Autor Thema: Dioramen DEBELLARE SVPERBOS – Boudicca-Aufstand, Britannien, 61 n. Chr. – 1:32 (54 mm)  (Gelesen 6138 mal)

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JWintjes

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Dioramen Re: DEBELLARE SVPERBOS – Boudicca-Aufstand, Britannien, 61 n. Chr. – 1:32 (54 mm)
« Antwort #60 am: 26. Juni 2018, 23:22:43 »
Hallo Uwe,

handwerklich ist das absolut spitze - wobei ich den ersten Versuch des Schildes mit dem Gesicht von Albert Einstein auch toll finde. "Roma aeterna victrix" geht auch, und die Idee, so einen Spruch auf einen Schild zu malen, ist sicher nicht abwegig.

Mit zwei Dingen habe ich aber ein kleines Problem - einmal mit der Form des clipeus; das ist ja erstmal eine ganz allgemeine Bezeichnung für Rundschild, aus der man nicht einfach eine spezielle Form ableiten kann; da muß man sich eher fragen, was für einen römischen Tribun aus der frühen Kaiserzeit denn allgemein als Schild in Frage kommt. Und das wird kaum ein Schild griechischen Typs gewesen sein - weil der für alles außer  dem Kampf in der Phalanx komplett untauglich ist. Der Tribun wird, wie alle anderen auch, einen Schild mit Buckel und Mittelgriff gehabt haben, schlicht weil es sich damit am einfachsten kämpft.

Das zweite Problem ist die Verzierung: auch wenn die auf Ornamenten dreidimensional erscheint, hat es das auf normalen "Gebrauchsschilden" sicher nicht gegeben - aus was für einem Material soll das auch gewesen sein? Allenfalls kann man sich einen dreidimensional ornamentierten Schildbuckel vorstellen, der durch Bemalungen auf der Schildplatte ergänzt ist.

Bitte nicht falsch verstehen - ich finde den Schild handwerklich sehr gelungen; ich halte ihn nur für völlig unrealistisch.

Jorit

PS: Nur weil ich's grad sehe - Agricola war kein ritterlicher Tribun, sondern stammt aus einer senatorischen Familie; dementsprechend dient er auch "nur" im Stab von Suetonius Paulinus und durchläuft nicht die für Ritter übliche Karriere der tres bzw. quattuor militiae.

Uwe B.

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Postbote schrieb:
Zitat
Hallo Uwe,

erstmal Glückwunsch zum selbstgestalteten Schild :respekt: :meister: :klatsch:

Modellierung und Bemalung sehe ich als absolut gelungen an.
Und ich würde ebenfalls die Platzierung von Bild 2 bevorzugen.

Mit schönem Gruß
Christoph

Hallo Christoph,

recht herzlichen Dank für Deine freundlichen Worte und Deine Einschätzung. Ich denke, dann werde ich das mit der Platzierung des Schildes so machen.
 :P

LG - Uwe
MSV - einmal ein Zebra, immer ein Zebra

Uwe B.

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JWintjes schrieb:
Zitat
Hallo Uwe,

handwerklich ist das absolut spitze - wobei ich den ersten Versuch des Schildes mit dem Gesicht von Albert Einstein auch toll finde. "Roma aeterna victrix" geht auch, und die Idee, so einen Spruch auf einen Schild zu malen, ist sicher nicht abwegig.

Mit zwei Dingen habe ich aber ein kleines Problem - einmal mit der Form des clipeus; das ist ja erstmal eine ganz allgemeine Bezeichnung für Rundschild, aus der man nicht einfach eine spezielle Form ableiten kann; da muß man sich eher fragen, was für einen römischen Tribun aus der frühen Kaiserzeit denn allgemein als Schild in Frage kommt. Und das wird kaum ein Schild griechischen Typs gewesen sein - weil der für alles außer  dem Kampf in der Phalanx komplett untauglich ist. Der Tribun wird, wie alle anderen auch, einen Schild mit Buckel und Mittelgriff gehabt haben, schlicht weil es sich damit am einfachsten kämpft.

Das zweite Problem ist die Verzierung: auch wenn die auf Ornamenten dreidimensional erscheint, hat es das auf normalen "Gebrauchsschilden" sicher nicht gegeben - aus was für einem Material soll das auch gewesen sein? Allenfalls kann man sich einen dreidimensional ornamentierten Schildbuckel vorstellen, der durch Bemalungen auf der Schildplatte ergänzt ist.

Bitte nicht falsch verstehen - ich finde den Schild handwerklich sehr gelungen; ich halte ihn nur für völlig unrealistisch.

Jorit

PS: Nur weil ich's grad sehe - Agricola war kein ritterlicher Tribun, sondern stammt aus einer senatorischen Familie; dementsprechend dient er auch "nur" im Stab von Suetonius Paulinus und durchläuft nicht die für Ritter übliche Karriere der tres bzw. quattuor militiae.


6. Update

     Der Militärtribun - Rundschild (Nachtrag)



Hallo Jorit,

zunächst möchte ich vorausschicken, dass ich mich wirklich sehr über Dein Interesse an meinem Baubericht gefreut habe. Als ich vor ca. 8 Jahren wegen der Zvezda-Trireme "Imperator" in 1:72 das Internet mit dem entsprechenden Suchbegriff durchforstete, stieß ich irgendwann automatisch auf das Modellboard und Deine Bemerkungen zum Thema, die sehr fundierte Sachkenntnis bezüglich der römischen Marine und zum römischen Militär allgemein erkennen ließen. Deshalb und aufgrund von Hans' tollem Baubericht über seinen römischen Limesturm habe ich mich damals überhaupt erst beim Modellboard angemeldet8)

Daher besten Dank für Dein Lob und Deinen Kommentar zu dem Propagandaspruch, kann ich ihn also so weiter verwenden. Ich muß gestehen, dass ich mich hierzu u. a. durch die Einmarschsequenz der Legio X Fretensis nach Jerusalem in der Neuverfilmung von "Ben Hur" (2016) habe verleiten lassen. Die Ähnlichkeit meiner ersten, in der Konsistenz mißlungenen Medusa mit dem guten Albert Einstein ist mir erst gar nicht aufgefallen, aber Du hast recht. Wenn ich bedenke, dass ich ihr nach dem Aushärten noch die für Medusenhäupter so typische, heraus hängende Zunge hinzumodellieren wollte, wäre die anachronistische Ähnlichkeit mit Einstein ungewollt noch größer geworden ...   :3:

Dass der Oberbegriff Clipeus auch für flache oder auch nur leicht gewölbte, hexagonale oder rundovale Schilde, wie z. B. bei "meinen" Auxiliarkavalleristen, steht, war mir bekannt. Da die Römer für besondere Tapferkeit den "Clipeus Virtutis" (lat: Schild der Tapferkeit) verliehen, der mit dem Kürzel "CL.V" versehen auf römischen Münzen in der Form des gewölbten griechischen Rundschilds (Hoplon) abgebildet ist, sah ich mich mit der Bezeichnung Clipeus für letztgenannten auf der sicheren Seite:


Quelle: http://www.vroma.org/images/mcmanus_images/aug_vict_clipeus2a.jpg

Für den runden gewölbten Schildtypus als Hauptverteidigungswaffe für den Tribun entschied ich mich aufgrund entsprechender Rekonstruktionszeichnungen, die ich in meinem letzten Update als Beispiele angeführt hatte (hier und hier) und weil ich glaubte, dass der gewölbte Rundschild stabiler und ein besserer Schutz als ein flacher Schild sei und sich im übrigen auch gut für ein persönliches Schildmotiv eignen würde.

Die Frage nach der Interpretation der plastischen Darstellung auf den Reliefs hatte ich mir ja auch schon gestellt - siehe oben im letzten Update. Die Rekonstruktion als dreidimensionales Ornament reizte mich einfach. Im Original wäre es für die Römer technisch sicher kein Problem gewesen, die metallene Abbildung des Medusenhauptes auf den hauptsächlich aus Holz bestehenden Corpus des gewölbten Rundschildes zu montieren, quasi wie einen Schildbuckel. Ein entsprechendes Beispiel mit einem derart verzierten Schildbuckel ist uns ja mit dem Grabstein des C. Valerius Crispus von der Legio VIII Augusta überliefert:


Quelle: https://farm8.staticflickr.com/7150/6610892371_04a592a885_b.jpg

Ich gebe allerdings zu, dass dies auch wieder eine Frage der Interpretation ist, vielleicht war auch dieses "Gesicht" (offenbar ein Stierkopf, der Stier war das Emblem dieser Legion) in der Realität am Schild des Verstorbenen nur aufgemalt.  :rolleyes:

An welche Schildform hattest Du denn genau gedacht, an einen flachen Rundschild oder an einen ovalen mit (oder ohne) Spina und mit Buckel? Oder könnte ein gewölbter Rundschild ohne plastische Ornamentierung doch Anwendung finden? Immerhin haben ja auch Andreas Strassmeir und Andreas Gagelmann "Das Heer des Varus" auf S. 27 einen ritterlichen Militärtribun der (ganz) frühen Kaiserzeit mit einem anderen Rundschild, der "Parma Equestris", ausgerüstet, der im Kampf wohl ähnliche Vor- oder Nachteile hatte wie der von mir verwendete:


Quelle: https://i.pinimg.com/564x/e0/a8/81/e0a881a6a4b8d31e814e1c2980083202.jpg

Es ist für mich auch kein Problem, den gewölbten Rundschild einfach auszutauschen (etwas off-topic: mir schwebt da schon für ein Prätorianerdiorama seine Verwendung als Wandrelief vor, dann würde die plastische Ausführung auch Sinn machen, muss ich dann nur noch weiß oder marmorfarbig bemalen  8)).

Im übrigen habe ich Deinen wohlmeinenden Rat bestimmt nicht falsch verstanden, Du hast Deine Bedenken ja dankenswerterweise ziemlich schonend angebracht.  :P :)

Sorry, wenn meine Antwort etwas verspätet und länger ausgefallen ist, ich wollte damit nur aufzeigen, warum ich mich bei der Schildgestaltung wie entschieden habe. Ich kann nicht den Anspruch erheben, dass ich damit absolut richtig lag, dafür läßt die Antike mbMn zuviel Interpretationsspielraum.

Deinen Hinweis zu Agricola habe ich in meinem 4. Update (Antwort #46) an entsprechender Stelle korrigierend eingefügt.  8)


Wird fortgesetzt


LG - Uwe  :winken:


« Letzte Änderung: 13. September 2018, 23:07:51 von Uwe B. »
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