Autor Thema:  Historischer Schiffsmodellbau  (Gelesen 5356 mal)

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Marcus.K.

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Historischer Schiffsmodellbau
« am: 02. November 2007, 22:14:25 »
Historischer Schiffsmodellbau    


Titel:  Historischer Schiffsmodellbau
Autor:  Philip Reed
ISBN:  978-3-88180-724-1
Format:  22,8 x 16 x 0,6 cm
Sprache:  Deutsch
Preis ca. :  15 Euro z. B. HIER









Beschreibung:  


Dieses Büchlein (136 S.) zeigt in 384 sw-Bildern wie der Autor, Philip Reed ein Modell der HMS Majestic, einem 74-Kanonen-Schiff, aufbaut und ausrüstet.

Das Modell bildet ein Schiff ab, das 1785 zu Wasser gelassenen und 1790 in Dienst gestellt wurde. Es war, unter vielen anderen Gefechten, bei der Schlacht am Nil 1798 dabei und war an der Kaperung der USS President 1815 beteiligt, bevor es 1816 abgebrochen wurde.

Philip Reed ist Berufsmodellbauer der – über das Modellschiff der USS Constitution von Revell als erwachsener wieder zum Modellbau gekommen – seinen Lehrerberuf aufgegeben hat, um mit seinem Hobby seinen Unterhalt zu bestreiten. Sein Buch ist entstanden durch die Einsicht, dass ein photographischer Schritt-für-Schritt-Leitfaden vielen Hobby-Genossen ein gutes Werkzeug wäre, das ihm selbst immer fehlte.

Das Modell ist ein Wasserlinienmodell aus Vollrumpfholz, den er aber auf interessante Weise innen aushöhlt und ausbaut. Das Schiff wird auf einer hölzern, geschnitzten See dargestellt.  

Da der Autor versucht dem „Leser“ das Handwerk über Bilder zu vermitteln, denke ich, es wäre nur gerecht, wenn auch ich das Buch über Bilder beschreibe:

***
Bild 1: der Autor - na das Bild schenken wir uns vielleicht dann doch  :6: So hübsch ist er nicht (obwohl, dafür bin ich ja nun nicht der Fachmann!  :D )


Bild 2: Bilder der Erstellung des Rumpfes aus zwei Holzblöcken, innen ausgehöhlt und längs zusammengefügt.


Bild 3: Püttingseisen – der Wahnsinn, oder?


Bild 4: Blöcke im Maßstab 1/144


Bild 5: Galionsfigur – der König?


Bild 6: die Beiboote


Bild 7: der Autor schlägt seine Taue selbst


Bild 8: Hier ein Bild einer besonderen Hilfe: die Bretter schützen das Modell – auch bei Transport – und geben gleichzeitig der Hand gute Stütze bei Arbeiten in der Takelage


Bild 9: Impression des fertigen Modells


Bild 10: Heckansicht


Bild 11:  von Vorn

Hier noch ne wichtige Information - denn die Quellen sind mit das Wichtigste ...

Bild 12: die Bibliographie - und ups, jetzt ist mir ja doch noch ein Bild des Autors mit reingeflutscht ...

Inhaltsverzeichnis:
S.  7 Über den Autor
S.  8  Vorbemerkung                
S.  9  Das Schiff
S.  10 Einleitung  
S.  15 Die Werkstatt
S.  18 Bau des Modells  
S.  18 Der Rumpf
S.  35 Rüsten und Püttinge
S.  41 Decks und Bewaffnung
S.  65 Der Glockenstuhl
S.  66 Das Heck
S.  76 Der Bug und das Galion
S.  82 Karrondaden, Taue und Boote
S.  91 Hängemattennetze und andere Details
S.  96 Schnitzen der See
S. 100 Masten, Spieren, Rahen und Takelung
S.  108 Details die an den Mast gehören
S.  109 Auftakelung
S.  116  Anmerkung zur Erstellung eines Planes zur Bemastung und Takelung
S.  112 Anker und Hecklaterne
S.  124 Flaggen
S.  124 Epilog
S.  125 Wie man das Modell fotographiert
S.  127 Biblographie

Fazit:  

Das Buch zeigt – ähnlich den Bauberichten im Forum – den Werdegang eines wunderschönen Schiffsmodells von einem Profi. Natürlich kann diese Arbeit mit einem Hrn. Fröhlich nicht mithalten, der auch die kleinsten Details seiner Modelle fertigt, wie das die Schiffsbauer früher getan haben. Andererseits braucht man für seine Modelle aber auch ein Extra Zimmer zum Aufstellen, oder? Im Maßstab 1/144 geht zwar das ein oder andere Detail unter und auch die historische "Korrektheit" wird zweifelhafter .. dafür paßts aber auch in eine normale Etagenwohnung.

Wirklich erfahrene Modellbauer im Scratchbau werden nur punktuell neue Hinweise finden. Weniger Erfahrene (wie ich) finden hier eine sehr gute Anleitung für vielerlei Details – wie macht man Püttingeisen? Wie einen Charlie Nobel, … etc.. Dabei werden überall Tipps aus der Praxis vermittelt, die einem Neuling sonst erst über sehr viele Versuche und Fehler klar werden können. Der Nachteil natürlich: man kann den Autor nicht – wie die „Profis“ im Forum – nach Erläuterungen fragen …

Zusammenfassend:  

++ über 380 Bilder, die im Schritt-für-Schritt-Verfahren die Entstehung eines 74-Kanonenschiffes zeigen
++ Preis-Leistungs-Verhältnis
+  Beschreibungen eines Profis, mit vielen nützlichen Tipps

- Bilder leider alle Schwarz-Weiss
- Format leider etwas klein
- natürlich sinds immer noch viiiiel zu wenig Bilder für so einen Bau  ;) - aber das ist kein echtes Minus, bei dem Buchpreis!

hwe

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Historischer Schiffsmodellbau
« Antwort #1 am: 02. November 2007, 23:17:12 »
Hallo Marcus,

eigentlich hatte ich erwartet, dass Holger (HWB) uns irgendwann dieses Buch vorstellt.  :D

Es zählt definitiv auch mit zu meinen Lieblingsbüchern über den Modellbau von historischen Schiffsmodellen.

Die Akribie und die Liebe zum Detail, mit der Philip Reed seine Modelle baut, sind einfach genial!  :meister:  :meister:  :meister:

Für 15 Euro gehört dieses Buch einfach in die Sammlung von jedem, der sich ernsthaft mit historischem Schiffsmodellbau beschäftigt.  :1:  :1:  :1:

Toll finde ich auch, wie er aus dem Nähkästchen plaudert. - Man sieht einfach, dass man sich für den Schiffsmodellbau eben eigene Spezialwerkzeuge immer wieder selbst herstellen muss.

Wer wirklich schöne Modelle bauen will, kommt um diese Zusatzaufwände einfach nicht herum. Und durch die Lektüre dieses Buch es versteht man auch, wieso das so ist.  :1:

Also auch von mir eine uneingeschränkte Kaufempfehlung!

Schön, dass Du uns das Buch vorgestellt hast!

Ciao,

HWE
 :mariinee:

AnobiumPunctatum

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Historischer Schiffsmodellbau
« Antwort #2 am: 04. November 2007, 17:46:39 »
Ich finde das Buch nicht ganz so gelungen.

Die Beschreibung des Baus der Majestic und das Modell sind sicherlich sehr schön nach zu lesen. Aber ist die beschriebene Vorgehensweise auchdurch weniger geübte Modellbauer, denn an diese richtet sich ein Buch in erster Linie, das auch?

Die Methode zur Erstellung des Rumpfes halte ich für sehr aufwendig und nicht wirklich nachahmenswert. Die klassische Methode des Baus auf Spant, wie sie Modellbau.Fan bei seinem Baubericht zeigt, ist einfacher nachvollziehbar und bringt prima Ergebnisse.

Bei den Details und deren Umsetzung im kleinen Maßstab ist das Buch dagegen eine echte Fundgrube.

Wer im Maßstab 1/48 baut, benötigt das Buch dagegen nicht. Hier ist der Fröhlich mit Sicherheit die bessere Wahl.
:winken:  Christian

in der Werft: Medway Longboat, 1742 - 1/24; HMS Winchelsea, 1764 - 1/48
auf dem Zeichenbrett: HMS Triton, 1773

"Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

HWB

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Historischer Schiffsmodellbau
« Antwort #3 am: 05. November 2007, 17:51:11 »
Für mich noch immer eines der wichtigsten und interessantesten Bücher zum Thema Kniffe & Tricks. Gerade weil es sich mit kleinen Maßstäben befaßt, für größere Maßstäbe finden sich relativ viele Veröffentlichungen auf dem Markt. Leider sind diese Tricks nicht immer übertragbar.

Die Rumpfbauweise habe ich nie nachvollzogen. Halte ich aber auch nicht für so elementar, da man sich aus solchen Sammlungen immer das raussucht, was einem genehm ist. Beim Rumpf gehe ich andere Wege.


Zitat
Die Methode zur Erstellung des Rumpfes halte ich für sehr aufwendig und nicht wirklich nachahmenswert.

Hier tust du dem armen Reed aber unrecht.  ;)  Bei den kleinen und Kleinstmaßstäben ist man bemüht ein stabiles Grundgerüst zu bekommen. Das läßt sich nicht immer über die klassische Bauweise hinbekommen. Modellfans Gerippe der Heemskerck ist ein Meisterwerk! Die Spanten sind so filigran, daß sie wahrscheinlich schon bei geringem Druck brechen. Hier ist also äußersten Geschick gefragt. Auf Modellfans Fotos macht man das sich das meistens nicht klar, selbst mir geht es beim Betrachten oft so, daß ich die Größe völlig vergesse.
Aber die Heemskerck in 1/160 paßt ziemlich genau zur Hälfte in das Galion der Le Fleuron in 1/48!

Ich habe bei den Minitur-Miniturmodellen gesehen, daß ein Vollrumpf geschnitzt wurde, der anschließend ausgehölt und dann in Scheiben geschniitten wurde, um einzelne Spanten zu bekommen - das ist kompliziert.

Zitat
Wer im Maßstab 1/48 baut, benötigt das Buch dagegen nicht. Hier ist der Fröhlich mit Sicherheit die bessere Wahl.


Absolut richtig, hier muß man ganz klar unterscheiden. Ich habe im Frölich bisher nur geblättert. Ich ringe immer noch damit, ob ich ihn mir irgendwann einmal zulegen soll (muß  ;)  )

 :winken:
Holger

Im Bau: holländische Fregatte "Wapen van Edam" von 1644

In Planung:
HMS Royal Katherine 1664 Eendracht 1654

modellbau.fan

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Historischer Schiffsmodellbau
« Antwort #4 am: 06. November 2007, 12:34:53 »
Okay okay ... jetzt habt Ihr es mit Eurer Diskussion geschafft  ;)  : Ich bin so neugierig geworden und habe mir jetzt das Buch ... selbstverständlich nur zur Meinungsbildung ... bestellt.  :D

Ob der Spantenbau im Maßstab 1/160 in erhoffter Qualität erfolgreich ist, wage ich erst nach der Beplankung meiner Heemskerck zu bewerten. :pffft:  Ich denke, dass dies auch unterschiedlich schwer, je nach ausgewählten Schiffstyp, ist: z.B. eine Eindeckpinas würde ich wieder so aufsetzen ... eine Zweideckpinas (wie die Heemskerck eine ist) mit dem "zusätzlichen" Deck und den für die Stabilität der Spanten notwendigen Deckbalken treibt mich derzeitig in die Verzweiflung.  :14:
CU modellbau.fan  :winken:

Marcus.K.

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Historischer Schiffsmodellbau
« Antwort #5 am: 06. November 2007, 19:59:45 »
Hallo Modellbau.fan,

ich bin nicht sicher, ob Dir bei Deinem Können das Buch noch viel bringen wird. Du bist einer von den Experten, bei denen ich glaube, dass nur der ein oder andere Tipp Dich vorwärts bringen wird. Aber wer weiss, vielleicht ist es ja ein ganz wichtiger! Ich glaube bei ca. 15 Euro macht man nicht viel falsch. Notfalls einfach weiterverscherbeln.

Zu der unterschiedlichen Bewertung:
Ich hatte gehofft, ich hätte das deutlich genug rausgeschrieben - aber es ist wohl doch nicht präzise genug geschildert.
1. Das Buch hilft dem Anfänger sehr viel mehr, als einem erfahrenen Bastler.
2. das Thema ist ein Historischer Segler mit sehr kleinem Maßstab. Wer in größeren Maßstäben bauen möchte, dem wird das Buch nicht so viel bieten können.
Mir - als wirklichem Anfänger im Praktischen - gibt das Buch unendlich viele Tipps und Hinweise - endlich auch im Bild - von denen viele auch hier quasi oft als Voraussetzung ausgehen.

Daher finde ich es bedingt empfehlenswert - eben mit den oben geannten Bedingungen. Man ist noch nicht sehr erfahren und will Schiffe kleinen Maßstabes umsetzen!

modellbau.fan

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Historischer Schiffsmodellbau
« Antwort #6 am: 07. November 2007, 16:13:20 »
Hallo Marcus,
jetzt kannst Du aber hier jemanden rot werden sehen.  8)  Ich bin doch auch nur ein Anfänger!  :1:
Bauberichte grad in kleineren Maßstäben sind sehr selten ... da freue ich mich über jeden Bericht, den ich zu Lesen bekomme.
CU modellbau.fan  :winken:

hwe

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Historischer Schiffsmodellbau
« Antwort #7 am: 07. November 2007, 16:20:14 »
Hallo Modellbau.Fan,

wenn ich mir dein aktuelles Projekt, die Heemskerck in 1/160 so ansehe, dann denke ich, dass dieses
Buch gerade für dich besonders interessant ist. - Egal ob Anfänger, oder nicht. - Für den Winzlings-Maßstab ist das Ding einfach Gold wert!

Ciao,

HWE
 :mariinee:

Zitat
Original von modellbau.fan
Hallo Marcus,
jetzt kannst Du aber hier jemanden rot werden sehen.  8)  Ich bin doch auch nur ein Anfänger!  :1:
Bauberichte grad in kleineren Maßstäben sind sehr selten ... da freue ich mich über jeden Bericht, den ich zu Lesen bekomme.
CU modellbau.fan  :winken:

modellbau.fan

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Historischer Schiffsmodellbau
« Antwort #8 am: 17. Dezember 2007, 10:02:09 »
Hallo zusammen,

vielleicht ist es noch nicht bekannt:

Bei Interesse Phillip Reeds Modelle, insbesondere auch die "HMS Majestic", in Farbe zu sehen, einfach folgendem Link aufrufen:

Phillip Reed auf www.shipmodel.com

@hwe & Marcus: Ich kann Eure Empfehlungen nur bestätigen. Es gibt für kleinere Maßstäbe schwierige Punkte bei denen Reed einfache Lösungen aufzeigt.

CU modelbau.fan  :winken: