Autor Thema:  Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72  (Gelesen 3849 mal)

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Chowhound

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Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72
« am: 15. Juli 2019, 18:31:49 »
Zeppelin Staaken R.VI  
 


Modell:Zeppelin Staaken R.VI
Hersteller:Roden
Maßstab:1/72  
Art. Nr. :055  
Preis ca. :65 Euro







Beschreibung:
Die Zeppelin Staaken R.VI gehörte zu den sogenannten Riesenbombern, die das deutsche Kaiserreich ab 1915 baute. Weitere Vertreter dieser Gattung waren zum Beispiel die Gotha GIII / GV und die AEG GIV. Geplant wurden sie (genauso wie bei den Alliierten) als strategische Bomber, konnten aber dieser Aufgabe nie gerecht werden. Ein britischer Bomberpilot beschrieb es nach dem Krieg so: „Wenn wir mit 4 Bombern eine Stellung des Feindes angriffen, traf nur einer das Ziel, die anderen warfen ihre Bomben auf irgendwelche Dörfer, da es noch keine richtigen Zielgeräte gab“. Wie später auch im zweiten Weltkrieg wurde daraus eher ein Moral Bombing. Das größte Flugzeug war die Zeppelin Staaken mit einer Spannweite von 42,2 Metern. Angetrieben von bis zu fünf Motoren, 10 Mann Besatzung, und 4000 Kg Bombenlast war sie wirklich furchteinflößend. Von der R.VI wurden insgesamt 18 Maschinen gebaut. Der Stückpreis betrug damals 557.000 Mark! Keine der R.VI wurde je abgeschossen, dennoch gingen viele Maschinen durch technische Defekte oder Bruchlandungen verloren. Technisch waren die Flugzeuge auf dem neusten Stand der damaligen Luftfahrttechnik. So war der Aufbau zwar noch aus Holz, aber große Flächen wurden mit Aluminiumplatten beplankt. Auch war das Fahrwerk mit 18 Rädern sehr stabil. Im Zeitraum von 1917 bis 1918 warfen diese Bomber 27.190 Kg Bomben über England ab. Trauriger Höhepunkt war der erste Abwurf einer 1000 Kg Bombe auf den Stadtteil Chelsea in London. Nach Ende des ersten Weltkriegs wurden alle noch existierenden Zeppelin Staaken (mindestens 6 Stück) von den Alliierten zerstört.
 


Bausatz:
Der ukrainische Hersteller Roden liefert mit diesem Modell einen außergewöhnlichen Bausatz. Er wurde 2006 sogar von der Zeitschrift Modell Fan zum Modell des Jahres 2006 gekürt. Obwohl schon fast 13 Jahre alt, kann er ohne Probleme mit heutigen Bausätzen mithalten. Der hier vorgestellte Bausatz stellt eine frühe Version der R.VI dar. Sie hatte noch einen nach oben geschlossenen Rumpf. Auch die späte Version mit offenem Rumpf ist bei Roden erhältlich. Der große Stülpkarton mit etwas einfach gestaltetem Deckelbild ist randvoll mit Spritzlingen in zwei Plastiktüten gefüllt. Des Weiteren natürlich die Bauanleitung und Decalbögen. Fangen wir aber erstmal mit den Plastikteilen an. Auf insgesamt 11 Gußästen tummeln sich rund 500 Einzelteile (es werden aber nicht alle benötigt). Die Qualität und Detailierung ist sehr gut, lediglich die Bomben haben etwas unschöne Sinkstellen, und ab und zu gibt es sichtbare Auswerfermarken, also nichts was der Modellbauer nicht beheben kann. Grate sind kaum vorhanden. Die Passgenauigkeit wird sich erst beim Bau zeigen, aber ich denke nicht, dass da nennenswerte Probleme auftauchen werden. Ein kleinerer Spritzling ist für die Klarglasteile vorgesehen. Diese scheinen mir allerdings etwas schlierig. Da sollte man vielleicht über eine Alternative nachdenken, um von den “Innereien” wenigstens ein bisschen zu erkennen. Weiter geht es mit der Bauanleitung. 12 DIN A4 Seiten führen in 47 Schritten zum fertigen Modell. Lobenswerterweise hat Roden auch einen kurzen Abriss in Deutsch zur Zeppelin Staaken abgedruckt. Auch eine Farbvorgabe einzelner Teile ist in der Anleitung vorhanden. Die Farbangaben beziehen sich auf Humbrol. Auf den letzten beiden Seiten ist die Verspannung zu sehen. Hier wird sehr viel Erfahrung benötigt, da es wirklich ein Drahtverhau wird! Diese sollten aber erst nach Auftragen der Decals in Angriff genommen werden. Kommen wir jetzt zu den Decals. Ein kleinerer Bogen enthält die Eisernen Kreuze in weiß auf blauem Trägerpapier. Ein DIN A3 Fotodruck zeigt wo die Decals platziert werden. Die wirkliche Herausforderung kommt aber mit den weiteren 3 Decalbögen. Auf DIN A3 ist das Lozenge-Tarnmuster aufgedruckt. Für jedes Modellteil (Tragflächen etc.) sind auch Schnittschablonen für die Decals beigelegt. Da die Decals von Roden leider dafür bekannt sind, dass sie sich nicht gut verarbeiten lassen, ist also äußerste Vorsicht angesagt. Man könnte allerdings versuchen, sie mit einem speziellen Decallack etwas zu verstärken, um ein einreißen während der Verarbeitung zu minimieren. Oder man besorgt sich alternative Decals von anderen Herstellern, was aber auf Grund der Modellgröße ziemlich ins Geld gehen dürfte.
 
























































Fazit:
Ein wirklich riesiges Flugzeug trotz 1/72. Gebaut hat die R.VI eine Spannweite von gut 62 Zentimetern! Dafür hat man aber einen wahren Eyecatcher. Dieser Bausatz ist definitiv nichts für Anfänger. Für Liebhaber der Kisten des ersten Weltkriegs aber vorbehaltlos zu empfehlen.


Literatur:
Arms and Armor Press / German Bombers of World War One
The Nautical & Aviation Publishing Company of America / The German Giants


Jürgen  :winken:



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Wolf

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Re: Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72
« Antwort #1 am: 16. Juli 2019, 17:58:01 »
Im Karton sieht es wirklich gut aus. Aber das tun manche Roden Modelle.
Auf jeden Fall ein Respekt einflößendes Modell.
Habe ich seit Jahren hier liegen. Wird vielleicht mal Zeit, bevor ich zu alt werde  :D
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Chowhound

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Re: Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72
« Antwort #2 am: 16. Juli 2019, 20:09:36 »
Hi Wolf,
mit den Roden Bausätzen ist es wirklich immer wieder ein Glücksspiel. Aber wenn die R.VI genauso ist wie die Gotha, mache ich mir nicht allzu große Sorgen. Lediglich diese verflixten Decals bereiten mir Magenschmerzen. Werde sie wahrscheinlich mit Liquid Decal Fim von Microscale vorbehandeln, nicht das ich nachher jedes Pentagon der Lozenge-Tarnung einzeln aufbringen muss. :7:

Gruß
Jürgen
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Re: Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72
« Antwort #3 am: 17. Juli 2019, 15:25:35 »
Jesus Maria und a bissl Josef, ein wahres Monster, sowohl das Original als auch der Bausatz. Allein schon, dass eine Motorgondel so groß war wie ein damaliges Jagdflugzeug sagt alles.

Das sieht alles wunderbar und lecker aus und verspricht viel und laaaangen Bastelspaß. Roden schreckt mich nicht aber über 500 Teile ist für mich schon eher Furcht anstatt Respekt einflößend. Da wäre ich - sicher mit Verschnaufpausen - Jahre beschäftigt.

Danke fürs zeigen  :P

Da hätte ich noch eine Frage, auch im Hinblick auf meine Gotha: Hans hat mal erwähnt, dass die Tarnung - z.B. am Holz beplankten Rumpf der Gotha und wohl auch hier - aufgemalt war. Sprich, beim Übergang Rumpfoberseite zur Seite wurde das Muster vom Maler über die Kante fortgeführt. Die Schnittmuster, die Roden hier und auch bei der Gotha beilegt, erwähnen nichts von "Rapport" oder ähnlichens, z.B. eine vorgegeben Ausrichtung auf dem Decalbogen. Wenn man es berücksichtigen will, gibt es m.E. massig verschnitt und die Decals reichen wahrscheinlich nicht. Berücksichtigt man keinen Rapport (wie viele Kollegen an der Stelle), ist das Muster an der Kante unterbrochen bzw. versetzt. Macht Ihr euch da einen Kopf oder lebt ihr mit dem Versatz? Mich beschäftigt das und hält mich vom Bau der Gotha ab.   

Gruß
Jürgen  :winken:

PS: es gibt drei gute Bauberichte zu dem Kit - zwei Kollegen, der Russe und der im Aerodrome-Forum, haben (wohl vorbeugend) die Achsen des Hauptfahrwerks mit einem Messingrohr verstärkt. Der im Aerodrome-Forum hat das Lozenge-Muster lackiert, der brasilianische Kollege hat alles silbern grundiert und dann die Lozenge Decals aufgebracht. Mein portugisisch ist eingerostet aber das scheint anhand der Fotos das "leuchten" der Roden-Decals zu brechen. Der russische Kollege hat die Befestigung der unteren Tragflächen am Rumpf mit einem ausgedienten Blatt einer Bogensäge verstärkt - mein russisch ist eingerostet - aber vermutlich auch vorbeugend. 

Wolf

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Re: Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72
« Antwort #4 am: 17. Juli 2019, 16:07:54 »
Über den Bau habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Wenn ich baue, werde ich auch die Flügel mit Messingrohr oder ähnlichem verstärken.

Was die Decals angeht, habe ich das Glück 2 Bögen zu besitzen. Bei meinem Modell fehlte der Bogen komplett. Daraufhin hatte ich damals den Importeur angeschrieben.
Nachdem dieser sich nicht gerührt hat (nach 5 Wochen) hatte ich Roden direkt angeschrieben und innerhalb einer Woche Ersatz. Weitere zwei Wochen später hat der Importeur dann auch noch einen Ersatzbogen geschickt.
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Re: Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72
« Antwort #5 am: 18. Juli 2019, 08:09:13 »
Also laut dem Buch "The German Giants" bekammen die meisten R.VI vorgefertigte Lozenge-Folien von der Rolle (mehrere Hersteller, sodas es sicher auch zu unterschiedlicher Farbintensität kam), nur vereinzelt wurde per Hand gemalt. Deshalb kann ich mir vorstellen, das bei mit Folie beklebten Bomber nicht unbedingt auf die Übergänge geachtet wurde. Des Weiteren wurden die R.VIs ja von sechs verschiedenen Firmen gebaut, also auch unterschiedlich in der Tarnung behandelt. Zumal bei der Größe der Bomber eine Handbemalung sehr zeitintensiv ist. Und Zeit war etwas, was die Deutschen zum Ende des Krieges sicher nicht mehr hatten. Da nur wenige R.VIs Seriennummern oder Einheitenzuordnungen aufgemalt hatten, ist man also ziemlich frei bei der Anpassung der Lozenge-Tarnung.

Hoffe, ich konnte ein wenig zur Verwirrung beitragen X(.

Jürgen
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Hans

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Re: Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72
« Antwort #6 am: 18. Juli 2019, 11:12:17 »
Die haben damals noch ganz andere Sachen mit der Hand bemalt. Das heisst ja nicht, dass keine Hilfsmittel benutzt wurden wie Schablonen etc.

Zum Begrifflichen: Lozenge ist eine amerikanische Hilfsbezeichnung. Im Deutschen hiess das Tarnstoff. Der wurde gewebt und dann bedruckt. Beides war logischerweise in der Breite beschränkt. Normalerweise war eine Stoffbahn so um die 1,30 m breit, auszuschließen sind breitere Bahnen nicht. Aber nicht mehr als ca 2 m. Diese Stoffbahnen wurden nur auf stoffbespannte, also gerüstartig aufgebaute Teile aufgebracht, ganz selten auch mal auf holzbeplankte Teile. Der Stoff war relativ grobes Leinen. Ich habe keine definitive Antwort auf die Frage wie die Bahnen aufgebracht wurden und wie sie zB auf den Rippen fixiert wurden, nachdem sie dort vernäht wurden - bzw wie diese Naht geschützt wurde (Stichwort Rippensicherungsbänder). Das man auf den Fotos nix genaues erkennt, läßt vermuten, dass hier sorgfältigst mit der Hand kaschiert wurde.
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Uwe K.

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Re: Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72
« Antwort #7 am: 19. Juli 2019, 09:25:44 »
Meine Herren, was für ´n geiles Teil.
Ich liebe Flugzeuge aus dem 1. WK, auch wenn sie nicht bauen
kann. Diese Großbomber sind dann nochmal eine ganz eigene Liga.
Für mich mit das Schönste wo gibt. :3:
Da freue ich mich schon auf den BB.

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Re: Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72
« Antwort #8 am: 19. Juli 2019, 10:17:47 »
Servus Jürgen,
Zitat
... vorgefertigte Lozenge-Folien von der Rolle ...
könntest Du dazu bitte den genauen Wortlaut aus dem Buch zitieren. Wenn da was von z.B. "foil-coated" steht, kann das auch im Sinne der Tätigkeit (überziehen, bekleben, tapezieren etc.) anstatt im Sinne des Materials Folie gemeint sein. Ich kann mir leider überhaupt nicht vorstellen, was für eine Art Folie das 1917/1918 gewesen sein soll. Metallfolien scheiden m.E. aus genauso wie z.B. Kunstleder (Skai von der Hornschuh AG). Kunststofffolien gab es wohl erst Mitte der 30er (Fa. Alkor) und nach dem WWII (Fa. Hornschuh AG). Selbstklebende Folien gar erst Ende der 50er (d-c-fix von der Hornschuh AG und Klebefolie von Alkor). Ich denke eher, sie haben die Holz-/Metall-Rümpfe mit Tarnstoff und Lack (ggf. Zaponlack?) überzogen. Ich bin dabei, dass sie das Tarnmuster auf so einem riesen Flugzeug nicht ganz mit der Hand bemalt haben.

@Hans: es gibt eine Vorschrift der FAA für Stoffbespannte Flugzeuge http://content.aviation-safety-bureau.com/allmembers/ac-43-13-1b/aircraft-fabric-covering-test1.html, die sowohl für Neubauten gilt als auch für die Neubespannung, Reparatur und Restauration historischer Flugzeuge. Die bezieht sich sowohl auf Stoff aus Kunstfasern als auch aus Naturfasern (z.B. Baumwolle, Irish Linen). Da ist das Prinzip (sowohl das zusammennähen der Stoffbahnen als auch deren Befestigung auf den Rippen und die Sicherung der Rippen-Naht) ausführlichst beschrieben und illustriert. Ich denke, da hat die FAA das beste aus historischen und aktuellen Methoden und Erkenntnissen in der Vorschrift zusammengefasst. Das ist natürlich keine Quelle für den WWI aber recht viel anders werden sie es damals auch nicht gemacht haben.

Gruß
Jürgen  :winken:
« Letzte Änderung: 19. Juli 2019, 10:48:25 von f1-bauer »

Chowhound

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Re: Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72
« Antwort #9 am: 19. Juli 2019, 15:54:10 »
Hallo Namensvetter,
da habe ich mich vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt. Natürlich gab es zu dieser Zeit noch keine Folie. Es waren bedruckte Bahnen mit dem Muster, die dann irgendwie auf den Flieger gebappt wurden.

Zitat
Most of the R.Y! aircraft were covered with printed camouflage fabric, the pattern used varied
according to the manufacturer. The fuselage fabric of the Staaken-built R.Yl machines was painted
in a dark colour consisting of an undercoating of colourless acetate dope covered by pigmented dope.
coloured blue by a mixture of Prussian blue and ultramarine blue.

Würde sagen, auf Grund der unterschiedlichen Materialien (Stoffbespannung und Aluminiumbeplankung) ist ein Aufkleben am wahrscheinlichsten. Sicher wurden einzelne Partien auch von Hand gemalt, wie folgender Bildausschnitt vermuten läßt (ist von einer R.IV).



Gruß
Jürgen

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Re: Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72
« Antwort #10 am: 20. Juli 2019, 00:44:00 »
Ich hab doch eigentlich schon alles geschrieben....wahrscheinlich zu knapp.

Das Zitat liest sich korrekt übersetzt wie folgt, wobei ich in Klammer dazu kommentiere:

Die meist der R-Flugzeuge waren mit bedrucktem Tarnstoff bedeckt (bespannt), das Muster varierte je nach Hersteller (des Flugzeugs). Der Stoff am Rumpf der bei (Zeppelin-) Staaken gebauten R-Flugzeuge war in einer dunklen Farbe gestrichen. Dies bestand aus einer Grundierung von farblosen Celluloseacetat, überstrichen mit pigmentiertem Celluloseacetat. Der Farbton entstand aus einer Mischung von Preussisch Blau und Ultramarin.

Diese Aussage kann zu falschen Schlüssen führen, wie hier auch geschehen. Der Rumpf bestand aus einem Gitterwerk, offen, mit Stoff bespannt. Die vorderen Teile waren mit Holz und Blech beplankt.  Der Bursche hier zeigt das sogar im Modell

http://www.theaerodrome.com/forum/showthread.php?t=44054&page=4

Die Gitterstruktur war mit Tarnstoff bespannt, wie die Flächen und das Leitwerk.

Die Holz-und Blechstruktur war dagegen schlicht lackiert, nicht etwa mit Stoff beklebt. Soviel Gewichtsreserven hatte die Mühle auch nicht. Die verwendeten Lacke waren Lacke auf Ketonbasis, keine echten (Harz)-Lacke oder Ölfarbe. Ganz normale Farbe der Zeit. Ob bei blauer Lackierung tatsächlich die oa. Pigmentmischung verwendet wurde, darf man bezweifeln, da es keine analysierten Lackreste gibt.  Ultramarin ist heute noch so mit eines der teuersten Pigmente. Es waren wie in der Zeit üblich, Teerfarben (Anilinfarben), künstliche, chemisch hergestellte Lackfärbemittel in verschiedener Konsistenz, auch als Pigment.

Die einfarbigen Rumpfteile wurden aus Ersparnisgründen so lackiert. Man darf auch nicht vergessen, dass je R-Maschine ein Einzelstück war, es war kein genormter Serienbau. Jede unterschied sich von der anderen. Und es gab tatsächlich Stücke, bei denen Holz und Blech mit der Hand in Flecken lackiert wurden, die ähnliche Farbtöne hatten wie der Tarnstoff. Das Foto von Chowhound zeigt so eine Maschine. Schaut euch die Wartungsklappe an, die ist nicht mit Stoff "beklebt", die ist lackiert.

Das war keineswegs unüblich, auch in der richtigen Großserie wurden Holz- oder Blechteile in Vielecken farbig mit der Hand bemalt. Man sehe sich die Motorhauben von Fokker D VII an, die bei OAW gebaut wurden. Oder die Flügelmittelteile von Halberstatt C und CL-Typen an, die aus Holz bestanden. Die Hannover CL-Typen wurden teilweise an den Rümpfen komplett so lackiert. Es ist nix ungewöhnliches und passt erheblich besser in die damalige Technik und Arbeitsweisen, als beklebtes Blech.

H.
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Re: Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72
« Antwort #11 am: 20. Juli 2019, 10:03:41 »
Danke Hans für die ausführliche Erklärung. Es tauchte ja auch die Frage auf, wie es mit den Übergängen von einer Fläche auf die nächste aussah. Ich vermute mal, das es nur bei handbemalten Mustern fließende Übergänge gab. Bei fabrikmässig hergestellten Stoffbahnen, dürfte das ohne großen Verschnitt (da das Muster ja auch nicht symetrisch war) sicher nicht ohne weiteres möglich gewesen sein, zumal die Bomber ja unter Lizenz bei unterschiedlichen Herstellern gefertigt wurden, was sich wohl auch in den teilweise geänderten Baumaßen niederschlug. Ich habe hier mal einen Ausschnitt eines Gotha-Bildes, wo man das mit dem Stoff ganz gut sieht.



Also mache ich mir wegen des Lozenge Musters bei der Roden keine großen Sorgen. Habe mir dennoch bei Roden einen Decalbogen nachbestellt, falls sich doch noch neue Erkenntnisse ergeben, und es doch einen fließenden Übergang gab. Damit könnte ich zumindestens den Rumpf anpassen. ;)

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Re: Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72
« Antwort #12 am: 20. Juli 2019, 11:24:15 »
Bei den "kleinen" Maschinen wie Ein-und Zweisitzern erkennt man deutlich, dass der Rapport (Muster) nicht eingehalten wurde. Da gibts halt jede Menge scharfe Aufnahmen. Wo man nicht durchsteigt, sind die Marinetarnstoffe mit ihren klaren hexagonalen Mustern und eben diese R-Typen. Davon betroffen sind auch die Sicherungsbänder über den Rippen. Das ging ja so: Auf die Rippen wurden (im Rohbau) Stoffstreifen aufgeklebt/vernäht. Dann der Tarnstoff drüber. Und der musste ja befestigt werden - man nähte in mit gebogenen Nadeln auf die Stoffstreifen der Rippen. Und diese Naht wurde dann mit einem Stoffstreifen, der mit Spannlack aufgeklebt wurde, geschützt. Der Stoffstreifen bei Ein-und Zweisitzern war je nach Hersteller naturfarben, blau, rosabraun oder auch aus Tarnstoff. Bei den R-Maschinen (und Marine) sagt man, dass die Streifen aus Tarnstoff gewesen sein, der exakt nach Rapport aufgeklebt wörden wäre. Hmmm.
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Wolf

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Re: Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72
« Antwort #13 am: 20. Juli 2019, 19:32:53 »
Danke für die mal wieder ausführlichen und erhellenden Worte. So langsam reift die Idee, das Ding mal anzugehen
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Chowhound

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Re: Zeppelin Staaken R.VI Scale 1/72
« Antwort #14 am: 23. Juli 2019, 11:27:36 »
Hallo zusammen,
nachdem ja soweit alle Klarheiten beseitigt sind, wird es demnächst mit dem Baubericht losgehen. Ich muß nur vorher noch drei angefangene Projekte vom Basteltisch kriegen, damit der Brummer genügend Platz hat. :6:
Zur Info, ich werde den Baubericht mal etwas anders gestalten, als es üblich ist. Hoffe das ihr damit leben könnt. Laßt euch einfach überraschen.

Gruß
Jürgen
« Letzte Änderung: 23. Juli 2019, 11:30:36 von Chowhound »
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