Autor Thema:  U.S.S. CONSTITUTION 1812-1815 – “Step-by step instructions and plans ... "  (Gelesen 8809 mal)

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Marcus.K.

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U.S.S. CONSTITUTION 1812-1815 – Bicentiennial Edition – “Step-by step instructions and plans to model the ship to her 1812 – 1815 configuration”

Autor: Laurence Arnot
Verlag: BlueJacket Ship Crafters – US amerikanischer Modellversandt - http://www.bluejacketinc.com/kits/ussconstitution.htm
Sprache: Englisch
ISBN-10: -
ISBN-13: -
Preis: inklusive Versandt: ca. 90 € (60 $ der Plansatz, 30 $ Versandtkosten)
Format: ca. 36 x 22 x 0,8 cm Paperback, Ordnerbinder, 124 Seiten
           + 4 lose Pläne ca. 106 x 77 cm


Plan 1 von 4 - Spars and Rigging


Plan 2 von 4 - Segelplan


Plan 3 von 4 - Masts and Spars


Plan 4 von 4 - Decks and Profile

Der Plansatz mit Begleitbuch, den es sowohl mit als auch ohne Modellbaumaterial gibt (inklusive einem grob vorbereiteten Vollholzrumpf), beschreibt das berühmte Schiff in seinem vermutlichen Zustand des „zweiten Unabhängigkeitskrieges“ gegen England 1812 bis 1815(http://de.wikipedia.org/wiki/Britisch-Amerikanischer_Krieg), als das Schiff sich seinen legendären Ruf („Old Ironside“) erwarb.


Über das Vorbild, die große amerikanische Fregatte, muss ich, so denke ich, an dieser Stelle nicht viel schreiben: die US Frigate Constitution wurde 1797 gebaut und war eine der sechs Fregatten, mit der die US Navy quasi gegründet wurde. Sie wurde mit ihren Schwesternschiffen ursprünglich gebaut, um der Piratenplage an der Nordafrikanischen Küste Herr zu werden. Allerdings wurde sie zunächst gegen französische Freibeuter eingesetzt und kam erst später zu mehr oder weniger erfolgreichen Gefechten vor Tripolis, um schließlich im Krieg 1812 gegen England ihre berühmten Gefechte zu liefern und Ihren Ruf zu gründen. Im Grunde waren es die Seegefechtserfolge der Constitution, die aus dem noch relativ losen, jungen Staatenbund, der im zweiten, sehr umstrittenen Krieg gegen England auch fast schon wieder zerbrochen wäre, psychologisch einen Einheit machten und damit erst die Vereinigten Staaten auch in den Köpfen der Amerikaner schuf.

In den folgenden Jahrzehnten wurde sie, langsam alt und zunehmend marode werdend, von der US Navy zu immer passiveren Aufgaben benutzt und war mehrfach vom Abwracken bedroht. Zeitweise wurde der Rumpf mit Beton (!!!) abgedichtet, um das Schiff vorm sinken zu schützen  :5:. Das brachte die Fregatte dann an ihrer Mole liegend fast trotzdem zum sinken - auch Beton ist recht schwer. Vor dem Abwracken gerettet wurde sie aber jedes Mal durch einen Aufschrei der amerikanischen Öffentlichkeit, so dass immer wieder Geld für ihren Erhalt gespendet und gesammelt wurde. Das Schiff wurde inzwischen mehrfach generalüberholt und so sind am heutigen Schiff nur Bruchteile der tatsächlich „originalen“ Bauteile vorhanden.

Die USS Constitution ist heute das älteste noch im Dienst befindliche und noch schwimmende Kriegsschiff der Welt. Nur die HMS Victory ist etwas älter – aber eben im Trockendock. Die "Consti" (nicht "Conny", denn so wurde unter den Zeitgenossen die US Frigate Constellation liebevoll genannt!) liegt heute im Hafen von Boston (wo sie erbaut wurde) und hat 1997 – zu ihrer zweihundertsten „Geburtstag“ - sogar noch einen kurzen Turn unter Segel durchgeführt. Alljährlich zum Unabhängigkeitstag wird sie ins offenere Gewässer des Hafens vor Boston geschleppt, wo sie ihren mächtigen Salut abfeuert.

Zur Zeit (2008) wird wieder ein Teil renoviert, so dass sie, nach meinem Kenntnissstand, nur eingeschränkt zu besichtigen ist.

Hier ein paar interessante Links:
Die offizielle Seite des Schiffes: http://www.ussconstitution.navy.mil/
Das sehenswerte Schiffsmuseum: http://www.ussconstitutionmuseum.org/
und was Wikipedia über das Schiff weiss: http://de.wikipedia.org/wiki/USS_Constitution


Der Plansatz stammt ursprünglich aus den 1970ern und wurde damals (und wird bis heute) in der amerikanischen Modellbau-Fachwelt sehr gelobt. Der Autor ist zwar weder Historiker noch professioneller Modellbauer, hat sich aber intensiv mit dem Schiff und seiner Geschichte befasst. In Zusammenarbeit mit dem USS Constitution Museum und auch mit Cmd. Tyrone Martin (einem ehemaligen Kommandanten des Schiffes, der als DER Experte schlechthin gilt und der in den 80ern des letzten Jahrhunderts die Politik der etappenweise Rück“bildung“ in die 1812er-Konfiguration des Originals durchgesetzt hat) ist wohl vor allem das Begleitbuch zur 200-Jahr-Feier des Schiffes überarbeitet worden und so dürften die beschriebenen Ausführungen relativ sicher durch zeitgenössische Quellen belegt sein.

Der Begleitband ist allerdings in erster Linie eine Beschreibung des Baues des Modellbausatzes, den man - als Ganzes oder Teilweise - bei BlueJacket beziehen kann und der auf der Grundlage des Arnot Modelles erstellt ist. Der Rumpf wird aus einem grob vorgefrästen Holzblock erstellt und beplankt.


Einsichten in das Begleit-"Buch" zum Erstellen des Rumpfes

Schnittkurven für die Schablonen

Dabei geht der Autor über die notwendigen Werkzeuge auch auf die Grundlagen der Modellbaumethode ein. In Anbetracht der Kürze des Buches können diese Hinweise jedoch lediglich als Tipps gelten und es bedarf schon erheblich mehr an fachlichem Können und Know-How um alleine mit diesem Buch ein schönes Modell bauen zu können. Auch fehlen jedwede Hinweise zum doch sehr speziellen Spantengerüst des Rumpfes. Gerade das aber ist doch eine der großen Besonderheiten dieses Schiffes, denn es gelang den Engländern erst nach dem Erbeuten und analysieren der Bauart der USS President, einem Schwesterschiff der Constitution, ebenso große, schnelle und ebenso schwer bewaffnete Fregatten "ins Rennen" zu schicken.
 
Ab dem Kanonendeck sind die Aufbauten im Detail beschrieben. Allerdings machen die Skizzen des Begleitbuches z. T. einen eher unprofessionellen Eindruck.


Skizze aus dem Begleitbuch

Auffaltbare Einlage mit dem "Framing" das "Spardecks"

In den vieldiskutierten Fragen des Heckspiegels und der Bemalung von 1812 ff. bezieht sich Arnod vor allem auf das Hull-Modell im Peabody Essex Museum in Salem, das von der 1812er Besatzung dem damaligen Kapitän Isaac Hull als geschenkt wurde und das von vielen als DIE verlässlichste Quelle überhaupt betrachtet wird. Hier ein Link zu Bildern von dem Modell.

http://www.modellboard.net/index.php?topic=19916.0

Auch Gemälde von Michele Felice Cornè (von denen einige freilich im Auftrag der erfolgreichen Kommandanten gemacht  - und damit ggf. etwas „geschönt“ sein könnten) werden als Quellen erwähnt.


Heckspiegel der Constitution um 1812 nach Arnold

Farbangaben für Details des Schiffes

Sehr schön ist übrigens, dass z. B. ein – soweit ich das heute sagen kann – kompletter Belegplan im Begleitband enthalten ist, so dass zumindest die Belegstellen der einzelnen Leinen klar sein sollten. In wie weit dieser Plan realisierbar ist, kann ich hoffentlich in einigen Monaten berichten. Auch hier ist die Grundlage wohl vor allem das Isaac-Hull-Modell, das über eine anerkannt ausgezeichnete Wiedergabe einer zeitgenössischen Takelage verfügt.

Der krasse "Widerspruch" zwischen der sehr guten Takelage und dem z. T. relativ rudimentär gestalteten Rumpf- und Decksdetails verursacht übrigens bei den Zweiflern am Modell die Bedenken über die Frage der Verlässlichkeit als primäre Quelle. Die Geschichte des Modelles scheint nur schwer nachvollziehbar. Einzig der Ursprung (Geschenk der Mannschaft von 1812 an Cmd. Hull) scheint gesichert. Aber wer wann was am Modell repariert oder "verbessert" haben mag, ist über die fast 200 Jahre nicht mehr lückenlos zu dokumentieren ...

Die Ausführung der Zeichnungen selber ist weniger professionell als es der Preis erwarten lassen könnte. Einen Vergleich mit den Werken eines Jean Boudroit ist schlicht nicht möglich. Das wäre als wolle man einen Rembrand (Boudroit) mit einem Straßenmaler (Arnod) vergleichen. Man merkt ihnen an, dass es eben "nur" Konstruktionszeichnungen für ein Modell sind. Selbst das Layout ist - in meinen Augen - einfach unschön und unprofessionell.

Einiges darin ist auch durchaus etwas zweifelhaft. Z. B. scheint mir der Decksplankenverlauf und auch die Stöße im folgenden Bild eher unrealisitsch - und da aus den Zeichnungen nicht zu erkennen ist, wo der Autor recherchierte Tatsachen und wo vermutete Wahrscheinlichkeiten und wo einfach Prinzipielles darstellt, muss vieles einfach kritisch hinterfragt werden.


Detailansicht des Decksplanes - man erkennt die etwas unprofessionelle Ausführung

Die Bibliographie ist recht umfangreich.


Ausszug aus der Bibliographie

Das Inhaltsverzeichnis

1 “Constitution – a second look” by Peter Stanford
2 “Eagle of the Seas” by CDR Tyrone G. Martin USN (Ret.)
3 CONSTITION´s 1812 Appearence, by CRD Martin
4 Constrcution Premliniaries – Tools, Glue, Paint
5 Schaping and Finische the Hull
6 Building the Stem, Keel, Sternpost and Rudder
7 Borming the Bulkwards and Gunports
8 Constrcition of the Gundeck
9 Installation of the 24-Pounders
10 Construction of the Spardeck
11 Construction of the Stern
12 Construction of the Quarter Galleries
13 Construction of the Bowheads
14 Mounting of the Spardeck Carronades
15 Coppering the Hull
16 Installation of the Bowsprit
17 Construction of the Masts and Yards
18 Construction of the Tops and Crosstrees
19 Construction of the Yards, Booms and Fittings
20 Painting the Model
21 Rigging the Model
22 The Ship´s Boats
23 Sails for the Constitution
24 Flags and Pennants
25 Finishing Touches – Nettings, Anchors, Figures, etc.
26 Tables:
A Constitution´s Masts and Spars
B Memorandum, Standing Rigging
C Constitution´s Sails
D Painting Schedule
E Fittings on the Spars
F Key to Spardeck Belaying Diagram
G. Setting Up the Standing Rigging
H Setting Up the Running Rigging
27 Biblographiy
28 Photographs of U.S.S. CONSTITUTION
29 Addenda and Notes


Fazit:
Das Buch und der Plansatz glänzt mit detaillierten Farbangaben sowie relativ präzisen Angaben zu bisher strittigen Ausführungen der 1812er Konfiguration des Schiffes. Der Autor hat seine Quellen studiert und sich – gemeinsam mit den Experten des Museums sowie DER Kapazität zum Schiff, Cmd. Martin – auf bestimmte Ausführungsdetails festgelegt. Ohne ein eigenes Quellenstudium wird es einem schwer fallen, präzisere Kenntnisse über das Schiff dieser Epoche zusammen zu tragen.

Aus dem beschriebenen Bausatz lässt sich vermutlich ein sehr schönes, authentisches Modell der großen Fregatte bauen. Die Beschreibungen gehen auf allgemeine Techniken und Modellbaugrundlagen relativ grob ein und bieten damit zumindest eine gute Grundlage – will man später einmal dieses Modell bauen. Will man es allerdings wirklich aus Holz bauen, sollten – darauf wird auch im Buch hingewiesen – schon gewisse Erfahrungen im Umgang mit dem Werkstoff und der Materie vorliegen – sonst wird man wenig Spaß haben und scheitern.

Nachteilig finde ich die recht unprofessionellen Zeichnungen und Skizzen. Die Strichstärke ist relativ grob, die Ausführungen von Details eher laienhaft. So haben diese Zeichnungen auch ästethisch wenig zu bieten – gerade im Vergleich mit preislich ähnlich liegenden Ancre-Werken. Überhaupt ist die Aufmachung der Zeichnungen, des Buches und auch des versendeten Paketes für dieses doch meist eher emotional betrachtete Thema und auch den Preis überraschend lieblos.

Auch der Umfang des Buches wird der Aufgabe kaum gerecht. Zwar handelt es sich bei der Beschreibung "nur" um das Begleitheft eines Plansatzes – aber z. B. im Vergleich mit dem wunderschönen Petrjeus-Buch des Modells der Brigg Irene oder auch den schon erwähnten Werken von Ancre sollte man für ein so wichtiges und vielbeachtetes Schiff eigentlich mehr erwarten können!

Schließlich – und hier gebe ich zu, dass ich eventuell einem gewissen Vorurteil unterliege – misstraue ich persönlich auch noch ein wenig der historischen Präzision unserer amerikanischen Freunde. Es ist in vielen Fragen schwer nachvollziehbar, wie gut sich Arnod an die Quellen gehalten hat – oder welche Quellen im Speziellen er verwendet hat. Vermutlich ist sein Werk weit besser recherchiert als z. B. der gut verkaufte AOTS-Band von Marquardt. Dennoch - auch wenn es kaum besser recherchierte käuflich erwerbbare Vorgaben gibt - ein wenig Skepsis bleibt bestehen.

Aber so lange niemand ein Farbphoto der USS Constitution aus dem Jahre 1812 aus dem Hut zaubert :D, kann dieser Bausatz und seine Plansätze durchaus als eine sehr realisitische Darstellung der wunderschönen und erfolgreichen alten Dame gelten.

Wer das Schiff als Modell dieser Epoche und in dieser Baumethode (nicht in Spantenbauweise) bauen möchte und wer keine Zeit/Geld für intensiveres Quellenstudium findet, dem wird der Plansatz sicher eine Hilfe sein. Für das selbe Geld lassen sich aber bei anderer Schiffswahl wesentlich schönere Dokumentationen erwerben.

+ relativ detaillierte Informationen über den letzten Kenntnisstand der 1812er Konfiguration
+ vergleichsweise verlässlich
+ schneller professioneller Versandt
+ einfache Bezahlung über Kreditkarte

- nur in englisch und aus den USA zu bestellen
- relativ „unprofessionelle“ Zeichnungen
- etwas lieblose Aufmachung - lose, grob gefaltete Plankopien, mit Schnellhefter gebundenes Begleit-"Buch"
- wenig Informationen zu anderen Epochen
- verglichen mit z. B. Ancre-Werken (vergleichbarer Preis!) ist die Art der Darstellung sowie die Mengen an Informationen eher enttäuschend

Edit: einige Korrekturen ...
« Letzte Änderung: 09. Mai 2008, 23:15:06 von Marcus.K. »

hwe

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Hallo Marcus,

vielen Dank für diese sehr ausführlichen und informative Beschreibung! - Klasse gemacht!  :klatsch:

Eine kleine Anmerkung hätte ich allerdings schon noch zu machen. Du schreibst selbst, dass der Plansatz in den 70ern entstanden ist.
Damals gab es noch keine Home-/Personalcomputer. Das war die Zeit vor der ersten Mondlandung. Damals war ein Computer mit der Leistung eines (heute schlechten) Taschenrechners so groß wie eine Waschmaschine. - Das bedeutet, wenn Du einen Plan haben wolltest,
musstest Du ihn von Hand zeichnen. Und nachdem die Repro damals nur über Fotos (und Ätzvorgänge) ging, mussten die Linien auf jeden
Fall deutlich sichtbar sein. - Das läuft darauf hinaus, dass sie einerseits mit Tinte gezeichnet wurden und deswegen andererseits etwas dicker
geraten, als das heute üblich ist. - Ich denke, sie stellen schon den Stand der Technik aus der Zeit dar.

Aber nachdem diese Pläne jetzt auch gut über 30 Jahre auf dem Buckel haben, könnte man sie schon mal wieder neu zeichnen...

Ansonsten: Tolles Review! - Vielen Dank!  :klatsch:

Ciao,

HWE
:mariinee:

Marcus.K.

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Eine kleine Anmerkung hätte ich allerdings schon noch zu machen. Du schreibst selbst, dass der Plansatz in den 70ern entstanden ist.
Damals gab es noch keine Home-/Personalcomputer. Das war die Zeit vor der ersten Mondlandung. Damals war ein Computer mit der Leistung eines (heute schlechten) Taschenrechners so groß wie eine Waschmaschine. - Das bedeutet, wenn Du einen Plan haben wolltest,
musstest Du ihn von Hand zeichnen. Und nachdem die Repro damals nur über Fotos (und Ätzvorgänge) ging, mussten die Linien auf jeden
Fall deutlich sichtbar sein. - Das läuft darauf hinaus, dass sie einerseits mit Tinte gezeichnet wurden und deswegen andererseits etwas dicker
geraten, als das heute üblich ist. - Ich denke, sie stellen schon den Stand der Technik aus der Zeit dar.

Aber nachdem diese Pläne jetzt auch gut über 30 Jahre auf dem Buckel haben, könnte man sie schon mal wieder neu zeichnen...
Schon richtig. Die Pläne sind - soweit ich das weiß - Ende der 70er von Arnod selbst gemacht worden. Nebenbei, die Mondlandungen waren Ende der 60er und Anfang der 70er  X( also 10 Jahre vorher. Natürlich waren die Pläne Tusche-Zeichnung, denn CAD-Systeme gab es damals für den Privatmann zumindest nicht. Wenn ich recht informiert bin, ist Arnod selbst Mathematik-Professor und hat weder einen professionellen Hintergrund in Geschichte, noch in Modellbau und auch wohl nicht in technischem Zeichnen.
Vermarktet wurde das Ganze von BlueJacket wohl Ende der 80er..

Ich habe selbst noch gelernt mit Tusche Technische Zeichnungen zu erstellen und kann daher sagen: das wäre auch damals schon besser gegangen!

Wenn man die Orgininalzeichnungen sieht (z. B. das Detail des Decks) erkennt man, dass Arnod z. T. einfach unpräzise Striche gezogen hat. Man kann z. B. nicht genau sagen, an welcher Planke der Plankenstoß nun sein soll, weil er ihn einfach z. T. über zwei Plankenstöße weg gezeichnet hat. Vielleicht wollte er damit andeuteten, dass er nicht wußte, welche Planke gerade HIER ihren Stoß hat .. aber das wirkt einfach unprofessionel

Auch die Strichstärken hätten durchaus dünner sein können - auch in den 70gern hatte man schon Kopiermaschinen (Pausmaschinen), die das wiedergegeben hätten. Und spätestens als BlueJacket die Vervielfältigung kommerziell betrieb, waren präzisere Techniken vorhanden.

Ich finde, man sieht den Zeichnungen einfach an, dass sie von einem Laien - auch in Fragen der Zeichnentechnik - gemacht sind. Und nicht zuletzt der ästhetische Aspekt finde ich beachtlich. Mich stören sogar so Details wie die Anordnung der Ansichten, die Wahl der vielen verschiedenen Schriftarten und das Layout des Zeichenkopfes. Das hätte ich so selbst bei einer simplen Stahlbauzeichnung oder einem Anlagenschemata im professionellen Bereich (wo Optik keine so entscheidende Rolle spielt) so nie gewagt abzugeben!

Aber so oder so: Zur Zeit der Entstehung mögen die Pläne sehr gute Vorgaben für ein Modellschiff gewesen sein. Nach heutigem Anspruch und Maßstab (im Vergleich mit anderen) sind zumindest die Zeichnungen eher als handwerklich schlecht einzustufen.
Zitat
Ansonsten: Tolles Review! - Vielen Dank!  :klatsch:
Danke für die Blumen - wenn ich schon keine Modelle vorstellen kann, will ich doch wenigstens auf diesem Gebiet meinen Beitrag hier im Board leisten.

USronald

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Danke für die Blumen - wenn ich schon keine Modelle vorstellen kann, will ich doch wenigstens auf diesem Gebiet meinen Beitrag hier im Board leisten.

Und das machst du wunderbar Marcus! Sehr schoner vorstellung  :P

Gruss,  8) Ronald 8)
Gruss, Ronald

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McCool

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Hallo Marcus, vielen Dank für die ausführliche Vorstellung! Persönlich wären mir weniger gut ausgeführte Zeichnungen, die auf solider Recherche basieren, lieber als sauber und visuell reizvolle, die lediglich Wissen vorspiegeln (ja, ich meine mal wieder gewisse "Anatomy"-Bände!  :3:)
Aber das oben auf dem vorletzten Scan gezeigte Deck ist natürlich Quatsch, sowohl Plankenverlauf als auch Plankenstöße. Es ist schon erstaunlich wie jemand, der sich jahrelang mit Holzschiffbau beschätigt hatl, dann dazu kommt, soetwas zu zeichnen. Ansonsten sehen die Zeichnungen aber für mich gar nicht so übel aus...  ;) Der Text enthält bestimmt viel interessante Hinweise. Leider scheint Marquardt beim Verfassen seiner Constitution "Anatomy" nicht auf diese Arbeit zurückgegriffen zu haben. Nach wie vor steht die ultimative Constitution-Rekonstruktion noch aus!  ;)

neffets71

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Hallo Marcus,

Vielen Dank für die super Buchvorstellung :klatsch:.

Kannst Du bitte den unteren Artikel etwas näher erleutern. Was für Farbangaben macht er den genau und für welchen Zeitraum?

Zitat
Das Buch und der Plansatz glänzt mit detaillierten Farbangaben sowie relativ präzisen Angaben zu bisher strittigen Ausführungen der 1812er Konfiguration des Schiffes.

Gruß Steffen

Marcus.K.

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Kannst Du bitte den unteren Artikel etwas näher erleutern. Was für Farbangaben macht er den genau und für welchen Zeitraum?
Zitat
Das Buch und der Plansatz glänzt mit detaillierten Farbangaben sowie relativ präzisen Angaben zu bisher strittigen Ausführungen der 1812er Konfiguration des Schiffes.
Aaaalso: Wenn man sich das vor-vorletzte Bild genau ansieht, dann kann man fast alles lesen, was alles farblich beschrieben wurde. Das ist für so ein altes Schiff ziemlich umfangreich!
Das Buch beschreibt die Farben der Constitution im Krieg 1812 und die mit * gekennzeichneten Angaben beziehen sich direkt auf eine sogenannten "Hull-Configuration", die man wohl nur mit Cmd. Hull in Verbindung bringen konnte. Sie hatte damals einen weißen Streifen, die Innenseite der Reling war grün. Ich muss mal nachsehen, ob die Breite des Streifens definiert ist - aber ich könnte Wetten, es ist identisch mit dem Hull-Modell.

Die "relativ präzissen Angaben zu biser strittigen Ausführungen" bezieht sich vor allem auf den Heckspiegel, bei dem sich Arnot ja festlegt(en musste). Man kann seinen Recherchen vertrauen. Man kann es auch lassen... ich denke Arnot wird sich - auch in Absprache mit Cmd. Martin schon um eine sehr intensive Recherche bemüht haben. Ich denke auch, dass er viele Corne-Bilder im Original ansehen konnte. So sind seine Schlußfolgerungen sich sehr wahrscheinlich. Mehr aber leider auch nicht!

Würde ich das Schiff selber so bauen, ich würde es als das auszeichnen, was es dann ist: die Interpretation des Schiffes um 1812 nach Arnot! So lange wir Arnot´s Quellen nicht kennen und nur seine "Lösung" sehen, werden wir die Wahrscheinlichkeit dass er richtig lag kaum Einschätzen können. Die Tatsache, dass die (amerikanische) Öffentlichkeit und auch "Fachleute" diese Auslegung größtenteils sehr loben, beeindruckt mich mittlerweile weniger. Man hat Jahrzehnte lang die Wasa blau angemalt und erst neuere Erkenntnise zeigen: sie war viel eher rot!

Dennoch: auch wenn Experten hie und da irren. Sie haben mehr Zeit mit Recherche verbracht, als wir das könnten. Man kann ihnen schon folgen - nur muss man sich dessen bewußt sein und sollte das nicht anders "verkaufen". Das IST nicht die Constitution von 1812 - es ist eine Interpretation des Schiffes um 1812. Das ist vielleicht etwas kleinlich - aber zumindest ehrlich.
Aber vielleicht muss man so kleinlich nicht sein, wenn man "nur" ein sehr schönes Schiff mit einer spannenden Geschichte handwerklich sauber bauen möchte. Das "nur" bewußt in Gänsefüsschen: denn das ist es ja, was uns alle hier vor allem antreibt! Und ein "nur" ist das gewiß nicht!

neffets71

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Sorry Marcus,

manchmal sieht man wirklich den Wald vor lauter Bäumen nicht :8:.
Hab ich doch die Farbtafel überlesen :pffft:.
Tut mir wirklich leid. Da schreibst Du schon so einen super Artikel und ich Depp überlese das wichtigste!

Aber mal was anderes, weißt Du zufällig wie groß die Corne Bilder im Original sind und wo man sich die Bilder mal größer als Postkartenformat ansehen kann (im Net. z.B.)?

Gruß
Steffen