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Autor Thema: Schiffe Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160  (Gelesen 28920 mal)

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Duckdalb

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Schiffe Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160
« Antwort #120 am: 02. Dezember 2019, 15:42:22 »
Interessante Vorstellung! Ich kenne nur große Schneidekisten, die auch bis zu einigen Millimetern schneiden können. Merkwürdig finde ich, dass das Gerät Bitmapdateien als Vorlage wünscht - eigentlich ist das ja absurd, weil der anfangs klare Vektor-Laufweg für den Laserkopf dadurch verloren geht...

wefalck

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160
« Antwort #121 am: 02. Dezember 2019, 15:58:04 »
Die Antwort dürfte wohl sein, daß es als Graviergerät für Logos u.ä. für Dummies konzipiert ist. Solche Dateien legen eben eher als Pixeldateien, denn als Vektorgraphiken vor. Es ist einfacher Vektorgraphiken in Pixel umzuwandeln, denn Pixel zu vektorisieren. Das Steuerprogramm arbeitet wohl Zeile für Zeile die 1070 Pixel x 1070 Pixel-Matrix ab und schaltet die Laserdiode ein, wenn ein schwarzes Pixel gefunden wird. Entsprechend wird der Brennkopf verschoben.

Ich habe zwar in den frühen 1980er Jahren Plotter unter BASIC programmiert, aber seither ist die Technik fortgeschritten, ohne daß ich Anschluß daran gehalten hätte. Nachdem was ich diagonal im Internet gelesen habe, sollte es wohl möglich sein, einen solchen Lasercutter über eine Vekttorgraphic anzusteuern. Man muß herausfinden, was für eine Steuerplatine da eingebaut ist, dann findet man vielleicht auch einen passenden Treiber.

Im Augenblick konzentriere ich mich aber auf die Teileproduktion, damit ich mit diesem Projekt, an dem ich nun schon 13 Jahre (mit Unterbrechungen) sitze, einmal zu Ende komme ... :pffft:

Duckdalb

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160
« Antwort #122 am: 02. Dezember 2019, 23:42:37 »
Das Steuerprogramm arbeitet wohl Zeile für Zeile die 1070 Pixel x 1070 Pixel-Matrix ab und schaltet die Laserdiode ein, wenn ein schwarzes Pixel gefunden wird. Entsprechend wird der Brennkopf verschoben.
Na, dann mag es sinnvoll sein. Ich hatte immer noch eine Art G-Code im Kopf, dann wären Bitmaps natürlich kontraproduktiv.

Da ich im Medienbereich immer mit vektorisierten Logos arbeiten konnte (sie mussten eben GROSS und klein immer exakt scharf sein, z.B. für Messe, Außenwerbung und Stempel), ist mir das nicht bewusst gewesen. Jpg-Logos waren verpönt und durften nur im Notfall verwendet werden, wenn die Zeit und das Geld für ein Tracing nicht da waren (falls der Kunde kein sauberes EPS geliefert hatte...).
« Letzte Änderung: 02. Dezember 2019, 23:49:08 von Duckdalb »

wefalck

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160
« Antwort #123 am: 15. Januar 2020, 23:18:48 »
Steuerräder

Die Boote der WESPE-Klasse hatten zwei Steuerstände, den auf der Brücke und den Notsteuerstand im Heck. Beide waren ursprünglich mit doppelten Steuerrädern ausgerüstet, die über eine Trommel und Seile auf den Ruderquadranten wirkten. Es gibt ein schönes Photo des Notsteuerstandes, aus dem sich die Form und Details der Steuerräder ableiten lassen.


Der Notsteuerstand im Heck

Auf der Suche nach einem geigneten Material für die Steuerräder habe ich mich schließlich für 120 g/m2 Canson-Papier entschieden. Dieses Papier ist 0,15 mm dick, hat eine glatte Oberfläche auf beiden Seiten und läßt sich sehr gut laserschneiden, da es nicht mir inorganischen Materialien, wie Baryt, beschwert ist.
In verschiedenen Versuchen wurde eine geeignete Kombination der Parameter Kontrast, Leistung des Lasers und Schnittiefe ermittelt. Eigentlich sollte bei einem reinen S/W-Bild ohne Zwischentöne der Kontrast 100% sein, aber die Schneidesoftware verändert durch Einstellung des Kontrastes etwas die Schnittbreite. Deswegen hängt die Größe der fertigen Teile merkwürdigerweise von der Kontrasteinstellung ab.
Das Laserschneiden erfolgt ja berührungslos und die ausgeschnittenen Teile bewegen sich nicht. Daher kann man sie zu 100% ausschneiden und braucht keine Stege stehen zu lassen, wie z.B. beim Ätzen.
Die Schneidvorlage muß alle diese Faktoren berücksichtigen, die z.T. nur experimentell bestimmt werden können. Deswegen muß man sich u.U. iterativ and die endgültige Form und Größe herantasten.


Die lasergeschnittenen Einzelteile der vier Steuerräder

Die Steuerräder wurden aus mehreren Schichten aufgebaut, um die Schreinerarbeit zu simulieren und die nötige Plastizität zu erzeugen. Zwei Teile als Kern werden durch zwei äußere Schichten verdickt, die etwas kleiner konstruiert worden waren, um die Profilierung des Radkranzes zu simulieren. Darauf kommt wieder eine Schicht für den Radkranz und die Nabe. Die einzelnen Lagen wurden mit Zaponlack verklebt, der gleichzeitig den Karton imprägniert und versteift. Im Gegensatz zu anderen Klebstoffen trägt er auch nicht auf und die Teile lassen sich gut ausrichten, bis der Lack getrocknet ist.


Die Steuerräder im Rohbau (das Raster der Schneidmatte beträgt 5 mm)

Die Handgriffe und Speichen wurden dann noch mit verdünntem Weißleim ‘verrundet’, der in mehreren Schichten aufgetragen wurde.
Die Steuerräder des Vorbildes wurden durch je zwei aufgeschraubte Messingkränze verstärkt. Eigentlich wollte ich diese Kränze, die das Rad zusammenhalten aus dünner Messingfolie herstellen, eingedenk der Tatsache, daß eben nur Metall wirklich wie Metall aussieht. Es ist mir aber nicht gelungen, entsprechend schmale Ringe aus 0,05 mm dicker Ms-Folie zu schneiden. Ich habe deswegen diese Ringe ebenfalls aus Karton mit dem Laser ausgeschnitten. Nach der Bemalung wird eine Goldfolie aufgebracht werden.
Die benötigten Ringe sollten eigentlich auf der Drehbank hergestellt werden. Dazu wurden ein Dutzend (für acht Räder und ein paar in Reserve) Blättchen mit Zaponlack zu einem Paket verklebt. Auf beiden Seiten wurde noch je ein Blättchen aus 0,5 mm Hartpapier als Verstärkung aufgeklebt. Durch dieses Paket wurde ein Loch mit 2 mm Durchmesser gebohrt und das Paket auf eine Aufnahmedorn gespannt. Auf der Drehbank wurde sodann auf den benötigten Außendurchmesser abgedreht. Da ja nur etwa 1,5 mm dicke Packet wurde zur weiteren Bearbeitung in eine Stufenspannzange gespannt und versucht, mit einem sehr scharfen Ausbohrstahl der erforderliche Innendurchmesser herzustellen was aber mißlang.

Der nächste Schritt ist dann die Herstellung der Steuerstände.

Fortsetzung folgt ... hoffentlich bald ...

Sachse 3

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160
« Antwort #124 am: 19. Januar 2020, 14:20:41 »
Hallo,
mir fehlen die Wörter, einfach nur mit großen Augen staun.  8o
Gruß Michel
Ich betrachte auch einen siegreichen Krieg an sich immer als Übel, welches die Staatskunst den Völkern zu ersparen bemüht sein muß. (Otto von Bismarck)

Im Bau: Langzeitprojekt Hafenstadt 1:250, Dampfer "Schwan" 1:250, Kirche Wang 1:150, Dampfer "Kronprinz" 1:250
I.WK-GB: Heizölfahrzeug Baltrum 1:250
Vorläufig stillgelegte Projekte:"SMS Markgraf", "Suworow"

wefalck

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160
« Antwort #125 am: 28. Januar 2020, 23:16:46 »
Steuerräder dritte Auflage

Ein Kollege meinte, daß man doch die Messingreifen gut drehen könne. Also habe ich die Herausforderung angenommen und ein Stück Rundmessing innen auf 6,8 mm ausgebohrt und außen auf 7,2 mm abgedreht. Von diesem Rohr mit einer Wandstärke von 0,3 mm wurden dann 0,1 mm dicke Ringe abgestochen. Nach ein paar Vorversuchen klappte das dann rasch und unkompliziert. Diese Ringe wurden dann auf 600er Schleifpapier geschliffen, um den leichten Drehgrat zu entfernen. Auf einem Arkansastein und schließlich einem Blatt Papier mit Polierpaste feingeschliffen und poliert.


Die neuen Steuerräder, darüber die gedrehten Messingringe

Da ich die Ringe aus Papier nur mit Mühe von den Rädern hätte entfernen könnnen, nahm ich die Gelegenheit zu einer dritten Auflage war, bei der ich eine mittlere Schicht weggelassen habe, da die zweite Auflag der Räder eigentlich zu dick geworden waren. Mit den bereits erprobten Schneidparametern und einer gewissen Übung im Zusammensetzen war das recht rasch erledigt. Die Messingringe wurden ebenfalls mit Zaponlack aufgeklebt.


Steuerräder direkt aus dem Laserschneider (Ich verwende ein Stück Dachschiefer als Schneidunterlage)

Die Wellen samt Spindeln für das Steuerseil wurden aus Messing gedreht.


Steuerräder zusammegesteckt, daneben die Einzelteile

Die Räder werden dann im Ganzen lackiert und die Farbe von den Messingringen wieder heruntergeschliffen. Das wird eine vorbildgerechte Anmutung ergeben, da diese Verstärkungsringe in das Holz eingelassen waren.

Fortsetzung folgt ... hoffentlich bald ...

wefalck

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160
« Antwort #126 am: 04. Februar 2020, 21:50:51 »
Steuerstände

Die Steuerstände bestehen aus je zwei Ständern in denen die Räder gelagert sind. Diese sind irgendwie auf dem Deck verbolzt, wobei aus den Zeichnungen und Photographien nicht ersichtlich ist, wie das gemacht wurde. Auf dem Modell wird es aber ohnehin kaum zu sehen sein, da der untere Teil der Ständer unter den Grätingsplatformen verborgen ist.

Die Grätings wurden eigentlich schon vor langer Zeit als Ätzteile hergestellt. Mir haben aber die prozeßbedingten ausgerundeten Ecken nicht so recht gefallen. Ich habe daher die Grätings ebenfalls mit dem Laser aus Canson-Papier geschnitten. Durch entsprechende Einstellung der Schneidparameter ließen sich recht scharfe Ecken erzielen. Die Felder messen 0,3 mm im Quadrat und die Dicke der Grätings beträgt 0,3 mm, was knapp 5 cm beim Original entsprecht. Die Grätings vorbildgerecht z.B. aus Holz oder aus Hartpapier zu schneiden wäre praktisch unmöglich.


Steuerstand-Grätings: JPG-Bild als Vorlage für den Laserschneider

Die Grätings bestehen dabei aus zwei Lagen von je 0,15 mm dickem Papier. In Anlehnung an die Bauweise der Grätings hat die untere Lage nur transverale Stäbe. Die beiden Lagen wurden mit Zapon-Lack verklebt. Ebenfalls mit Zapon-Lack wurden die vier Unterzüge aufgeklebt, die aus drei Lagen Papier bestehen.

Die Grätings stehen auf vier kurzen Säulchen, die aus Ms-Draht gedreht und dann auf der Mikro-Fräse für die Unterzüge geschlitzt wurden.

Die Säulen wurden nach der Photographie und den Lithographien entworfen. Die Front scheint kanneliert gewesen zu sein. Auf der vorderen Säule des Steuerstandes der Brücke befindet sich ein Stab dessen Funktion unklar ist. Möglicherweise hat er mit einem Ruderlagezeiger zu tun oder er hält die Zugleine für die Dampfpfeife. Die einzige bekannte Photographie ohne den späteren gepanzerten Kommandoturm ist zu unklar, um Schlüsse daraus ziehen zu können.


Steuerrad-Ständer: JPG-Bild als Vorlage für den Laserschneider

Die Ständer wurden ebenfalls aus mehreren Lagen Canson-Papier aufgebaut, auch um die Kannelierung zu imitieren. Der Ständer erscheint ziemlich dünn, ist aber so in der Lithographie gezeichnet.

Die Ruderwelle wird in Lagern gehalten die mit Messing- oder Bronzeteilen verkleidet waren. Ein Stück Rundmessing von 2 mm Durchmesser wurde zunächst für die runden Köpfe der Ständer ausgedreht und dann eine dünne Scheibe abgestochen. Zur weiteren Bearbeitung wurden diese hohlen Scheiben in eine spezielle Einsatzspannzange aufgenommen.


Bearbeitung der Wellenlagerabdeckungen in einer Einsatzspannzange

Die Spannzangen besitzen flache Ausdrehungen und sind eigentlich für be Bearbeitung von Uhrsteinen oder kurzen Lagerbuchsen gedacht. Das Profil an der Vorderseite wurde eingedreht und dann die kugelige Abdeckung für das Wellenende mit einem Abrundfräser geformt.


Ausformen der Abdeckung des Wellenendes mit einem Abrundfräser

Da die Lagerabdeckungen am unteren Rand abgeschnitten sind, wurden sie auf der Främaschine entsprechend befräst.


Befräsen des Wellenlagers

Alle Teile wurden wiederum mit Zapon-Lack verklebt


Die Einzelteile der Steuerstände


Brücken-Steuerstand provisorisch zusammengesetzt (im Hintergrund eine 1 €-Cent-Münze)

Fortsetzung folgt ...

bughunter

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160
« Antwort #127 am: 08. Februar 2020, 00:32:07 »
Immer wieder faszinierend, Fortschritte an diesem Kleinod zu sehen!
Und der Lasergravierer trägt, wie immer bei Deinen Werkzeugen, zur weiteren Perfektionierung der Kleinstteile bei :P

Viele Grüße,
Bughunter

Wikipedia sagt: "Ein Modell ist ein vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit."
Deshalb baue ich lieber verkleinerte Originale.

Bohemund

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160
« Antwort #128 am: 08. Februar 2020, 10:41:25 »
Das hier ist ein Niveau von Modellbau, zu dem ich wirklich nichts konstruktiv beitragen kann. Aber ich schaue es mir mit großer Begeisterung an. Wirklich beeindruckend!

wefalck

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160
« Antwort #129 am: 09. Februar 2020, 20:30:42 »
Danke für die freundlichen Worte  :D

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Wasserpforten

Ursprünglich hätten Pfortendeckel und die Rahmen auf der Innenseite des Schanzkleides oberflächengeätzte Teile werden sollen. Die Zeichnungen waren eigentlich schon fertig. Ich bin nur nicht dazu gekommen sie auch zu ätzen. Nachdem ich nun den Laserschneider habe, habe ich sie aus Druckerpapier (80 g/m2 = 0,1 mm Dicke) geschnitten. Da die Rahmen nur 0,5 mm breit sind wären die Niete möglicherweise sowieso nicht sehr gut herausgekommen. Dito die Niete auf den Schanieren. Jedenfalls nicht mit meiner Heimätztechnik. Beim Oberflächenätzen von 0,1 mm Neusilberblech wäre die Dicke allerdings auf vorbilgerechtere 0,05 mm reduziert worden.

Die Wasserpforten haben keine Vorreiber zum Verschließen und auch keine Stange o.ä. quer darüber, um zu verhindern das Dinge oder Personen über Bord gehen. Das vereinfacht ihren Bau.

Da Papier, auch gestrichenes, immer eine etwas rauhe Oberfläche hat, jedenfalls im Vergleich zum Hartpapier, wurde ein Stück des Papieres in Schnellschleifgrundierung getränkt und auf einer Glasplatte getrocknet, die mit Frischhaltefolie bespannt war. Durch letztere läßt sich das Papier ohne zu rollen ablösen. Anschließend wurde die Oberfläche mit feinster Stahlwolle geglättet. Aus diesem so vorbereiteten Papier wurden die Pfortendeckel geschnitten. Es brauchte mehrere Versuche mit unterschiedlichen Schneidparametern, bis maßhaltige Teile herauskamen. Das ist ein Nachteil dieser einfachen Lasercutter und deren Software. Da das Material aber praktisch nichts kostet ist das nur lästig, bedeutet aber sonst keinen Verlust. Auch das Ätzen produziert mitunter Ausschauß, was teuer ist und Zeitverlust bedeutet, wenn man es nach außen vergibt.


Lasergeschnittene Wasserpfortendeckel

Leider funktioniert das mit dem so präparierten Papier nur bis zu einer gewissen Kleinheit der Teile. Bei sehr kleinen Teilen und auch den Rahmen war es besser, unpräpariertes Papier zu verwenden. Das Laserschneiden funktioniert auch besser bei dunklen Materialien, durch die geringere Albedo (Reflektionsvermögen), nimmt das Papier mehr von der Energie auf.. Leider sind die farbigen Papiere, die ich bisher gefunden habe, relativ rauh.

Bei den Wasserpforten habe ich etwas gemogelt. Ich habe befürchtet, daß ich die Auschnitte nicht so sauber hinbekommen würde. Auch würde das aus Stabilitätsgründen verwendete Hartpapier einer Schanzkleiddicke von 64 mm entsprechen, was mindesten um einen Faktor 8 zu dick ist. Deswegen wurden die Rahmen nur innen und die Deckel außen aufgesetzt. Ich hoffe, daß das nicht mehr zu sehr auffällt, wenn dan die Schanzkleidstützen eingebaut sind.

Rahmen und Deckel wurden mit Zaponlack aufgeklebt. Zuvor waren noch kleine lasergeschnittene Rechtecke von 0,3 mm x 0,5 mm als Scharnierimitation auf die Deckel geklebt.


Installation der Wasserpfortenrahmen  und -deckel 

Fortsetzung folgt ...

wefalck

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160
« Antwort #130 am: 20. Februar 2020, 21:25:00 »
Türen in Back und Deckshaus

Die Back und das Deckshaus waren durch diverse Türen zugänglich. Diese wurden aus 0.1 mm dickem Hartpapier mit dem Laserschneider ausgeschnitten. Die Scharniere bestehen aus lasergeschnittenen kleinen Papierteilen. In beiden Fällen waren verschiedene Versuche notwendig, um die richtige Endgröße durch variierne der Schnittparameter aber auch der Zeichnung zu bestimmen. Die Einzelteile wurden mit Zaponlack zusammengeklebt und dann die Türen ebenfalls mit Zaponlack an die enstprechenden Stellen geklebt.


Lasergeschnittene Türen aus Hartpapier vor dem Versäubern 

Auf Photos ist zu sehen, daß es unter jeder Tür eine Art Schwelle gab. Diese wurden ebenfalls mit lasergeschnittenen Papierstreifen dargestellt.


Blick auf Deckshaus und die Rückseite der Back mit den installierten Türen

Nach dem Aufkleben der der Türen wurden die Bohrungen für die Bullaugen eingebracht, wobei die durch den Laser geschnitte Öffnung in den Türen die Lage vorgab. Wenn dann das Schiff lackiert ist, wird die Verglasung zur eingesteckte Abschnitte von 1 mm Plexiglas-Rundstab dargestellt werden. Auf der Drehbank werden diese sorgfältig plangedreht und dann poliert werden.
Die Türknöpfe werden zu einem späteren Zeitpunkt aus Messing gedreht und dann eingesetzt werden.

P.S. Entschuldigung für die letzthin etwas schlechte Qualität der Photos, aber ich war zu faul die Spiegelreflex herauszuholen und habe sie mit dem Telephon gemacht.

Fortsetzung folgt ...

wefalck

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160
« Antwort #131 am: 08. März 2020, 22:01:51 »
Unterlafette des 30,5 cm-Geschützes

Die Unterlafette des Geschützes war eine recht komplexe Konstruktion aus gewalzten Winkelprofilen und dicken Blechplatten. Leider haben sich von ihr nur Übersichtszeichnungen in GALSTER (1885) und die untenstehende kolorierte Zeichnung aus der Admiralität erhalten. Viele Bauelemente sind z.Z. mit gerissenen Linien übereinander gezeichnet, so daß die Interpretation der Zeichnungen recht schwierig ist. Als Interpretationshilfen stehen eine zeitgenössische Photographie, das Demonstrationsmodell im Marinemuseum in Kopenhagen sowie die erhaltenen Geschütze in der Festung Suomenlinna vor Helsinki zur Verfügung. Das Modell in Kopenhagen eines Geschützes für das dänische Panzerschiff HELGOLAND weicht allerding in einigen Details von der Lafette von SMS WESPE ab. Die Lafetten in Suomenlinna sind zwar russische Kopien von Krupp-Festungslafetten, aber man kann an ihnen gewisse Konstruktionsdetails verifizieren, die aus den Zeichnungen nicht klar ersichtlich sind.


Übersichtszeichnung der Lafette des 30,5 cm-Geschützes (aus http://www.dreadnoughtproject.org/)

Ursprünglich hatte ich geplant, die Unterlafetten, wie die Oberlafette, aus oberflächengeätzten Teilen zusammenzusetzen. Dafür hatte ich schon vor einigier Zeit die nötigen Detailzeichnungen erstellt. Mit dem Oberflächenätzen lassen sich sehr schön die Vernietungen darstellen. Inzwischen habe ich aber ja den Laserschneider angeschafft, so daß lasergeschnittene Teile eine Alternative darstellten. Ich hatte gehofft, die Teile aus Hartpapier schneiden zu können. Diverse Versuche mit unterschiedlichen Schneidparametern waren aber nur mäßig erfolgreich, da der 5W-Laser zu schwach ist, um das Material schnell genug zu verbrennen. Es bilden sich Ränder von angeschmolzenem und verkohltem Harz. Ich habe daher wieder auf Canson-Papier zurückgegriffen, das allerdings mit 0,15 mm Dicke eigentlich maßstäblich etwas zu dick ist.


Grundplatte und Laufbohlen aus lasergeschnittenem Canson-Papier

Die vorhandenen Zeichnungen mußten für das Laserschneiden umgearbeitet werden, da sie explizit auf das beidseitige Äzten ausgerichtet waren. Es hat sich dann beim Zusammenbau auch gezeigt, daß mir in den Zeichnungen diverse Fehler bzw. Fehlinterpretationen unterlaufen waren. Beim Ätzen, wenn nach außen vergeben, wäre das teuer geworden, da ich die Platine samt Masken hätte neu machen lassen müssen. Beim Laserschneiden von Papier ließen sich Fehler leicht und rasch korrigieren – und das Material kostet praktisch nichts.


Das Grundgerüst der Unterlafette von hinten

Die ausgeschnittenen Teile wurden mit Clou-Schnellschleifgrund getränkt und anschließend mit feiner Stahlwolle leicht abgezogen. Zum Doppeln und zusammensetzen wurde wieder Zaponlack verwendet. Dieser trocknet so schnell, daß man auf Klemmen oä. Weitgehend verzichten kann.


Das Grundgerüst von vorn

Von den einzelnen Schritten des Zusammenbaus habe ich keine Photos gemacht, da das die Arbeit zu sehr behindert hätte. Zunächst wurden alle Teile die gedoppelt werden sollten mit Zaponlack verklebt und z.T. beschwert, damit sie beim Trocknen flach bleiben. Die Wangen der Lafette haben Paßschlitze eingeschnitten, so daß die Querriegel exact positioniert werden konnten. Der zusammengefügte Rahmen wurde dann auf die Grundplatte geklebt (in Wirklichkeit war das keine Platte, sondern ein aus L-Profilen zusammengesetzter Rahmen mit Füllungen aus Blechplatten). Darauf wurden die Laufbohlen geklebt, die ebenfalls als ein Teil geschnitten worden waren. Unter die Grundplatte wurde in dieser Phase noch das Gehäuse geklebt, das später das (stark vereinfachte, weil am fertigen Modell kaum sichtbare) Richtgetriebe aufnehmen wird.


Das Grundgerüst von unten mit dem Gehäuse für das Richtgetriebe

Man kann auf den laser-geschnitttenen Teilen Markierungen für die Vernietung erkennen. Die Nieten werden durch kleine Tröpfchen von Weißleim dargestellt werden. In den nächsten Schritten werden dann weitere Details ergänzt werden.




Das Grundgerüst der Unterlafette mir Oberlafette und Rohr provisorisch aufgesetzt

Fortsetzung folgt ...
« Letzte Änderung: 08. März 2020, 22:17:03 von wefalck »

maxim

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160
« Antwort #132 am: 09. März 2020, 08:24:16 »
Tolle Arbeit!

Für was war die "Schiene" (?) innen in der Lafette?
Im Bau: Polarforschungsschiff HMS Erebus (Eigenbau)


wefalck

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160
« Antwort #133 am: 09. März 2020, 09:13:19 »
Danke !

Zur Frage: diese 'Rinne' liegt direkt unter der hydraulischen Rücklaufbremse (die voraussichtlich Gegenstand des nächsten Beitrages sein wird). Da aber der Mechanismus an zwei Punkten aufgehängt ist, hat die Rinne keine offensichtliche mechanische Funktion. Vielleicht dient sie dazu, eventuell leckende Hydraulikflüssigkeit (Glyzerin) aufzufangen.

maxim

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Re: Panzerkanonenboot S.M.S. WESPE (1876) in 1:160
« Antwort #134 am: 09. März 2020, 09:23:06 »
Vielen Dank für die Erklärung. Bei den Lafetten auf/in Suomenlinna waren die nicht mehr vorhanden. Wenn es dünneres Material ist, kann es natürlich weggerostet sein - oder es wurde als nicht notwendig erachtet.
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