Die Modellbau Themen* > Bismarck und Titanic

 Furttenbach-Galeere "Fulmen in hostes"

<< < (2/4) > >>

jaerschen:
Hallo Steffen,

schön mal wieder ien Lebenszeichen von dir zu sehen  :1:
Was machen eigentlich deine Projekte?

galeotti:

--- Zitat ---Original von jaerschen
schön mal wieder ien Lebenszeichen von dir zu sehen  :1:
Was machen eigentlich deine Projekte?
--- Ende Zitat ---

Hallo Jürgen, freut mich, dass Du mich vermisst hast. In den vergangenen Wochen war ich leider fast nicht daheim. Ich war beruflich ständig unterwegs und bin dadurch überhaupt nicht mehr zum weiterbauen an meinen Modellen gekommen. Im Januar wird es meist etwas ruhiger und dann werde ich sicher wieder mehr Muse für mein Hobby haben.
Momentan lese ich gerade die originale Fassung von furttenbachs "Architectura Navalis". Da muß man so manchen Satz zehnmal durchlesen, ehe man ihn restlos verstanden hat, da der umständliche Satzbau dieser Epoche, mit jeder Menge italienischen Fachworten gewürzt , manchmal von unserer heutigen Ausdrucksweise weit entfernt ist. Aber wenn in einigen Jahrhunderten jemand unser verenglischtes Deutsch liest, wird er wohl auch ins grübeln kommen.
In der Beschreibung der maltesischen Capitana-Galeere habe ich aber auch einige interessante Details erfahren, die ich so noch nirgends gefunden habe. So liefen die Taue des Hauptgeschützes (canone de Corsia) über zwei Rollen in der Verkleidung der Rambade, unter allen Ruderbänken hindurch. Wenn das Geschütz abgefeuert war und durch den Rückstoß in der Corsia verschwunden war, wurde sie von den Rudersklaven wieder herausgezerrt. Ebenso verhielt es sich mit den Ankertauen. Das werde ich an meiner osmanischen Galeere noch ändern.
Ich habe aber auch dabei festgestellt, dass die Rekonstruktion der sog. Furttenbach-Galeere, bis auf die Form des Hecks, von Werner Zimmermann ,besser ist als ihr Ruf. Dass die Jahreszahl und der geschichtliche Hintergrund nicht stimmen, dürfte wohl auf Mondfeld zurückgehen und ändert nichts an der Qualität des Bauplans. Er ist auf alle Fälle viel besser recherschiert, als die "Capitana di Venetia" von Mondfeld, die völlig frei erfunden ist.
Ich hoffe, dass ich bald mal wieder, modellbauerisch, was Neues liefern kann.
 :winken: Steffen

AnobiumPunctatum:

--- Zitat ---Original von galeotti
Ich habe aber auch dabei festgestellt, dass die Rekonstruktion der sog. Furttenbach-Galeere, bis auf die Form des Hecks, von Werner Zimmermann ,besser ist als ihr Ruf. Dass die Jahreszahl und der geschichtliche Hintergrund nicht stimmen, dürfte wohl auf Mondfeld zurückgehen und ändert nichts an der Qualität des Bauplans. Er ist auf alle Fälle viel besser recherschiert, als die "Capitana di Venetia" von Mondfeld, die völlig frei erfunden ist.
Ich hoffe, dass ich bald mal wieder, modellbauerisch, was Neues liefern kann.
 :winken: Steffen
--- Ende Zitat ---


Hi Steffen,

das sind ja mal wirklich gute Nachrichten. Eine Galeere mit sichtbarem Zimmerwerk reizt mich noch. Ich finde das Modell sehr schön.

galeotti:
Hallo Christian, seit vorigem Jahr habe ich auch den Plansatz von Zimmermann. Jetzt habe ich ihn mir mal etwas genauer angesehen und habe doch einige Fehler gefunden. Zunächst ist die Jahreszahl 1571 vollkommener Unsinn. Die Galeere , deren Bau Furttenbnach beschrieben hat stammt aus der Zeit, in der er in Italien, zu Studienzwecken, weilte. also zwischen 1608 und 1620. Diese Epoche passt auch viel besser zum Aussehen des Schiffs. Auch die Seite mit den geschichtlichen Hintergründen ist wieder mondfeldsche Fantasie. Furttenbach wurde genau 20 Jahre nach der Seeschlacht von Lepanto geboren und konnte so wahrscheinlich schwer daran teilnehmen. Außerdem ist er nie Galeerenkapitän gewesen. Diesen Job erhielt kein Ausländer in Genua, sondern ausschließlich der einheimische Adel. Joseph Furttenbach hat nie für die Marine gearbeitet, sondern in Italien Studien zur Architektur, dem Theatewesen und Feuerwerk betrieben. Nebenbei beschäftigte er sich etwas mit dem italienischen Schiffbau.
 Furttenbach hat vermutlich auch teilweise aus der italienischen "Nautica Mediterranea", die auch vom Beginn des 17. Jh. stammte, abgeschrieben. Am Ende der "Architectura Navalis beschreibt Furttenbach die Schlacht von Lepanto. Er betont aber ausdrücklich, dass ihm dieses nur von Veteranen, die in Lepanto dabei waren, erzählt wurde. Ich verstehe überhaupt nicht, wieso Mondfeld derartigen historischen Murks von sich geben kann. 
Der Plan der Galeere hat auch einige Mängel. Mir ist bei allen Modellen, die die Furttenbach-Galeere darstellen, aufgefallen, dass immer die Laufgänge an den Dollborden fehlten und habe festgestellt ,dass sie auf den Plänen tatsächlich nicht eingezeichnet sind. Diese fehlten aber bei keiner Galeere, da sich darauf die Soldaten aufhielten und die Drehbassen bedienten. Auch waren diese beiden Gänge die Hauptverkehrswege durch das Schiff, da die Corsia ausschließlich den Aufsehern und den Offizieren vorbehalten war. Auch die Form der Espale( Kommandoplattform) finde ich ziemlich sonderbar. Normalerweise folgte sie in Ihrer Form der Schräge der Bänke und nicht rechtwinklig zur Corsia, wie bei Zimmermann. Furttenbach war kein übermäßig begnadeter Kupferstecher und hatte einige Schwierigkeiten mit der perspektivischen Darstellung. Deshalb sieht die Plattform auf seinem Stich rechtwinlig aus. Wenn man sich das Bild aber genauer ansieht, so haben die Ruderer den gleichen Abstand zur Kante der Espale. Also folgte sie auch der Schräge der Bänke. Völlig falsch finde ich auch die spitzwinklige Form der Lateinersegel.
Wenn man diese Fehler korrigiert, lässt sich aber aus den Plänen ein sehr schönes Modell einer Malteser- Capitana erstellen. Sehr schön finde ich, dass die einzelnen Ausleger herausgezeichnet sind.

AnobiumPunctatum:
Hallo Steffen,

vielen Dank für die Infos. Wenn ich Dich richtig verstanden habe, stimmt die Grundkonstruktion des Rumpfes und die Fehler liegen in den Details. Dann kann ich mein altes Vorhaben doch noch mal umsetzen *freu*

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln