Autor Thema:  MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72: noch zwei akzeptable Fahrwerkschächte...  (Gelesen 1425 mal)

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hakkikt

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Bevor der eigentliche Baubericht beginnt, möchte ich gerne ein paar Worte zur Maschine sagen, die ich darstellen möchte. Ich hoffe, ihr habt Geduld mit mir.


Das Deckelbild von Hasegawa zeigt eine doppelte Legende:

Ein legendärer Moment: Hinter dem vietnamesischen As "Colonel Tomb" löst sich gerade die entscheidende Sidewinder von "Showtime 100", der F-4J von Randy Cunningham (Pilot) und Willy Driscoll (RIO), die mit diesem Abschuß zu den einzigen Fliegerassen der US Navy im Vietnamkrieg wurden.

Ein legendärer Pilot: Colonel Tomb, ein geheimnisumwittertes Fliegeras der nordvietnamesischen Luftwaffe, dessen Existenz allein durch die US-Funkaufklärung ermittelt wurde; in der offiziellen Propaganda tauchte er nicht auf. Späteren Erkenntnissen nach soll er überhaupt nicht existiert haben. Eine Theorie, die sein gänzliches Fehlen in allen Berichten aus Vietnam selbst fünf Jahrzehnte nach Kriegsende erklären könnte - sollte er tatsächlich existiert haben - besagt, daß es sich bei ihm um einen nordkoreanischen Piloten handelte. Da Nordkorea offiziell nie am Vietnamkrieg teilnahm, aber (wie später bekannt wurde) Piloten zur Unterstützung schickte, wäre dies ein Grund, selbst seine Existenz offiziell abzustreiten.
Übrigens: wer sich für die Jagdfliegerei der "anderen" Seite des Vietnamkrieges interessiert, dem sei das Buch "MiG-17/MiG-19 Aces Of The Vietnam War" von István Toperczer empfohlen.

Wie dem auch sei: durch eine Kette von Fehlschlüssen galt die "3020" lange als die Maschine, in der Colonel Tomb den Tod fand. Mitte der 90er Jahre, als das Deckelbild des Hasegawa-Bausatzes entstand, war wohl gerade Nguyen Van Bay (ein weiterer erfolgreicher Jagdpilot aus Vietnam) der entsprechende Kandidat; inzwischen weiß man, daß das As Yen He zumindest einige seiner Abschüsse auf dieser Maschine erzielte (es war vietnamesische Praxis, die erzielten Abschüsse pro Maschine aufzupinseln und nicht mit dem jeweiligen Piloten "mitzunehmen").

Tatsächlich gibt es ein Foto der "3020", das offensichtlich nicht von der Front, sondern von einer Art Ausstellung stammt und eine Maschine mit 7 Abschußmarkierungen zeigt (auf dem Einlaßdeckel und unter der vorderen Cockpitscheibe). Mag sein, daß die Anzahl der Abschüsse auch zur Verknüpfung mit Colonel Tomb geführt hat.

Der Zeichner des Hasegawa-Deckelbildes hat sich ganz offensichtlich an diesem Foto orientiert - man vergleiche nur die Lackabplatzer rechts vorne auf der 37-mm-Kanone, auf dem Grenzschichtzaun der rechten Fläche und an den Wartungsklappen oberhalb der Flächen.

Jetzt stellt sich die Frage: was für eine Tarnung sieht man auf diesem Foto eigentlich?
Typischerweise bestand nordvietnamesische Tarnung aus einem eher dunkleren Grün mit hellen Flecken, mal weißen, mal olivgrünen, mal braunen... was gerade da war. Die Tarnungen wurden nicht ab Werk aufgebracht, sondern vor Ort. Wenn man sich eine Menge Maschinen ansieht, kann man Trends erkennen, aber keinen Standard.

Dementsprechend gibt es zahlreiche Illustrationen und auch gebaute Modelle genau dieser einen Maschine, die insgesamt stark voneinander abweichen. Die statistische Mitte ist so etwas wie graugrün über mittelgrün, aber wie weiland an der Front machen die Illustratoren, was ihnen sinnvoll erscheint, und das ist nicht immer dasselbe.
Colonel Tomb stirbt nicht so leicht, und so trägt etwa die MiG-17 im US Air Force Museum in Dayton, Ohio, die legendäre rote Nummer "3020" auf einer hübschen, aber ganz und gar fiktiven Würstchentarnung:


Besser gelungene Beispiele wären:

oder auch


Gar nicht schlecht lag meiner Meinung nach John Weal mit einer Illustration aus dem Jahre 1971, die übrigens in einem noch sehr jungen Flugzeugenthusiasten den Wunsch entfachte, irgendwann einmal diese Maschine zu bauen...


Was wünscht sich der Modellbauer, um solch kreativen Überlegungen harte Fakten entgegenzusetzen? Richtig, ein Farbbild!
Und man höre und staune, es gibt eines!

Offensichtlich am gleichen Ort und im gleichen Zeitrahmen aufgenommen.
Ein unglaublicher Glücksfall für den wahrheitssuchenden Modellbauer...
...doch wer uns Modellbauer kennt, der weiß: nur weil es ein Farbfoto gibt, hören die Fragen noch lange nicht auf. :)
« Letzte Änderung: 07. März 2019, 20:38:18 von hakkikt »

hakkikt

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #1 am: 13. Februar 2018, 11:00:59 »
Farbfotos zeigen offensichtlich Farben, auf Schwarzweißfotos kann man dafür oft Kontraste und Konturen erkennen, die auf Farbfotos untergehen.
Wenn man die beiden Fotos vergleicht und sich fragt, was man hier eigentlich sieht, bekommt man Antworten, aber auch wieder neue Fragen.

Zur besseren Übersicht nochmal ein Ausschnitt aus dem Farbfoto und das Schwarzweißfoto zusammen:



An der Nase ist alles noch recht einfach, man sieht die typisch nordvietnamesische Praxis. Offensichtlich eine Tarnung aus einem eher dunklen, reinen Grün als Grundfarbe mit dichten kleinen Flecken aus einem mittleren Olivgrün. Die Tarnung reicht bis unter die Flächen, es gibt offenbar keine eigene Farbgebung der Unterseite (war auch vietnamesische Praxis).

Mit der Farbe unter der Nummer 3020 fängt es an... das Grün ist sehr dunkel, dunkler als die Grundfarbe der ursprünglichen Tarnung. Wenn man sich die Cockpithaube ansieht, wird (vor allem in S/W) offensichtlich, daß diese 1. nicht die Farbabplatzer zeigt, die man am feststehenden Teil der Cockpitscheiben erkennen kann, und daß sie 2. dunkler ist.

Die offensichtliche Schlußfolgerung ist, daß hier repariert und ausgebessert wurde und die Maschine im Zuge dessen eine neue Nummer bekommen hat. So weit, so gut.

Wenn man den Blick weiter nach hinten wandern läßt, ändert sich alles. Die Tarnung besteht plötzlich aus einer (vor allem an der Leitwerkspitze) fast hellgrünen, eher fleckigen Farbe, die vor allem an der Leitwerksvorderkante einen bräunlichen Anschein bekommt, und einer satt dunkelgrünen, ebenfalls gewolkten Farbe.
 
Auch die Musterung der Tarnung ändert sich - aus ists mit den kleinen Flecken, die beiden Komponenten decken jeweils große Bereiche ab. Oder?
Sieht man genauer aufs Leitwerk (wieder: vor allem in S/W), erkennt man innerhalb der hellen Farbe eine ähnliche Fleckenstruktur wie an der Nase, nur ist sie viel schwächer im Kontrast, und die Farben sind offensichtlich heller.

Was ist da passiert? Haben zwei Leute mit unterschiedlichen Farben oder mit unterschiedlichen Spritztechniken an derselben Maschine gearbeitet?

Den Ansatz zu meiner persönlichen Antwort liefert dieses Kurzvideo. Es zeigt Wartungsarbeiten an der MiG-17F, die von Randy Ball auf Flugshows geflogen wird.

Das gesamte Heck kann zu Wartungszwecken leicht entfernt werden.

Und das ist meine bescheidene Theorie zur seltsam chaotischen Tarnung der "3020":

Die Maschine, die später die "3020" war, besteht eigentlich aus zwei Maschinen. Irgendwo hat (z.B.) eine Clusterbombe der USA getan, was sie sollte, und auf einem Stellplatz einige Maschinen beschädigt. Um wenigestens eine davon flugfähig zu machen, hat man kurzerhand das gut erhaltene Heck der einen mit dem gut erhaltene Vorderteil der anderen verheiratet - hinten eine hellere (oder auch nur ältere) Fleckentarnung, vorne eine dunklere.
Wenn man sie sehen will ;), ist die Trennlinie zwischen den beiden Rümpfen auf dem S/W-Foto knapp rechts der vietnamesischen Fahne im Hintergrund zu erkennen.

Die Maschine bekam dann eine neue Nummer, die auf einen neuen Untergrund aufgespritzt werden mußte, und da stand eben das dunkle Grün zur Verfügung. Und weil man grad dabei war oder weil die Maschine so uneinheitlich aussah oder weil die Tarnung nicht mehr zur Umgebung paßte (die Maschinen wurden oft verlegt, teilweise per Hubschrauber), wurde mit dem dunklen Grün noch darüber getarnt, ein wenig hier, ein wenig dort; und vielleicht gabs am Heck ja Stellen, an denen die Farbe weggebrannt oder großräumig abgeplatzt war.

Ich danke euch, daß ihr mir bis hierher gefolgt seid - ich mußte all das einmal loswerden. :)
Es gibt sicher weniger komplizierte Erklärungen, aber ich werde versuchen, die "3020" auf dieser Grundlage zu bauen.

Was bedeutet, daß ich jetzt damit anfangen kann. :)

MauzeTung

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #2 am: 13. Februar 2018, 13:48:29 »
Hallo hakkikt,

es ist wirklich eine wahre Freude, Deine Überlegungen, Analysen und logischen Schlußfolgerungen zu Deinem geplanten Projekt zu lesen!!! Klasse!  :klatsch:

Absolut beeindruckend diese Vorarbeit, und ich bin mächtig gespannt darauf, was uns hier erwartet!!!  :1:

Viele Grüße
Marc  :winken:

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #3 am: 13. Februar 2018, 15:53:01 »
Mahlzeit.
Ich habe beide Fotos miteinander verglichen und bin der Ansicht, dass es die identische Tarnung ist und es sich um dasselbe Flugzeug handelt. Lackabplatzer gehen nach meiner Ansicht in der größeren Entfernung zum Objekt unter - es wird unschärfer.
Beste Grüße,
Andreas
Als der Herr am siebten Tag über die Erde wandelte und Sein Werk betrachtete, stellte Er fest, dass die Steine zu weich geraten waren. Darauf schuf Er den Panzergrenadier.

GerhardB

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #4 am: 13. Februar 2018, 16:41:41 »
.... denke mal das dein Hase Bausatz auch wennn nur im kleinen Maßstab, deutlich und wesentlich und hoffentlich besser ist als mein Hobby Boss Bausatz im etwas größeren Maßstab.
Den kannst eigentlich sofort direkt in die Mülltonne schütteln.
Auf die Lackierung bin ich dann echt gespannt, im Netz dazu gibt es einige superb gebaute und bemalte Mig-17.

Viel Erfolg  :P

... im Bunker brennt noch Licht (Walter Moers)
... tue niemanden etwas Gutes, dann tut dir niemand etwas Böses (Bennerle)

Gruß Gerhard

ice

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #5 am: 13. Februar 2018, 20:44:16 »
Tolle Geschichtsstunde und ich finde deine Überlegung schlüssig, dass hier "aus 2 mach 1" gespielt wurde. Wenn du bei dem Modell selbst auch so eine Detailverliebtheit wie bei deiner Recherche zeigst, wird das ein Knaller und darum setz ich mich hier mal hin, greif mir das Popcorn und das Bier und genieße was da noch kommen mag.
:winken:
...wurde leider gelöscht. Darum bitte hier klicken: Profil bei scalemates.com

Scale35

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #6 am: 13. Februar 2018, 22:41:24 »
Sehr schönes Intro  :klatsch: . Freue mich schon auf den Baubeginn  :P .

Warlock

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #7 am: 14. Februar 2018, 20:07:52 »
Sehr schöne und interessante Recherche  :P
Mit dem Background wird der Bau noch interessanter und spannender.
Ich bleib dran  :1:
50 Shades of Olive Drab
http://www.kitreviewsonline.de

Flugwuzzi

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #8 am: 14. Februar 2018, 21:12:39 »
Sehr schöne und interessante Einleitung ... da bin ich doch gespannt wie es mit dem Bau weitergeht und bleibe dran  :P

Viel Spaß beim Bau.
lg
Walter
MACHEN ist wie WOLLEN ... nur viel besser!

Hajo L.

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #9 am: 13. Mai 2018, 10:28:36 »
Huhuuuu....!

Geht's noch weiter? ;)


HAJO
"My theory is longer, thicker and harder than yours." (Frank Farrelly)

Aufgrund der Photobucket-Problematik sind zahlreiche Bilder von mir nicht sichtbar. Bei signalisiertem Interesse stelle ich die fehlenden Bilder gerne über einen anderen Host wieder online.

hakkikt

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; Cockpit neu aufbauen
« Antwort #10 am: 12. Januar 2019, 16:26:25 »
Am Abend wird der Faule fleißig. ;) Ende des Groupbuilds in knapp drei Wochen...

Nicht, daß nichts weitergegangen wäre, aber irgendwas muß mich vom rechten Weg abgebracht haben; jedenfalls fasse ich mal zusammen, was bisher geschehen ist.

Außerdem muß ich hier fertigwerden, damit ich es auch genießen kann, daß Airfix ihre Ankündigung wahrmachen, eine nagelneue MiG-17F in 1/72 herauszubringen! :)

Die erste Überlegung war, daß der Problembereich Cockpit/Lufteinlauf zwar theoretisch so vorbildlich gescratcht werden könnte, wie es Eduard mit ihrer MiG-15 vorgemacht haben...
 

* MiG-15_Eduard.jpg (70.74 KB)

...da wäre ich mir jedoch nicht sicher gewesen, ob das auch so hinhauen wird.  Angesichts der Fotovorlage habe ich mich dann entschlossen, den Problembereich Lufteinlaß mit einem roten Deckel zu lösen :) und mich bei der Verfeinerung aufs Cockpit zu konzentrieren.

Die Ausgangssituation. Sieht doch schon ganz gut aus, muß man da wirklich was machen?!
 

Spaß beiseite: wie man am Vorbild der MiG-15 gut sehen kann (deren Weiterentwicklung die MiG-17 ist), wird die Ansaugluft für das Triebwerk in zwei Schächten mit grob ovalem Querschnitt rechts und links am Cockpit vorbeigeführt.  Das hat zur Folge, daß die Seitenwände des Cockpits gekrümmt sind.
Nach einigem Kopfzerbrechen und Versuchen mit Medikamentenröhrchen etc. ging mir auf, daß der Querschnitt der Lufteinläufe nur bis zur Ebene des Cockpitbodens eine passende Rundung aufweisen muss.  Bei der Suche nach Wandkandidaten fiel mir dieses Teil in die Hände:
 
Wer erkennts?

Es handelt sich um den inneren Flügelteil der A-10 von Matchbox, deren Rumpf schon lange verblichen war.  Die Krümmung paßt auf der notwendigen Länge zumindest nach Augenmaß...
 
...und es ist Polystyrol, und ich habe zwei davon, also Treffer!

Die Teile werden erstmal auf Höhe geschnitten und zur Seite gelegt.
 

Dann werden eine Vorder- und eine Rückwand etwas zu groß ausgeschnitten und mit der Feile angepaßt.  Theoretisch hat der Rumpf einen kreisförmigen Querschnitt, aber hat er das auch innen?  Aussparungen für die Flügelaufnehmer müssen auch geschnitten werden; die Flügelaufnehmer selbst sollen unter der Innenwand des Lufteinlaufs verschwinden.  Wäre der Bausatz anders konzipiert (würden z.B. die Flügelansätze/-paßstücke tiefer im Rumpf verschwinden), wäre zusätzliche Metzgerei notwendig.
Eingepaßt wird alles von Hand, mir fehlt das Profiwerkzeug um z.B. ein Innenrumpfprofil abzunehmen.
 

* MiG-17_walls.jpg (99.77 KB)

 

Eine Schwierigkeit: ich möchte die Rumpfhälften so lange wie möglich getrennt lassen, um Zugang zum Cockpit zu behalten.  Also muß alles so gemacht werden, daß man es jederzeit zur Probe ineinanderstecken kann.

Vorder- und Rückwand sind eingeklebt.
 

Jetzt wird der "Lufteinlauf" passend auf Länge geschnitten.  Hochprofessionelle Hitech-Bauhilfen sind dabei eine Selbstverständlichkeit. ;)
Man erkennt die beiden eingeklebten Wände, zufällig paßt die Höhe der Legosteine so gut, daß man sie als Führung für die Säge verwenden kann.  Soll ja alles rechtwinklig werden.
 

* MiG-17_LegoJig.jpg (69.72 KB)

[Foto Lego]

Paßt saugend.  Die näher beim Betrachter liegende Lufteinlaufhälfte ist nur eingesteckt; sie wird in die andere Rumpfhälfte eingeklebt, damit an beiden Innenseiten möglichst lange gut gearbeitet werden kann.
 

Der Boden wird eingepaßt.  Warum ist ein Pfeil drauf?
Nach dem Muster der MiG-15 von Eduard steigt der Boden nach einem kurzen waagerechten Stück nach vorne hin an.  Das hat zur Folge, daß der Cockpitboden kein genaues Rechteck ist; einerseits wird er nach vorne hin breiter, weil er die Krümmung der Lufteinläufe entlangklettert, andererseits wird er schmaler, weil der Rumpf so weit vorne schon nicht mehr zylindrisch ist, sondern sich zur Bugspitze hin verengt, und die Einläufe folgen der Außenseite des Rumpfes.
Die langen Kanten des Nicht-Rechtecks sehen gerade aus, sind es aber nicht.  Ich hab einfach so lange dran herumgefeilt, bis es gepaßt hat.
Und wie man an den Spuren erkennen kann, habe ich mehr als einmal versucht, das gefühlt fertige Teil einzukleben... um dann doch noch dran rumzufeilen.
 

Der Boden ist drin.
 

Noch paßt alles wie angegossen. :)
 

In einem Anfall außerordentlicher Großzügigkeit hat sich die MiG-15 von Eduard bereit erklärt, Organe zu spenden.  Sie meinte, da sie ohnehin ein Profipack-Bausatz sei, würde sie das Polystyrol-Armaturenbrett und die Decals für die Seitenkonsolen nicht brauchen, da diese als Fotoätzteile vorhanden sind.  Dankeschön! *daumenhoch* Der Maßstab ist nicht ganz derselbe, aber ich hoffe, es wird trotzdem gehen.

Um einen Fixpunkt für die Seitenkonsolen zu erhalten, muß das Armaturenbrett nun in den Rumpf eingepaßt und zumindest provisorisch verklebt werden.
 

Nachdem die im Bausatz vorgesehene Verkleidung des Armaturenbretts (die mit der Realität der MiG-17F nichts zu tun hat) entfernt und ein etwa halbkreisförmiger Ausschnitt hergestellt wurde, wird eine Rille für das Armaturenbrett eingefeilt.
 

Das wäre es erstmal bisher.  Nächster Schritt: Seitenkonsolen.  Demnächst in diesem Theater! ;)

hakkikt

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; "Colonel Tomb" läßt grüßen.
« Antwort #11 am: 14. Januar 2019, 14:34:34 »
Die Zwischenschritte sind zwar auf Bild, aber nachträglich betrachtet wohl nicht so spannend - ein Stückchen Polystyrol ans andere fügen, immer wieder mit Cockpitfotos vergleichen... :)

Hier ist jedenfalls das Ergebnis.
Mit den Konsolen bin ich jetzt zufrieden - noch ein paar Spanten und Stringer, eventuell ein paar größere Leitungen, dann kommt Farbe drauf.
Kleinzeug mach ich dann ins farbige Cockpit.
 

Ein Kandidat für den Schleudersitz hat sich auch im Fundus gefunden - nicht mehr leicht zu erkennen, aber ich glaube, er ist von NeOmega.
 

hakkikt

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; Cockpit spritzfertig.
« Antwort #12 am: 16. Januar 2019, 23:51:27 »
Auf dem Weg zum spritzfertigen Cockpit eine Spielerei: die Schubhebelführung, die im Original die Form eines Kreissegments hat.

Zuerst wird ein Sandwich aus drei Plastikplatten hergestellt; die obere und untere Platte überragen die mittlere ein wenig.
 

Wenn das trocken ist, wird mit dem Punchwerkzeug ein Kreis ausgestanzt (in diesem Fall 3 mm Durchmesser), der von der weiter innen liegenden Plattenkante durchschnitten wird.
Das ging nur halb gut; ich habe natürlich nicht lange genug gewartet, und ein Plastikscheibchen löste sich vom Sandwich. Machte aber nichts, konnte man wieder ankleben.
 

Mit dem Seitenschneider (einem guten) wird vom Scheibensandwich dann ein Kreissegment so abgeschnitten, daß noch ein bißchen der mittleren Platte dran ist, um (1) die beiden anderen zusammenzuhalten und (2) den Schlitz für den Schubhebel zu bilden.

Aufgeklebt zu erkennen auf der linken Seitenkonsole.  Wars die Mühe wert?  Wird man sehen - war aber toll, daß es funktioniert hat! :D
   

So sieht das Cockpit jetzt aus. Eine Leitung hab ich mal gelegt - die dickste, die auch die Cockpitfarbe bekommen soll.

Eine erste Paßprobe mit dem Schleudersitz hat zwei wesentliche Ergebnisse:

- Die Leitung wird unsichtbar sein.  Jetzt langts, jetzt kommt mal Farbe drauf, bevor ich mich vom 100sten ins 1000ste verzettle.  Ich will ja noch zur Tarnung kommen, um die es eigentlich geht.
- Der Schleudersitz ist zu breit. :rolleyes:  Oder besser gesagt, das gloriose Scratchcockpit ist zu schmal.  :5:  Das wäre jetzt ein guter Grund, in tiefes Grübeln zu verfallen und einen anderen Bausatz anzufangen... aber ich will den hier fertigbekommen.  Werd ich wohl zur Feile greifen und einen nicht ganz originalgetreuen Schleudersitz ins Cockpit setzen.  Mal sehen.

Edit: korrektes Foto eingefügt.
« Letzte Änderung: 16. Januar 2019, 23:56:23 von hakkikt »

Gilmore

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; Cockpit spritzfertig.
« Antwort #13 am: 17. Januar 2019, 00:40:05 »
Ein tolles Projekt, und du hast ja schon so einiges selber geschnitzt, das könnte von mir sein, auch ich greife zu Messer und Säge, wenn irgendwas nicht paßt. Deine Cockpitarbeiten sind ja schon mal richtig klasse! Da bleibe ich dran.
Man sollte das ganze Leben nicht so ernst nehmen, man kommt da sowieso nicht lebend raus.
Die Realität ist eine Illusion, hervorgerufen durch zu wenig Alkohol.

hakkikt

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Re: MiG-17F der NVAF, Hasegawa 1/72; Cockpit spritzfertig.
« Antwort #14 am: 20. Januar 2019, 23:20:41 »
Farbe klumpt, Ersatz kommt erst nach dem Wochenende.
Was jetzt tun am Bausatz?  Ah, da war doch was mit den Fahrwerksschächten.

So würde es bausatzmäßig aussehen. 
 
Das gibts auch bei viel jüngeren Bausätzen, aber wenn grad nichts Dringenderes anliegt, warum nicht den vorderen Fahrwerksschacht verschönern?  Referenzbilder gibts genug.

Also frisch ans Werk!  Erstmal den falschen Boden rausschneiden und die neue Zwischendecke einse... Moment.  Da war doch noch was.

Stimmt.  Ein Lufteinlauf aus Zinn.  Mit dem ich mich nicht befassen wollte und den ich daher verdrängt hatte. :15:
Praktisch ist er ja... nur den Anguß runterfeilen, dann braucht man kein Blei mehr im Bug.
 

Nur ein bißchen groß ist er...
 

Das wars dann wohl mit dem realitätsnahen Fahrwerksschacht... außer ich befasse mich großräumig auch mit dem Lufteinlauf, und das führt einfach zu weit und möglicherweise in die Rundablage.  Oder ich klebe konsequent (wie auf dem Vorbildfoto vorhanden) einen Deckel auf den Lufteinlauf und tobe mich dahinter aus, als ob keiner da wäre, was dann ja auch so ist.
Aber ich muß gestehen: ein abnehmbarer Deckel, hinter dem zumindest ein ansatzweiser Lufteinlaß vorhanden ist, ist mir einfach lieber.

Also gut... dann kein realitätsnaher Fahrwerksschacht, aber der Boden ist ohnehin schon weg, d.h. ich muß das Fahrwerksbein ohnehin verlängern, also kann ich auch ein Konstrukt zusammenschustern, das zumindest ein wenig tiefer und besser aussieht als das, was ursprünglich vorgesehen war.

Nach der einen oder anderen Arbeitsstunde entsteht also sozusagen ein halber Fahrwerksschacht.. die hintere Hälfte folgt dem Original, mit einem schmalen Schacht, der den Drehpunkt des Einziehsystems des Fahrwerksbeins enthält und es daher rechts und links stützt, dann geht es mit abgeschrägten Wänden weiter (hinter denen rechts und links die Einlässe laufen)... und dann *seufz* viel zu früh die Wand einer im Original nicht vorhandenen Stufe.

Und so sieht ein halber Fahrwerksschacht im Schnitt aus:
 

Hier sind beide Hälften zu sehen.  Noch paßt alles bestens ineinander, aber es knirscht schon etwas und hält von allein. :)
 

Und das ist das sichtbare Ergebnis.  Endgespachtelt und etwas Struktur in den Vorderteil gebracht wird erst nach dem Zusammenbau der Rumpfhälften, vorher bringt das nichts. Ein paar Leitungen kommen natürlich auch noch rein.
 

War es die Arbeitszeit wert?  Ich bin ehrlich gesagt nicht ganz glücklich damit, aber wesentlich besser als eine flache Platte ist es schon, und versaut hab ich mir auch nichts, also:
Weiter aufs Ziel zu. :)
« Letzte Änderung: 20. Januar 2019, 23:26:27 von hakkikt »