Autor Thema:  Vakubausätze  (Gelesen 2025 mal)

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NVAfreak

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Vakubausätze
« am: 23. Juli 2002, 11:41:51 »
Es ist ja bekannt, dass Vaku-Bausätze etwas kompliezierter zu bauen sind als Spritzgussmodelle. Aber wer kennt eine verständliche und ausführliche Anleitung, wie man die Teile ausschneidet und sie nachbearbeiten muss?

Hans

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Vakubausätze
« Antwort #1 am: 23. Juli 2002, 13:37:53 »
Vor langer, langer Zeit, als ich noch Zeit und Nerven für Vakus hatte, ging ich folgendermaßen vor:

a) Umritzen der Einzelteile mit einem festen Skalpell, dicke Klinge. Nicht durchschneiden, nicht sägen, nur ritzen.

b) Ausbrechen der Teile. Geht gut und schnell.

c) versäubern, mit dem Skalpell

d) Abschleifen der Plattenstärke. Dazu hatte ich mir einen Modell-Bandschleifer aus dem R/C-Modellbau besorgt. Sehr kleine Teile habe ich mit der Hand 'freigeschliffen': 280er Sandpapier auf ebener Fläche fixiert und Teil plan abgeschliffen. Besonders auf Tragflächenhinterkanten achten!

e) Einsetzen von Spanten und Klebelaschen (aus Plastikplattenresten fertigen).

f) Bei sehr dünnem Plastikmaterial ( z.b. Airframe-Kits) habe ich mir oft die Spantenarbeit erspart und die Kits schlicht mit Prestolith ( 2-komponenten-Spachtel)aufgefüllt. Ging gut, kann aber aufgrund des Gewichts nicht überall verwendet werden.
Die heutige Alternative sind Mikro-Balloons ( aus dem R/C-Bedarf) und Epoxy, bei kleinen Teilen auch CA-Kleber. Stabilisiert die Teile ratz-fatz.

g) Kleinteile wie Propeller, Fahrwerke suchen. Andere Kits schlachten, die berühmte Ersatzteilkiste plündern, oder sein Monatseinkommen bei Aber, Eduard, CMK, Aeroclub abliefern.

h) Decals: Ditto

i) Klarsichtteile müssen ausgeschnitten werden, da geht die knack-und-kleb-Methode nicht. Für den Feinschnitt sind gute, kleine Scheren praktisch.

j) Die Oberflächenqualität ist manchmal bei positiv gezogenen Kits nicht so toll. Da muss man manchmal schleifen und nachgravieren, aber das geht genau so wie bei konventionellen Kits.

k) Unbedingt auf stabile, belastbare Klebungen achten! Ein Vaku wird öfters verschliffen und das Plastik ist weicher, macht leichter Verwindungen mit!

l) Flügelholme so stabil wie möglich bauen, auch mal an Messingrohr etc. denken!

m) Und die Fahrwerke auch stabil bauen!

Gutes Gelingen!

Hans

P.S. Welchen Typ hast Du denn vor?
Poly(1-phenylethan-1,2-diyl) makes it all

birdie

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Vakubausätze
« Antwort #2 am: 23. Juli 2002, 21:57:38 »
Hier nun Überflüssigerweise nun noch mein Beitrag. Ein Anderer (Hans) war mal wieder schneller!

Vacu-Bausätze ausschneiden und verschleifen.
Bei Vacu-Bausätzen befinden sich bekanntlich die Teile in einer oder mehreren Platten, aus denen sie ausgeschnitten werden müssen. Außerdem muss die Stärke der Kunststoffplatte an den Teilen abgeschliffen werden. Ich praktiziere dies in folgender Weise: zuerst umfahre ich alle Teile mit einem Permanent-Faserstift mittlerer oder feiner Stärke genau im Übergang Teil/Platte. Durch diese Markierung sieht man später besser wie weit man schleifen muss. Nun werden die Teile mit einem Abbrechklingen-Messer grob ausgeschnitten. Anschließend werden sie mit einer Schere oder Messer soweit sauber ausgeschnitten, das noch ein Rand von etwa 2-3 mm rund um das Teil stehen bleibt. Andere Anleitungen empfehlen nun das Teil (z.B. Flugzeugrumpf) auf einer ebenen mit Schmirgelpapier versehenen Platte zu verschleifen. Ich habe bei dieser Methode große Schwierigkeiten, da sich der relativ großflächige Rumpf auf dem Schleifpapier sehr schlecht bewegen lässt, man viel Kraft braucht und auch auf das dünnwandige Teil große Kraft (drücken) ausüben muss, außerdem lässt sich eine Rumpfhälfte auch meist schlecht anfassen. Zudem ist die gleichmäßige Druckausübung auf das mehr oder weniger große Teil auch nicht sonderlich gut möglich. Ich befürchtete immer ein Brechen der Teile. Aus diesem Grunde verwende ich einen üblichen Schleifklotz aus Kork oder Kunststoff, wie es sie in jedem Baumarkt gibt. Für den ersten Schleifdurchgang benutze ich 120er Körnung für schnellen Materialabtrag. Ich nehme dazu (als Rechtshänder) die Rumpfhälfte in die linke Hand und beginne einen Bereich des Rumpfes zu verschleifen. Und zwar so lange bis die dunkle Markierung des Filzstiftes gut durchscheint. Dann kommt der nächste Bereich dran und so weiter. Man muss dabei unbedingt darauf achten, das man nicht zu sehr Aufdrückt und dadurch das zu verschleifende Teil verformt, ebenso SEHR darauf achten die bereits fertigen Bereiche nicht noch dünner zu schleifen. GANZ SCHNELL IST ZU VIEL WEG !!! Beim zweiten Durchgang nehme ich Schleifpapier mit 240er Körnung und arbeite nun das Restmaterial vorsichtig herunter bis sich der markierte Rand von Teil ablöst. Der dritte Durchgang ist dann das kurze Glätten der verschliffenen Kanten. Habe ich beide Rumpfhälften fertig, setze ich sie mit Tesafilm probehalber zusammen um die Passgenauigkeit zu prüfen. Als nächstes schneide ich nun die Öffnungen für Cockpit, Fenster, Kühler etc. aus. Bei größeren Rümpfen setze ich zur Stabilitätserhöhung Spanten ein. Die ich mit Hilfe einer Formenlehre (erhältlich bei Rai-Ro für 13,04 Euro) anfertige. Aus Restkunststoff schneide ich mir dann ca. 3 mm breite und 2 – 3 cm lange Streifen aus, die rundherum als Klebelaschen innen an den Rumpf geklebt werden und zur Hälfte in den anderen Rumpf dann hineinragen. Nun wird wieder die zweite Rumpfhälfte angehalten und geprüft ob sie noch passt. Sie wird mit Sicherheit wegen der Klebelaschen nicht passen. Diese müssen dann durch vorsichtiges Verschleifen angepasst werden. Als nächstes prüfen, ob am Übergang/Klebenaht der beiden Rumpfhälften zum Anpassen geschliffen werden muss. Ist das der Fall, sollte diese Stelle(n) mit Plasticsheet  unterfüttert werden, da das dünne Vacu-Material schnell durchgeschliffen ist! Der Aufstand mit den Klebelaschen ist erforderlich, da der dünne Kunststoff beim Kleben nicht viel „Fleisch“ hergibt und die Naht bei Belastung (anfassen) schnell aufplatzen kann. Bei den anderen Teilen des Bausatzes kann man nun in gleicher weise vorgehen.
Und irgendwann kommt dann das Übelste: das Ausschneiden und Anpassen der Vacu-Kanzel aus PVC! Ich schneide sie zuerst wieder grob aus, dann mit einer gebogenen kleinen Nagelschere dicht am Rand zurecht. Bei starken Rundungen ist hierbei größte Vorsicht von Nöten! Und nun kommt das elendige Anpassen mit Schleifpapier! Viel Spaß!
Auch das Verkleben der PVC-Klarsichtteile ist nicht so einfach. So toll hielt das mit Weißleim nicht unbedingt! Zu diesem Thema später noch ein neuer Beitrag.

Viel Freude und lahme Arme
Wünscht
Birdie