Autor Thema: Schiffe *Fertig * Schnellboot S38-Klasse 1/72  (Gelesen 60168 mal)

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Murdock

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Schiffe *Fertig * Schnellboot S38-Klasse 1/72
« am: 09. März 2005, 17:26:20 »
Baubericht 1:72 KM-Schnellboot Klasse 38

Die deutsche  Kriegsmarine entwickelte in der Zeit von 1930 -1945 eine beachtliche Anzahl von Schnellbootklassen. Dummerweise stößt man als 1:72 Modellbauer bereits nach zwei Schiffen an eine scheinbar unüberwindliche Grenze. Es gibt keine weiteren Bausätze !



In der Mitte bleibt, stellvertretend für fünf Evolutionsstufen im deutschen Schnellbootbau, ein großes Fragezeichen stehen. Und obwohl sich die Klassen in vielen Punkten unterscheiden, haben sie –mit Ausnahme des Typs S-30- eine wichtige Gemeinsamkeit: Die Rumpfform und die Rumpfmaße sind identisch. Und genau diesen Rumpf liefert die Firma Revell in hervorragender Qualität für 16 Euro, inkl. vieler nützlicher Zubehörteilen.

Man muss sich dann nur noch entscheiden, welche Schnellbootklasse man daraus bauen will. Um die Entwicklung vom Typ 7 (dem Airfix-Bausatz) zum Typ 100 (dem Revell-Bausatz) nachvollziehbar zu machen, werde ich daraus ein spätes Klasse S38-Modell bauen. Dieser Bootstyp besitzt noch ein modifizietes Ruderhaus im Typ-7 Stil, ist aber bereits mit dem erhöhten Vorschiff der S-100 Klasse ausgestattet.




Soweit mir bekannt ist, ist so ein Projekt bisher noch nicht durchgeführt worden. Das Boot wird also ein echter Prototyp mit allen Ecken und Macken und Rückschlägen, die man sich vorstellen kann. Meine Datenbasis ist begrenzt auf ca. 50 Fotos, einer fehlerhaften russischen Zeichnung (allerdings im Großformat), einem halben Duzend Schnellbootbücher und ein paar Skizzen. Das wird also nix 100-prozentiges, sondern nur –sagen wir mal ein 98 % echter Schellbootnachbau   :D.

Im Ernst: Es muss eine Menge in Handarbeit gebaut werden und damit der Bericht nicht ellenlang wird, werde ich mich beim Schreiben überwiegend auf die maßgeblichen S-38 Änderungen konzentrieren. D.h. alle Teile, die ich aus dem Revellbausatz übernehme und gegebenenfalls bearbeite, fallen hier unter den Tisch und können bei Interesse in meinem alten Baubericht zum S-100 nachgelesen werden.
Da ich vor ca. 3 Wochen mit dem Bau angefangen habe, kann ich erst einmal ein paar Sätze schreiben. Mit der Zeit werde ich aber etwas Tempo aus dem Bericht heraus nehmen. Erklärtes Ziel ist jedenfalls, das fertige Boot mit nach Wilnsdorf zu nehmen. Mitte Mai muss der Kahn also fertig sein. (Daumen drücken, Peter ;) )  

Auf geht´s !

Die Rumpfhälften sind verklebt und die Außenbordöffnungen in Form gefeilt. Das fertige Boot soll später auf einen Holzständer geschraubt werden, deshalb habe ich eine 30 cm lange 10mm x 5mm Holzleiste innen auf den Kiel geleimt (mit 2k-Epoxy), Kiel und Leiste an zwei Stellen mit 5mm durchbohrt und M4-Einschlagmuttern in die Leiste getrieben.

Als erstes muss das Vorschiff etwas geändert werden. Während S100-Boote  dort eine Luke hatten, benötigt ein S38-Boot drei davon, zwei nebeneinander auf dem Vordeck, und die dritte (kaum zu sehen auf dem Foto) liegt direkt vor dem Ruderhaus. Ihre grundlegende Form ist fast identisch (ich komme später noch darauf zurück) und deshalb kann man sie im Schnellverfahren kopieren.




Um die Luke wird ein ca. 15mm hoher Wulst aus Knetmasse  geformt und mit Silikon ausgegossen. Ein Formtrennmittel ist dabei nicht erforderlich. Nach ca. 60 min ist das Silikon ausgehärtet und kann vom Deck abgehoben werden. (Bei dem Bild muss ich immer an Oliven denken :D ) Die Form kann jetzt mit einem x-beliebigen Gießharz gefüllt werden. Ich benutzte für solch einfache Teile 2k-Polyester aus dem Baumarkt. Versucht es nicht mit Weber & Wirth-Harz (Markenname Prestolith), es bildet eine zäh-klebrige Kontaktschicht auf der Oberfläche, die nur mit starken Lösungsmitteln entfernt werden kann. Das Harz, das ich verwende, kommt von der Firma Bindulin, und mit einer 50%igen Härterüberdosierung entsteht eine harte und trockene Oberfläche.




Als nächstes sind einige chirurgische Eingriffe am Hauptdeck erforderlich. Hier noch einmal im unbearbeiteten Zustand.




Die nachfolgenden Bilder habe ich als animierte gif (Vorher-Nachher) formatiert. Gebt mal bitte ein Feedback, ob das hilfreich ist oder ob das Geblinke eher nervt.

Hinter dem Bootshaus wurden die runden Lüftersockel entfernt werden (S38 hat eckige Lüfterrohre, die nicht im Deck endeten) und in der Mitte fallen die Luke und der Holzrost der Fräse zum Opfer. Später werden dort 4 Luken hintereinander liegen.



Mittschiffs wurde der gesamte Gefechtsstand der 20mm Zwillingsflak entfernt und der Deckaufbau durchgezogen. Nur die Lukenöffnung wird noch benötigt.



Dahinter liegt die Absenkung für die Luftansaughaube des hinteren Motorraums. Sie wurde verschlossen, da der Lüfter laut Zeichnung 1cm weiter vorn liegt als bei der S100-Klasse. Zum Schließen konnte ich übrigens den Schutzschild des 20mm Zwillings verwenden, der genau die richtige Dicke hatte. Die Auflager der Staukästen wurden ebenfalls entfernt. Auch hier kommen später Luken hin.



Am Heck wurden dann noch die Rauchbojen und die vier Sockel der Nebelkannen abgefräst.



…to be continued

:winken: Murdock
« Letzte Änderung: 20. November 2011, 11:08:47 von Murdock »

Wolf

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« Antwort #1 am: 09. März 2005, 17:38:19 »
Na, da können wir uns ja auf was gefasst machen ;)

Nee....im Ernst, ich bin schon wieder gespannt. :1:

Was die Animation angeht, so finde ich die Idee prima, habe aber 2 Verbesserungswünsche. Mehrere Animationen untereinander mit verschiedenen Wechselintervallen ist ein klein wenig störend, also besser größere Abstände zwischen den Bildern. Außerdem würde ich die Einzelbilder der Animation etwas länger stehen lassen, so dass man sich genauer drauf konzentrieren kann.
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« Antwort #2 am: 09. März 2005, 18:28:02 »
Hallo Lutz,

ich freue mich schon auf die nächsten Bauberichte. Deine Arbeiten sind immer faszinierend!

Was die Animationen angeht würde ich mir beide Bilder lieber nebeneinander wünschen. So ist ein Vergleich einfacher.

:winken:
Torben

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« Antwort #3 am: 09. März 2005, 18:37:22 »
Hallo,
na da haste dir aber wieder was ausgedacht. Das schau ich mir natürlich an.
Was die Gifs anbelangt, da tut sich nix, ich seh nur ein normales Bild. Einstellungen vom Browser hab ich kontrolliert.
Gruß aus Hamburg
Rolf Karotka
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« Antwort #4 am: 09. März 2005, 18:38:42 »
@Murdock

Absolut der Hammer:P  
Jetzt weiß ich endlich, warum Talisker Dich immer Meister Murdock nenntX( . Den Baubericht habe ich mir direkt unter meinen Favoriten gespeichert, damit ich nichts verpasse.
Wie fein dürfen / können eigentlich die Gravuren sein, die sich mit dem Gießharzverfahren noch nachbilden lassen? Weißt Du etwas über die Alterungsbeständigkeit und Maßhaltigkeit des Materials? Das Verfahren hört sich sehr interessant an 8)

Bei Deinen Animationen kann ich mich Wolfs Aussage nur anschließen.
:winken:  Christian

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Talisker

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« Antwort #5 am: 09. März 2005, 19:54:21 »
Hallo Meister Murdock,

das wird ja mal wieder ein richtiges Sahnestück! :1:
Aus Deinen Bauberichten kann man immer unglaublich viele neue und kreative Bautechniken abschauen. So genial einfache Lösungen wie der direkte Abguß der Luke animieren einfach zum nachahmen :P

Das mit den animierten GIF's, naja die Funktion ist halt in meinem Browser abgeschaltet... ;)

:winken:
Talisker

Murdock

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« Antwort #6 am: 09. März 2005, 19:57:12 »
Die Wechselperiode der animieten gif-Bilder kann ich nicht weiter erhöhen. Mehr als 180 ms ist nicht drin. Da außerdem einige browser offensichtlich Probleme bei der Darstellung haben, bin ich wieder zur klassischen Ansicht zurückgekommen.  Wolf hat schon recht: 4 gif´s untereinander blinken wie Las Vegas :D

@br06

   
Zitat
Wie fein dürfen / können eigentlich die Gravuren sein, die sich mit dem Gießharzverfahren noch nachbilden lassen? Weißt Du etwas über die Alterungsbeständigkeit und Maßhaltigkeit des Materials? Das Verfahren hört sich sehr interessant an


Zur Feinheit: Nach dem Mischen von Harz und Härter nimmt die Fließfähigkeit logischerweise ständig ab. Entweder es fließt innerhalb der -sagen wir mal- ersten Minute in eine filigrane Struktur, oder es fließt nie dahin. Das hängt dann auch wieder davon ab, wie dick das Harz vergossen wird (statischer Druck), wie tief die Struktur ist usw.  Aus dem bauch heraus sage ich mal :1/10mm ist machbar.

Zur Alterungsbeständigkeit: Mein Nachbar hat einen 76er Polo und der fährt schon seit  20 Jahren mit einem glasfasergeflickten Kotflügel herum. Der sieht trotz Witterungseinflüssen und mechanischen Belastungen noch ganz ordentlich aus. Der Kotflügel, nicht der Nachbar.  :D

Zur Maßhaltigkeit: Ich habe grad mal nachgemessen. Die Plastikluke ist 10,1mm breit, die Polyesterkopie 9,8 mm.  Also knapp 3% Schrumpfung. Das schließt allerdings auch die Schumpfungsrate des Silikons ein, aus dem die Form hergestellt wurde. Wenn Du original und Kopie  nebeneinader liegen siehst, erkennst Du die Abweichung aber nicht.

:winken: Murdock

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« Antwort #7 am: 09. März 2005, 20:07:14 »
@Murdock

Danke für die Infos. So komme ich vielleicht doch noch an vernünftige Stahlschwellen für meinen Bahnhof. :D
:winken:  Christian

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« Antwort #8 am: 09. März 2005, 20:13:05 »
Hallo MM ;)

Ich wünsche mir jetzt einfach mal was.

Mach weiter so und erkläre die Techniken möglichst umfassend. Man kann ja ggf. nachfragen.

Was die Gußmethode angeht, hört sich das in der Tat recht einfach an. Und das sind ja bekanntermassen die besten Lösungen. Hat Talisker ja auch schon erwähnt.

Weitere Lobeshymnen erspare ich mir an dieser Stelle. Mal sehen wie lange ich das durchhalte.

Ich bin ja ein bekennender "nur auf dem trockenen Schiffer". Aber das ist vollkommen egal. Denn auch hier kann man was über Modellbau allgemein lernen.

Insofern kannst Du Dir auch meiner Beobachtung gewiss sein.

Spritti :winken:

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KlausH

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« Antwort #9 am: 09. März 2005, 20:25:45 »
Hi Murdock,

vielversprechender Anfang! Ich wette, da lauert schon wieder einer deiner hochinteressanten Berichte auf uns. :1:

Denn mal ran, der Thread ist abonniert!

Schöne Grüße
Klaus

Alex

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« Antwort #10 am: 09. März 2005, 20:28:05 »
Murdock,
bei Deinen Bauorgien frage ich mich ernsthaft, ob scratch bauen nicht fast schneller wäre als Umbauen...

Gratulation, sieht schon mal vielversprechend aus!
Alex
Hier ist mein Portfolio, und hier meine weiteren Berichte (<-- Upgedated am 20.9.2015)
Finisher des Phantom-, Viermot-, Matchbox- und Artillerie-Groupbuilds, sowie des Bierdeckels-, Panzer-, Oldtimer- und OOB-Contests!

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« Antwort #11 am: 09. März 2005, 20:31:16 »
Hi Murdock,
wiedermal ein vielversprechender und interressanter baubericht von Dir!!:P
Da ich ein Fan der Deutschen S-Boote bin bin ich schon mal gespannt wie es weiter geht. Hau drauf ich freu mich schon.
Scamy:winken:

Im Bau:
:baby: Diorama "Unternehmen Zitadelle"
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panzerchen

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« Antwort #12 am: 09. März 2005, 21:19:53 »
dieses rötliche Silikon, verwendest Du das temperaturbeständige zum Abguß von Zinnteilen ?
Das ist ja nicht so weich.
Ist Dir bekannt, ob das noch feiner abformt ?

Ich gieße ja mit handelsüblichem Polyurethangießharz, das läßt sich 1:1 extrem einfach dosieren, härtet schnell aus und läßt sich prima weiterverarbeten.
Ist etwas teuer, aber auch angebrochen hält es bei mir jahrelang.

Dannebrog

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« Antwort #13 am: 09. März 2005, 21:24:07 »
...jetzt geeeeeht´s looos...
...jetzt geeeeeht´s looos...

:9: :9: :9:

Das fängt ja mal wieder gut an! Bin wie immer mit Spannung dabei!
Mit besten Empfehlungen vom Mike!
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Ein kanadisches Sprichwort sagt: "don´t eat yellow snow!"

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« Antwort #14 am: 09. März 2005, 21:39:33 »
Endlich wieder ein Murdock-Baubericht!!
Das Leben hat wieder einen Sinn :D :D :D

Dürfte sehr interesant werden.

@ Murdock

Wo bekommst du denn die 40mm Bofors her oder baust du nur eine 20mm am Heck ein?