Autor Thema:  Cochrane - the real master and commander, von David Cordingly  (Gelesen 2074 mal)

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Marcus.K.

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  • Hunderttausend heulende und jaulende Höllenhunde!
"Cochrane - the real master and commander", von David Cordingly

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Bloomsbury; Auflage: Reprint (16. September 2008)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1596915870
ISBN-13: 978-1596915879
Größe und/oder Gewicht: 23,1 x 15,5 x 3,6 cm



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Das Buch ist eine Biographie des britische Seehelden, Politikers, Freiheitskämpfer und Erfinders Thomas Cochrane, 10ter Earl of Dundonald, der in der in den Napoleonischen Kriegen zu Ruhm kam. Zunächst in dem er mit seiner Brig Sloop HMS Speedy die spanische und französische Küste "unsicher" machte, in dem er Prisen erbeutete, kleinere Küstenbatterien zerstörte, Meldestationen abbrannte und den Spaniern und Franzosen ein einziger Schrecken war!

Viele von Euch werden jetzt an Hornblower und vor allem an Jack Aubrey denken - "Kurs auf Spaniens Küste" - und DAS ist Lord Cochrane. Aubrey´s Abenteuerroman scheint fast buchstäblich abgeschrieben zu sein - und wie ich lernen durfte: genau das ist der Fall! Wie Aubrey ist auch Chochrane mit seinem Schiffsarzt befreundet (der aber - wie er selbst - Schotte ist). Wie bei Aubrey entkommen sie dank einer List (als dänisches Schiff mit Pest an Bord getarnt) einer überlegenden spanischen Fregatte - wie Aubrey überwältigt er später mit seiner deutlich kleineren Mannschaft das viel größere spanische Schiff - die Schebecke El Gamo - durch wiederholtes dichtes Heranfahren und nächstem Beschuss mit den kleinen Geschützen von "unten", während die mächtigeren Kanonen des großen Schiffes lediglich durch die Takelage der kleinen und flachen Speedy feuern konnten - und durch wiederholtes Wegziehen, sobald die Spanier sich zum Entern bereit machten. Wie beim Roman steuert auch hier der Arzt das Schiff - während alle anderen den Spanier enterten - und dieser Überraschungsangriff - gemeinsam mit den geschwärzten Gesichtern und dem Einholen der spanischen Flagge - ließ die zahlenmäßig weit überlegenen spanische Mannschaft "zusammenbrechen" und aufgeben. 

Die Parallelen gehen weiter: auch im realen Leben hat sich unser Held mit den Obrigkeiten angelegt und dafür die Quittung erhalten. Auch Cochrane erhielt nicht das erbeutete Schiff - es wurde verkauft.

Und wie unser Aubrey muss unser realer Held ein Postschiff nach Gibraltar begleiten - mit dem Befehl, keine Prisen zu machen! ... aber auch unser Held kann der Versuchung nicht widerstehen, feindliche Schiffe auf den Strand zu jagen und sie zu verbrennen. Und wie im Roman ist damit das vorläufige Ende der Speedy besiegelt - werden doch durch die Rauchsäulen französische Fregatten aufmerksam und zwingen das schwache Schiff nach zermürbender und aufopferungsvollen, ja z. T. dreisten Flucht-Manövern schließlich doch zur Aufgabe.

Patrick O´Brian musst nicht viel erfinden - die Kampagnen der HMS Speedy und das Auftreten von Lord Cochrane kann an Spannung, Abenteuer und Aufregung kaum gesteigert werden. Natürlich lesen sich im Abenteuerroman gerade die Gefechte deutlich "plastischer" als es der eher nüchterne und sachliche Bericht von Cordingly das kann.

Ich war beim Lesen dieses bemerkenswerten Lebenslaufes überrascht und erfreut - hatte ich doch bis dahin die Romane für heftige Übertreibungen gehalten. Andererseits muss man festhalten, dass die Leistungen von Cochrane und der Besatzung der Speedy - und auch der später Folgenden - auch damals schon einzigartig waren - und auch so betrachtet wurden. Wenn gleich man sagen muss, dass gerade die Erfolge der Speedy nur den "Insidern" bekannt wurden, achtete die Admiralität und Öffentlichkeit doch eher auf Gefechte größerer Kampfeinheiten. In der Summe jedoch muss bestätigt werden, dass Cochranes Aktionen erhebliche Unruhe an der französischen und spanischen Mittelmeerküste verursachten und militärische Kräfte banden, die so an anderer Stelle nicht zur Verfügung stand. Dabei war Cochrane mit seiner Speedy deutlich erfolgreicher als jedes andere britische Schiff.

Cochrane hatte das "Pech" niemals an einer größeren Schlacht teil zu nehmen. Er verdiente sich weitere Lorbeeren als Fregatten Kapitän. Mit der "Flying Pallas" war er weiter der Schrecken der Spanier und später - nach Napoleons etwas dreister Machtübernahme in Madrid - mit der "Imperieuse" durfte er ihren Freiheitskampf gegen die Franzosen unterstützten. Wobei er sich ob des erstaunlich übergangslosen Wechsels der spanischen Einstellung ihm gegenüber von „Verdammen“ zu „Huldigungen“ bewusst war.

Cordingleys Biographie beschreibt zwar auch die Abenteuer auf See - allerdings ist die Darstellung des Geschehens deutlich weniger dramatisch, als es die Abenteuerromen wiedergeben können. Der Autor hält sich selbstverständlich an die Quellen (von denen er reichlich gesammelt hat) - und verliert sich nicht in spekulativen Beschreibungen etwaiger Gefechtssituationen.

Weite Teile widmen sich dem politischen und gesellschaftlichen Lebens Lord Cochranes. Aufgewachsen in Schottland - den Ruin des Vaters erlebend und das Stammhaus verloren scheint vieles in Lord Cochranes Wesen darauf aus zu sein, finanzielle Unabhängigkeit zu erlagen. Aber auch sonst schien er ein Mensch zu sein, dem Unabhängigkeit - auch von Obrigkeiten, vor allem aber wohl auch von Ungerechtigkeiten (oder zumindest dem, was er als solche empfand) wichtig war. So war wohl einer seiner Charakterzüge, dass er es immer wieder verstand sich durch "Aufmüpfigkeiten" und Respektlosigkeiten z. T. mächtige Feinde zu machen. Deren Willkür und Korruption waren stets ebenfalls Angriffsziele seiner politischen - aber auch abenteuerlichen Aktionen. Sein Engagement war dabei getrieben von ähnlicher Aggressivität wie seine oft nächtlichen Überraschungsangriffe auf See oder an Land. So legte er sich auf Malta mir den für Prisenverteilung zuständigen "Beamten", bei denen Vetternwirtschaft offensichtlich war, so offensichtlich an, dass sie geradezu gezwungen waren, ihn zu arretieren! Er ließ sich befreien und entkam mit seiner Mannschaft auf See!

Politisch wurde er schon als junger Mann aktiv und wurde ins Parlament gewählt, wo er vor allem seine Feindschaften in der Admiralität pflegte, in dem er immer wieder Korruption und Willkür anprangerte.

So genial dieser Mann seine kriegerischen Angriffe plante und durchführt (seine Verlustrate war gerade im Angesicht seiner wagemutigen Aktionen überraschend gering!) so ungeschickt war er im Umgang mit der Obrigkeit und den Mächtigen. Vom Wesen her ein eher stiller, in sich gekehrter (Hornblower?!) und seinen Leuten gegenüber ein loyaler und führsorglicher Führer, konnte er es zeit seines Lebens nicht lassen, sich den Kopf an "von oben" organisierter Ungerechtigkeit blutig zu schlagen.

Einen seiner größten Triumphe verpasste Lord Cochrane unfreiwillig und Zeit seines Lebens bedauernd, weil sein Admiral Lord Gambier in der Battle of the Basque Roads es nicht wagte, trotz erfolgreichen Branderangriffs Cochranes auf einen im Hafen liegenden französischen Flottenverband, trotz seiner eigenmächtigen Verfolgung der flüchtenden und aufgelaufenen Linienschiffe und trotz mehrfacher Aufforderung per Flaggensignal die hilflosen feindlichen Schiffe mit der Macht der britischen Schwadron zu vernichten. Dieses Ereignis war dann wohl auch der Beginn von intriganten Feindseligkeiten, die über einen Prozess gegen Admiral Gambier (der wohl auch aufgrund der Besetzung des Tribunals zu keinem überraschenden Ergebnis kam - nämlich dass Lord Gambier sich mit seiner Vorsicht richtig entschieden hätte) in einen Finanzskandal, über den Lord Cochrane dank eines Onkels und dessen Freund erst hinein - und in der Folge hinab gezogen und zunächst ruiniert wurde.

Offensichtlich haben ein Onkel und ein befreundeter preußischer Offizier einen Plan umgesetzt, die Börsenkurse über geschickte Todesmeldungen bzgl. Napoleons so zu beeinflussen, dass es ihnen möglich war, riesige Gewinne zu machen. Da der Offizier sich gleich nach seiner notwendigen Maskerade als Kurier vom Festland in Lord Cochranes Wohnung in London umgezogen hatte - und Lord Cochranes selbst bei den Kursschwankungen vermutlich nur zufällig außerordentliche Gewinnen machte, wurde er sofort verdächtigt, den Coup mit organisiert zu haben. Der Prozess, der von Feinden Cochranes beeinflusst sein könnte, verlief für ihn sehr unglücklich und so wurde Lord Cochrane mit den beiden anderen - tatsächlichen - Tätern zu Zuchthaus verurteilt. Er wurde aus der Marine entlassen - und noch schlimmer: der Bath-Orden, den er für seinen Angriff auf die französische Flotte erhalten hatte - wurde ihm aberkannt. Dieses Ereignis bedeutete einen Bruch in seinem Leben, den er wohl nie ganz verwandt.

Aber auch hier wieder zeigte sich sein Wagemut! Er flüchtete in typischer Manier aus dem Gefängnis - wurde aber später wieder gefasst (er marschierte ungeniert ins Parlament, dessen Angehöriger er wieder war, um vor der Versammlung zu reden) und saß in der Folge seine Strafe unter verschärften Bedingungen ab.

Nicht mehr in der Lage, seinen Unterhalt mit dem Geschäft zu verdienen, das er am besten beherrschte (er bekam kein Kommando mehr in der britischen Marine), nahm er ein Angebot aus Chile an, die dortige Marine zum Unabhängigkeitskampf gegen Spanien anzuführen. Auch hier errang er mit Wagemut und intensiver Vorbereitung weiteren Ruhm und ist am erfolgreichen Ausgang der Unabhängigkeitskämpfe durchaus deutlich beteiligt. Später wird er nach Brasilien gerufen, wo ebenfalls für die Unabhängigkeit von der portugiesischen Krone gekämpft wurde. Und wieder kann er seine Gegner verblüffen, erschrecken und schlagen. Aber auch auf dem südamerikanischen Kontinent kommt ihm sein ungeschickter Umgang mit den Behörden und Machthabern in die Quere. Zeit seines Lebens wird er um nicht bezahlte Prisengelder kämpfen - wohingegen die jeweiligen Regierungen die Unregelmäßigkeiten in den Abrechnungen Cochranes monieren - und auch die ein oder andere Prise als nicht rechtmäßig angesehen werden.

Cochrane lässt sich ein weiteres Mal auf einen Unabhängigkeitskampf ein und wird Befehlshaber der griechischen Flotte im Kampf um Unabhängigkeit von der türkischen Herrschaft. Hier allerdings laufen ihm die Dinge aus dem Ruder. Zwar kann er einen erfolgreichen Angriff auf türkische Stellungen bei Athen anführen - muss dann aber hilflos mit ansehen, wie die türkische Besatzung, der man bei der Aufgabe freies Geleit zugesichert hatte, von seinen griechischen Truppen gnadenlos niedergemetzelt werden. Der weitere Krieg - auch auf See - verläuft wenig zufriedenstellend, da es Cochrane nicht gelingt, der griechischen Besatzung die Disziplin und Kampfesmoral einzuimpfen, die er von seinen britischen Seeleuten her kannte.

Zurück in England widmet er sich der Dampfmaschine, in der er schon früh die Zukunft der Seekriegsführung erkannte, und kann im Laufe der Jahre mehrere Patente anmelden, Versuche an Zügen (u. a. der berühmten "Rocket") und Schiffen durchführen .. wird aber niemals den erhofften kommerziellen Erfolg mit seiner "rotary steam engine" erlangen.

Schon über 70ig-jährig gelingt ihm die lang erkämpfte Rehabilitation, er wird Vice-Admiral und Befehlshaber der Kanadischen und Westindischen Station. Danach kümmert er sich weiter um die Dampfmaschine, lässt seinen Memoiren schreiben ... Fast 85ig jährig stirbt er an den Folgen einer Krankheit.


Das Buch (in Englisch) ist natürlich nicht so packend geschrieben, wie es die Seeromane sein können. Aber allein die schillernde Hauptfigur - in all ihren charakterlichen Eigenschaften - macht das Buch zu einem Lesevergnügen. Selbst der im Allgemeinen eher langweilige politische und gesellschaftliche Teil der Biographie vermag zu fesseln - man möchte wissen, wie es weiter geht.

Cochrane wird als ein genialer "Freibeuter" geschildert, der bei seinen Angriffen auf größtmögliche Vorbereitung, präziser Planung, den Überraschungseffekt und Schnelligkeit zählte. Seine Mannschaft war ihm offenbar das wichtigste - Risiken wurden stets nur gut kalkuliert eingegangen - und für die Unversehrtheit der Männer wurde - soweit in einer solchen Situation möglich - Vorsorge getragen.

An Land war Cochrane in seiner Jugend wohl eher unauffällig und still - als älterer Mann durchaus "gewichtig" und präsent. Bei seinen Leuten wurde er ob seiner direkten und distanzlosen Kommunikation und seiner Abneigung gegenüber dem Flogging zuweilen wohl auch als "Dad" bezeichnet.   

Ein durchaus kritischer Zug in seinem Charakter scheint sein offensichtlicher Drang nach Bereicherung durch Prisen zu sein. Während unser Held Hornblower das Prisensystem ob seiner negativen Effekte auf die Motivation der Marineführung verachtete, nutzte sie Lord Cochrane genau in diesem Sinne fast schon ungeniert, um sich mehrfach ein Vermögen zu erbeuten. Das Erste im napoleonischen Krieg erkämpfte Vermögen verlor er im Kampf um seine Unschuld bzgl. des Finanzskandals. Das zweite, im Unabhängigkeitskrieg in Chile, Brasilien und Griechenland Erbeutete, verlor er langsam aber stetig aufgrund seiner letztendlich erfolglosen Versuche mit seiner Dampfmaschine - und aufgrund des verschwenderischen Lebensstiles zweier seiner Söhne...

Der Autor des Buches deutet an, dass in dieser etwas anrüchigen Versessenheit auf Prisen das Trauma des verlorenen Stammhauses seiner Jugend (unter seinem Vater) verborgen sein könnte. Offenbar hat er auch später versucht, den Besitz zurück zu kaufen - was allerdings erst späteren Generationen der Cochranes gelingen sollte. Es wird auch angedeutet, dass es zumindest so scheint, als habe er sich an erbeuteten Prisen über das erlaubte Maß hinaus bereichert, in dem Ladung und Wertgegenstände an seinem "Arbeitgeber" vorbei direkt nach England gesendet wurden. Auch waren beide südamerikanischen Regierungen - und später auch die griechische - mit seinen Abrechnungen nicht wirklich einverstanden. Es wäre spannend, wie sein Leben verlaufen wäre, hätte er nicht über die napoleonischen Kriege die "Legitimation" für Kaperfahrten erhalten. Oder wie seine Vorgehensweise vor der Geschichte betrachtet worden wäre, hätte sich Napoleon in Europa durchgesetzt...

Interessant finde ich auch den Gedanken, wie wohl in England darüber gedacht wurde, dass er ehemalige Seeheld sich als "Söldner" beim Kampf von Kolonien gegen ihr "Mutterland" verdingte - und wie sich das auf die eigenen Kolonien auswirken könnte. Cochrane wurde wohl auch in der englischen Öffentlichkeit für seinen Einsatz für die Freiheit gerühmt. Es traf ja auch meist "Gegner" der Briten... oder jedenfalls "andere"... Dennoch wüsste ich gern, ob es nicht auch kritische Stimmen gab, die in dieser militärischen Hilfe zur Unabhängigkeit auch den Untergang des eigenen Imperiums unterstützt sahen.

Cochranes größtes Manko - so lässt Cordingly das aussehen - war wohl seine Unfähigkeit zu Diplomatie und politischem Kalkül im Umgang mit Mächtigen und Wichtigen. Auch scheint er eigene Fehler nur ungern als solche betrachtet zu haben - und war wohl sehr schnell damit, andere für seine Probleme verantwortlich zu machen. Der Autor deutet an, dass so mancher seiner "Feinde" ihm tatsächlich niemals feindlich gesinnt war - auch wenn Cochrane das so sah.

Das Buch enthält einige Graphiken mit Karten, einen kleinen Riss der Brig Sloop Speedy, eine hübsche 3D-Schnittzeichnung der Fregatte Imperieuse, sowie mehrere Tafeln mit Gemälden und Stichen von Personen und Schlachten.

Auch wenn ich den Schreibstil anfangs als etwas - sagen wir - langweilig empfand, konnte ich das Buch bald nicht weglegen und bin trotz meiner beschränkten Zeit schnell damit durch gekommen.

++ Spannender und interessanter Lebenslauf - eine dolle Geschichte!
+ der Autor bleibt seinem Helden gegenüber durchaus kritisch und wohltuend neutral
+ Informationen weit über das Seemännische hinaus - ins politische und kulturelle Leben
+ günstig im Preis
- etwas trocken und sehr sachlich (was kein minus sein muss - spätestens ab den Abenteuer mit der Speedy legt man das Buch nicht mehr weg)
- in englischer Sprache                ( " )
- abgesehen von dem kleinen Riss der HMS Speedy wenig Informationen für den Modellbauer

Fazit: wer sich für mehr als die Schiffe und Seeabenteuer interessiert, wird hier fündig. In jedem Fall ist Lord Cochrane als Seeheld eine schillernde Persönlichkeit, die ähnlich - wenn auch etwas anders - wie Nelson Generationen inspirierte und begeisterte. 

PS:
Durch einen Beitrag an anderer Stelle möchte ich meine "Empfehlung" etwas relativieren:
Zitat
Das Buch hatte ich vor einiger Zeit in der Hand. ... Hat mich damals beim Durchblättern nicht so sehr begeistert und ich legte es wieder weg. War wohl ein Fehler...

Ich bin nicht sicher ob es ein Fehler war, es weg zu legen. Ich finde, ein Buch muss sich gut lesen lassen. Das ist aber eine gefühlsmäßige und höchst subjektive Entscheidung. Wenn man bei einem Schreibstil kein Gefallen findet, kann es schwer werden, das Buch zu beenden. Dann legt man es besser weg.

Ich hatte mir das Buch über das Internet bestellt - und war anfangs entäuscht und hätte es fast nicht weiter gelesen. Ich brauchte bis zu den Aktionen der Speedy, um von der Figur Lord Cochranes gefesselt zu werden. Es ist also weniger das Buch - oder sein Stil - als die Geschichte des Mannes selber, die fesseln.

Möglicherweise wäre eine andere Biographie Cochranes eine bessere Empfehlung - ich kenne ja nur eben keine andere von ihm. Aber es gibt da durchaus Alternativen - und nicht zuletzt sogar seine eigene - sogar im Gutenberg-Projekt online! Über meinen Link "Thomas Cochrane" ganz oben kommt man zu Wikipedia und dort unten zur Linkliste - und da zum Gutenberg Projekt-Text.
« Letzte Änderung: 05. Dezember 2008, 15:43:43 von Marcus.K. »

Thomas Trauner

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Re: Cochrane - the real master and commander, von David Cordingly
« Antwort #1 am: 05. Dezember 2008, 13:39:22 »
Vielen Dank für die packende und gut informiertende Buchbesprechung.
War auch neu für mich, ich kannte Cochranes´Namen bislang nur im Zusammenhang mit der Dampfmaschine...

Thomas

neffets71

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Re: Cochrane - the real master and commander, von David Cordingly
« Antwort #2 am: 05. Dezember 2008, 19:03:43 »
Hallo Mitstreiter,

hier noch ein link mit Angaben zum Gefecht und zur Fregatte Gamo.

http://www.napoleon-forum.de/lofiversion/index.php?t1816.html

Eine sehr interessante Buchvorstellung Markus :P :P :P.

Gruss
Steffen

modellbau.fan

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Re: Cochrane - the real master and commander, von David Cordingly
« Antwort #3 am: 05. Dezember 2008, 21:05:04 »
Hallo Marcus,

vielen Dank für diese Buchvorstellung. Deine Beschreibung des Buches liest sich selbst wie eine spannende Kurzgeschichte über den 10. Earl of Dundonald.  :klatsch: So sollte eine gute Buchrezension sein!

CU modellbau.fan  :winken:

hwe

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Re: Cochrane - the real master and commander, von David Cordingly
« Antwort #4 am: 08. Dezember 2008, 14:33:38 »
Hallo Markus,

vielen Dank für die tolle Zusammenfassung des Buches. - Cochrane muß ein wirklich interessanter Zeitgenosse gewesen sein!

Übrigens finden sich auch die finanziellen Eskapaden Cochranes in Aubreys Vita wieder. Auch Jack Aubrey macht auf anrüchige Weise Gewinn mit einer obskuren Aktien-Aktion an der Börse und wird dafür zuerst verurteilt, aber dann später wieder rehabilitiert. - Das ist auch notwendig, sonst hätte Patrick O'Brian seine Einnahmequelle verloren. ;) Aubreys "Börsenmanipulation" ist ebenfalls durch Dritte verursacht, allerdings wird Aubrey absichtlich hineingezogen.

Cochrane ist also wirklich ein ganz massives Vorbild für Jack Aubrey. :)

Also nochmal vielen Dank für deine Zusammenfassung! - Auch wenn ich jetzt das Gefühl habe, dass ich das Buch eigentlich nicht mehr lesen muss... ;)
Ich werde esmir wohl trotzdem zulegen.

Ciao,

HWE
:mariinee:

hwe

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Re: Cochrane - the real master and commander, von David Cordingly
« Antwort #5 am: 20. Januar 2009, 17:17:14 »
Hallo zusammen!

Ich habe mir das Buch inzwischen gekauft und lese fleissig darin (bin etwa zur Hälfte durch).

Mein Eindruck: Es ist eben kein Roman, sondern eher ein relativ "nüchternes" Sachbuch. Der Autor schreibt, was er an Informationen gefunden hat, was er gefunden hat, wo sich seine Informationen mit bereits existierenden Biogrphien von Cochrane decken, und wo er vollkommen anderer Meinung ist. - Nachdem er das alles auch mit Quellen belegt, halte ich das Buch alleine von daher für ausgezeichnet. Auch zeigt er beide Ansichten auf, wenn sich zum Beispiel Cochranes eigene Biographie (von ihm selbst geschrieben) mit anderen Quellen widersprechen. - So erhält man wirklich einen sehr guten und tiefen Einblick.

Lord Cochrane selbst war ein Mann, den ich sehr gerne persönlich kennengelernt hätte. - Nach modernen Maßstäben war er sehr engagiert und motiviert und auch sehr erfinderisch, um seine Ziele zu erreichen. - Er muß überdurchschnittlich intelligent gewesen sein, denn er machte mit seinen Aktionen immer wieder das "Unmögliche" möglich.

Gleichzeitig war er sehr sozial eingestellt, kämpfte gegen die Korruption im eigenen Land, in der Politik, wie auch in der Marine. - Für die damals "Mächtigen" war er geradezu ein Umstürzler und "Revolutionär", weil er an der bestehenden Gesellschaftsordnung rüttelte. - Damit machte er sich viele Feinde.

Als Privatmann muss sehr sehr ruhig, sogar fast schüchtern gewesen sein. Zu Besuch bei Freunden wurde geschildert, wie er mit Begeisterung mit den Kindern dort spielte und die Kinder ihm "Streiche" spielten. - Kinder bekommen so etwas instinktiv mit, bei wem sie solche Spielchen machen können und bei wem nicht. - Dieser Freund war auch ein politischer Freund und war bekannt dafür, dass sich alle möglichen "Stände", vom Earl bis hin zu einfachen Lehrern (vom Land) trafen und vollkommen frei und freundlich miteinander umgingen. - Damals eigentlich undenkbar!

Ein anderer wichtiger Punkt war auch, dass Cochrane seine Angriffe immer sehr exakt durchplante, sich ausgezeichnet mit allen seemännischen Belangen auskannte und diese auch zu seinem Vorteil zu nutzen wusste. - So wusste er ganz genau, was er von jedem einzelnen Seemann erwarten konnte und was nicht. Auch kommunizierte er sehr gut mit seinen Leuten, so daß jeder wirklich genau wusste, was er zu tun und zu lassen hatte. - Das Ergebnis war, dass die Aktionen von Cochrane stets mit einer außergewöhnlich niedrigen Anzahl von Verlusten und Verwundeten einher gingen. - Im Gegensatz zu seinen anderen Zeitgenossen.

Trotzdem war auch er nur ein Mensch und hatte seine Fehler. - Viele Ereignisse bezog er zu stark auf seine eigene Person und trat deswegen des öfteren Kämpfe gegen Windmühlen an. - Damit machte er sich leider viele Feinde, die er nicht hätte haben müssen.

Wie gesagt, unterm Strich habe ich beim lesen den Eindruck gewonnen, dass er ein Mensch war, den ich zu gerne in Person getroffen hätte. - Das kann sich vielleicht noch ändern, denn ich bin bisher bei der Hälfte. - Übrigens noch eine kleine persönliche Anekdote am Rande: Cochrane eroberte einmal eine kleine, hübsche Yacht, die ihm so gut gefiel, dass er sie sogar der Navy als Privatyacht abkaufte. Der Name dieser kleinen Yacht lautete: "Julie". - Meine kleine Jolle am Ammersee heisst zufällig ebenfalls "Julie"... - Vielleicht macht ihn mir dieser kleine Umstand besonders sympathisch.  :6:  :pffft:

Ich kann das Buch nur empfehlen. Cochrane hatte bereits damals sehr "moderne" Einstellungen, wie wir sie heute als "selbstverständlich" empfinden. - Damals galt er damit als "Revoluzzer". - Es empfiehlt sich, sich mal anzuschauen, wen man heute als "Revoluzzer" empfindet. - Es gibt da einen netten Spruch in dem Zusammenhang: "Ein Konservativer ist jemand, der einen Revoluzzer, der vor 400 Jahren für seine Sache gestorben ist, heute als Held feiert." (Zum Beispiel Wilhelm Tell)

Ciao,

HWE
:mariinee: