Autor Thema:  The Young Sea Officer's Sheet Anchor - von Darcy Lever ( GB, 1808 )  (Gelesen 2069 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

hwe

  • MB Gigant
  • *****
  • Beiträge: 2210
  • I'm sailing...
    • www.ModellbauKunst.de
The young sea officer's sheet anchor - or - A key to the leading of rigging and to practical seamanship, von Darcy Lever, London 1808    

Titel:  The Young Sea Officer's Sheet Anchor
Autor:  Darcy Lever
ISBN:  0-486-40220-7
Format:  ca. DIN A 4
Seiten: 256
Illustrationen:  ca. die Hälfte der Seiten
Bindung: Paperback
Sprache:  Englisch
Preis ca. :  14,50 Euro bei Amazon (plus Porto & Verpackung)
Bezugsquelle: bei Amazon





Beschreibung:  

Auch dieses Buch ist keine Literatur, die man flüssig herunterlesen kann, wie ein Roman.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, handelt es sich um das britische Gegenstück zu
William Brady's "The Kedge Anchor"

Dieses Buch ist ein wenig älter als der genannte "Kedge Anchor" und kann somit ein wenig auch als sein
Vorbild gelten, denn wenn man die beiden Bücher direkt mit einander vergleicht, kommen einem gewisse
Darstellungen schon irgendwie verdammt bekannt vor.

Der Sheet Anchor ist vom Inhalt her nicht ganz so umfangreich. Er behandelt weniger Aspekte. Der
Schwerpunkt liegt, wie der Name schon verkündet, auf der Takelage und den Segeln. Dafür ist sein
großes Format sehr angehm. - Die Bilder würden sonst zu winzig und zu unscharf.

Wer also britische Schiffe aus der napoleonischen Zeit bauen und takeln möchte, sollte sich UNBEDINGT
dieses Buch zulegen!

Solche Schiffe wären beispielsweise die H.M.S. Victory, die H.M.S. Surprise, aber auch Unmengen weiterer Schiffe.

Das Buch besitzt kein Inhaltsverzeichnis, wie wir es kennen. Es wird zwar "Inhalt" (Contents) tituliert, es
handelt sich dabei aber eher um ein Stichwortverzeichnis, was in der Praxis für einen Seemann vielleicht
nützlicher war.

Ansonsten gliedert sich das Buch in die Teile:

* Rigging and Sail (Takelage und Segel)
* Seamanship (Seemannschaft)
* ein "Appendix"
* ein "Dictionary of sea terms" ("Wörterbuch der See-Ausdrücke", wörtlich)
* zwei Seiten "Notes"

dazu ein paar amüsante "critical Testimonials" in der Einleitung.

Darcy Lever, im Gegensatz zu William Brady, war kein Seemann, sondern eher ein Land-Gentleman und Soldat.

Dies war zu dieser Zeit allerdings keineswegs ungewöhnlich. Dr. William Burney, der die Ausgabe des "An
Universal Dictionary of the Marine" von William Falconer 1815 revidierte, war Schulleiter. Johann Hinrich
Röding ("Allgemeines Wörterbuch der Marine", 1794) war Tee-Händler.

Damals gab man sich als Mann von Welt eben so seinen Hobbies hin...

John H. Harland (zusammen mit Mark Myers, "Seamanship in the age of sail") hat sich für seine Recherchen
für sein Buch sehr stark auf Lever's Buch abgestützt.

Andere (zeitgenössische) Autoren, wie zum Beispiel Pieter Le Compte (Prakticale Zeevaartkunde, 1842) und
Eduard Bobrik (Handbuch der Praktischen Seefahrtskunde, 1845) haben eindeutig Lever's Buch reichlich
für ihre eigenen Zwecke "geplündert".

Was damals der zeitgenössischen (!) Konkurrenz gut genug schien, um kritiklos übernommen zu werden,
sollte für uns heute auch gut genug sein.


Fazit:  

Bei dem erhältlichen Paperback handelt es sich um einen Nachdruck der zweiten, erweiterten
Auflage von 1819.

Die Stiche sind meistens recht aufschlußreich.

Es ist eine authentische Quelle über die Vorgehensweisen in der BRITISCHEN Marine.

Nachdem es 1808 zum ersten Mal veröffentlicht wurde und es sicher einige Jahre gedauert hat,
das Material zu sammeln und das Buch zu schreiben und die Zeichnungen anzufertigen, darf man
es ruhigen Gewissens als "Bibel" für alle diejenigen ansehen, die britische Schiffe aus der Zeit
von ca. 1800 bis 1830 (und zum Teil sicher auch darüber hinaus) als Modell nachbauen wollen.


Pros und Contras kurz zusammengefasst:

+ Sehr guter Einblick in die Takelung eines Schiffes in der britischen Marine um 1808-1819
+ Sehr zuverlässige Quelle
+ aufschlußreiche Bilder
+ pure Fakten! - Kein Rätselraten späterer Generationen anhand von gefundenden Fragmenten.
+ Es ist sehr preiswert

- Es ist englisch
- Es ist etwas unübersichtlich.

Ciao,

HWE
 :mariinee:

Edit: Hier noch das Original-Cover der Second Edition von 1819:



Marcus.K.

  • MB Star
  • ****
  • Beiträge: 1001
  • Hunderttausend heulende und jaulende Höllenhunde!
The Young Sea Officer's Sheet Anchor - von Darcy Lever ( GB, 1808 )
« Antwort #1 am: 14. Oktober 2007, 01:13:49 »
Hallo Herbert,

sehr schön! Da haben wir die beiden ja komplett!

Ich denke, das werde ich mir demnächst mal antun, ist ja auch wirklich preisgünstig.
Danke, dass Du die beiden Bücher präsentiert hast!

hwe

  • MB Gigant
  • *****
  • Beiträge: 2210
  • I'm sailing...
    • www.ModellbauKunst.de
The Young Sea Officer's Sheet Anchor - von Darcy Lever ( GB, 1808 )
« Antwort #2 am: 14. Oktober 2007, 10:28:23 »
Hallo Marcus!

Zitat
Original von Marcus.K.
Hallo Herbert,

sehr schön! Da haben wir die beiden ja komplett!

Jep. - das war auch meine Absicht. :)
Zitat

Ich denke, das werde ich mir demnächst mal antun, ist ja auch wirklich preisgünstig.
Danke, dass Du die beiden Bücher präsentiert hast!


Ich denke auch, da diese beiden Bücher so preisgünstig sind, gibt es nicht den geringsten Grund, sie NICHT anzuschaffen, zumal sie wirklich erstklassige Quellen, quasi "aus erster Hand" sind.

Auch wenn es viele gute Bücher, gerade auch zum Thema Takelage, aus jüngerer Zeit gibt, so frage ich mich doch immer wieder, woher die Autoren ihr Wissen haben. - Bei den beiden "Anchor"-Büchern, ist die Sachlage klar. - Hier kommt das Wissen direkt aus der Praxis. - So wurde es gemacht!

Deswegen gilt bei mir, bevor ich einem jüngeren Buch glaube, glaube ich eher diesen beiden alten Büchern.

Und, wie bereits erwähnt, bei dem Preis kann man nichts falsch machen!

Ciao,

HWE
 :mariinee:

AnobiumPunctatum

  • aus Leidenschaft
  • Globaler Moderator
  • MB Superstar
  • *****
  • Beiträge: 6467
  • Holzwurm aus Leidenschaft
    • Modellmarine.de
The Young Sea Officer's Sheet Anchor - von Darcy Lever ( GB, 1808 )
« Antwort #3 am: 14. Oktober 2007, 12:33:57 »
Jetzt müsstest Du nur noch ein Buch über die französische Takelung und ihre Besonderheiten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vorstellen ;)

Zwei sehr interessante Bücher hast Du hier vorgestellt. :P
:winken:  Christian

in der Werft: Medway Longboat, 1742 - 1/24; HMS Winchelsea, 1764 - 1/48
auf dem Zeichenbrett: HMS Triton, 1773

"Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

hwe

  • MB Gigant
  • *****
  • Beiträge: 2210
  • I'm sailing...
    • www.ModellbauKunst.de
The Young Sea Officer's Sheet Anchor - von Darcy Lever ( GB, 1808 )
« Antwort #4 am: 14. Oktober 2007, 18:34:14 »
Zitat
Original von AnobiumPunctatum
Jetzt müsstest Du nur noch ein Buch über die französische Takelung und ihre Besonderheiten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vorstellen ;)

Dazu geht man auf die Seite von ANCRE ( ANCRE Homepage ), klickt rechts
oben auf die britische Flagge (meistens verstehen wir Englisch besser als Französisch) und danach unten
auf "REPRINTS OF OLD BOOKS". - Und dann kann man aus einer ganzen Reihe von prima Büchern auswählen.

Allerdings muss ich leider zugeben, dass es zwischen 1787 und 1846 eine Lücke gibt. - Wenn man sich aber
beide Bücher zulegt, kann man vielleicht erkennen, was sich zwischenzeitlich geändert hat. - Mit ein paar
zeitgenössischen Bildern dazu... ;)

Oder wenn dich nur Fregatten interessieren, gehe auf "BASIC BOOKS" und dann gibt es da: "Frigates in Frech Navy 1650-1850" - Ist aber, zugegebenermaßen ein modernes Werk.

Zitat

Zwei sehr interessante Bücher hast Du hier vorgestellt. :P

Danke! Das war meine Absicht! - Gutes muss nicht teuer sein!

Ciao,

HWE
 :mariinee:

AnobiumPunctatum

  • aus Leidenschaft
  • Globaler Moderator
  • MB Superstar
  • *****
  • Beiträge: 6467
  • Holzwurm aus Leidenschaft
    • Modellmarine.de
The Young Sea Officer's Sheet Anchor - von Darcy Lever ( GB, 1808 )
« Antwort #5 am: 14. Oktober 2007, 18:53:47 »
Tja, dummerweise sind die Bücher alle auf französisch und meine Kenntniesse dieser Sprache sind sagen wir mal so bescheiden wie ... (suche Dir eine Sprache aus ;) ).
:winken:  Christian

in der Werft: Medway Longboat, 1742 - 1/24; HMS Winchelsea, 1764 - 1/48
auf dem Zeichenbrett: HMS Triton, 1773

"Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

hwe

  • MB Gigant
  • *****
  • Beiträge: 2210
  • I'm sailing...
    • www.ModellbauKunst.de
The Young Sea Officer's Sheet Anchor - von Darcy Lever ( GB, 1808 )
« Antwort #6 am: 14. Oktober 2007, 19:03:25 »
Zitat
Original von AnobiumPunctatum
Tja, dummerweise sind die Bücher alle auf französisch und meine Kenntniesse dieser Sprache sind sagen wir mal so bescheiden wie ... (suche Dir eine Sprache aus ;) ).

Hmmmm.

Wenn diese Nachdrucke so ähnlich sind, wie die beiden vorgestellten, dann sind da sowieso viele, viele Bilder
drin, um bestimmte Dinge zu verdeutlichen. - Und was auch nicht so verkehrt ist: Wenn auf den Bildern
dasselbe zu sehen ist, wie auf den englischen, dann kann man anfangen die Worte zu vergleichen. - Damit
könnte man anfangen, die französischen Fachausdrücke zu lernen, was wieder bei der weiteren Lektüre
französischer Bücher helfen könnte...

Nur so als Idee...

Ich gebe es gerne öffentlich zu, ich habe in der Schule immer zwischen einer 4 minus und einer 5 in
Französisch gependelt. - Meine Lehrerin meinte immer, ich könnte viel, viel besser sein, wenn ich mich
mündlich stärker beteiligen würde (bitte jetzt keine dummen Witze!  :6: ), trotzdem bin ich schon zweimal in
Frankreich im Urlaub gewesen und konnte mich einigermassen verständigen. - Das nötigste geht irgendwie...

Über eine gute Übersetzung würde ich mich ebenfalls sehr freuen.

Ciao,

HWE
 :mariinee: