausgedrückt sie genutzt um erstmal wieder mit der Materie Fotografie vertraut zu werden! Früher habe ich mit einer SL35 von Rollei gearbeitet, aber nachdem die Augen eher schlechter wurden, habe ich auf eine einfache Digitale gewechselt. Danach kam die Canon und da hieß erstmal wieder umstellen auf richtiges Fotografieren...

Was die vielfältigen Möglichkeiten der Cam angeht möchte ich hier mal nicht eingehen, da es sonst den Rahmen sprengt und den anderen in keinster Weise hilfreich ist!


Nun, deine Erklärungen sind gut und das Du das fettgedruckte ja nicht zum Jux reinsetzt war mir klar! Nach langer Abstinenz ist aber sehr schwer da wieder rein zu kommen und das ehemals erlernte wieder aufzufrischen. Also ich werde dran bleiben, damit ich aus meinen eigentlich nicht schlechten Bildern noch ein wenig mehr rausholen kann!


Gruß Olli, der Plastiker
Derzeitige Bauvorhaben:



Skyline KPGC10 http://www.modellboard.net/index.php?topic=25639

Hans

  • Figurenbau Moderator
  • Globaler Moderator
  • Lebende MB Legende
  • *****
  • Beiträge: 18951
Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #55 am: 15. April 2008, 20:40:48 »
Micha, danke für deine Mühe. Aber ich geb' zu, seitdem ich komplett auf Digital umgestiegen bin und zudem im Wechsel DSLR oder meine kleine Lumix nehme....mach ich mir über verschiedene Dinge aus der Analog-Zeit keine Gedanken mehr. Insbesondere rechne ich nicht herum...wobei ich schon ein wenig brauchte, von alten Analog-Gewohnheiten Abstand zu nehmen...insbesondere 'erprobte' Blendenwerte.

Zitat
Chipgröße und der daraus echten Brennweite

Das ist der Gag dran.

Aber natürlich hat sich die Physik nicht geändert, logisch. Die Einflussfaktoren Licht-Blendenwert-Abstand-Brennweite sind immer noch die selben. Bloss rechnen tu' ich nix mehr...

H
Poly(1-phenylethan-1,2-diyl) makes it all

MichaR

  • Gast
Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #56 am: 16. April 2008, 19:21:57 »
Verschlusszeit

Ist neben der Blende maßgebend für die Belichtung. Sie steuert wie lange das Licht einwirken darf und bestimmt dadurch die Helligkeit mit. Aber sie hat eine fast wichtigere Funktion. Schnelle Bewegung einzufrieren, und damit scharf abzubilden.
Dabei spielt nicht nur die Geschwindigkeit des Objektes eine Rolle, sondern auch Abstand, Brennweite und der Winkel zur Aufnahmeachse.

Zusammengefasst: Wie schnell bewegt sich das Motiv im Sucher.  ;)
Kann man sich eigentlich ganz gut vorstellen.



Oder hat der da geparkt!? ?(


ISO

ISO-Wert beschreibt die Lichtempfindlichkeit eines Films/CCDs. Je höher der Wert desto empfindlicher reagiert er auf Licht. Beim analogen Film stieg mit dem ISO-Wert die Körnung und die Bildschärfe fiel ab. Bei Digicams steigt mit zunehmenden Wert das Bildrauschen.



Die beiden Bilder sehen sich auf den ersten Blick ähnlich.
In einer Vergrößerung zeigen sich die Unterschiede.



Von Kamera zu Kamera kann sich die Ausprägung dieses Rauschens stark unterscheiden. Einige Kameras besitzen einen zuschaltbaren Rauschfilter, die diese Punktchen ganz gut rausfiltern können.
Wer das Rauschverhalten seiner Kamera (oder die noch im Elektronik-Markt steht) überprüfen möcht, kann eine Testreihe mit verschiedenen ISO-Werten machen in dem man den Objektivdeckel drauf läßt oder die Linse abdeckt. So kommt man auch Pixelfehlern auf die Schliche.

So weit die Theorie um ein scharfes Bild zubekommen.  :klatsch:


Gruß
Micha

Bloss rechnen tu' ich nix mehr...

Ich doch auch nicht. Machs auch mit dem Auge. Das ist ja das schöne an der digitalen Technik. Aber wie es im Theoriebereich nunmal so ist, man lernt 'ne Menge die man nur selten bis garnicht brauch.  :D

Wer aber unbedingt die Schärfe auf den Bereich von Stoßstange zu Stoßstange beschränken will, kommt um eine Formel nicht herum.

HeiHee

  • Erstmalgucken
  • Beiträge: 5
Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #57 am: 17. April 2008, 08:56:07 »
Weil's grad paßt, möchte ich an dieser Stelle noch einen Link einstreuen :winken::

http://home.arcor.de/ratfisch/download.htm#pbfp

"Bernie's Foto-Programm" ist ein Lexikon, das auch rechnen kann... :P
I've seen things you people wouldn't believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser gate. All those moments will be lost in time like tears in rain.

MichaR

  • Gast
Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #58 am: 17. April 2008, 11:29:17 »
Wollte gestern eigentlich noch was zum Rauschverhalten und Rauschfilter sagen. Wollte es aber mit Bildern verständlicher machen.
Jetzt hab ich mit meinen Kameras etwas rum gespielt. Nun heißt es Staub vom Monitor weg und genau hingesehen. :D

Rauschverhalten und Rauschfilter

Das elektr. Rauschen eines CCDs nennt man auch Dunkelstrom. (Ja ich hab mich etwas schlau gemacht, und wurde bei den Astronomen fündig.)
Dieser Effekt entsteht durch thermische Elektronen. Diese Elektronen werden allein aufgrund der Wärmebewegung der Atome im CCD registriert. 8o



Gut zu wissen. Aber wie kriegt man das weg. Durch einen Dunkelabzug/Dunkelbild (Bild1). Bild1 entstand bei verdeckten Objektiv. Die weiß eingerahmten Auschnitte habe ich mal zur Verdeutlichung aufgehellt. Das Rauschverhalten dieses Chips ist super. Was aber im Bild1 besonders auffällt sind die Hotpixel (defekte Sensoren) :12: , vorallem der grüne am rechten Bildrand. In jedem Foto was ich mache ist er deutlich zu erkennen (Bild2).

Nun schalte ich meinen Rauschfilter hinzu (Bild3). Weg sind die Biester. Wie macht dass dieser Filter. Darkframe Substraction :D Er analysiert das Dunkelbild und kennt damit die Schwächen des CCDs und rechnet die Fehler auf dem echten Bild einfach raus. Wer die Funktion nicht besitzt kann das am Rechner mit geeignet Software selber machen.

Was soll Bild4? Dies ist mal zum Vergleich wie stark unterschiedlich das Rauschverhalten von Kameras ist. Das eine Bild stammt von einer ca. 7Jahre alten Cam, das andere von einer ca. 1Jahr alten. Nun ratet welche hat welches Foto gemacht. :pffft:

Gruß
Micha

HeiHee

  • Erstmalgucken
  • Beiträge: 5
Re: Bessere Bilder. Aber wie?
« Antwort #59 am: 17. April 2008, 15:22:51 »
Und noch eine Ergänzung...

Beim Einschalten macht normalerweise jede Digikam einen Schwarzabgleich, d.h. das CCD wir ausgelesen ohne daß Licht darauf fällt. Das Problem ist aber das statistische (Wärme-) Rauschen, was besonders bei langen Veschlußzeiten auftritt. Um darauf eine Darkframe Substraction anwenden zu können, kann man direkt danach ein schwarzes Bild mit derselben Belichtungszeit aufnehmen (wenn man die Zeit manuell wählen kann...). Im Bildbearbeitungsprogramm wird dann einfach vom Bild das schwarze Bild subtrahiert - bei perfekt Schwarz passiert nix, das ist ja gleich 0,0,0 (RGB, bei acht Bit ist perfekt weiß 255,255,255 oder FF,FF,FF in Hex).

I've seen things you people wouldn't believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser gate. All those moments will be lost in time like tears in rain.