Autor Thema:  Blackburn Roc Mk.I, Special Hobby 1:48  (Gelesen 2120 mal)

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Quarter

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Blackburn Roc Mk.I, Special Hobby 1:48
« am: 15. November 2009, 15:26:08 »
Die Roc angesichts ihres Aussehens oder Herkunft als häßlich abzustempeln wird der Sache nicht gerecht.
Mit diesem Muster hat Special Hobby einmal mehr sein Gespühr für außergewöhnliche und interessante Flugzeugmuster bewiesen.

Die Roc ist nicht mehr als ein Kind ihrer Zeit!
Auf die Ausschreibung der englischen Marine für eine zweisitzigen Abfangjäger reagierte die Firma Blackburn zu Beginn der 30er Jahre
mit dem Entwurf der B-24 Skua.
Die Roc basierte auf diesem Flugzeugmuster und wurde durch hinzufügen des bei der Firma Boulton Paul entwickelten Drehturms zu einem eigenständigen Muster.
Durchaus schwer für ihre Zeit bewaffnet barg diese Abwehrbewaffnung den größten Fehler der gesammten Konstruktion.
Mit einer Geschwindigkeit von rund 360 Km/h und dem Angriffsprinzip neben den feindlichen Flugzeugen zu fliegen um sie dann zu bekämpfen war die Roc bei Beginn ihrer Indienststellung bereits technisch völlig überholt.
Lediglich 166 Exemplare der Roc wurde gebaut, recht schnell zu Zieldarstellungs und Schlepp und Schulflugzeugen degradiert und bereits im Sommer 43 ausgemustert.
Während die "Ausgangsbasis" der Roc, die Skua, noch zu einem gefechtsmäßigen Einsatz kam, die Versenkung des deutschen Kreutzers Königsberg im Hafen von Bergen, wurde die Blackburn Roc nur kurz in der ihr zugedachten Rolle eingesetzt.
Ironischer Weise gibt es keinen Beweis dafür das jemals eine Roc, wie vorgedacht, jemals von einem Flugzeugträger gestartet ist!

Wenden wir uns nun aber dem eigentlich wesentlichem, dem Bausatz zu.

Special Hobby hat hier einen Multimedia Kit im Program der neben den Kunststoffteilen auch einige Resinteile und eine Kleine Ätzteileplatine beiliegt.
Während sich mit den Kunststoffteilen alle wesentlichen Bereiche des Flug und Tragwerks darstellen lassen, beziehen sich die Resinteile im wesentlichen auf die Darstellung des Motors und der Basis des Drehturmes.
Die Ätzteile finden sich in Masse gesehen im Cockpit wieder und tragen wesentlich durch ihre Filigrantität zur positiven Darstellung der Bombenabwurfanlage unter den Flügeln bei.

Die Oberflächen der Kunststoffteile ist leicht "wässerig" und rau, weißt aber durchgehend saubere Gravuren und nur wenig Fischhäute im Bereich von Hinterschneidungen auf.
Die Angüsse sind Kleinserien Hersteller typisch stabil geraten, was sich aber bei der von SH verwendeten Kunststoffsorte als nicht sonderlich negativ auswirken dürfte.
Kleinserienhersteller typisch hingegen sind die doch recht dicken Tragflächenhinterkanten und Auswerferpunkte an der ein oder anderen Stelle.
Hier ist Handlungsbedarf seites des Modellbauers gefordert um maßstäbliche Tragflächenstärken hinzubekommen.

Die Resinteile sind durchweg sauber gegossen und gerade im Bereich der Zylinder mit einer lebhaften Detaillierung der Kühlrippen versehen.
Die Kühlrohre des Sternmotors sind ebenfalls aus Resin gegossen und enden später im Kühlmantel, hier einen sauberen Baustil vorausgesetzt dürfte dieser Motor klar zum späteren Highlight des gesammten Modells werde. Schade das er später im wesentlichen durch die Cowling verborgen sein wird.

Die Glasteile sind erstaunlich transparent geraten und sollten mit etwas Schutzlack versehen später ebenfalls für einen guten Einblick in das Cockpit und den Drehturm sorgen.

Der Decalbogen umfaßt insgesammt vier Versionen. Zwei sind davon aus englischen Diensten abgeleitet und in dem damaligen Standardtarnschema der Royal Navy gehalten, wozu eine mit Schwarz Weißer Unterseite versehene Maschine gehört die nach meiner Einschätzung die interessanteste ist.
Des weiteren gesellen sich eine ganz in Silber lackierte englische Maschine und eine an das englische Standartschema angelegte Finnische Maschine dazu.
Von Aviprint hergestellt bestechen diese Decals durch einen absolut sauberen und versatzfreien Druck. Der Trägerfilm ist minimalstens und die wenigen Schriftzüge der Wartungs und Warnhinweise sind gut lesbar. Bleibt abzuwarten wie sie sich verarbeiten lassen.

Alles in allem erhält der Modellbauer mit der Blackburn Roc eine durchaus zeitgemäße aber auch etwas arbeitsintensive Ausgangsbasis für ein interessantes Flugzeug.
Mainstream á la Hamygawa darf man jedoch nicht erwarten, aber wer tut das auch schon wenn er sich auf solch einen Kit einläßt!

Genug geschwafelt, jetzt gibt´s Bilder!


















« Letzte Änderung: 21. Februar 2010, 13:56:24 von Burkhardt »

KlausH

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Re: Blckburn Roc Mk.I, Special Hobby 1:48
« Antwort #1 am: 15. November 2009, 16:06:43 »
Interessanter Bausatz. Und ein wirklich sehr informatives Review, vielen Dank! :P

Schöne Grüße
Klaus

StiftRoyal

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Re: Blckburn Roc Mk.I, Special Hobby 1:48
« Antwort #2 am: 15. November 2009, 20:00:05 »
Ein typischer Spacial Hobby.

Von mir auch noch ein großes Dankeschön für deine sehr gute Review.

Update 30.12.2013 A6 Intruder + A6m5 Zero "Wonsan" + U-VIIC...

Pewi

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Re: Blckburn Roc Mk.I, Special Hobby 1:48
« Antwort #3 am: 15. November 2009, 20:42:01 »

Die Roc ist nicht mehr als ein Kind ihrer Zeit!

Durchaus schwer für ihre Zeit bewaffnet barg diese Abwehrbewaffnung den größten Fehler der gesammten Konstruktion.
Mit einer Geschwindigkeit von rund 360 Km/h und dem Angriffsprinzip neben den feindlichen Flugzeugen zu fliegen um sie dann zu bekämpfen war die Roc bei Beginn ihrer Indienststellung bereits technisch völlig überholt.
Lediglich 166 Exemplare der Roc wurde gebaut, recht schnell zu Zieldarstellungs und Schlepp und Schulflugzeugen degradiert und bereits im Sommer 43 ausgemustert.
Ironischer Weise gibt es keinen Beweis dafür das jemals eine Roc, wie vorgedacht, jemals von einem Flugzeugträger gestartet ist!

Hallo Quarter,
da irrst Du Dich. Bein ersten Einsatz der "Ark Royal" vor Norwegen Anfang April 1940 waren auch 3 Roc eingeschifft, die auch einige Male zum Luftschutz für die Flotte eingesetzt worden sind. Allerdings zeigte sich, daß ihre ohnehin nicht große Geschwindigkeit drastisch abnahm, wenn die Verkleidungen abgesenkt wurden, die den MG-Turm "stromlinienförmiger" machen sollten. Wurde dann noch der Turm geschwenkt, nahm das "Tempo" noch mehr ab. Damit konnte ziemlich jedes deutsche Flugzeug der Roc einfach davon fliegen.

Die Roc sollte ursprünglich zusammen mit der Skua eingesetzt werden, doch neben der unterschiedlichen Höchstgeschwindigkeit, verhinderte das die geringere Reichweite der Roc. Wegen des Turms, war der Tank kleiner.

Von Landbasen wurde die Roc ab Januar 1940 an der Ostküste und über den Orkneys eingesetzt. Sie sollen auch einige Abschüsse erzielt haben. Sie haben sogar während des Kampfs um Dünkirchen gemeinsam mit Skuas Angriffe mit Bomben geflogen. Letzteres war aber wohl eher eine Notlösung angesichts der verzweifelten Lage der britischen Truppen in Frankreich. Zur ihrer Unterstützung wurde so ziemlich alles eingestzt, was fliegen und Bomben werfen konnte. So haben auch Hawker Hector (Doppeldecker, Hart-Variante) mehrmals deutsche Stellungen vor Calais bombardiert.

Bei der Beurteilung des Konzepts der Roc (und der B. P. Defiant) sollte man bedenken, dass es

1) Zu einer Zeit entstand, als die meisten Jäger nurmit 2 MG bewaffnet waren.

2) Defiant und Roc als reine Bomber-Bekämpfer gedacht waren, die notfalls mit Jagdschutz durch "richtige" Jäger eingesetzt werden sollten. Dass die Defiants im Sommer 1940 mehrfach allein auf deutsche Jäger trafen und hohe Verluste erlitten, war meist Folge des Jägermangels bei der RAF oder dass man den Jagdschutz verpasst hatte.

Quelle: Matthew Willis: Blackburn Skua & Roc, Mushroom Publications 2007 und "Skua" von Peter C. Smith. Wobei das Mushroom-Buch wie gewohnt Skizzen und Fotos enthält.

Nebenbei: Von Special Hobby gibt es inzwischen auch eine Roc in 1:72.

Grüße,
PeWi