Autor Thema: Figuren Römische Person in leitender militärischer Stellung, Young Miniatures  (Gelesen 1519 mal)

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GIJoe

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Hallo die Kompanie

Mir ist gerade aufgefallen, dass ich lange nicht hier war...
Deswegen zeige ich mal eines meiner letzten Machwerke, Roman General von Young Miniatures.
Unschwer zu erkennen ist mal wieder der gute Russell Crowe in seiner Rolle als Maximus. Was auch immer er darstellen soll, Legat, Tribun, Chefkoch oder Turnmeister, ich habe keine Ahnung. Ich glaube auch nicht, dass wir hier historische Korrektheit geboten bekommen.
Was Young aber bietet, ist perfekter Guss und tolle Details. Finish wie bei mir üblich komplett in Acryl.




Wie üblich schlucken meine Fotokünste einen Großteil des Farbenspiels, vor allem im Gesicht ... naja

Danke fürs Gucken
CU
Uli
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tsurugi

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Sieht sehr gut aus !

Uwe B.

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Hallo Uli,

Deine Bemalung der Maximus-Büste ist der absolute Wahnsinn - wirklich wunderbar, wie Du die Feinheiten des Gesichts und die unterschiedliche Beschaffenheit der verschiedenen Ausrüstungsgegenstände heraus gearbeitet hast. Die einzelnen Ledergurte und die Pteryges, das sind die ledernen Streifen, die die Schulter bedecken, sehen wirklich aus wie Leder. Und ganz besonders gefällt mir die stumpf-matte Beschaffenheit der Segmentpanzerung, die den Schulterbereich von Maximus' Muskelpanzer schützt - so sollte etwas angelaufenes und nicht hochglanz-poliertes Metall wirklich aussehen.
 :klatsch: :klatsch: :klatsch:

Zur Historie - zumindest filmhistorisch ist Russell Crowe als Maximus auf dieser schönen Büste von Young Miniatures absolut korrekt, quasi 1 : 1, wieder gegeben. Die von ihm verkörperte Figur ist rein fiktiv und wie Du es schon schriebst, sein Dienstgrad schon in der deutschen Übersetzung sehr verwirrend wieder gegeben.

Ich gebe im folgenden einen Auszug aus dem Buch des freien Journalisten und Militärhistorikers Marcus Junkelmann, "Hollywoods Traum von Rom", das ich wirklich jedem, der sich für diese Materie interessiert nur allerwärmstens empfehlen kann, wieder, Anmerkung 629 auf Seite 402: Crowe spielt im Film einen hohen römischen Offizier, der gleichzeitig Kommandeur einer - ebenfalls fiktiven - Legion und Befehlshaber der gesamten Nordfront ist. Die römische Bezeichnung für den Kommandeur einer Legion müßte "legatus legionis" oder allgemein in deutscher Übersetzung "Legat" oder von mir aus "General" heißen. Im englischsprachigen Original lautet seine Bezeichnung auch tatsächlich "general", was viel korrekter ist als der in der deutschen Fassung verwendete Titel "Tribun". Hierzu schreibt Junkelmann wörtlich: "... der Militärtribun war ein unter dem Kommando des Legionsbefehlshabers stehender Stabsoffizier, von denen es pro Legion einen aus senatorischem und fünf aus ritterlichem Adel gab. Tribun ist in den Römerfilmen der Standarddienstgrad aller Offiziere oberhalb des Centurionats ... Praefekten scheint es nur bei den Praetorianern zu geben, Legaten kommen (im Film) überhaupt nicht vor".

Richtig müßte Maximus' Titel also "Legat" oder "legatus legionis" lauten.

Zur historischen Korrektheit seiner Ausrüstung: er trägt im Film und auf der wunderbar modellierten und bemalten Büste einen Muskelpanzer (moderne latinisierte Bezeichnung "lorica musculata"), mit dem hohe Offiziere schon auf zeitgenössischen Abbildungen häufig dargestellt werden. Etwas ungewöhnlich ist die gleichzeitige Verwendung der Segmentpanzerungs-Bestandteile auf der Schulterpartie, die man so vor allem von den Schienenpanzern ("lorica segmentata", auch eine moderne Bezeichnung) kennt. Ich erinnere mich aber, im Internet mal eine Statue gesehen zu haben, die genau diese Kombination trägt.

Sorry, wenn ich vielleicht zu weit ausgeschweift bin, aber die Begeisterung über Deine tolle Bemalung und Deine eigenen Fragestellungen haben mich letzlich dazu verleitet, etwas tiefer auf die Historizität einzugehen, zumal ich mich grad selbst mit einer kleinen Vignette zu Maximus befasse.

Auf jeden Fall ist Dir da im wahrsten Sinne des Wortes ganz großes Kino gelungen. :P :P :P

LG - Uwe  :winken:
« Letzte Änderung: 13. Februar 2017, 13:01:41 von Uwe B. »
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Jensel1964

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Wow, die Figur ist wirklich atemberaubend.  8o
Zur Korrektheit der Farbgebung kann und will ich nichts sagen. Aber die Figur ist absolut lebendig. Das ist wirklich meisterlich!!!  :meister: :respekt:

Dinge, die ich gerne können würde..... ;)

Jens  :winken:

Uwe B.

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Nachtrag zur Authentizität von Maximus' Muskelpanzer:

Zitat
Ich schrieb:  Ich erinnere mich aber, im Internet mal eine Statue gesehen zu haben, die genau diese Kombination trägt.

Diese meinte ich - Victoria mit Trophäe, Statue aus Apollonia, heute im Louvre-Museum, Paris:


Quelle: http://ancientrome.ru/art/artworken/img.htm?id=5177

LG - Uwe
MSV - einmal ein Zebra, immer ein Zebra

GIJoe

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Das kommt dem Modell ja recht nahe... hätte ich nicht gedacht. Ich war da eher von Hollywood ausgegangen.  :)
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flying wing

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Genial :klatsch: :klatsch:
Gut das du mal wieder hier bist, das macht doch wirkliche Freude.
Das ist so gar nicht mein Thema, bin aber immer wieder Erstaunt was ihr Figurenmaler so alles machen könnt.
Ich scheitere schon an einem normalen Piloten in 1:48
Das Thema finde ich natürlich auch spannend (das hat mir selbst mein alter Latein-Lehrer nicht vermiesen können)
 :respekt: :respekt: :respekt:

 :winken:

Thomas

Hans

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Die Bemalung ist traumhaft, das Gesicht mehr als faszinierend. Ich komme in dieser Größe in Acryl nicht klar und frage mich immer, wie man da solche schönen Verläufe schafft. Ich wäre dir da wirklich dankbar, deine Vorgehensweise einfach mal beschrieben zu bekommen. Die Figur ist nachgerade vorbildlich und 100% wettbewerbstauglich. Hut ab!  :P :P :P
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Hans

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Jetzt nochmal zur Historie:

Ich muss ein kleines bisschen ausholen.....die Griechen entwickelten nach dem bronzenen Glockenpanzer den Klappenpanzer (Linothorax), der wohl ein Kompositpanzer aus Leinen und Metall etc war. Charakteristisch dafür sind u.a. grosse Schulterklappen. Sie begannen an einem grossen Stück Rückendoppelung und gingen dann nach vorne und wurden dort fixiert. Diese Klappenpanzerform war nicht nur bei den Griechen anzutreffen, sondern auch bei den zeitgleichen italischen Völkern und auch bei den Kelten.
Durch die damalige Vasenmalerei tradiert, waren sie praktisch dann auch in der Bildsprache die traditionellen Panzer der grossen Helden archaischer Zeit (auch wenn in dieser archaischen Zeit andere Panzer getragen wurden).


https://www.uwgb.edu/aldreteg/Linothorax.html

Beim Bild erkennt man die Schulterklappen und, auch wichtig, das Gorgonenbild in der Mitte des Panzers. Die Gorgone konnte mit Blicken töten, also ideal zur Feindabwehr...


https://mobile.twitter.com/hashtag/linothorax
Hier das gesamte Arrangement, inkl. Schnitt des Linothorax.

Fazit: Man merke sich die Schulterklappen und das Gorgonenhaupt


Die guten Römer nun waren ja sehr griechen-affin und verherrlichten auch die griechische Klassik. Viele Elemente der Griechen wurden übernommen, auch die Darstellung der Muskelpanzer (aus Bronze), die es zwar weitgehend überall im italischen Bereich gab, aber man fügte in griechischer Tradition die Schulterklappen hinzu. Findet man ja auch immer wieder bei römischen Offiziersdarstellungen: Muskelpanzer mit Schulterklappen. In der Cinecitta-Version dann natürlich im Leder...

Klassisch ist das Vorlbild die sog. Panzerstatue, hier Kaiser Augustus in der Primaporta-Version:


wikipedia

Man beachte die Schulterklappen und man stellt auch fest, dass die eine Hälfte länger ist als die andere, also ein Stufe dazwischen ist.


http://ancientrome.ru/art/artwork/sculp/gr/statue/sta046.jpg

Hier nochmal das bereits oben verlinkte Bild. Bei genauer Betrachtung sehen wir wieder den Muskelpanzer, das Gorgonenhaupt. Die Schultern werden von scheinbar zwei Streifen bedeckt, weiter zu Arm hin tauchen dann die Lederstreifen auf (damals "Federn") genannt. Die Frage lautet nun, sind diese Schulterstreifen mit der Stufe unten nun zwei Metallstreifen a la Lorica Secmentata oder sind es traditionelle Schulterklappen, vom Bildhauer aber mit einem inneren zusätzlichen Rahmen versehen?

Die Skulptur ist in Griechenland gefunden worden und datiert grob in das erste Jahrhundert vor Christus. Möglicherweise wurde es anläßlich der Seeschlacht vor Actium 31 v.Chr angefertigt.

Um die Zeit war der Schienenpanzer aber noch nicht geläufig. Der früheste Beleg sind Beschlagteile aus dem Schlachtfeld bei Osnabrück, mit Schlussmünzen auf 9. n.Chr datiert.

Fundstücke gibt es von römischen Muskelpanzern in keiner Form, weder griechisch-klassisch noch gar mit eisernen Schulterklappen. Man muss alles von den Bildern und Statuen herunterinterpretieren.

Meine Zusammenfassung: Die Statue der Victoria zeigt ein normales, klassisches Tropaion, eine Siegesdarstellung mit einer Panzeraufstellung. Gibts massig. Die erbeuteten Schutzwaffen des Gegners wurden an einen Pfahl montiert und präsentiert. In der Bildsprache ist der leere Panzer quaisi das Ikon für "Sieg".


http://2.bp.blogspot.com/-NfwfUZ_NKfw/VLjtllJbJZI/AAAAAAAALTM/wcZT1ijprCY/s1600/Tropaion%2B2.png

Bei der Marmorstatue sind auch klassische Schulterklappen zu sehen, zwar geteilt, aber eindeutig dem Bildprogramm "klassischer Panzer" entsprungen. Segmentpanzer gabs zu der Zeit noch gar nicht.

Der gute Russel Crowe ist zwar mit Einzelteilen der römischen Schutzbewaffnung versehen, aber welchen, die nicht zusammenpassen. Besonders scheusslich sind seine Gelenkschützer, diese Unterarmbinden, die ihre Herkunft bei Kraftsportlern und Herkules-Darstellern des 19. Jhd finden, aber nicht in der Antike. Auch der räudige Fellträger als Mantel ist Hollywood, der Legat an sich hätte ein feines Wollmäntelchen mit Knöpfen und Kapuzen, noch dazu mit teuren Farbstoffen gefärbt.


http://www.space-figuren.de/images/product_images/popup_images/7627_1.jpg

« Letzte Änderung: 13. Februar 2017, 21:21:21 von Hans »
Poly(1-phenylethan-1,2-diyl) makes it all

Scale35

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Wow, sehr toll bemalt  :respekt: . Sehr schön das Verhältnis Licht/ Schatten im Gesicht auch der Brustpanzer hat tolle Gebrauchsspuren  :klatsch: . Auch das Wolfsauge gefällt mir sehr. Darf ich Fragen welche Farben Du benutzt hast?

GIJoe

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Das ist ja cool hier. History channel inklusive ... echt interessant!

Hans, ich würde das gerne erklären, aber das kann man eben nicht erklären, das kann man nur zeigen. Meine Methode besteht in möglichst großen Pinseln mit semitransparenten Farben. Erst alles nass in nass skizzieren (checkt Massive Voodoo für Details), dann mehr und mehr verfeinern. Eine große Nasspalette ist Pflicht, um mit den Farben spielen zu können. Jede Schicht auf der Miniatur durchtrocknen lassen, wobei ein Fön Wunder wirkt.
Mein Tip ist es, bei Patreon Ben Komets zu suchen und sich die Videos anzusehen. Der Mann ist das Beste, was Deutschland auf dem Gebiet zu bieten hat.
Auf Youtube kann man auch noch Painting Buddha finden. Und letzten Endes führt kein Weg an Workshops vorbei. Ihr könnt das ohne versuchen, aber ein Tag Workshop ersetzt fünf Bücher über das Bemalen :)

Scale, ich benutze alle Acrylfarben, die sich finden. Ein Großteil besteht aus Vallejo, aber ich habe auch Scale75 ( ;) ) , Andrea, Games Workshop, Schmincke usw. Zur Anreicherung von Farbtönen habe ich auch Airbrushtuschen. Wenn du mich jetzt aber nach den Farbtönen selbst fragst, muss ich dich enttäuschen. Das Gesicht hat als Grundfarbe einen Mix mit einem großen Anteil Beige Red von Vallejo. Die anderen Farben weiß ich nicht mehr. Nasspalette eben...

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Scale35

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Vielen Dank für die Info's.  Werde mir die o.g Protagonisten mal anschauen  :winken: .

Hans

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GIJoe, entspricht meiner Technik: grosse Pinsel, Lasurschichten, Fön. Ich denke, ich bin da einfach a) zu ungeduldig und b) bei Lichtern nicht so mutig.
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GIJoe

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Ich denke, ich bin da einfach [...] bei Lichtern nicht so mutig.

Genau da liegt meist das Problem. Die letzten Lichter sind eben weiß. Das ist auch in der Natur so. Wenn du diesen letzten Schritt nicht gehst, bleibt immer diese "Unzufriedenheit" :D Im Grunde ist es ja auch egal. Falls es dir zu krass ist, kannst du mit der darunter liegenden Farbe ja wieder drüber lasieren, und es ist nix passiert. Gerade bei Acrylfarben gibt es nichts, was man nicht wieder ausbessern könnte.
Ich habe einen Workshop bei Alfonso Giraldes aka Banshee gemacht (der hat die meisten Boxarts für Knight Models gemalt). Da würdest du das kalte Grausen kriegen, womit der anfängt.
Am zweiten Tag hat er meine Büste (nicht die hier) angeschaut (und he, die war echt nicht schlecht!), zeigte sich sehr zufrieden und hat dann mit einem 2-er Pinsel über die eine Gesichtshälfte fast deckend Lila gemalt.  8o "So, und jetzt einarbeiten"... Was soll ich sagen, es hat funktioniert.
Deswegen Hans, mein Rat: Sei mutig! Und ich habe noch nie erlebt, dass ich angefangen habe zu brennen, wenn ich was versaut habe .... ;)
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Bongolo67

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Hallo Uli,

großartige Büste! :klatsch: Selbige hab ich auch noch auf meinem Wunschzettel.
Die Bemalung ist wirklich traumhaft gut gelungen.
An der Diskussion um historische Korrektheit beteilige ich mich mangels Sachkenntnis lieber nicht.

Gruß :winken:

Ulf
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