Autor Thema:  The Ships of Trafalgar - von Peter Goodwin  (Gelesen 2149 mal)

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The Ships of Trafalgar - von Peter Goodwin
« am: 18. November 2007, 18:12:52 »
The Ships of Trafalgar - von Peter Goodwin    


Titel:  The Ships of Trafalgar - The British, French and Spanish Fleets October 1805
Autor:  Peter Goodwin, Keeper and Curator of H.M.S. Victory
ISBN:  1 84486015 9
Format:  ca. 25 (breit) x 30 cm (hoch)
Sprache:  Englisch
Preis ca. :  zwischen 35 und 65 Euro (je nach Quelle)



 




Beschreibung:  

Das vorliegende Buch handelt nicht von der Schlacht von Trafalgar. - Es handelt auch nicht von den politischen Umständen, die zu der Schlacht führten. - Es handelt auch nicht von den allgemeinen Lebensbedingungen damals. - Nein, denn diese Dinge sind alle bereits in epischer Breite an anderer Stelle tausendfach beschrieben worden.

Dieses Buch ist einzig und allein den Schiffen gewidmet, die bei Trafalgar kämpften.

Und zwar nicht nur der britischen, sondern auch der französischen und der spanischen Flotte!

Auf 256 Seiten (Das Buch wiegt 1,6 Kilo) stellt uns der Bewahrer un Kurator des letzten Schiffes, das an der Schlacht teilgenommen hat, *alle* Schiffe vor, die an der Schlacht teilgenommen haben.

Fast jedes Schiff, im Schnitt aber mindestens jedes Zweite, wird mit Risszeichnungen vorgestellt. - Fast alle Zeichnungen sind Rekonstruktionen des Autors, die - wie ich meine - deswegen nicht schlecht sein müssen. - Denn als Bewahrer und Kurator der Victory hat Peter Goodwin ziemlich sicher noch besseren Zugang zu allen Quellen, als unsereins.

Die Zeichnungen enthalten jeweils den Spantriss, als auch den kompletten Linienriss und einen Seitenriss, aber ohne Takelage. - Eine wenige Schiffe werden gleich in mehreren Versionen gezeigt. - So zum Beispiel die Victory mit einem Seitenriss von 1765 (Stapellauf) und auch von 1803-1805. - Bei der Victory wird auch ein Längsschnitt um 1805 gezeigt (wie auch bei einigen anderen Schiffen auch), sowie diverse Deckpläne.

Zu jedem Schiff wird im wesentlichen erfasst:

- einiges über die Vorgeschichte,
- die Spezifikationen für den Bau (soweit noch vorhanden), aber auch weitere technische Daten (Prima zum "Quartett" spielen ;) )
- das "Progess Book"  - Reparaturen mit Kosten
- eine Liste der Kapitäne, mit Dienstzeit, von wann bis wann, sowie den Ausscheidungsgrund (Befördert, versetzt (wohin), abgedankt, verstorben,...)
- eine "Service History", also eine möglichst vollständige Geschichte, was das Schiff vor Trafalgar erlebt hat und was danach

Hier mal eine Beispielseite, zufällig über die Victory:



Das Buch ist in erster Linie in drei Hauptteile untergliedert. - Ganz einfach - in die drei Nationen.

Zuerst ist aus britischer Sicht natürlich die britisch Flotte dran. - Mit 153 von 256 Seiten, mit Sicherheit auch der "Löwenanteil" an dem Buch. - Als zweites kommen die Franzosen dran, mit 45 Seiten und als letztes die Spanier, mit 27 Seiten.

Jeder Abschnitt ist unterteilt in weitere Kapitel. Jedes Kapitel ist der jeweiligen Schiffsklasse gewidmet, also bei den Briten 6 Kapitel:

- die Schiffe ersten Ranges (Britannia, Royal Sovereign, Victory - jeweils 100 Kanonen-Klasse)
- die Schiffe zweiten Ranges (Dreadnaught (98 ), Neptune (98 ), Temeraire (98 ), Prince (98 ), Tonnant (80))
- die 74er (dritter Rang), 16 Schiffe
- die 64er dritten Rangs: Africa, Agamemmnon, Polyphemus
- die Schiffe fünften Rangs: Naiad (38 ), Euryalus (36), Phoebe (36), Sirius (36)
- die restlichen britischen Schiffe (der bewaffnete Schoner "Pickle" und der bewaffnete Cutter "Entreprenante")

Bei den Franzosen sind es nur 4 Kapitel:

- die Schiffe zweiten Rangs (Bucentaure, Formidable, Indomptale, Neptune - je 80)
- die 74er dritten Rangs (14 Schiffe)
- die fünf Fregatten: Cornelie (40), Hermione (40), Hortense (40), Rhin (40), Themis (40)
- die zwei Briggs Furet und Argus

Die Spanier hatten im Einsatz:

- die Schiffe ersten Rangs: "Nuestra Senora de la Santisima Trinidad" (136), Principe de Asturias (112), Santa Ana (112), Rayo (100)
- die Schiffe dritten Rangs - drei 80er und acht 74er

Interessant ist, dass man zum Beispiel erfährt, dass das 74-Kanonen-Schiff "Swiftsure" das sechste dieses Namens bei den Briten war. - Dass aber zum Beispiel sein Breitseitengewicht mit 1000 Pfund deutlich höher als bei den anderen 74ern (ca. 780 Pfund) lag und damit fast auf dem Niveau der Schiffe zweiten Rangs (mit 98 Geschützen) war: Neptune (98 ) und Dreadnaught (98 ) mit je 1030/1048 Pfund, Prince (98 ) nur 904 Pfund.

Die fünfte Swiftsure kämpfte unter ihrem alten Namen in der französischen Flotte mit, wäre ihrer jüngeren Schwester aber vermutlich hoffnungslos unterlegen gewesen, mit ihrem Breitseitengewicht von 781 Pfund.

Die fünfte Swiftsure wurde bei Trafalgar übrigens zurück erobert und wurde dann in "Irresistible" umgetauft und dann irgendwann zu einem Gefangenenhulk, bis sie 1816 abgewrackt wurde.


Im Mittelteil des Buches gibt es einige (16) Farbseiten, die sehr stimmungsvolle Gemäde berühmter (und guter) moderner Marinemaler (Geoff Hunt und Derek Gardner und Gordon Frickers) zeigen (Zwei pro Seite). Dazu auch Fotos einiger Modelle und aus dem Inneren der Victory.


Im Teil über die französischen Schiffe findet man dann auch etwas über das Schicksal der "Duguay Trouin", einem 74-Kanonen-Schiff, das ebenfalls an Trafalgar, auf französischer Seite, teilgenommen hatte.

Die Duguay Trouin wurde wurde von den Briten erbeutet und überlebte auch den schweren Sturm nach der Schlacht. Sie wurde nach Plymouth gebracht und wieder seeklar gemacht und in die britische Flotte unter dem Namen "Implacable" eingegliedert.

Als "Implacable" nahm sie noch an einigen Aktionen teil, wurde dann 1855 zum "Training Ship".

1905, zur 100-Jahr-Feier von Trafalgar, lag sie noch an einer Mooring (schwimmend) in Devonport. Zusammen mit der Victory waren sie die beiden einzigen Schiffe, die Trafalgar noch miterlebt hatten.

1943 bis 1947 war sie immer noch als Schulungsschiff eingesetzt. 1947 wurde sie jedoch ins Trockedock geholt und man befand, dass ihr Rumpf zu stark verrottet war, so daß die Navy sehr hohe Ausgaben für die Restauration gehabt hätte.

1949 befand man, dass man die benötigten 500.000 britischen Pfund, die notwendig gewesen wären, um sie wieder herzustellen, nicht aufbringen konnte.

Also wurde sie am 2. Dezember 1949 vor der Insel Wight versenkt. - Hier die Fotos:




Diese Aktion führte dazu, das 1979 der "World Ship Trust" gegründet wurde. - Unter dem Motto: "Implacable, Never Again!"

Fazit:  

Das Buch wird seinem Titel voll gerecht. Es werden alle Schiffe, die an der Schlacht von Trafalgar teilgenommen haben, in einem engen, aber ausreichenden Rahmen behandelt.

Die Takelagen der Schiffe sind vernachlässigbar, da sie sich anhand der vorhandenen Unterlagen verhältnismäßig leicht rekonstruieren lassen, weil sie bereits weitgehend "standardisiert waren.

Die Risse sind zwar klein, werden aber nicht über zwei Seiten geführt, so dass man sie für kleinere Modelle durchaus als Ausgangsbasis verwenden kann.

Die Quellen sind sehr gut belegt, der Autor hat eine große Reputation.

Wer neue "Ziele" sucht, welche Schiffe er bauen möchte, findet hier eine reiche Auswahl. Das Hintergrundmaterial zu den Schiffen stellt eine gute Ausgangsbasis für weitere, eigene Recherchen dar. - Vor allem, wenn man sich die verschiedenen "Aktionen" anschaut, an denen die Schiffe außerhalb Trafalgar beteiligt waren. - Dort waren sie oft als Flaggschiffe kleinerer Geschwader im Einsatz und diese kleineren Einsätze sind ebenfalls immer wieder interessant zu lesen. So ist das Buch quasi gestopft voll mit Marine-Historie.

Für diejenigen, die Victory-Fans sind, ist es ein interessantes Buch, weil man mal in einem Buch einen Überblick über die gesamten Flotten und ihre Kampfkraft erhält. - Es erschreckt dann vielleicht ein wenig, dass die Victory mit ihren "100" Kanonen (Breitseitengewicht: 1194 Pfund) geradezu "klein" war, verglichen mit dem spanischen Flaggschiff, der "Nuestra Senora de la Santisima Trinidad", ein Vierdecker mit 136 Geschützen (Breitseitengewicht: zwischen 1204 und 1530 Pfund, je nach Ladung). - Risse und Längsschnitt der Santisima Trinidad sind im Buch enthalten.

Das Buch wurde 2005 erstmals veröffentlicht und sollte eigentlich noch überall zu bekommen sein.

Für etwas über 30 Euro, eine unbedingte Kaufempfehlung meinerseits!

+ alle Schiffe der Trafalgar-Schlacht "auf einen Blick"
+ sehr viele Rißzeichnungen
+ ein Autor mit großer Reputation
+ viele historische Hintergrund-Informationen
+ viele sehr gute technische Informationen
+ sehr schöner Farbteil

- englisch
- zu kurz

Wie gesagt, das Buch bekommt von mir eine absolut uneingeschränkte Kaufempfehlung!

"Implacable, Never Again!"

Ciao,

HWE
 :mariinee: