Autor Thema:  Period Ship Model Making - An illustrated Masterclass, Philip Reed, 2007  (Gelesen 3417 mal)

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hwe

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Titel: Period Ship Modelmaking - An illustrated Masterclass
Autor: Philip Reed
Verlag: Seaforth Publishing
Sprache: Englisch
Ausgabe: 2007
Seiten: 128
Fotos: Philip Reed
Preis: ca. 25 bis 35 Euro
     
Einband gelbes Leinen, Schutzumschlag

Zum Autor::
Philip Reed ist bekannt für seine "Winzlinge". auch in seinem 2000 erschienenen Buch "Modeling sailing Men-of-War" (Deutscher Titel: Historischer Schiffsmodellbau, Schritt für Schritt gezeigt, Besprechung: HIER) Im ersten Buch zeigt Reed sehr schön ausführlich, wie er eine Winzlingsausgabe des 74-Kanonen Schiffes "HMS Majestic", das 1785 gebaut wurde (die Konstruktion stammt von 1759 für die HMS Canada), im Maßstab 1/144 baut.
Die deutsche Ausgabe ist leider nur in komplett Schwarzweiss und als eine relativ "windige" Paperback-Ausgabe erhältlich. - Dafür aber recht günstig. - Wieso ich das schreibe? - Nun, ganz einfach. - Nach der Lektüre des ersten Buches hat man ein wenig das Gefühl: "Der Meister hat doch schon alles gezeigt, was soll denn noch kommen?" - Diese Frage möchte ich versuchen, im folgenden zu beantworten.


Zum Inhalt:

Dieses Mal ist das Modell noch winziger. - Es handelt sich nur um einen US-amerikanischen "Schoner", der allerdings ein "Privateer" ist, die "Prince de Neufchatel" im Maßstab 1/192 (!)

Noch vor dem Inhaltsverzeichnis gibt es eine kleine "Note" vom Autor, in der er darauf hinweist, dass diesmal alle Bilder in Farbe sind und das beim letzten Buch Bilder vom fertigen Modell nur am Ende zusammengefasst wurden. Diesmal sind Bilder vom fertigen Modell über das ganze Buch verstreut und um diese Aufnahmen besonders kenntlich zu machen, haben sie einen dünnen schwarzen Rahmen (eine Linie) um das jeweilige Bild. Bilder ohne diese Rahmen sind nicht vom FERTIGEN Modell.

Das Inhaltsverzeichnis weist folgende Kapitel auf:

- Authors' Note (Anmerkungen des Autors)
- Building the Privateer Prince de Neufchatel (Der Bau des Kaperschiffes)
- Introduction (Einleitung)
- The Masterclass (Die Meisterklasse)
- The Model Gallery (Die Modell-Galerie)
- Epilogue (Nachtrag)
- Materials and Tools (Materialien und Werkzeuge)
- Further Reading (Weitere Quellen)

Am längsten ist dabei das Kapitel "The Masterclass". - Es geht von Seite 10 bis Seite 114.

In der "Authors Note geht er darauf ein, warum er das zweite Buch geschrieben hat. Einerseits, weil das Modell nicht seinem sonst üblichen Modellbaumaßstab entsprach (er baut meistens in 1/192 und nicht in 1/144)  und zweitens, weil ein 74er so irre viel Arbeit ist, dass es "Anfänger" wohl eher abschreckt, als ein relativ kleines und einfaches Schiff. Und drittens hatte er gerade die Gelegenheit, gleich zwei Vorgehensweisen zu zeigen, da er zufällig zwei verschiedene Versionen der "Prince de Neufchatel"  bauen sollte. - Eine als normales Standmodell, mit vollständigem Rumpf und kupferbeplanktem Unterwasserschiff, ohne Segel und das zweite als Diorama unter fast Vollzeug in einer geschnitzten See
(wieder ein "Geisterschiff, ohne Crew). Außerdem wollte er mal ein paar seiner Modelle zeigen, die ebenfalls relativ einfach zu bauen sein sollten, da es sich in erstier Linie nur um Ein- oder Zweimaster handelt - unter anderem auch die allseits bekannte und beliebte Brigg Irene/Grashopper (hier als HMS Grashopper).

Reed weist auch darauf hin, dass man normalerweise beim Fotografieren dieser Modelle niemals Dinge ins Bild bringen sollte, die Aufschluss über die reale Größe geben, da der Betrachter dadurch auf die Ungenauigkeiten und kleine Fehler am Modell verstärkt aufmerksam gemacht wird. - Hier im Buch (so, wie auch schon im ersten Buch), hat err es trotzdem immer wieder getan, einfach um zu zeigen, wie die Teile hergestellt werden. - Das geht nun mal nicht, ohne Dinge zu zeigen, die nicht zum Schiff gehören. - Wie zum Beispiel Bohmaschinenfutter, Frasköpfe, Pinzetten, Finger (-nägel) und so weiter.

Am interessantesten für den Leser ist jedoch natürlich der Teil, der die Überschrift "Masterclass" trägt. - Schade, dass es hier kein Unterverzeichnis der Mini-Kapitel gibt, denn die könnte es wirklich geben. - Die Seiten haben zumindest "Zwischenüberschriften".
Also:
- The Hull (der Rumpf)
- Planking the Hull
- The Stern (das Heck)
- Coppering the bottom
- Detailing and planking the Bulwarks
- Workings Bases for the Hull
- The main Rail, Channels and Pin Rail
- The Bow and Figurehead
- Deck Fittings,
- Guns, Anchors and Port Lids
- Sweeps, Boarding Pikes and Fire Buckets
- Ringbolts and Ladders
- Boats
- The completed Hulls
- Carving a sea
- Making cradles
- Masts and Spars
- Masting and Rigging
- Making and rigging Sails

wäre schön, wenn man die hätte, zusammen mit den Seitenzahlen... - Das spart das suchen!

In Summe sind in dem Buch nicht ganz so viele Bilder, wie im letzten, "nur" ca. 200. Zu jedem Bild ein kurzer Text. - Im Prinzip derselbe Stil wie beim ersten Buch.

Leider, so zumindest mein persönliches Gefühl, ist irgendwie nicht viel neues zu sehen. - Irgendwie meint man, das alles schon mal gesehen zu haben. - Aber trotzdem, man darf es nicht unterschätzen,  sind die Modelle ja nochmal kleiner als dir "Majestic", so dass alles noch viel winziger ist. - Meine "Lieblingsfotos" sind bisher 184/185 (darauf ist zu sehen, wie er mit einem Winzlings-Bohrer ein Loch in das Ende einer Rah bohrt, damit diese dann die Brille für die Leesegelspiere aufnehmen kann) und 83 (Einbau von Ringbolzen in die Bordwand) und 101 (da kann man sehen, dass eine komplette Karronade, mit 4 Blöcken, Tauen und Brocktauen und aufgeschossenen Leinen auf dem Kopf einer Spax-Schraube Platz hat).

Die Ringbolzen sind so winzig, dass sie kaum größer sind, als Dreck unter einem Fingernagel, oder eben die Karronade auf einer Spaxschraube. - Da fällt einem beim hingucken kaum noch etwas dazu ein, außer: Einmal tief einatmen, oder gar niessen und alles ist Futsch!

Recht nett finde ich die Quellenangaben für Werkzeug und Holz, leider unr für USA und GB.

Den Abschluß macht eine relativ kurze Liste von Büchern.  (etwas über 10 Stück, oder so) Standardwerke, die man sowieso schon hat, oder haben sollte.

Fazit:
Ein schönes Buch, mit ansprechender Aufmachung und vielen sehr schönen Fotos. Alleine wegen der schönen Modellfotos könnte man sich überlegen, das Buch zu kaufen.

Allerdings hatte ich nicht wirklich das Gefühl, etwas vollkommen neues zu sehen. - Vielleicht hat er auch Details gezeigt, die so im ersten Buch nicht gezeigt wurden. - Allerdings habe ich nicht so das Gefühl.

Philip Reed beweist wieder einmal seine Fähigkeiten und lässt die Betrachter staunend zurück.

Es sind zwar andere Schiffe, aber deswegen kaum andere Techniken zu sehen. (Ausnahme: Beplankung des Unterwasserschiffs mit "Kupfer". - Reed verwendet hierfür übrigens gefärbte Papiertaschentücher dafür und erzielt ein erstaunlich realistisches Ergebnis.

Ich würde für dieses Buch drei von fünf Sternen verleihen.
Philip Reeds Kunst ist schön anzusehen, aber deswegen ist es nicht Pflicht, das Buch zu besitzen. - Und die Vorgehensweise kann man auch im ersten Band abgucken.
Derzeit auch nur komplett auf Englisch erhältlich.

Gesamtfazit: Schönes Buch, dass man aber nicht zwingend benötigt. Kaufempfehlung mit leichten Einschränkungen

Wer den ersten Reed bereits besitzt, braucht den zweiten nicht unbedingt. Es sei denn, man ist bekennender Reed-Fan. - Viele schöne und bunte Bilder.



PS: Wer Tippfehler findet, darf sie behalten!

McCool

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Danke für die Vorstellung! Welcher Band ist denn eher zu empfehlen, wenn man noch keinen hat? Eher der erste (obwohl die Bilder nur sw sind)?

hwe

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Danke für die Vorstellung! Welcher Band ist denn eher zu empfehlen, wenn man noch keinen hat? Eher der erste (obwohl die Bilder nur sw sind)?
Das ist schwer zu beantworten.

Der derzeit in Deutsch erhältliche erste Band ist billig zu haben, weil Paperback und nur schwarzweiss. Außerdem ist das gezeigte Modell in 1/144 und nicht in 1/192, wie die anderen.

Allerdings sind seine Methoden beim Bau nicht so arg unterschiedlich (eher identisch). Und er zeigt eigentlich schon fast alles, so dass man beim zweiten Band das Gefühl hat, es würde sich alles wiederholen. - Der erste Band hat 380 Bilder.

Im zweiten Band sind weniger Bilder (dafür größer und in Farbe). Außerdem zeigt er nicht nur ein Modell, sondern mehrere und auch noch ein einem kleineren Maßstab. Und er zeigt zum Beispiel, wie er eine "Kupferbeplankung" herstellt. - Weitere Unterschiede sind die Takelage (Mehr Gaffeln und weniger Rahen, aber auch Rahen)

Der zweite Band ist eindeutig der schönere.

Ich würde sagen, wer wenig Geld hat, soll sich den ersten kaufen. - Wer mehr Geld hat, soll sich ruhig den zweiten dazu kaufen. - Der ist zum "genießen".
Ich finde, beide ergänzen sich auch irgendwie. - Schwer zu erklären. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass es unterschiedliche Schiffstypen sind. Im zweiten Band sind es eben keine 74er, sondern das Kaperschiff "Prince de Neufchatel", die Lynx (Schoner, 1812), die America (Rennyacht, 1851), die Washington (Revenue Cutter- Brigg, 1837)  (alles amerikanische Schiffe) und die der Kriegskutter Surly (1806) und die Brigg Grashopper (1806) (beide Britisch).

Die Faszination für die Winzigkeit ist beim ersten Band schon groß, beim zweiten wächst sie noch mehr...

Ciao,

HWE
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Talisker

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Hallo zusammen,

ich habe die englische Originalausgabe von Modeling sailing Men-of-War, da sind auch ein paar sehr schöne Farbfotos drin.
Beim aktuell niedrigen Pfundkurs bin ich schwer am grübeln, ob ich mir das neue Buch nicht auch noch gönne, siehe Amazon UK.

Viel spannender finde ich aber das angekündigte neue Buch von Phillip Reed: Building a Miniature Navy Board Model  :pffft:

:winken:

Der Abt

  • Gast
Zitat
Ich finde, beide ergänzen sich auch irgendwie. - Schwer zu erklären.
Joop, ich finde HWE trifft es ziemlich genau. Wobei ich noch ergänzen möchte das vielleicht Anfänger im Modellbau etwas mehr vom zweiten Band haben und zwar weil es hier um ein eher Anfänger typisches Modell geht. Welcher vernünftige Anfänger im Modellbau -wenn es solche überhaupt gibt  :pffft: - wählt schon als erstes Modell ein 74 Kanonenschiff aus, dazu kommt noch das die von Reed beschriebene Methode für den Bau des Rumpfes sicher viele überfordern dürfte.

modellbau.fan

  • Gast
Hallo hwe,

vielen Dank für die Buchvorstellung. Ich bin immer wieder dankbar, dass man durch die Buchvorstellungen einen ersten Eindruck von der Publikation erhält und nicht die 'Katze im Sack' erwerben muss...

Als Besitzer des vorherigen Buches würde ich jetzt nicht zwingend dieses Buch asap erwerben.

@abt:
Zitat
Welcher vernünftige Anfänger im Modellbau -wenn es solche überhaupt gibt   - wählt schon als erstes Modell ein 74 Kanonenschiff aus,
Aus meiner Sicht ist das Buch nicht primär als Bastelanleitung für ein 74er gedacht. Es geht doch vielmehr um die verschiedenen Arbeitstechniken in dem Maßstab vorzustellen.

CU modellbau.fan  :winken:

hwe

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Hallo Modellbau.Fan,

ich würde ja gerne Bilder einstellen... aber leider (wie schon an anderer Stelle erwähnt) habe ich zur Zeit nicht den Platz zur Verfügung, den ich gerne hätte. - Ich will die Bilder auf meinem privaten Websapce haben, nicht irgendwo bei einem obskuren Provider, der sie dann einbehält, oder irgendwann dicht macht und ich muss dann alle Links ändern...

Ich baue mir da gerade etwas Neues auf, deswegen bitte ich noch um etwas Geduld! (Deswegen geht es auch mit meinen Bauberichten nicht voran, usw.)

Ciao,

HWE
:mariinee:

Der Abt

  • Gast
Zitat von: modellbau.fan link=topic=27054.msg365117#msg365117 date=1233565001
@abt:
[quote
Welcher vernünftige Anfänger im Modellbau -wenn es solche überhaupt gibt   - wählt schon als erstes Modell ein 74 Kanonenschiff aus,
Aus meiner Sicht ist das Buch nicht primär als Bastelanleitung für ein 74er gedacht. Es geht doch vielmehr um die verschiedenen Arbeitstechniken in dem Maßstab vorzustellen.

CU modellbau.fan  :winken:
[/quote]

Da hast Du recht aber das Buch vermittelt nebenher, eindringlich und ein ein wenig abschreckend wie ich finde, welch gewaltiger Arbeits- u. Zeitaufwand mit dem Bau eines solchen Objekts verbunden ist.  :2:
Das zweite Buch zeigt die gleichen Arbeitstechniken, vom Rumpf mal abgesehen, aber am Beispiel eines Anfänger tauglicheren Modells wie ich meine. Ein Schoner wie die Neufchatel ist halt weniger Komplex als ein 74er und damit sinkt vielleicht auch die Hemmschwelle für Anfänger mal ein Modell in diesen kleinen Maßstäben selber zu bauen. So erging es jedenfalls mir. :1:

Grüße :winken:

HWB

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Schaut mal hier
http://www.usni.org/store/item.asp?ITEM_ID=1768&DEPARTMENT_ID=95

Das dürfte interessant werden, zumal es diesmal um einen ganz anderen Typ von Modell geht.

 :winken:
Holger

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Re: Period Ship Model Making - An illustrated Masterclass, Philip Reed, 2007
« Antwort #10 am: 02. Februar 2009, 21:33:30 »
@hwb

guckst Du hier  http://www.modellboard.net/index.php?topic=27054.msg364828#msg364828
;) :D

Wenn ich bei der Lektüre feststelle, dass ich dann NavyBoard Modelle auch in 1/96 und kleiner hinbekomme (ich bin Grobmotoriker, 1/192 probiere ich erst gar nicht), dann spendiert mir meine bessere Hälfte das Buch :D
:winken:  Christian

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"Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

HWB

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Re: Period Ship Model Making - An illustrated Masterclass, Philip Reed, 2007
« Antwort #11 am: 03. Februar 2009, 08:46:13 »
Zitat
@hwb

guckst Du hier  http://www.modellboard.net/index.php?topic=27054.msg364828#msg364828
 

Hoppla, hatte ich doch glatt übersehen.
Aber das Buchcover ist so schön, das kann man sich auch zweimal anschauen  :D
Holger

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modellbau.fan

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Re: Period Ship Model Making - An illustrated Masterclass, Philip Reed, 2007
« Antwort #12 am: 04. Februar 2009, 11:14:19 »
@Abt:
Zitat
Ein Schoner wie die Neufchatel ist halt weniger Komplex als ein 74er und damit sinkt vielleicht auch die Hemmschwelle für Anfänger mal ein Modell in diesen kleinen Maßstäben selber zu bauen. So erging es jedenfalls mir.
Ah - jetzt habe ich es auch verstanden ... manchmal brauche ich ein bissl länger.  :D

@hwe:
Kein Problem ... 'Holzwürmer' sind geduldig.  ;)

CU modellbau.fan  :winken: